“Journalismus ist Teil der Krankheit, als deren Heilung er sich ausgibt”

“….zutreffend ist, dass der Journalismus, der sich derzeit selbst beschwört, Teil der Krankheit ist, als deren Heilung er sich ausgibt. Das hat in Deutschland und Österreich vor allem damit zu tun, dass sich die Journalisten als eine eingesetzte pädagogische Institution verstehen – verführt durch das von den Besatzungsmächten durchgesetzte Narrativ, die Medien als „vierte Gewalt“ seien von oben legitimiert (in diesem Fall von den Siegermächten, die sich den von den Nationalsozialisten Verführten aus nachvollziehbaren Gründen moralisch und politisch überlegen fühlten). Das Bild, das sie von sich haben, ist nicht das eines Mitarbeiters in einem Dienstleistungsunternehmen, sondern sie begreifen sich als Gottes (oder, je nach ideologischer Präferenz: des Weltgeistes) Geschenk an die Demokratie. Weil man ihneneingeredet hat, dass ihre Tätigkeit, und zwar bereits von den Anfängen in der lokalen Kriminalberichterstattung an, am ehesten mit jener von Verfassungsrichtern zu vergleichen sei, benehmen sie sich auch so…” (hier)

3 comments

  1. Thomas Holzer

    Diese Überschrift trifft viel mehr auf die Politik als auf den Journalismus zu!
    Man lese nur:
    ” Die Politik ist die Krankheit, als deren Heilung sie sich ausgibt!” 😉

  2. Rennziege

    Die Krankheit äußert sich wesentlich auch darin, dass der investigative Journalismus, einst der Karriereschub der Branche, aus drei Gründen ausgestorben ist:

    (a) Es ist bequemer, in der warmen Stube Agenturmeldungen zu übernehmen, aus dem Internet abzuschreiben oder Meldungen flinkerer Zeitungen mit kosmetischen Umformulierungen abzukupfern.
    (b) Echte, mutige und ausdauernde Recherche, einst zu einem begehrten scoop führend, kann (besonders in Österreich) zur Entdeckung von Stinkbomben, anschließend aber zum Einschmelzen der staatlichen Subventionen und der als Inserate getarnten Bestechung durch Steuergelder führen.
    (c) Ähnliches gilt für die Akquise von Markenartikel- und Industriewerbung. Wer nicht mit parallel wohlwollenden Berichten oder Tests im redaktionellen Teil winkt, gewinnt diese Kunden und deren Agenturen nur schwer.

    Wären die Printmedien nicht der Mode gefolgt, ihren “Content” (meiner Seel’, wie ich dieses vernuttete Wort hasse!) online herzuschenken, stünden sie heute besser da. Aber dafür hätten sie halt Charakter, Neutralität, schonungslose Neugier und Rückgrat gegenüber den herrschenden Mächten bewahren müssen, anstatt sich zu durchgefütterten Speichelleckern degradieren zu lassen. Dann hätten sie auch Inhalte, die abseits des Mainstreams, nur in den Print-Versionen erhältlich, zahlende Käufer fänden.
    Aber dazu gehört halt auch eine unerschrocken und gefinkelt recherchierende Truppe von (nicht nur jungen) Wilden. Die werden aber eingebremst oder gar nicht erst eingestellt. Siehe oben unter (b).

    Früher war’s ein geradezu sinnliches Erlebnis, eine raschelnde, noch nach Druckerschwärze riechende</strike duftende Zeitung aufzuschlagen, in der man lesen konnte, was in keiner anderen stand. Heute, abgesehen von der "NZZ" und der "Weltwoche" ist alles kalter Kaffee, x-fach anderswo zu finden. Auch das einst überragende "Time Magazine", das ich schon als Teenie im Abo bezog (so durfte man das Online-Archiv bis zum Gründungsjahr 1924 benützen), ist inzwischen zu einer besseren Friseurzeitung verkommen. (Dabei hat "Newsweek", die matte und nicht unlinke Konkurrenz, vor zwei Jahren das Print-Handtuch geworfen.)

  3. Rennziege

    Pardon für den verrutschten html-Code. Ich reinige meinen letzten Absatz:
    Früher war’s ein geradezu sinnliches Erlebnis, eine raschelnde, noch nach Druckerschwärze riechende duftende Zeitung aufzuschlagen, in der man lesen konnte, was in keiner anderen stand. Heute, abgesehen von der “NZZ” und der “Weltwoche” ist alles kalter Kaffee, x-fach anderswo zu finden. Auch das einst überragende “Time Magazine”, das ich schon als Teenie im Abo bezog (so durfte man das Online-Archiv bis zum Gründungsjahr 1924 benützen), ist inzwischen zu einer besseren Friseurzeitung verkommen. (Dabei hat “Newsweek”, die matte und nicht unlinke Konkurrenz, vor zwei Jahren das Print-Handtuch geworfen.) – See more at: https://www.ortneronline.at/?p=27158&cpage=1#comment-23234

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