Karrieren: Teamarbeit macht faul und unglücklich

“Wir suchen einen teamfähigen Mitarbeiter” – der Satz gehört unweigerlich in jede Stellenanzeige. Dabei richtet der grassierende Team-Fetischismus viel Schaden an, sagt Buchautor Volker Kitz. Er verrät, wie man im Alltag dem Teamterror entkommt.” (hier)

9 comments

  1. Heinrich Elsigan

    1.) Ich habe schon Teams erlebt, wo Individuen gut zusammen spielten und gemeinsam mehr Leistung erbracht wurde, als ein einzelner hätte erreichen können.

    2.) Aber ich habe auch Teams erlebt, wo sich einige dem mehrheitlichen Rhythmus im Team nicht anpassen konnten und viel Streiterei und Konflikte die individuelle Schaffenskraft aller zum Nachteil aller und des Unternehmens beschränkten.

    Ich würde sagen, dass man nur dort und dann die Individuen als Team einsetzen sollen, wo eben mehr Leistung und weniger Fehler des einzelnen durch Teamwork herauskommen (z.B. bei Analysen und Spezifikationen, wo einzelne oft Fehler oder Varianten übersehen) aber danach wieder die Individuen für sich arbeiten lassen sollte. Zu viel Abstimmungszwang ist oft genauso hemmend für Arbeitsprozesse, wie unkoordiniertes Vorgehen!!

    P.S.: Je komplexer die Arbeiten sind, desto mehr müssen die Leute des Teams – glaube ich – harmonieren.
    Bei atomareren einfacheren Arbeiten wirkt sich das nie so gravierend aus.
    Ich war mit Leuten beim Bundesheer mit denen ich problemlos effizient ohne jediglichen Unmut gemeinsam Wachdienst versehen könnte, bei technischen Projekten würde mich aber ihre Art eher innerlich aufreiben.

  2. Reinhard

    Toll Ein Anderer Macht’s = TEAM.
    In Lerngruppen sieht es nicht anders aus. Soll eine Thematik im Team ausgearbeitet werden, sind es einzig und allein die “Zugpferde”, die die gesamte Leistung des Ausarbeitens erledigen, während der Rest der Truppe teils interessiert zuschaut, teils sogar plappernd für Störung sorgt oder sich einfach abseilt.
    Auch interessant zu beobachten, wie sich die Zugpferde bei er Präsentation oft zurücknehmen, weil es ihnen fast schon peinlich ist, die scheinbar einzigen Arbeitenden zu sein, während sich die Bremser plötzlich zu den begeistertsten Präsentatoren “ihrer” tollen Leistung mausern.
    Wenn man sich als Auftraggeber nicht möglichst unbemerkt und aufmerksam den eigentlichen Arbeitsprozess des “Teams” anschaut, sondern nur die Präsentation erlebt, bekommt man dadurch oft den falschen Eindruck über den wirklichen Anteil einer persönlichen Leistung am Gesamtergebnis. Sprich: die wirklichen Zugpferde werden zu wenig gewürdigt und die in ihrem Windschatten segelnden Dampfplauderer ernten den Erfolg.
    Die Bewertung der Teamarbeit ist unmöglich, denn entweder werden ungerechtwerweise jene, die nichts dazu beigetragen oder das Ergebnis sogar verschlechtert haben, genauso belohnt wie die wenigen, die aktiv waren, oder es werden, weil nur die Präsentation bewertet wird, sogar die Dampfdüsen besser bewertet als die Arbeitstiere. In beiden Fällen ist der Lerneffekt der gleiche: Wenn du im Team arbeitest, richtig arbeitest, musst du deine Leistung gegen größeren Widerstand erbringen und darfst nicht einmal damit rechnen, die Anerkennung zu erhalten. Du machst die ganze Arbeit, die Prämie versaufen die Faulen.
    Wie in unserer “sozialen Teamarbeit” täglich gelebt…

  3. Tiefengrabner

    Teams sind so gut, wie die handelnden Personen, wobei positive Synergieeffekte bei guter Zusammenarbeit, von Wirtschaftpsychologie längst nachgewiesen sind.

