Ja, die Lehrer sollen mehr arbeiten

(ANDREAS UNTERBERGER) Michael Häupls Biertisch-Sager über seine 22-Stunden-Woche und die darauffolgende Diskussion über seinen Milch-Konsum (ich wusste eigentlich gar nicht, dass er einen solchen hat) haben eine sachliche Diskussion über die Lehrerarbeitszeit unmöglich gemacht. Das hat freilich auch schon zuvor die Bundesregierung bewirkt, die das Thema ohne jede Strategie aus einer alten Lade gezogen hat, und es seither mit der koalitionstypischen Widersprüchlichkeit und Unentschlossenheit zerredet.

Denn einerseits teilt uns die Regierung erstaunt über die Reaktionen mit: „Das ist ja ein uraltes Vorhaben, da kann man doch nicht überrascht sein darüber.“ Andererseits wird völlig konträr so argumentiert: „Wir wissen doch noch gar nicht, ob wir es überhaupt wollen. Warum wird dann darüber diskutiert?“

Einen nüchtern-distanzierten Standpunkt zur Frage der Lehrerarbeitszeit zu finden, ist aber auch jenseits des Herumeierns der Regierung schwierig. Denn es spielen viele sehr konträre Argumente hinein. Umso mehr sollte man aber eigentlich um einen Durchblick ringen.

Eine seriöse Diskussion heißt vor allem einmal: Man sollte sich von Einzelbeispielen lösen. Denn jeder kennt einen Lehrer, der toll engagiert ist. Jeder kennt aber auch Lehrer, die ihren Beruf prinzipiell nur als Halbtagsjob auffassen. So wie es halt Politiker gibt, die jede Woche 100 Stunden im Einsatz sind, aber auch Bürgermeister, die das schöne Leben genießen, sich mitten in der Woche regelmäßig freie Tage nehmen und auch am Wochenende nirgendwo im Einsatz sind.

Die wichtigsten Eckpunkte und Argumente zum Komplexbereich Lehrerarbeitszeit lassen sich jedoch ziemlich klar festmachen:

