Kann Trump Wirtschaft?

Von | 10. November 2016

(ANDREAS TÖGEL) Nach dem sagenhaften Debakel der unter der Bezeichnung „Demoskopie“ firmierenden Kaffeesudleserei anlässlich des Brexit, ist nun die nächste Pleite zu verzeichnen: Der Darling der Hauptstrommedien, die unvergleichliche Hillary Clinton, unterlag – entgegen allen Prognosen – im Rennen um die US-Präsidentschaft einem von der Presse zum Hanswurst erklärten Außenseiter. Nachdem am frühen Vormittag des 9. 11. klar war, dass der 45. Präsident der USA Donald Trump heißt, erfasste die Reihen der veröffentlichen Meinung das blanke Entsetzen: Wie konnte es nur geschehen, dass die Wähler nicht dem Rat der europäischen und US-amerikanischen Medien folgten, sondern stattdessen einen „sexistischen Rassisten“ zum Präsidenten kürten? Offensichtlich, so die herbe Selbstkritik, konnten die Meinungsbildner dem Wahlvolk nicht so recht klarmachen, wie toll sozialistische – Pardon – demokratische Politik doch wirkt. Ein Jammer.

Wie, in aller Welt, soll es nun weitergehen? Kann die Welt unter diesen Umständen überhaupt zur Normalität zurückfinden? – Nicht auszudenken, wenn zu allem Unglück in Ösiland auch noch Norbert Hofer in die Hofburg einziehen sollte! Müssen sich rechtschaffene Linke weltweit auf ein Exil auf dem Mars einstellen?

So schlimm wird es wohl nicht kommen. Zunächst allerdings ist, wie es schon nach dem Brexit der Fall war, für einige Zeit mit einer verstärkten Unsicherheit der Marktakteure zu rechnen. Nervöse Schwankungen bei den Aktienindizes, eine (zumindest kurzfristige) Abschwächung des US-Dollars gegenüber dem Euro und ein Anstieg des Goldpreises sind Indikatoren dafür. Und da im Vorfeld der Wahlen ein Sieg Trumps von den Märkten für unwahrscheinlich gehalten und daher nicht eingepreist wurde, könnte es noch zu zum Teil kräftigen Kursabschlägen kommen. Kapitalanleger lieben eben berechenbare Zustände – keine neue Erkenntnis.

Immerhin wäre von einer Präsidentschaft Clintons weiterhin „business as usual“ zu erwarten gewesen. Donald Trumps wirtschaftspolitische Ziele korrekt einzuschätzen, ist dagegen wesentlich schwieriger – widersprüchlich, wie sie sich zum Teil darstellen.

Was ist aus europäischer Sicht zu erwarten? Vielleicht sollte an dieser Stelle zunächst einmal das allerwichtigste gesagt werden, das nun nicht eintreten wird: Nämlich eine weitere Verschlechterung der Beziehungen der USA zu Russland – einschließlich einer möglichen militärischen Konfrontation. Dieser Punkt ist von immenser Bedeutung. Hillary Clinton hatte Präsident Obama ja wiederholt für dessen „laxe Haltung gegenüber Putin“ kritisiert und für den Fall ihrer Wahl u. a. eine Verstärkung der US-Marinepräsenz im Mittelmeer (und andere klar gegen Russland gerichtete Aktivitäten) angekündigt. Die wird es nun – zum Verdruss des militärisch-industriellen Komplexes in den USA – nicht geben.

Eine Verbesserung der russisch-amerikanischen Beziehungen, wird zweifellos auch für Europa eine Entspannung – und den Anfang vom Ende der autodestruktiven Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland – bedeuten. Eine Normalisierung der Beziehungen zum militärisch mächtigen und energiepolitisch wichtigen Nachbarn im Osten, würde aus europäischer Sicht alle negativen Entwicklungen locker kompensieren, die sich mit Trumps Wahl möglicherweise verbinden könnten.

