Jetzt droht die Corona-Stagflation

(CHRISTIAN ORTNER)  Die mit Abstand vernünftigste und seriöseste Antwort auf die brennende Frage, wie sich die Corona-Epidemie auf die Weltwirtschaft auswirken wird, hat dieser Tage der neue Chef der Erste-Bank Group, Bernhard Spalt, gegeben: „Ich habe keine Ahnung“.

So ist es. Kann sein, dass der ganze Spuk in ein paar Monaten nichts hinterlässt als einen Berg überschüssiger Schutzmasken, kann aber genauso gut sein, dass Corona die globale Wirtschaft ziemlich verändert; wofür derzeit leider freilich etwas mehr spricht.

Das mit Abstand wahrscheinlichste Szenario für diesen Fall ist, dass die weltweite Arbeitsteilung, auch als „Globalisierung“ berühmt geworden oder bei manchen auch berüchtigt, ein gutes Stück weit rückabgewickelt wird. Unternehmen würden in diesem Fall einen Teil jener Produktionsprozesse, die sie bisher in die jeweils kostengünstigsten Länder wie China, Indien oder Vietnam ausgelagert haben, wieder in ihre Heimatländer zurückverlagern, weil, ihnen das Risiko von Produktionsausfällen – wie derzeit Corona-bedingt in China – zu groß geworden ist.

Zum Teil geschieht das auch ohne das Virus schon jetzt, etwa weil der Anteil der Arbeit an den Gesamtkosten eines Betriebes dank Automatisierung abnimmt und für die Auswahl des Standortes damit immer unerheblicher wird.Doch Corona könnte diese Entwicklung stark beschleunigen. Und damit bewirken, was bemerkenswerter Weise linkspopulistische wie rechtspopulistische Politiker und NGOs schon seit langem in eigentümlicher Eintracht fordern: einen Stopp, ja gar eine Umkehr der Globalisierung.

Denn darin sind sich Donald Trump und Attac oder andere globalisierungskritische Gruppen einig, wenn sie gegen viele internationale Freihandelsabkommen und die daraus resultierende globale Arbeitsteilung wettern.

Das Corona-Virus könnte nun bewirken, dass genau dies ein Stück weit Wirklichkeit wird.

Das würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest zwei Konsequenzen haben: ein Ansteigen der Inflationsraten – weil teurer produziert werden muß – und ein geringeres Wirtschaftswachstum, weil damit die Kaufkraft der Konsumenten verringert wird.

Die Folge wäre also, was in der Ökonomie „Stagflation“ genannt wird, ein besonders unerquicklicher Zustand der Volkswirtschaft, der schwer zu bekämpfen ist. Denn gegen die steigende Inflation müssten die Notenbanken mit einer Anhebung der Zinsen reagieren. Dies freilich würde das stagnierende Wachstum noch weiter beschädigen und so nebenbei die überschuldeten Staaten wie Italien an den Rand der Insolvenz treiben. Ein nahezu unauflösliches Dilemma.

Schon jetzt ist absehbar, dass eine länger anhaltende Corona-Krise nicht nur in der Eurozone zu einem weiteren staatlichen Schuldenexzess führen wird, diesmal halt unter dem Vorwand, damit die vom Virus angeschlagene Volkswirtschaft wieder anzuwerfen.

Zusammen mit jenen Schulden, die zur Finanzierung des „Green Deal“ der EU gegen den Klimawandel aufgenommen werden, kommt da wohl ganz schön viel zusammen.Man muß kein übertriebener Pessimist sein, um eine derartige Entwicklung für eher bedrohlich zu halten. (ENDE)

7 comments

  1. sokrates9

    Was wäre wenn man Corona so wie die Grippe behandeln würde- Einfach ignorieren?? Es sterben nach wie vor 100 mal mehr Leute an Grippe als am Corinavirus. ( 100.00 jährlich in China). Ist aber kein Problem obwohl es dafür Impfung gibt. Österreichs Durchimpfungsrate liegt unter 10 %.Wären alle geimpft gäbe es kaum ein Grippeproblem.
    Europa wird mit dem green deal jetzt ruiniert, da braucht man keinen Coronavirus..

  2. GeBa

    Ich habe wegen Corona jedenfalls meine Leben nicht geändert und habe auch nicht die Absicht es zu tun.

  3. Gerald

    Wenigstens hat man rausgefunden, warum die Generation unter 25 so gut wie nicht erkrankt, der Virus wird nämlich nicht übers Internet übertragen und soziale Kontakte mit Körpernähe finden selten statt.
    Andererseits bietet uns dieser Virus eine notwendige Korrektur unserer Wirtschaftsbeziehungen, es kann nicht sein, dass jeder Mist über tausende Km transportiert werden muss. Die gierigsten fallen jetzt auf die Nase, jene, welche sich nur auf China verlassen haben. Jetzt gibt es wieder großes Sesselrücken unter den Einkäufern bei den Autokonzernen.