Es ist ein absoluter Wahnsinn, dass diese Diskussion regelmäßig einzig aus budgetären Nöten ausbricht, während nie die Schüler und die Bildungsnotwendigkeiten im Zentrum stehen.
Es ist aber auch ein absoluter Wahnsinn, wenn die Lehrergewerkschaft in ihrer Reaktion vor allem darauf verweist, wie viele Lehrerarbeitsplätze durch eine zweistündige Verlängerung der Lehrverpflichtung verloren gingen. Als ob das der wichtigste Aspekt wäre. Man baut ja (hoffentlich) auch keine chinesische Mauer quer durch Österreich, nur weil dadurch viele Jobs der Bauindustrie gesichert werden.
Es ist zweifelhaft und jedenfalls nie wirklich objektiv messbar, ob die Vorbereitung der Lehrer auf den Unterricht wirklich so viele Stunden in Anspruch nimmt wie behauptet. Ebenso zweifelhaft sind die dafür bei diversen Arbeitszeitstudien gemessenen (langen) Gesamtarbeitszeiten der Lehrer. Denn die beruhen letztlich ja immer zum Gutteil auf Selbstauskünften von Lehrern.
Es ist absolut absurd, Schulstunden eines Lehrers mit den gleichen Maßstäben im Hinterkopf zu messen wie die Arbeit in Büros oder Fabrikshallen. Wer jemals zwei Stunden vor einer Schulklasse vorgetragen hat, weiß, dass man danach mehr ausgelaugt ist als nach zehn Stunden in einer Redaktion.
Der Lehrerberuf ist in den letzten Jahren überdies auch noch anstrengender geworden, weil einerseits Konzentrations- und Disziplinprobleme auf Grund diverser Entwicklungen (wie etwa die Ersetzung des Lesens durch Internet und TV) bei den Schülern massiv zunehmen. Auch das immer öfter notwendige Unterrichten von Klassen voller Kinder mit fremder Muttersprache und ohne gemeinsame kulturelle Basis hat den Beruf extrem schwierig gemacht.
Eine illusionäre und populistische Bildungspolitik hat den Lehrern fast alle Mittel geraubt, um Kinder zu disziplinieren.
Es gibt trotz des vielen Politikergeredes noch immer keine Vorbereitungsklassen für fremdsprachige Kinder, damit sie die Unterrichtssprache und staatsbürgerliche, kulturelle sowie zivilisatorische Grundprinzipien beherrschen.
In einigen Bereichen – aber eben nur in einigen – ist das Unterrichten freilich auch wieder leichter geworden. In den AHS-Oberstufen werden die Kinder in den Wahlpflichtfächern auf viele Lehrer aufgeteilt, sodass jeder nur sehr kleine Gruppen unterrichten muss. Und in den Gesamtschulen stehen sechs Stunden pro Woche gleich zwei Lehrer in den Klassen, obwohl das gar keinen meßbaren Nutzen bringt.
Die massive Verweiblichung des Lehrberufs ist ein ganz massives Indiz, dass dieser Beruf tatsächlich vielfach als Halbzeitjob aufgefasst wird, der sich sehr gut mit familiären Aufgaben kombinieren lässt (der ob der Erwähnung solcher Fakten unreflektiert kommende Aufschrei der professionellen Feminismus-Lobby gilt als verlesen und kann nichts an den Tatsachen ändern).
Die Arbeitszeit der Lehrer ist in den letzten Jahrzehnten ständig reduziert worden – aber nicht die Wochenarbeitszeit, sondern die Unterrichtstage im Laufe eines Jahres. Durch Energieferien, durch Fortbildungsveranstaltungen, aber auch durch die immer beliebter werdenden (angeblichen) Sprachreisen. Diese Reisen während der Schuljahres sind ein glatter Diebstahl an den Kindern und deren (Aus-)Bildung, für die Lehrer jedoch meist ein bezahlter Auslandsurlaub. Die daran teilnehmenden Oberstufenschüler haben dabei zwar viel Spaß, machen aber meist nur wenig sprachliche Fortschritte. Besonders absurd sind solche Reisen, wenn nicht einmal die halbe Klasse daran teilnimmt, weil sich halt die Eltern schlicht einen zusätzlichen vierstelligen Eurobetrag nicht leisten können. Positives Gegenbeispiel sind hingegen jene Lehrer, die solche Reisen oder Sportwochen freiwillig während der Oster- oder Sommerferien anbieten und organisieren (ich kenne sehr konkrete Beispiele für das eine wie das andere).
Es ist ein echter Skandal, dass Lehrer (auch an AHS, auch in neugebauten Schulgebäuden) keinen eigenen Schreibtisch haben.
Auch wenn deren Effizienz zweifelhaft ist, ist es sicher suboptimal, und dass es fast kein psychologisches Unterstützungspersonal gibt.
Ein ganz schwerer Fehler sind die vielen Erlässe, Verordnungen und Weisungen, mit denen Ministerium und Landes(Stadt)schulräte die Arbeit der Lehrer immer mehr an die Leine zu nehmen versuchen.
Einer der allerschwersten Fehler des Schulsystems ist die Tatsache, dass es viel zu schwer und mühsam ist, pädagogisch oder nervlich ungeeignete Lehrer zu verabschieden.
Was also angesichts so widersprüchlicher Fakten tun? Da wären vor allem folgende Maßnahmen wichtig:

