“Konservativ ist Links geworden”

Von | 23. März 2013

Wer sind heute die Konservativen, wer ist auf der Seite der radikalen Veränderung ? Eine ganz interessante Antwort darauf in der FAZ.

8 Gedanken zu „“Konservativ ist Links geworden”

  1. Spruance

    Wie die Elektriker zu sagen pflegten: “Schwarz ist Rot und Plus ist Minus”. Man kann sich sehr eloquent in der politischen Farbenlehre verirren und irgendwie gar nicht darauf kommen, daß die an Der Macht sie zu verteidigen wissen.

  2. Gerhard

    Die Bezeichnung links und rechts bei politischen Bewegungen kommt doch aus der Sitzordnung in den großteils halbrunden Sitzungsräumen in den Paralmenten. Wenn es aber absolute Mehrheiten gibt (z.B. in Budapest), dann sitzen Rechte links bzw. umgekehrt.
    Ideologisch haben sich manche Ideen der Linken nach rechts verschoben und auch umgekehrt ist dies zu erkennen. Aus meiner Beobachtung hat z.B. die ÖVP schon sehr viel linkes Gedankengut übernommen. Ob dies als Überlebenschance bei künftigen Wahlen notwendig ist? Oder sind manche Leute (z.B. Neubauer, Leitl) den linken Ideen auf den Leim gegangen?

    @Spruance
    Bei den Elektroleitungen wurde schon vor vielen Jahren die “rote” Isolation (= Erdung) durch grün/gelb ersetzt, damals hieß es: ROT ist tot. Beim 2-Phasen-Kraftstrom (400 Volt) braucht es nicht einmal BLAU, da reicht SCHWARZ völlig aus. 🙂

  3. gms

    Was verbindet echte Liberale mit echten Konservativen, und weshalb stehen beide Gruppen in Opposition zu Linken? — Beide kommen zu denselben Schlüssen, wonach das Abrücken von bestimmten Prinzipien des menschlichen Zusammenlebens für eine Gesellschaft nachteilig ist.

    In der Konsequenz ist vernachlässigbar, ob man überwiegend aus historischer Erfahrung heraus bestimmte Werte über andere stellt (Tradition), oder aus vermehrt theoretischer Anschauung nach dem Ausschlußverfahren zu einer ganz bestimmen Wertereihung kommt.
    Der Konservative argumentiert zutreffend, dies und jenes habe sich im Gegensatz zu anderen Entwürfen geschichtlich bewährt, der Liberale ist der Überzeugung, dies und jenes sei deshalb besser, weil alle Alternativen dazu an unüberbrückbaren inneren Widersprüchen leiden.

    Konservative und Liberale treffen sich bei einer Systematik, von der beide der Meinung sind, sie würde dem menschlichen Naturell entsprechen.
    Abermals: Es ist für die Folgen belanglos, seine politischen Präferenzen mit einer dementsprechenden göttlichen Ordnung zu begründen, oder alternativ dazu mit Vernunft, wonach Widersprüche in einem Gesellschaftssystem dasselbe zwangsweise zum Einsturz bringen müssen, weil Menschen aus Fleisch und Blut sich auf Erden nunmal weder über Physik noch Logik hinwegsetzen können.

    Für die Linke am politisch diametralen Gegenpol gibt es weder ein sich Umgestaltungsversuchen widersetzendes menschliches Naturell, noch einen soziologischen oder ökonomischen Widerspruch, der sich nicht durch Planung vermeiden oder im Anlaßfall durch Nachjustierung diverser Stellschrauben ausbügeln ließe.
    Der Konservative glaubt an Gott, für den Liberalen ist diese Frage nicht relevant, und der Linke hält sich selbst für Gott.

    Wenn vormals Konservative nun vermehrt linke Agenda betreiben, so deshalb, weil sie einem neuen Gott auf den Leim gehen oder meinen, sich ihm andienen zu müssen, um damit hehre Ziele zu erreichen. Dieser irdische Gott hat in der Tat eine gottgleiche Fähigkeit, denn er *darf* zumindest all das tun, was ihm in den Sinn kommt.