  4. Erich

    Das Corona-Virus bewirkt derzeit eine rasante Abnahme von Flugbewegungen. Damit erfüllt es grundlegende Forderungen der Grünen und Linken (ist an sich eine Tautologie). Zynisch gesagt sollten die alle Versuche, die Ausbreitung des Virus zu verhindern, nicht unterstützen. Den Nebeneffekt, dass die Austrian Kurzarbeit einführt, Fluglinien in Konkurs gehen und tausende Menschen ihre Arbeit verlieren, haben diese Gruppen sicher nicht bedacht (mangels Wirtschaftsverständnis und weil es sie nicht betrifft) und scheint ihnen egal zu sein. Wir haben dies ja schon bei der beginnenden Demolierung der Autoindustrie gesehen.
    Allerdings sollten sie nachdenken und nach den USA sehen: Trump hat groß dort gewonnen, wo er die Wiederbelebung der großen Industrien versprach und damit tausende Arbeitsplätze reaktivierte.

  5. Johannes

    “Zum Teil geschieht das auch ohne das Virus schon jetzt, etwa weil der Anteil der Arbeit an den Gesamtkosten eines Betriebes dank Automatisierung abnimmt und für die Auswahl des Standortes damit immer unerheblicher wird.“

    “Das würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest zwei Konsequenzen haben: ein Ansteigen der Inflationsraten – weil teurer produziert werden muß – und ein geringeres Wirtschaftswachstum, weil damit die Kaufkraft der Konsumenten verringert wird.“

    Die zwei Feststellungen widersprechen sich nach meiner Meinung.

    Ich denke der Standortwechsel mancher Betriebe ist kein wie immer geartetes Indiz dafür, dass alles teurer werden muss. Solange kein Zollkrieg herrscht bleiben in China oder anderswo produzierte Produkte eine Konkurrenz für heimische Unternehmen. Der globale Markt wird sich nie wieder verhindern lassen, dennoch könnte nach meiner Meinung eine Rückholung von Produktion durchaus für Arbeitsplätze sorgen.

    Hochtechnologische Produktionsmethoden verlangen qualifiziertes Personal, qualifiziertes Personal hat seinen Preis.
    Viel zu lange haben wir nach China ausgelagert um in Europa billig konsumieren zu können.
    Wer sagt das wir in Europa nicht auch produzieren können, vielleicht sogar für den chinesischen Markt, ohne das China sich technologischen Vorsprung einfach abkupfern kann.

    Ja wenn man es richtig macht kann vieles teurer werden, am besten so teuer wie in der Schweiz, mit dem gleichen Einkommen wie dort.

  6. Cora

    Trump und die Linken sind sich viel ähnlicher als sie je dachten, und doch sind sie sich spinnefeind. Tja, wenn man sich einmal jemanden zum Feind auserkoren hat, dann rückt man nicht mehr davon ab. Denn was ein Linker nicht kann, ist einen Irrtum einzugestehen, davon gäbe es ja leider genug. Was Linke nicht abkönnen, ist dass andere ein glücklicheres Händchen haben, mehr Erfolg im Leben als sie und deshalb ist ein Milliardär wir Trump eine persona non grata, egal wie links seine Ideen auch sind. Es ist einfach der pure Neid.

  7. CE___

    “Das würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest zwei Konsequenzen haben: ein Ansteigen der Inflationsraten – weil teurer produziert werden muß – und ein geringeres Wirtschaftswachstum, weil damit die Kaufkraft der Konsumenten verringert wird.”

    Ich sehe das eher so dass das Wirtschafswachstum in den USA explodieren würde, sofern man es als BIP-Wachstum definiert.

    Aber nicht unbedingt von der Stückzahl an erbrachten Gütern und Dienstleistungen, sondern über deren Preise.

    Denn diese würden rasante Teuerungen erleben.

    Ein Problem für den Konsumenten? Naja, nur wenn die Teuerung seines Gehalts/Lohnes/Gewinns hinter dem der Teuerung der Güter/Dienstleistungs-Preise hintennach hinken würde.

    Natürlich, bisher angehäuftes Sparvermögen gehalten in Bar- und Giralgeld (aka Fiatgeld) würde bei so einer Teuerung abgeschmolzen, eher treffender gesagt atomisiert.

    Nur der größte Feind einer Produktions-Rückverlagerung in die USA sind ja die Bänkster an der Wall Street….es könnte ja wieder die öffentliche Diskussion über die Sinnhaftigkeit des Fiatgeld-Systems anfachen.

    Seit den 1970ern konnte man Kohorten von Bürgern, Studenten und der Welt einreden man hätte quasi die Quadratur des Kreises geschafft, nämlich das ein unendliches Ausweiten der Fiat-Geldmenge (Inflation) keine Teuerung bei Gütern und Leistungen verursachen würde.

    Natürlich, hüstel, hüstel, die Teuerungen von Produkten und Leistungen, die nicht ausgelagert werden konnten und daher voll der Teuerung ausgesetzt waren, hat man aus den Statistiken herausgenommen oder abgewichtet.

    Zufall dass gerade in den 1970ern und dann ab den 1980ern die Auslagerung der US-Produktion nach Asien immer mehr an Fahrt aufnahm samt Umarmens eines totalitären Rotchinas um damit Güterpreis-Verbilligung (Preisdeflation) zu importieren? Ich denke nicht.

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