Konservativer Konter, gelungen

Von | 16. Oktober 2017

(JÜRGEN POCK)  Der konservative Konter unter Kurz ist gelungen, er hat zum Wahlsieg der türkisen Volkspartei geführt. Der ÖVP-Obmann hat das Umfragehoch der letzten Monate und Wochen bestätigen können. Trotz einiger konditioneller Schwächeanfälle im Finish des Wahlkampfes holt sich der 31-Jährige nach einer professionell durchgezogenen Kampagne den ersten Platz. Obwohl er als Koalitionsbrecher Neuwahlen ausgerufen hat.
Für die SPÖ und Christian Kern bedeutet dieses Resultat die Abwahl aus dem Kanzleramt, die Sozialdemokraten wurden mit Ansage von der Spitze gestoßen. Dennoch freut sich Kern über die Egalisierung des beschämenden Faymann-Resultats aus dem Jahr 2013 und betont unter den  Jubelrufen seiner im SPÖ-Festzelt positionierten Genossen einen brutalen politmedialen Gegenwind, der ihn an einem Sieg gehindert habe. Im Zuge eines skandalösen SPÖ-Wahlkampfes hat sich Kern selbst die Opferrolle zugeschrieben. Diese Selbstviktimisierung versucht er jetzt auch nach der Wahlniederlage zu prolongieren. Überaus amüsant, wenn die Kollegen Strolz, Pilz, Lunacek sowie ausgewählte Pressestimmen ein paar Minuten nach der ersten Hochrechnung schon vor den Gefahren einer schwarz-blauen Koalition warnen.

Auch interessant: Seinen ersten Auftritt vor Gleichgesinnten beginnt der SPÖ-Chef mit der Feststellung, dass sich die Sozialdemokratie ein besseres Ergebnis verdient habe. Kurze Zeit nach Silberstein und Co. eine durchaus kühne Analyse seiner Pleite. Und Strache? Er ist doch ein Haider, zumindest kratzt er am Haider-Hoch von 1999 (in der Urnenwahl übertrifft er sogar mit 27,35 Prozent das bisher beste FPÖ-Ergebnis). Mit starken Zugewinnen ist er neben Kurz der klare Wahlsieger. Die Freiheitlichen freuen sich jetzt auf die anstehenden Pokerspielchen um die Macht, sie können ihren Dienst als möglicher Königsmacher teuer verkaufen.
Tempomacher Strolz stottert voraussichtlich mit etwas mehr als fünf Prozent ins Parlament. Seine Flügel wurden kräftig gestutzt, denkt man an den illusorisch vorgetragenen NEOS-Wunsch, der mit einem zweistelligen Ergebnis kokettiert hat. Während die Grünen bundespolitisch zu Staub zerfallen, hat Lunacek nichts Besseres zu tun, als die bösen konservativen Kräfte zu tadeln. Die gescheiterte Bundessprecherin Ingrid Felipe hat in einer ersten Stellungnahme wie auch schon zuvor in TV-Gesprächen bewiesen, dass sie keine Antwort auf nichts hat. Sollte Peter Pilz sein finales politisches Lebenswerk schaffen und ins Parlament einziehen, wird er sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, er sei der Totengräber der Grünen. Auch wenn dieser Reflex keine substantielle Wahrheit in sich trägt. Für ihren Untergang sind die Linksgrünen schon selbst verantwortlich.
Fazit: Die Kurz’sche Rückbesinnung auf konservative Werte wird vom Wähler goutiert. Davor war die ÖVP ein willfähriger Partner mit sozialdemokratischem Antlitz. Mit türkisem Anstrich hat sich die Volkspartei rechts positioniert und glaubt nicht mehr, man müsse den Konservatismus abfedern und sich gar für ihn entschuldigen. Die Wahlen werden in Zeiten wie diesen nicht in der Mitte gewonnen, das hat Kurz erkannt. Die FPÖ schon lange davor. Christian Kern hingegen hängt am Weltbild der Sozialdemokratie, das aus einer Zeit stammt, in der so gut wie alles anders war. In dieser simplen, schlichten Welt sind und bleiben die Menschen Opfer. Das verführerische SPÖ-Angebot von multikulturellem Miteinander, ruinöser Wirtschaftspolitik, massiver Staatsverschuldung und einer militanten Gewerkschaft, welche die Partei nach ihrer Pfeife tanzen lässt, hat kaum optimistische Aufbruchsstimmung vermitteln können. Der Plan ist gescheitert. Das Bedürfnis nach Schuld und Sühne hält sich parteiintern wie immer in Grenzen. Schuld sind einfach die anderen, in dem Fall der Boulevard.