    Für Linke existiert der Unterschied zwischen legal und legitim einzig in Hinblick darauf, wie sich etwas zur Erreichung legitimer Ziele verhält. Das Paradies auf Erden im Sinne von Wohlstand und Zufriedenheit für alle Erdenbürger anzustreben, ist ohne jede Frage legitim, es kann daher zugleich Konsens über alle politischen Lager hinweg sein.

    Der Konservative lehnt illegitime Mittel immer ab, im Zweifel entscheidet der Rückgriff auf religiöse Gebote. Darüber, ob ein Mensch einen anderen töten, bestehlen oder sonstwie in dessen Autonomie eingreifen darf, gibt es wenig Auslegungsspielraum. Zum selben Ergebnis kommt der Liberale, ist doch der Begriff der Gesellschaft, in welcher jeder Mensch nahezu ausnahmslos leben muß, eine gigantische rhetorische Seifenblase, wenn die nötigen Bestandteile jeder Gesellschaft, die Individuen, keinen ausreichenden individuellen Schutz erfahren.

    Einen Dritten gegen dessen Willen zu opfern ist Zeichen der Anmaßung, selbst einem Gott gleich agieren zu können, weil man, nicht minder anmaßend, alle Effekte dieses Treibens zu kennen meint, und das legitime Ziel sich 100%ig gewiß – trotz oder auch wegen dieser Effekte – erreichen ließe.

    Die Priester des neuen ‘Demokratie’ genannten Gottes *dürfen* nach den ihnen auferlegten Geboten alles tun. Daß damit beliebige Transformationen dieses Glaubens abgesegnet sind, ist ein Treppenwitz, dessen Pointe sich unter anderem in dem Chiasmus namens ‘Postdemokratie’ findet und das demokratische Unterlaufen der Demokratie bezeichnet, um selbige am Leben zu halten.

    Die neuen linken Feudal-Dynastien rittern mit denselben demokratistischen Mitteln wie die nicht minder gut organisierten Neo-Konservativen um partiell unterschiedliche Ziele, doch, und dies ist der zweite Treppenwitz, treiben sie damit die Gesellschaft gemeinsam in dieselbe Richtung, bei der dem zunehmend entmündigten Individuum zwangsläufig die Luft ausgeht. Linke und Neocons ziehen als Gläubige des starken Staates am selben Strang. Selbst wenn sie dabei gelegentlich in unterschiedliche Richtungen ziehen, so findet sich doch das Individuum mit der um den Hals gezogenen Schlinge dazwischen.

    Der einzelne und um seine Autonomie ringende Mensch ist zur Erlangung des großen Zieles immer ein Störfaktor, welcher rein pragmatisch betrachtet auszuschalten ist. Aus welchen Gründen aber (ich wiederhole mich erneut) man anmaßend durch einen von oben herab betriebenen Umbau der Gesellschaft Individuen opfert, ist einerlei. Echte Konservative wissen dies ebenso wie Liberale.

  4. Thomas Holzer

    @gms
    Ehre wem Ehre gebührt! 🙂
    Schöner und treffender kann man es schwerlich beschreiben!
    Kompliment

  5. Feldheld

    Deutsche Journalisten reden über Politik und in China neigt sich ein Sack Reis um 3,53 Grad.

  6. Feldheld

    @gms
    Für den Konservativen heiligt der Zweck durchaus die Mittel. Für Liberale sind bestimmte Mittel absolut tabu. Für Linke heiligt ihr Zweck jederzeit jedes Mittel.

    Deutscher Konservatismus ist so gut wie nicht existent. Was sich bei uns konservativ nennt, ist in Wirklichkeit kriecherischer Opportunismus. Ebenso gibts hier keine wirklich Liberalen. Deutsche sind praktisch zu 100% gern Untertanen, sie wollen regiert werden, nicht verantwortlich und natürlich auch nie schuld sein, sie schauen auf zum Staat, alles Gute kommt stets nur von oben, alles Schlechte somit auch.

    Konservativ und liberal wird man durch Lebenserfahrung und Intellekt. Links bleibt man, weil man zum Selbstdenken zu dumm ist oder zum Leben zu feige.

  7. Lodur

    @Feldheld
    “Konservativ und liberal wird man durch Lebenserfahrung und Intellekt. Links bleibt man, weil man zum Selbstdenken zu dumm ist oder zum Leben zu feige.”

    Dann müssten Sie ja ultralinks sein.

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