Kultureller Kannibalismus

“….. Als «kulturelle Aneignung» gilt heute, wenn sich Vertreter einer angeblich privilegierten Dominanzkultur aus dem Reservoir anderer Gemeinschaften bedienen. Thomas Mann dürfte heute «Joseph und seine Brüder» nicht mehr schreiben. NZZ, hier

12 comments

  1. CE___

    Und wenn sich dann Vertreter einer angeblich privilegierten Dominanzkultur diesen absurden Vorwuf zu Herzen nehmen und sich aus dem Reservoir anderer Gemeinschaften bewusst NICHT (mehr) bedienen, dann plötzlich gilt dies wiederum als “kulturelle IGNORANZ” und “kulturelle ÜBERHEBLICHKEIT”.

    Den Marxisten geht es nur darum den oder die anderen anzupinkeln.

  2. Rado

    Das ist ziemlich genau das Gegenteil von dem, was uns jahrzehntelang als “multikulturelle Bereicherung” schmackhaft gemacht wurde. Auch recht, in die geistige Biotonne mit dem ganzen Ethnomist.

  3. Falke

    Ich warte nur darauf, dass Karl May ins Visier des Sprach- und Kulturreinigungspersonals gerät; schließlich hat er erstens über Indianer geschrieben (das Wort ist, glaube ich, auch nicht mehr erlaubt), noch dazu in Ich-Form, ohne je dort gewesen zu sein (jedenfalls nicht zum Zeitpunkt, als er die Winnetou-Romane schrieb) und zweitens auch über Araber/Moslems, ebenfalls in Ich-Form, wobei er sich sogar einen solchen als “Diener” gehalten hat. Das alles geht ja überhaupt nicht 😉

  4. Cora

    “Kultur schlechthin lebt von der Aneignung des Anderen, von der Fähigkeit, sich von fremden Erfahrungen inspirieren zu lassen.” schreibt K.P. Liessmann und unter diesem Gesichtspunkt ist auch das Abräumen der vergangenen westlichen, europäischen Epochen zu betrachten, denen wir verdanken, dass wir so sein dürfen, wie wir sind. Zum Beispiel dass die Sklaverei abgeschafft wurde, zumindest in der westlichen Welt. Europäische Mächte (Holland, England, Frankreich, Dänemark, Österreich) schickten zwischen 1600 und 1820 etwa 30-mal Kriegsschiffe, welche die Häfen der Versklaver bombardierten und die Schiffe versenkten. Es half nichts. Obwohl die islamischen Städte in Ruinen fielen, hörten die Emirate nicht auf mit dem Dschihad zur See. Zeitweise zahlten die USA ein Fünftel ihres Bundeshaushalts als Tribut an die Barbaresken, damit diese die amerikanischen Handelsschiffe nicht kaperten. Präsident Jefferson hörte auf zu zahlen und schickte Kriegsschiffe. Erst als die Franzosen Algier eroberten, war dieser Albtraum zu Ende. Die Kolonisierung des arabischen Nordafrikas ist eine direkte Antwort auf die mehr als 300 Jahre währenden Kriegszüge der Barbaresken gegen die Küsten Spaniens, Südfrankreichs, Italiens. Es wird nicht mehr thematisiert, weil die islamischen Versklavungsrazzien ab 1840 zu einer folkloristischen Veranstaltung verharmlost wurden, etwa in Opern.

    Dass wir heute einen anderen Blick auf die Dinge haben als frühere Generationen, so liegt das genau an diesen Generationen, die ihn uns erkämpft haben, das Ergebnis liegt nun in Form von Menschenrechten vor uns, etwa im Artikel 4 der Menschenrechte, in denen es um “skavereiähnliche Verhältnisse” geht, sollte uns nicht darüber vergessen lassen, dass wir diesen anderen Blick den Vorvätern der europäischen Kultur verdanken. Wir stehen auf den Schultern von Giganten, wie das Buch “On the shoulders of Giants” von Richard K. Merton, zu bedenken gibt. Wenn man heute glaubt, auf diese Giganten verzichten zu können, so ist dies eine Absage an die gewonnenen Rechte, ein Rückfall in die Barbarei, die man vorgibt zu kritisieren.