6 Gedanken zu „Konservativer Konter, gelungen

  1. Mona Rieboldt

    Die SPÖ hätte 16% verdient, das starke Ergebnis wundert mich. Das Schöne aber, dass die Grünen wohl nicht reinkommen, falls nicht noch ein Unheil passiert. Vielleicht sollte Österreich von 4 auf 5% erhöhen (wie in D), damit eine Partei ins Parlament kommt.

    Mich wundert auch, dass die “Briefwahl”-Auszählung bis Donnerstag dauert. Müssen die denn nicht bis zum Wahltag da sein? Bei uns sind sie gleich in der Hochrechnung drin und 2-3 Stunden nach Schließung der Wahllokale ist das Ergebnis fest. Dass die Auszählung bis Donnerstag dauert, erinnert mich etwas an den Kongo 😉

  2. Rennziege

    16. Oktober 2017 – 13:54 — Mona Rieboldt
    Etwas vom Kongo hatte Ösiland schon immer. Die späte Auszählung der Wahlkarten hat auch mich verwundert. Das liegt nicht an den aus dem Ausland gesandten Wahlkarten, klärte mich telefonisch die Österreichische Botschaft in Toronto auf; denn die müssen am Wahlsonntag bis 17:00 Uhr eingetroffen sein, um zu gelten.
    Was aber überrascht, ist die Gesamtzahl der ausgegebenen Wahlkarten, diesmal ~800.000 Stück. Davon gingen nur ~70.000 ins Ausland. Alle anderen können persönlich in beliebigen österreichischen Wahllokalen abgegeben werden. Was ausgerechnet deren Zählung so verlangsamt, überrascht noch mehr. Könnte aber mit den Wirren, Unregelmäßigkeiten und Mauscheleien der Bundespräsidentenwahl 2016 zusammenhängen, die drei Wahlgänge erforderte.
    This is Austria for you, dear Mona.

  3. Falke

    Es ist ja tatsächlich kaum zu glauben, dass die SPÖ, nach all den bekannten Skandalen, dem absolut dilettantischen Verhalten von Kern sowie seinem völligen Versagen als Bundeskanzler und seiner “erfolgreichen” Schleppertätigkeit während der orientalischen Invasion 2015, wieder genausoviele Stimmen erhalten hat wie vor 4 Jahren. Dass es eine Anzalhl voll indoktrinierter Fanatiker sowie sonstige Politdummies gibt, die immer Rot wählen bzw.an denen alles unbemerkt vorbeigeht, ist ja klar. Aber dass es ewa 1,2 Mio sind, macht einen schon nachdenklich. Die von Mona Rieboldt oben genannten 16% sind unter diesem Gesichtspunkt eigentlich schon sehr hoch gegriffen. Realistischerweise hätte ich dennoch 21-22% erwartet – aber nie und nimmer fast 27%.

  4. fxs

    War ja zu erwarten, dass bei den Roten nach dem SilbersteinSkandal alle Reserven mobilisiert wurden. Sie verloren zwar etwa 300.000 Wähler,welche sie noch 2013 gewaählt hatten an alle anderen Parteien -außer die Grünen-. Konnten aber 156.000 Wähler aktivieren,die 2013 nicht zur Wahl gingen. Die restlichen Stimmen zum Ausgleich der Verluste brachten wohl jene, denen es wichtiger war, einen blauen Erfolg durch Erriongung der Position des zweitstärksten zu verhindern, als die eigene partei überlebt. Von den 581000 Grünwählern von 2013 wählten 16100 SPÖ und nur 147000 wieder Grün.

  5. Mona Rieboldt

    Rennziege
    In D sind es sicher wesentlich mehr Briefwähler als diese 800.000 in Österreich. Vielleicht müssen sie erst überlegen, welche sie auszählen und welche sie “unter den Tisch” fallen lassen. Das haben sie mit der AfD gemacht in Bremen, in Sachsen-Anhalt und in NRW. Wenn so agiert wird, soll verhindert werden, dass die FPÖ an 2. Stelle steht, dafür aber dann die SPÖ. Wenn es um die Plätze am Futtertrog geht, werden die selbsternannten Demokraten sehr schnell ganz undemokratisch.

  6. Rado

    @Falke
    Sehen Sie doch einmal genau hin, wo Kern seine letzten Wahlkampfauftritte hatte!
    Den Türkenverbänden, die sonst eher Wahlkampf für Erdogan machen, gehen diese Dinge allesamt am Allerwertesten worbei.

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