Kern und die Konzerne

Von | 5. August 2017

(GEORG VETTER)  Am gestrigen Freitag gegen 08.30 Uhr Früh begrüßte mich Bundeskanzler Christian Kern scheinbar persönlich mittels einer Radioeinschaltung. Ob ich auch zu den viel arbeitenden Österreichern gehöre, die hohe Steuern zahlen müsse? Ob ich mich auch über jene ärgere, die noch schlafen und keine Steuern zahlen? Soweit konnte ich folgen. Doch dann kam die Auflösung, wen er meinte: Ärgern Sie auch über die Superreichen und die Konzerne, die so wenig Steuern zahlen? Dann, Sie ahnen es, solle man SPÖ wählen.

Zunächst fragte ich mich, wie viele Superreiche diesen Werbespot wohl tatsächlich verschlafen würden und viele Zuhörer sich tatsächlich von diesem vorurteilsbehafteten Appell an den Neid angesprochen fühlen könnten. Doch dann dachte ich konkreter. Wen könnte Kern gemeint haben: Vielleicht Didi Mateschitz?. Nein, der macht nicht wirklich den Eindruck, dass er sich sein Vermögen im Schlaf erwirtschaftet hat.

Vielleicht meinte Kern allerdings den österreichischen Unternehmer Martin Schlaff, dessen Feuerfest-Konzern RHI eine halbe Stunden später, nämlich um 09.00 Uhr, mit einer turbulenten Hauptversammlung beginnen sollte, um grenzüberschreitende Umstrukturierungsmaßnahmen gegen lästige Aktionäre zu beschließen. Dass hinter der Verschmelzung auf eine holländische Gesellschaft auch steuerliche Überlegungen stehen, liegt nahe.

Martin Schlaff ist, so Wikipedia, seit 1986 Mitglied der Sozialdemokratie. Aber auch die Aufsichtsratsmitglieder Alfred Gusenbauer und Wolfgang Ruttenstorfer sind keine Unbekannten.

RHI und SPÖ: Vielleicht wird hier einfach eine ganz raffinierte Doppelstrategie gefahren.

15 Gedanken zu „Kern und die Konzerne

  1. Kluftinger

    Was Didi Mateschitz betrifft, der versteuert seine Einkünfte ordnungsgemäß in Österreich.
    Wie überhaupt er sagt, angesprochen auf seinen vielen regionalen (steirischen) Aktivitäten : “Ich habe ein Erzherzog Johann Syndrom”. 🙂

  2. G.

    Hätte er den Spot um eine Stunde früher senden lassen, wären wohl die allermeisten bereits SPÖ Wähler nicht in de Genuss dieser wundersamen Mitteilung gekommen😉
    Ich habe den Spot auch nicht gehört, obwohl ich jeden Tag um 6 aufstehe und meist erst mal eine Runde schwimme. Erst danach beginnen die Mühen des Tages mit einer Tasse Espresso.

  3. Thomas Holzer

    Leider werden sich allzu viele “von diesem vorurteilsbehafteten Appell an den Neid angesprochen fühlen”

    Erfreulich auch die Aussage eines Vorstandsmitgliedes der Andritz AG gestern im Mittagsjournal, daß, so das Kumulationsprinzip (noch dazu rückwirkend) nicht sofort abgeschafft wird, z.B. die Chinesen nicht mehr nach Graz fliegen müssen, um Fortschritte zu beobachten, da diese in China viel einfacher und günstiger überprüfbar wären, dafür aber das AMS-Steiermark ein bisschen mehr zu tun haben würde 😉

  4. Christian

    Es erübrigt sich bei Kern jeder Kommentar.Aber die früheren Sozi-Wähler sind auch nicht mehr so blöd und glauben den verlogenen roten Spitzenmanagern, die wählen Strache oder eben Kurz.
    Ich bin sicher, die SPÖ erringt Platz 3.

  5. Christian Peter

    Was soll’s ? Vermögenssteuern existieren in Österreich bereits seit 2010, die Zinspolitik der EZB kostet die Sparer in Österreich etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr – dafür scheint sich aber kaum jemand zu interessieren.

  6. Christian Peter

    @TH

    Interessant, dass man sich über Steuern aufregt, die ohnehin nie kommen (von Vermögenssteuern und Besteuerung von Reichen reden die Sozialdemokraten immer vor Wahlen), aber bereits existierende (Vermögens-) Steuern ignoriert, die Vermögende in Österreich etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr kosten.

  7. Falke

    @Christian Peter
    Verkappte Steuern und Abgaben, wie etwa die von Ihnen erwähnte Vermögenssteuer, ebenso die kürzlich erfolgte faktische Einführung bzw. Erhöhung der Erbschaftssteuer bei Erwerb und Vererbung von Immobilien, die AK-Abgabe, die bereits unter Grasser vollzogene Vervielfachung der KFZ-Steuer durch Umbenennung in “Motorbezogene Versicherungssteuer” usw. werden nie explizit erwähnt, wohl in der – allerdings tatsächlich berechtigten – Hoffnung, dass das dem Durchschnittsbürger nicht so auffällt.

  8. Christian Peter

    @Falke

    ÖVP und SPÖ gelingt es seit Jahrzehnten, die Bevölkerung für dumm zu verkaufen. Durch Veranstaltung von politischen Schaukämpfen und Bauernfang (meist geht es um vermeintliche Vermögens- oder sonstige Steuern, die dann ohnehin nie eingeführt werden) insbesondere vor Wahlen gelingt es ihnen dennoch immer wieder auf’s Neue, das Wahlvolk an die Urnen zu treiben und sich die Stimmen der Stammwählerschaft zu sichern.

  9. timeo

    Vermögenssteuer gibt es bei uns in Österreich schon seit Jahrzehnten: Für jedes Haus, für jedes landwirtschaftliche Grundstück ist “Grundstuer” zu bezahlen !

  10. mariuslupus

    Es sind die Steuern, nichts nur die Steuern, das einzige, wofür sich die politische Klasse interessiert. Die Steuern die den letzten steuerpflichtigen Mohikanern abgepresst werden, garantieren der politischen Kaste ein sorgenfreies Leben in Sicherheit und Wohlstand. Das einzige was einen Politiker beunruhigt, sind die bevorstehenden Wahlen und sein Listenplatz. Deswegen wird vor den Wahlen Neid geschürt und Geschenke an die Bedürftigen im Geiste verteilt.

  11. Fischer

    CP 10.39
    Wohin gehen all diese Gelder? Geld verschwindet ja nicht Dem Minus muß ein Plus gegeüberstehen – wo ?

  12. BAUMGARTNER Josef

    Vielleicht hat er an jene nicht unbeträchtliche Zahl der Mindestrentner (Kernwählerschicht) gedacht, die nicht nur keine Steuern zahlen, sondern auch noch in den Genuss von Negativsteuern kommen. Von denen schlafen um diese Zeit bestimmt auch noch viele. Dazu kommen noch Arbeitslose, Flüchtlinge und und und.

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