Die budgetären Kosten ließen sich im notwendigen Ausmaß reduzieren, wenn man die Klassenteilungen in den Wahlpflichtfächern und die doppelte Lehrerpräsenz in NMS wieder abschafft.
Im Interesse der Schüler und der Bildungsnotwendigkeiten wird die Unterrichtszeit um etwa zwei Wochen pro Jahr verlängert.
Es braucht Vorbereitungsklassen und verbindliche Sprachstandsfeststellungen im vierten Lebensjahr mit klaren Konsequenzen, um die fremdsprachigen Kinder endlich sinnvoll ins Bildungssystem hereinzuholen.
Für Kinder nach dem vierten Geburtstag, die nicht dem österreichischen Bildungssystem zugeführt werden, darf es auch keine Familienbeihilfen geben (Denn sonst wachsen weiterhin viele Kinder billig bei Großeltern in Anatolien auf, um dann etwa zum zwölften Geburtstag schnell nach Österreich gebracht zu werden: Hier sollen sie dann noch die Vorteile des österreichischen Systems  konsumieren, wie etwa die Ausbildungsgarantie in Lehrwerkstätten. Solche Kinder haben aber damit nie eine ausreichende Bildung bekommen).
Abschaffung von Sprachreisen während des Schuljahres.
Den Lehrern und Schulen müssen wieder mehr disziplinäre Maßnahmen gegen störende Schüler ermöglicht werden, wobei es natürlich nicht um Ohrfeigen oder den Einsatz von „Rohrstaberln“ gehen darf, wie Linke bei dem Stichwort „Mehr Disziplin“ immer automatisch behaupten; aber sehr wohl um Strafaufgaben, Nachsitzen, Ausschluss von beliebten Aktionen wie etwa einem Fußballspiel und letztlich auch einem Schulverweis.
Über eine Ausdehnung der wöchentlichen Lehrerarbeitszeit sollte hingegen erst dann gesprochen werden, wenn Österreich dort steht, wo Griechenland seit 2010 steht. Wenn also auch für alle anderen Berufe drastische Einschnitte wie Lohnkürzungen oder Arbeitszeitverlängerungen unvermeidlich sind. Noch ist es zum Glück zwar nicht so weit. Aber die Regierungspolitik steuert zielstrebig und mit ruhiger Hand auf diesen Crash zu.
(TB)

15 comments

  1. Sven Lagler

    Was in Österreich unmöglich ist, wird in anderen Ländern problemlos mit mehr Leistung und mehr Geld umgesetzt.
    Pflichtstunden der Lehrer/innen 2013/2014 nach Bundesländern
    Grundschule Gymnasium
    Baden-Württemberg 28 25
    Bayern 28 23-27
    (fachabhängig)
    Berlin 28 26
    Brandenburg 28 26
    Bremen 28 26
    Hamburg 28 Sek I: 25
    Sek II: 21,4
    Hessen 29 25,5
    Mecklenburg-Vorpommern 27,5 27
    Niedersachsen 28 23,5
    Nordrhein-Westfalen 28 25,5
    Rheinland-Pfalz 27,8 24
    Saarland 28 26
    Sachsen 28 26
    Sachsen-Anhalt 27 24
    Schleswig-Holstein 28 25,5
    Thüringen 27 23-26
    http://www.lehrerfreund.de/schule/1s/lehrer-deputat-pflichtstunden/4370

  2. H.Trickler

    Warum regt man sich über Lehrer-Arbeitszeiten auf? Das Problem löst sich von selbst wenn man endlich für alle Klassenstufen ab 2. Schuljahr qualitativ hochstehende audiovisuelle Lehrmittel zur Verfügung stellt: Vorträge der begabtesten Lehrpersonen, interaktive Test- und Lehrprogramme usw.

  3. Christian Peter

    Von Arbeit halten Lehrer ohnehin nicht viel, häufig wird der Beruf alleine wegen dem lockeren Studium – Lehramt – gewählt. Fakt ist : Lehrern geht es in Österreich im internationalen Vergleich in Österreich viel zu gut, unterrichten deutlich weniger (bis zu 100 Stunden im Jahr !!), müssen sich um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere mehr als ihre Kollegen in anderen Industrienationen (Daten : OECD – Studie ‘Bildung auf einen Blick 2013’). Überhaupt ist das Bildungswesen in Österreich wenig effizient und viel zu teuer.