Da wären an erster Stelle seine freihandelskritischen Aussagen zu nennen. Der von ihm propagierte „Schutz von US-Unternehmen“ deutet klar auf die (Wieder-)Einführung wirtschaftsprotektionistischer Maßnahmen hin. Allerdings sind Zweifel angebracht, dass diese Suppe so heiß auf den Tisch kommt, wie sie im Wahlkampf gekocht wurde. Immerhin weisen die USA seit Jahren ein veritables Handelsbilanzdefizit aus, was im Klartext bedeutet, dass der amerikanische Wohlstand zum Teil auf dem Import von Waren aus dem Ausland (hauptsächlich aus Asien) gründet, die mit bunt bedrucktem Papier bezahlt werden, das die FED in jedem beliebigen Umfang – und das nahezu kostenlos – produzieren kann. Was also sollte für die USA durch neue Handelshemmnisse per Saldo zu gewinnen sein?

Auch Geld- und Fiskalpolitik unter Trump sind sehr schwer einzuschätzen. Die Ankündigung massiver Steuersenkungen bildete ja ein Kernstück seines Wahlkampfs. Steuersenkungen bedeuten aber nun einmal, wenn zugleich keine Ausgabensenkungen erfolgen (und die sind angesichts der von ihm angekündigten Investitionen in die Infrastruktur nur schwer vorstellbar), eine weitere Expansion der Staatsschulden, was ihm mit Sicherheit kräftigen Gegenwind aus den Reihen der eigenen Partei eintrüge. Man denke dabei an die – zurecht – harte Haltung der Republikaner gegenüber der Budgetpolitik der Obama-Administration.

Tendenziell wird Trumps Politik stärker in Richtung Isolationismus („America first“) gehen – mit allen Konsequenzen, die sich damit auch wirtschaftspolitisch verbinden. Sollte der Euro, dadurch bedingt, nachhaltig gegen den Dollar aufwerten, wäre das jedenfalls ein starkes Alibi für die Fortsetzung der inflationistischen Politik der EZB unter Mario Draghi.

Prognosen sind bekanntlich schwierig, speziell wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Eines kann indes einigermaßen gefahrlos geweissagt werden: Wir stehen vor interessanten Zeiten.

12 Gedanken zu „Kann Trump Wirtschaft?

  1. buerger2015

    die sozialen errungenschaften werden nicht mehr erweitert werden(zb. billige medikamente). diverse kriegsspielereien auch nicht (den ausbruch des arab. frühlings mit seinem erstarken des radikalen islams haben wir obama zu verdanken. es war abzusehen was da passieren wird – offensichtlich war es auch so beabsichtigt).
    eine bessere gespächsbasis mit russland täte wohl allen gut. und im übrigen war man beim amtsantritt von reagan auch distanziert und danach hat er den kalten krieg beendet gehabt.

  2. Christian Peter

    Es ist nicht entscheidend, ob Trump ‘Wirtschaft kann’, sondern was er für die amerikanische Bevölkerung tut. Immerhin wurde Trump aus dem Grund gewählt, eben nicht nur als Erfüllungsgehilfe der Wall Street und anderen Industrie zu agieren, sondern eine an den Interessen der amerikanischen Bevölkerung orientiert Politik zu betreiben.

  3. Christian Peter

    Eines der Wahlversprechen Donald Trump war es, US – Konzerne wie Apple zu zwingen, in den USA zu produzieren, damit auch die amerikanische Bevölkerung von derartigen Unternehmen profitiert, denn Steuern brachen multinationale Konzerne ohnehin keine zu bezahlen.

  4. Thomas F.

    Trumps naive Haltung zu Putin – die er mit Obama zu Beginn dessen Amtszeit gemeinsam hat (“Reset”…) – wird so lange währen, bis ihn dieser zum ersten Mal übers Ohr legt und plump belügt. Dann wird sein Zorn, allein ob seiner verletzten Eitelkeit, aber umso glühender und umtriebiger ausfallen.
    Er hat schon klar gemacht, dass er russische Kampfjets abschießen wird, wenn diese nicht aufhören, US-Jets mit “Barrel Rolls” zu provozieren.

  5. Christian Peter

    ‘Wirtschaft zu können’ klingt wie eine gefährliche Drohung, denn derartige Politiker gelten in der Regel als hochkorrupt und alles andere als am Gemeinwohl orientiert.