  4. Manuel Leitgeb

    Wie für alles im Leben gibt es einen richtigen Zeitpunkt dafür. Es gibt Aufgaben, die sind im Team/ in der Gruppe leichter, besser oder nur dort zu lösen. Allerdings wie fast immer braucht es dafür einen guten Anführer, hier als Teamleiter (spontane Selbstorganisation funktioniert bei Gruppenarbeiten nicht).
    Aber es stimmt, es ist zum Fetisch geworden, das sieht man auch an der Schule, wo Gruppenarbeiten das neue Heilsversprechen sind und die Schüler kaum noch dazu angehalten werden, allein etwas zu leisten.
    Das wird “von oben” gefördert, ist aber nur logisch, denn im Team kann man sich gut “verstecken” zwecks Minderleistung oder Unvermögen und wenn man bedenkt aus wem sich heutzutage großteils unsere “Elite” (Politiker, Intellektuelle, Journalisten u.ä.) zusammensetzt, ergibt es Sinn.
    Aber bitte nicht den amerikanischen Klassiker vergessen: “There is no “I” in Team, but there is a “U” (you) in Fault.” 🙂

  5. Schnabeltierfresser

    So ein Unsinn. Wenn das Team wirklich nicht funktioniert, fehlt’s i.d.R. an einer fähigen Führungspersönlichkeit, die ihre Verantwortung wahrnimmt. Klar, dass man mit laissez-faire meist nicht weit kommt. Aber sorry, die Menschheit hat Jahrtausende an der Arbeitsteilung gefeilt, und jetzt soll das auf einmal nicht mehr das Richtige sein?

  6. gms

    Tiefengrabner,

    “Teams sind so gut, wie die handelnden Personen, wobei positive Synergieeffekte bei guter Zusammenarbeit, von Wirtschaftpsychologie längst nachgewiesen sind.”

    Die darin liegende Tautologie ist leicht erkennbar: “Es paßt, wenn’s paßt”. Auch Teams haben – deklariert oder implizit – Zugpferde oder zumindest Moderatoren, es bilden sich Autoritäten für Teilaspekte heraus und Leute nehmen Rollen ein.
    Geschieht das ohne externe Einflüsse inform klarer Spielregeln oder mehr oder minder stark artikulierten Präferenzen, wie die Arbeit zu organisieren sei, ist der Klassiker “Forming – Storming – Performing” aufgelegt, wobei die ersten beiden Aspekte Energien binden, die wiederum nicht dem Ergebnis zufließen und daher negativ bilanzieren.
    Derartige wiederholte “Sozialexperimente” können sich wettbewerbsferne Firmen eher leisten, weshalb sie dort, meist inform ausufernder Workshops und nicht enden wollender Partizipation betrieben werden. Wenn dabei das Geld noch aus der sprichwörtlichen Steckdose kommt und der Benchmark zum Mitbewerber fehlt, kann jedes noch so inferiore Ergebnis als Erfolg gewertet werden. Die dabei Involvierten — und das ist die Pointe — sind mangels Erfolgserlebnisse zumeist frustriert, doch werden sie auf Rückfrage in aller Regel das Gegenteil behaupten, nachdem sie doch laut vorherrschender Meinung maßgeblich mitverantwortlich waren. Die Folge: Flächendeckender Burnout mangels Möglichkeit, individuelle Verantwortung zu ergreifen und auszufüllen. Menschen mit Lebenserfahrung und Selbstachtung machen daher einen weiten Bogen um solche Firmen.

    Hinzu kommt ein weiterer verkannter Aspekt: Die Aufstellung der Mannschaft ist nunmal keine Aufgabe der Mannschaft selbst. Selbst wenn Teams insich nicht hierarchisch verfaßt sind, so erfolgt doch deren Zusammenstellung in aller Regel von außen gesteuert, sprich es gab jemanden in der Hierarchie höheren, der befand, das Team sei aus diesen und jenen Leuten zu bilden, was wiederum maßgeblich ist für den Erfolg.

    Zum Abrunden sei auf Reinhard K. Sprenger verwiesen, der mit seinen Ausführungen zu den Themen Motivation, Vertrauen und Verantwortung vieles glasklar und pointiert auf den Punkt bringt, was liberal denkende Leute intuitiv wissen und praktizieren und damit zumeist auch erfolgreich sind. Falsche Menschenbilder im Gegenzug haben ihren Preis, sei es im Privaten, im Unternehmen oder in der Frage, wie ein Staat zu gestalten ist.

  7. Super_Mario

    Rennziege:
    Danke als Schüler und einer dieser Zugpferde sprechen sie mir aus der Seele! 🙂

  8. Super_Mario

    Schande über mich, “Sie” natürlich. Mit Rechtschreibung hab ich’s nicht so.

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