  4. H.Trickler

    @Christian Peter:
    Dass Lehrer einen höheren Stundenlohn haben als vergleichbare Bürojobs ist überall in Westeuropa mehr oder weniger deutlich. Ich finde es aber unangebracht, gleich allen Lehrern die Motivation und die Berechtigung für diesen Lohn abzusprechen.

    Ich kenne viele hoch motivierte und fleissige Lehrer, welche sich mit den von den Eltern immer weniger erzogenen Kindern abplagen, um ihnen trotz aller Widrigkeiten noch etwas fürs Leben beizubringen.

    Bleibt die Frage: Wenn der Lohn so toll ist, warum sind Sie nicht Lehrer geworden?

  5. Christian Peter

    @H.Trickler

    Nur in Dänemark verdienen Lehrer mehr, als in Österreich. Allerdings müssen Lehrer in anderen Ländern deutlich mehr arbeiten und sich um mehr Schüler kümmern, als ihre Kollegen in Österreich, während die Leistungen Österreichs Schüler im internationalen Vergleich nicht einmal im Mittelfeld liegen : Die ewige Leier von vermeintlich überarbeitenden und schlecht verdienenden Lehrern kann kein Mensch mehr hören.

  6. H.Trickler

    Christian Peter 19. April 2015 – 18:32
    Ja, die Leiern in beiden Richtungen kann kein Mensch mehr hören, ich hatte aber keine davon angestimmt 😉

    Und wenn die Schüler in Österreich schlecht abschneiden, sind daran die Lehrer schuld oder die Amtschimmel welche untaugliche Lehrpläne ausdenken?

    Und nochmals meine Frage: Erkennen Sie dass der Lehrerberuf ziemlich stressig und weitgehend undankbar ist?

  7. Gutartiges Geschwulst

    “Ja, die Lehrer sollen mehr arbeiten.”
    Wird hier nicht der zweite Schritt vor dem ersten vollzogen? Sollten Lehrer nicht überhaupt arbeiten, statt mehr?

  8. Rennziege

    Ich hege die nicht unbegründete Vermutung, dass die paar Wochenstünderln eh für sozialistische und multisexuelle Früherziehung Halbwüchsiger draufgehen werden, nicht aber für wirkliche Schulbildung. Soweit es mich betrifft, sollen die Lehrer sich in dieser Zeit lieber von der realen Multikulti-Tortur erholen.
    Als Eltern dreier G’schrappen, jetzt gottlob in Kanada, könnt’ mir und meinem Mann das blunzn sein, da es diese Skurrilitäten hier nicht gibt. Aber wir erinnern uns dankbar an eine gute Handvoll österreichischer Lehrer, die Pädagogie nicht als Job, sondern als Berufung begreifen.

  9. Fragolin

    Ja, die Lehrer sollten mehr unterrichten.
    Ja, die Schüler sollen mehr lernen.
    Ja, die Eltern sollten sich mehr dafür interessieren.

    Dann fordert Erziehung von den Eltern, Benehmen von den Schülern und stellt den Lehrern ordentliche Arbeitsplätze und Lehrmaterialien zur Verfügung, außerdem einen fixen Lehrplan und den Verzicht auf die ganzen Schulexperimente, die aus unseren Kindern Laborratten und aus den Lehrern Juxanimateure machen. Gebt ihnen die Möglichkeit, die Guten zu belohnen und die Störenfriede zu disziplinieren. Dann sind 30 Wochenstunden für 9 Jahresmonate für einen 14 Monate auf Vollzeit bezahlten Job durchaus einklagbar.

    Und nein, ich bin kein Lehrer.