  6. Thomas Schwalb

    “Steuersenkungen bedeuten aber nun einmal, wenn zugleich keine Ausgabensenkungen erfolgen (und die sind angesichts der von ihm angekündigten Investitionen in die Infrastruktur nur schwer vorstellbar), eine weitere Expansion der Staatsschulden, was ihm mit Sicherheit kräftigen Gegenwind aus den Reihen der eigenen Partei eintrüge”

    Und das soll jetzt gut sein?

    @ Putin: kann sein, ist aber auch eine Prophezeiung der Zukunft, und die ist bekanntlich nicht leicht.

    Fazit: Man kann sich Trump auch schönreden.

  7. Fragolin

    Für heute klinke ich mich mal aus, denn bei aller Bedeutsamkeit des Wahlergebnisses finde ich es übertrieben, das ganze blog nur noch damit zuzuschütten. Und exzessives Rubbeln an Kristallkugeln bringt jetzt auch nichts, der Mann kommt erst im Jänner ins Amt und dann soll er erstmal zeigen, was er kann und was nicht.
    Ein bisschen weniger Aufregung und mehr Gelassenheit sind angebracht. Lassen wir uns nicht in den hysterischen Strudel der linken Weltuntergangspropheten ziehen und lernen wir aus den Begleiterscheinungen von Brexit und Trump (die Linke tobt, schreit ihren Hass heraus und zündet Dinge an, aber sonst passiert absolut nichts von den geweissagten Katastrophen) uns nicht von prophetischen Hetzern beeinflussen zu lassen und zu unserer Wahl zu stehen, egal wie sie ausfällt und wem das passt.

  8. Christian Peter

    Angenehmer Nebeneffekt der Wahl Trumps – das Abkommens TTIP ist damit endgültig gestorben, ganz im Gegenteil kündigte Donald Trumpt an, Schutzzölle für heimische Unternehmen einzuführen.

  9. Der Realist

    bin heute schon sehr früh aufgestanden und habe gewartet ob es hell wird, und es wurde hell, daher habe ich angenommen, die Erde dreht sich weiter. Auch ohne den Sieg Trumps würden wir vor interessanten Zeiten stehen. Ich frage nicht “kann Trump Wirtschaft?”, erstens ist es mir wurscht, und zweitens können es nicht einmal all die vielgelobten “Wirtschaftsexperten”, was die in Zusammenhang mit dem Brexit und dem Wahlerfolg Trumps abgesondert haben, ist einfach nur zum Kotzen.
    Interessant sind auch die Berichte im ORF, dort hat man auch gestern nur vereinzelt Leute gefunden, die Trump gewählt haben, daher kann es sich eigentlich nur um Wahlfälschung handeln.

  10. sokrates9

    Trump ist vor allem Kaufmann! Dem sind die Ideologie,der Kampf der – Ismen und die PS – Kiste völlig egal!
    Wenn er sagt dass die USA nicht mehr daran denkt eine fremde Regierung zu stürzen ist das mal sehr positiv!
    (Clinton hatte keine Hemmungen Lybien , Syrien, Ukraine zu stürzen).Wenn er die Infrastruktur in der USA erneuert ist das auch spitzen Idee! Da sind Arbeitsplätze zu schaffen! Geld? Reduktion der 180 MIlitärstützpunkte weltweit ( Russland hat 2, China 0 )Damit ließe sich viel finanzieren! Auch die Idee Länder sollen für US – Schutz zahlen ist gut! da könnte dann die Ukraine zB draufkommen, dass sie sich den Schutz nicht leisten kann und vielleicht versuchen wieder Frieden mit Russland zu schließen! Vor 5 Jahren waren das noch dicke Freunde und 1 Mio Ukrainer arbeiteten in Russland!!… und dann kam die friedensstiftende EU mit USA im Hintergrund!

  11. Fragolin

    Kann Clinton Korruption?
    Jeder beherrscht irgendwie das, wovon er lebt.

  12. Christian Peter

    @Fragolin

    Sich als Erfüllungsgehilfe der Banken – und anderer Wirtschaftslobbyisten zu betätigen, ist wahrlich keine Leistung, das erleben wird in Europa und den USA seit Jahrzehnten. Man darf gespannt sein, was übrig bleibt von Donald Trumps Versprechen, endlich wieder Politik für die Bürger zu betreiben.

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