Kriege, Pandemien und andere nützliche Schrecknisse

Von | 4. Juli 2020

(ANDREAS TÖGEL)  Dass Regierungen von Kriegen und Katastrophen profitieren, ist nichts Neues. Kaum von einer real existierenden oder imaginierten Gefahr bedroht, scharen sich die verängstigten Menschen um ihre Führer, auf dass ihnen geholfen werde. Die in kritischen Momenten eingeführten Maßnahmen erfreuen sich fortan eines so gut wie ewigen Lebens, wie am Beispiel der im Ersten Weltkrieg in der Donaumonarchie eingeführten Mieterschutzes deutlich wird (damals sollten mittellose Kriegerwitwen vor einer drohenden Delogierung bewahrt werden). Bis heute ist es dank dieser Gesetzgebung immer noch möglich, Luxusobjekte zum Sozialtarif zu bewohnen. Soziale Wohltaten sind regelmäßig mit einer Art „Sperrklinkeneffekt“ versehen, der ihre Abschaffung faktisch unmöglich macht. Nicht nur Kanonen, Panzer, Bomben und Granaten kosten Unsummen, sondern eben auch der Sozialkitsch.
Was empirisch erwiesen ist: die Steuer- und Schuldenlasten steigen während jedes Krieges, mit welchem Ziel auch immer er geführt wird, kräftig an und erreichen nach Ende der Kampfhandlungen nie mehr das vergleichsweise niedrige Niveau der Vorkriegszeit. Kleiner Hinweis: der Höchstsatz der Einkommensteuer in Österreich hat sich, seit ihrer Einführung anno 1896, und zwei Weltkriege später, von fünf Prozent auf das heute Elffache (!) erhöht. Bei den Staatsschulden ist die Entwicklung noch wesentlich dramatischer

Kriege sind aus Sicht der Machthaber großartig, ermöglichen sie es doch, das Augenmerk der unbedarften und verängstigten Untertanen elegant von allerlei Mängeln, Fehlern und/oder allgemeiner Korruption im Inneren abzulenken und auf entmenschte Außenfeinde zu richten. Die Aufarbeitung des Themas Kriegspropaganda füllt folgerichtig ganze Bücherregale. Stets sind Lügen und Desinformationen die gebräuchlichsten Mittel der Machthaber und, wie Hiram Johnson treffend feststellt, die Wahrheit ist stets ihr erstes Opfer.

Ob die Regierung eines kriegführenden Staates demokratisch legitimiert ist oder nicht, spielt übrigens keine Rolle. Allerdings ist festzustellen, dass sich militärische Niederlagen autokratisch geführter Regime – anders als in Demokratien – recht nachteilig auf die Lebenserwartung der jeweiligen Potentaten auswirken können.

Es bedarf zum Nutzen und Frommen der Nomenklatura keineswegs einer mit militärischen Mitteln geführten Auseinandersetzung. Auch ein Krieg gegen die Armut, gegen Drogen, gegen die soziale Ungerechtigkeit, der Kampf gegen den sauren Regen, gegen das Ozonloch oder den angeblich menschengemachten Klimawandel, für die Rechte diskriminierter Minderheiten und – wer könnte in diesen für die Regierungen so glücklichen Tagen darauf vergessen – die Covid-19-Pandemie, verhelfen den Herrschenden zu ungeheurem Machtzuwachs.

Doch jede noch so rücksichtslos durchs Dorf getriebene Sau erlahmt irgendwann. Zumal dann, wenn keine Rede davon sein kann, dass “jeder einen kennen wird, der an Covid-19 gestorben ist“ (so der Kurzkanzler). Bei einer Letalität von 0,37 Prozent das Wort Pandemie zu strapazieren, hat ja geradezu etwas Frivoles an sich. Nur zum Vergleich: Als weiland die Pest mit einer Sterblichkeitsrate von 40 bis 60 Prozent der Infizierten durch Europa raste, konnte mit Fug und Recht von einer Pandemie gesprochen werden.
Wie dem auch sei, die Sache nutzt sich inzwischen merklich ab. Etwas Neues muss her, um die Spannung hoch und die Masse gefügig zu halten. Welchen Reifen könnten die Politeliten im Anschluss an das Covid-19-Drama hochhalten, durch den die untertänigen Massen zu springen haben?

Wie wäre es zum Beispiel mit dem, wie besorgte linke Bessermenschen nicht müde werden anzuprangern, angeblich so ungeniert tobenden, „strukturellen Rassismus“? Zu diesem Stichwort vermeldet „Wikipedia“: „Institutionellen (d. h. strukturellen, Anm.) Rassismus erfahren Menschen durch Ausgrenzung, Benachteiligung oder Herabsetzung in gesellschaftlich relevanten Einrichtungen…“ Aha. Dieses in der Tat akute Problem lässt natürlich jedes andere alt aussehen. Jetzt braucht es also nur noch einen Anlass, um die die durch Covid-19 ausgelöste kollektive Hysterie am Leben zu erhalten.

Das zeitgeistige Narrativ lautet: stetes sind die Täter weiß und die Opfer schwarz. Was nicht passen will, wird passend gemacht oder ignoriert. Warum allerdings völlig unbeteiligte europäische Ladeninhaber, Passanten und Polizisten Schaden nehmen müssen, weil in den USA ein Schwarzer  gewaltsam zu Tode kommt, können vermutlich auch die strammen Antirassisten von „Zara“ nicht plausibel erklären.

Besonders bemerkenswert ist indes nicht die blinde Wut des farbigen Mobs, sondern die kollektive Unterwerfung vieler (überwiegend gebildeter) Weißer unter die offen rassistischen Forderungen der selbsternannten Antirassisten. Wer heute nicht demütig sein Knie beugt und sich wegen eines angeblich allen Schwarzen widerfahrenden Unrechts in den Staub wirft, hat beste Chancen auf gesellschaftliche Ächtung – ja sogar auf Jobverlust (wie der Fall des Piloten jener Sportmaschine zeigt, der anlässlich eines Fußballspiels im Vereinigten Königreich wagte, die Parole „White Lives Matter“ zu präsentieren). Die im Grund unangreifbare Feststellung, dass jedes Menschenleben – also natürlich auch das eines Weißen- zählt, gilt heute bereits als rassistisch. Irre!

3 Gedanken zu „Kriege, Pandemien und andere nützliche Schrecknisse

  1. Der Bockerer

    Wie wäre es damit: Allen Politikern, die sich nicht klar und deutlich von den Auswüchsen des gegenwärtigen Irrsinns (bend the knee etc.) distanzieren, die Stimme an der Wahlurne zu entziehen. Und zwar bis zum Eintreffen des Gegenteils.
    In England, so hört man, wurden Polizisten vom Mob gejagt, die das Knie nicht beugen wollten.
    https://newsvoice.com/i/4703082

  2. sokrates9

    Würde heute einer aufstehen, nicht vor dem linken Presse Mob in die Knie gehen und klassische Werte forden die ja die Bevölkerung eigentlich will, würde er sofort als Rechtsradikaler am Prangeer stehen und medial gefoltert werden,von all den kleinen Schreiberlingen die in dem System nie zu einem Wohlstand gelangen können.

  3. Wolfgang Niedereder

    Danke für den erfrischenden Artikel, aber wo bleiben unsere Eliten mit ihren Wortmeldungen? Hier regiert Feigheit und Opportunismus und das seit Jahrzehnten, eine leider sehr österreichische Tugend.

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