  10. Erich G.

    Jetzt muss ich mich aber doch zu Wort melden!
    Als einer, der in der ersten Hälfte seines Arbeitslebens in der Privatwirtschaft (bei kleinen Unternehmen) und in der zweiten Hälfte an einer HTL als Fachtheoretiker unterrichtete, und gemäß den Kommentaren zu den faulen, wenig arbeitenden aber zu viel Verdienenden (usw.) gehörte, möchte ich einen Teilaspekt beleuchten: die Schülerzahl je Lehrer.

    Wie kann eine Statistik berücksichtigen, dass Volksschulklassenlehrerinnen 25 oder mehr Kinder unterrichten, Betreuungsspezialistinnen (zB eine Logopädin) nur 1oder 2 Schüler (umgelegt auf eine Unterrichtsstunde) und an den BMHS in den ersten Jahrgängen generell 36 mehr oder weniger Interessierte sitzen?
    Wie kann man die unterschiedliche Zahl an Unterrichtsstunden pro Woche pro Jahrgang in diese Statistik einbringen? Es gibt Gegenstände mit einer Wochenstunde, mit 2, aber auch 4 (Laborübungen) und sogar 8 (Werkstätten).
    In der Fachtheorie unterrichtete ich bis zu 36 Schüler, im Labor betreute ich 8 Schüler, Diplomanden 2 bis 3. Aber: in Wirklichkeit sind nur 2 Kollegen je Unterrichtsstunde bei den Diplomanden (anders ging das gesetzlich nicht). Betreue ich jetzt 2 oder doch 20 Schüler in einer Stunde?
    In einer Klasse unterrichte ich nur einen Gegenstand, in anderen zwei oder mehr. Wie berechne ich dort „meine“ Schülerzahl?
    Ich habe zufällige Jahreszahlen herausgeholt: 1.Jahrgang 36, 2. Jg 29, 3.JgA 24, 3.Jg.B 26, 4.JgA 20, 4.JgB 21, 5.Jg 26 Schüler. Wie geht das in die Statistik der Schüler je Lehrer ein (unter Berücksichtigung der verschiedenen Anzahl von Wochenstunden und Teilungen)?

    Übrigens zu den 30 Wochenstunden Arbeit in 9 Monaten: ja, ich bin an manchen Tagen, an denen ich nicht relativ lange unterrichten musste, nachmittags im Garten gewesen. Leider konnte mich aber ab 19h bis 22 oder 23h niemand sehen, wenn ich die weitere Vorbereitung erledigte oder vor 60 Testarbeiten saß, die innerhalb einer Woche korrigiert und korrekt benotet zurückgegeben werden mussten. Das gleiche gilt für die Wochenenden. Sie brauchen mich deshalb nicht zu bedauern: ich wusste, worauf ich mich einließ, als ich das Angebot zu unterrichten annahm.
    Zwischenruf zum Benoten: kann mir jemand erklären, wie ich diese etwa 160 Schüler verbal benoten hätte können? Manche in 2 Gegenständen. Mir hat schon die Bewertung der Maturaarbeiten Kopfzerbrechen beschert (ich war ab und zu für 2 Beispiele der Mathematik-Matura zuständig). Das nur so nebenbei für die Verfechter der notenlosen Zeugnisse.
    Und: Ja, ich beziehe seit meinem 63.Geburtstag eine Pension (Übergangsregelung). Zwar habe ich vom gesamten Gehalt und allen Überstunden Pensionsbeiträge bezahlt, bekomme aber nur die Hälfte der Überstunden für die Pension angerechnet. Und unter dem Kürzel PSB (Pensionssicherungsbeitrag) werden mir derzeit 3% von der Bruttopension gleich wieder abgezogen. Für alle Neidbürger: Das könnte man doch auf 10% oder mehr erweitern – dann könnte ich weiter für meine angeblich hohe Pension an den Pranger gestellt werden und trotzdem immer weniger netto bekommen. Könnte man übrigens auf alle Pensionen ausweiten…

