Kirche ohne Kirche

(LUKE LAMETTA) In Deutschland existiert (mal wieder) ein festes Bündnis aus Thron und Altar. Auf dem Thron sind dabei heute gutchristlich die Allerletzten die Ersten, den Altar wiederum hat die (mal wieder) vollends in die Rolle von Staats-, und Regierungskirche diffundierte EKD inne – armer Max Weber, umsonst gelehrt.
Wobei, von “Kirche” in einem christlichen Sinne kann eigentlich gar keine Rede mehr sein, man geriert und versteht sich eher als Merkeldeutschlands spiritueller Arm der Grünen Partei. Predigten, Presseaussendungen und angenommene #Kirchentag-Resolutionen lesen sich wie Manifeste linksradikaler Politsekten – die Twtr-, und Fcbk-Accounts der E’K’D dagegen eher wie Malbücher ausm Waldorfkindergarten.
Gott kommt darin jedenfalls nirgendwo mehr vor. Der RKK wäre ein Papst zu wünschen, der (unter anderem) diese Lücke sieht und – das sollte man angesichts des momentanen Bodenpersonals wohl dazusagen -, sie auch versteht und begreift. In ihrem momentanen Zustand taugen die beiden großen deutschen Amtskirchen sensu stricto jedenfalls nur mehr als Evidenz für die hier schon mal aufgestellte These: Sämtliche politischen Etiketten und Begrifflichkeiten verändern sich im Laufe der Zeit so stark, dass sie ihre eigenen Väter unmöglich wiedererkennen würden.
Die (historische) Linke war es eigentlich, die sich selten ein Blatt vor den Mund nahm, während die (historische) Rechte einen bestimmten Ton und irgendwelche “Korrektheiten” einforderte. Es war auch eher Letztere, die in Free Speech “Hatespeech” zu erkennen beliebte und wenig zimperlich bei der entsprechenden Ahndung war. Faszinierend also, wie vollumfänglich sich nicht nur das alles gedreht hat.
Kirchenkritik nämlich galt noch in meiner Jugend – ganz zu schweigen von den Jahrzehnten und Jahrhunderten davor – als eindeutig “links”. Man war auf der Seite von Aufklärung, Gleichberechtigung und Freiheit. Heute dagegen gilt ein Kirchenkritiker ja schnell mal als “unsozial” oder als (noch schneller) “islamophob” – und damit natürlich als sehr, sehr “rechts”. Treppenwitz der Geschichte, Ausgabe MCMLXXXIV.

7 comments

  1. Rennziege

    Dear Luke, trusted brother in arms! Endlich wieder etwas von Ihnen zu lesen sorgt für einen schönen Sonntagnachmittag. Außer einer sprachkritischen Anmerkung hab’ ich nixxx dazu zu sagen: Max Weber hat nicht umsonst gelehrt, sondern (in Ihrem Kontext) vergebens. Denn als Uni-Prof. war er nicht gerade übel besoldet, gööö?

    Zum Zustand der mitteleuropäischen Amtskirchen haben Sie alles gesagt. Die purzeln schon jetzt über Ihren Treppenwitz der Geschichte (1984) zu Tal, sogar in Kanada, dabei alle möglichen Traditions- und Genickbrüche in Kauf nehmend. Dabei sehnen sich die wenigen ausharrenden Schäfchen nach einem neuen Abraham a Sancta Clara; aber nicht nach einem Kommunisten namens Franziskus oder politisch korrekten, brav tschändernden Genossen im Talar, die dem Zeitgeist huldigen wie einst dem Goldenen Kalb — und diese flagrante Apostasie als die ultima ratio des Christentums preisen.
    Herzliche Grüße, wie immer. Da fällt mir ein, allerdings ein wenig anstößig: Ein Freund meines alten Herrn, emeritierter Pfarrer, nannte seine angepassten Brüder schon in meinen Teenie-Jahren schlicht “Kuttenbrunzer”.

  2. Wanderer

    “Kirchentag-Resolutionen lesen sich wie Manifeste linksradikaler Politsekten.”

    Ich habe diese zwar nicht gelesen, aber wie sollen die sonst klingen, wenn sie doch von linksradikalen Politsekten verabschiedet werden?
    @Rennziege
    Ihr Ausdruck ist natürlich anstößig und wird vermutlich in naher Zukunft auch als Verhetzung durchgehen, doch wenn ich die hohe Geistlichkeit im Interview oder bei der Demo gegen Rechts sehe, kommt er mir meist zwangsläufig in den Sinn. Die Gedanken sind frei.

  3. stiller Mitleser

    Gott, stimmt, auch bei den Gegenreformierten kommt er kaum noch vor; aber bei den Mystikern, es gibt sogar bei den Reformierten welche, wie Dag Hammarskjöld, auch bei hinduistischen Mystikern, als Licht und Atem, oder bei Gregor von Narek, (hier zu hören http://oe1.orf.at/player/20170528/475152, vom 19.49 bis 19.51) schön!

  4. Rennziege

    28. Mai 2017 – 23:10 — stiller Mitleser
    28. Mai 2017 – 22:50 — Wanderer

    Gentlemen, ich bin ganz bei Ihnen. Der Satz “Die Gedanken sind frei” findet sich in allen Religionen außer dem Islam, von obskuren Sekten abgesehen. Schon in Hermann Hesses “Siddharta”, auch heute noch gern gelesen, findet man alles zum Thema.

  5. mariuslupus

    Die Kirche ist nicht der Glauben. Die Kirche in unseren Sinne hat die Zeiten der Inquisition überwunden. Das bedeutet aber nicht das Ende der Inquisition. Die Inquisition ist in den Gestalten der politisch Korrekten Verkünder der einzigen Wahrheit wieder auferstanden. Der Glauben an den Klimawandel, an die Notwendigkeit hunderttausende über das Mittelmeer nach Europa zu transportieren, ersetzt die letzten Reste der Ratio, der europäischen Errungenschaft der Aufklärung.

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