    Viele wissen auch nicht, dass es den Staat wesentlich billiger kommt, Überstunden zu bezahlen als einen zusätzlichen Lehrer einzustellen. Überstunden werden ja nicht gezielt zugeteilt, sondern jede Stunde über der normalen Lehrverpflichtung ist eine Überstunde. Sie wird nur in den „9“ Monaten bezahlt und nur auf Basis der tatsächlichen Mehrstunden. Eine Klasse auf Sportwoche, 3 Tage Krankheit, der Maturajahrgang ist beendet: und schon gibt es keine Überstunden; wie in der Wirtschaft.
    So nebenbei war ich immer froh, keine Hauptfächer wie Englisch oder Deutsch unterrichten zu müssen: denn was sich dort an Korrekturarbeit alleine auftürmte!
    Ein Wort zu PISA muss auch sein: die Schüler erhalten keinerlei Rückmeldung. Bringen sie gute Ergebnisse werden sie nicht gelobt, schlechte Ergebnisse gehen auch nicht in ihr Zeugnis ein. Wen wundert es, dass viele diese Tests als nette Unterbrechung des Regelunterrichts sehen und sich überhaupt nicht bemühen? Unbrauchbar!

    Aber weil es offenbar so viele Mitmenschen erleichtert, auf alle Lehrer einzuschlagen, so werden meine Ausführungen wohl auch vergeblich gewesen sein.
    PS: wie sie sicher bemerkt haben bin ich der Lesbarkeit halber in diesem Kommentar ein Anhänger des generischen Maskuline.

  11. Christian Peter

    Tatsache ist :

    1. Österreichs Lehrer zählen im internationalen Vergleich zu den absoluten Spitzenverdienern (Endgehalt eines Lehrers in Österreich : Euro 47.419, OECD – Durchschnitt Euro 34.805 ).

    2. Österreichs Lehrer arbeiten extrem wenig (607 Stunden/Jahr, OECD – Schnitt 709 Stunden, Spitzenwerte liegen noch weit darüber).

    3. Die Leistungen der Schüler in Österreich sind miserabel im internationalen Vergleich (Pisa 2009).

    4. Die Ausgaben pro Schüler sind exorbitant hoch in Österreich (9546 Euro, OECD – Durchschnitt 7108 Euro).

  12. Fragolin

    @Erich G.

    Melden Sie sich ruhig, das ist ja auch richtig! Ich bin dagegen, dass immer nur über “die Lehrer” diskutiert wird, denn in unserer idiotischen Gleichmachergesellschaft darf es ja keinen Unterschied geben zwischen einem Lehrer für Basteln und Spielen und einem Lehrer für Deutsch und Mathematik. Dass dazwischen Welten liegen und ein naturwissenschaftlicher oder technischer Fachlehrer einen anderen nebenunterrichtlichen Aufwand hat als ein Sportlehrer oder auch Geschichtelehrer (da ändert sich nicht viel über die Jahre…) wird gerne ausgeblendet.

    Wie erwähnt, ich bin kein Lehrer. Ich unterrichte ausschließlich privat, gegen Stundenhonorar, in Firmen, bei Bildungsanbietern, an öffentlichen Schulen verschiedener Stufe. Nicht honoriert werden Krankenstände und Urlaube, Vorbereitungen (Skriptenerstellungen, Präsentationen, Testerstellung, Aufbau und Pflege der e-learning-tools), Nachbereitungen (Testbewertungen, statistische Auswertungen, Berichterstellung an die Auftraggeber), Nebenarbeiten (Weiterbildungen, natürlich selbst bezahlte, Aufbau neuer Schulungen, ständige Recherche und Weiterentwicklung bestehender Schulungen, Kundenakquise und Finanzamtsbefriedigung…) und nebenbei gibt es nur einen Forderungskatalog der Kunden, aber weder einen Lehrplan (ich muss selbst schauen, wie ich zum Ergebnis komme, und wenn mich die Leute schlecht bewerten, bin ich weg vom Platz) noch Lehrmittel (muss man alles schön selbst erstellen und aufpassen, dass man ja niemanden unerwähnt zitiert oder die falsche Grafik einbindet; Copyright ist teuer). Was “Überstunden” sind wissen in der Privatwirtschaft auch nur Angestellte und Arbeiter, Selbstständige haben nur Arbeitsstunden, und manche davon werden auch bezahlt. Der Rest gilt als Gratis-Drüberstreuer.

    In Spitzenjahren bin ich auf 1500 Seminarstunden gekommen, normal sind 1300 (na da sind wir doch bei 30 Stunden für 9 Monate…). Reine Seminarstunden bitteschön, was den unbezahlten Rest angeht kann ich Ihren Kommentar mit den Abenden und Wochenenden mehr als verstehen. Bei 1500 Stunden ist auch der Sommer komplett gestrichen.
    Aber ich habe dafür weder ein monatliches Fixeinkommen noch die Garantie, nächsten Monat auch nur noch einen einzigen Schulungstermin (und damit einen einzigen Cent) zu bekommen. Das wirklich Üble ist: es macht mir trotzdem Spaß! Nur deswegen mache ich auch weiter. Und wenn ich brav weitermache und in diesem Ausmaß weiterarbeite, hat mir die PVA versprochen, bekomme ich mit 65 sogar 80 Euro über der Mindestpension! Wenn ich nochmal richtig ranklotze, wer weiß, schaffe ich sogar einen Tausender im Monat? Ist ja ungefähr auch das, was ich jetzt an sie abführe…

    Deshalb sehe ich für das wirklich nicht mickrige Lehrergehalt und die lebenslange Absicherung auch 30 Wochenstunden als durchaus gerechtfertigt an. Aber, und das ist mein Zugang, da ich weiß, wie schwer es ist mit Jugendlichen zu arbeiten, Lehrer gehören auch mit mehr Rechten gegenüber Schülern und Eltern ausgestattet, mit Rückhalt von der Schulbehörde statt Haxeln ins Kreuz und einem ordentlichen Arbeitsplatz, an dem nicht Türen aus den Rahmen und Tafeln von der Wand fallen. Und Arbeitsplätze zur sinnvollen Gestaltung von Freistunden – oft haben’s ja nicht mal einen Sessel zur Verfügung um sich mit dem Laptop in eine stille Ecke zu setzen oder Aufgaben zu korrigieren. Dort krankt es, und zwar gewaltig. Und nicht am Einkommen; fast überall woanders auf der Welt hätten Sie weniger verdient, auch in der hiesigen Privatwirtschaft, und kaum irgendwo bekommen’s so viel Geld in die Pension nachgeschaufelt. Nein, es sind die Arbeitsbedingungen, für die bis heute kein Geld da ist – (auch) weil man in Österreich konsequent in die Vergangenheit, also Lehrerpensionen, investiert, anstatt in ordentliche Arbeitsplätze für die Jungen und Arbeitsbedingungen, die aus Schulen wieder Bildungseinrichtungen machen und nicht den Tummelplatz politischer Experimentatoren. Da sei die härteste Betongewerkschaft der Republik davor!

  13. Rennziege

    20. April 2015 – 10:34 Erich G.
    20. April 2015 – 13:44 Fragolin
    Wertvoller und interessanter Diskurs zwischen Ihnen beiden, meine Herren. Danke!
    Nur ein mundartlicher Fauxpas: Haxeln ins Kreuz gibt’s nicht; nur Hackln, die man ins Kreuz geschmissen kriegt. 🙂

  14. Christian Peter

    Mit Lehrern verhält es sich eben auch nicht anders als mit allen anderen Beamten der Republik : Überbezahlt und unproduktiv.

  15. Christian Peter

    Kennt jemand irgendeinen Teilbereich der öffentlichen Verwaltung in Österreich, in dem durch Einsatz geringer Mittel hoher Output erreicht wird ?

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