  5. Kluftinger

    Manes Sperber hatte einmal geschrieben “Sie reissen die Wegweiser aus, sind aber nicht in der Lage neue zu erstellen”. Was folgt ist Orientierungslosigkeit.
    Der Soziologie Anton C. Zijderveld hat in seinem Aufsatz “Modernität und Langeweile ” treffend aufgezeigt, dass die meisten Menschen ein Koordinatensystem brauchen. Ein System, das einen Anfang und Ende des menschlichen Handelns als Zäsur setzt . Dort wo Koordinaten fehlen, entsteht eine “Lange-Weile” die dann durch Exzesse durchbrochen wird. Angefangen vom Drogenkonsum bis zu Gewaltakten (sei es auch gegenüber Denkmälern?).

  6. astuga

    Eine Welt ohne Europäer wäre so wundervoll…
    Genozide, Kannibalismus, Witwenverbrennung, Kastensysteme, rituelle Menschenopfer und Sklaverei wären weltweit Alltag, und kein westlich geprägtes Wertesystem wäre ein Störfaktor.

    Klar, einiges davon gab es auch bei uns, teilweise noch gar nicht so lange her.
    Aber was uns “Westler” von anderen unterscheidet sind nicht unsere gemeinsamen Sünden, sondern unsere Tugenden.
    Und das wir bereit waren Unmenschlichkeit zu bekämpfen und zu ächten, sie nicht als Normalität zu betrachten.
    Kulturelle Aneignung erwünscht!

  7. astuga

    Und wenn Nichteuropäer uns mit unseren eigenen kulturellen Werten bekämpfen, so richten sie sich damit gleichzeitig auch selbst.
    Denn jeder Vorwurf fällt auf sie und ihre eigene Geschichte doppelt und dreifach zurück.

  8. Johannes

    Dürfen tut man noch vieles, es wird einem halt sehr schwer gemacht.
    Es gibt zB. eine Brauerei welche sich nicht verbiegen lässt, dem gegenüber gibt es eine Apotheke die sofort seine uralte Bezeichnung aufgegeben hat.

    Niemand von diesen zwei Beispielen hat jemals unmenschlich gehandelt, es sind Geschäftsleute, sie sind -behaupte ich – frei von Ressentiments und Vorurteilen.

    Noch nie habe ich die Bezeichnung “Mohr“ als eine abfällige Bezeichnung empfunden, im Gegenteil, überall dort wo sie nach alter Tradition gebraucht wurde war sie sehr wertschätzend verwendet worden.

    In vielen Kirchen gibt es schwarze Madonnen, ich warte schon darauf das BLM sie entdeckt und unsere Pfarren gehorsam in den Staub fallen und mea culpa anstimmen.

    Ich behaupte, es geht nicht um die Bezeichnung, es geht darum bestimmte Menschen zu zwingen, durch den Zwang entsteht eine Macht die zu jeder Zeit aktiviert werden kann.
    Beim nächsten mal geht es um bestimmte Forderungen von bestimmten Gruppen und man erwartet jedesmal ein Einlenken durch Einknickung.
    Man kann nun sukzessive daran gehen die Mehrheitsgesellschaft wie eine Herde Schafe zu treiben zu melken und zu scheren, nach belieben.
    Nicht umsonst wird, so scheint es, diese Bewegung von BLM von linken Chaoten, Plünderern und Krawallmachern als Plattform genützt.
    Es gibt mehr Schwarze als es die mediale Berichterstattung wiederspiegelt die mit solchen Untrieben nichts zu tun haben wollen.

    Es ist ein Scheingefecht und jeder der ohne Grund einknickt macht sich schuldig ein totalitäres System zu unterstützen, aus Feigheit und Angst (die ich verstehen kann) werden viele wieder zu Duckmäuser die mitschwimmen und alles tun was man verlangt um keine Schwierigkeiten zu bekommen.

    All lives matter wird als rassistisch bezeichnet und bekämpft und doch ist es die einzige richtige Antwort auf BLM.

  9. aneagle

    Die Diskussion wer was darf ist Quatsch.
    Wer ermächtigt wen darüber valide zu urteilen?
    Eben! Wie wir wissen darf Kunst und Satire alles, außer in totalitären Systemen.
    Etwas mehr Selbstbewustsein erhält das europäische Kulturschaffen gegen schmächtige Widersacher und bildungsferne Neider.

  10. Cora

    Wie richtig die von Liessmann behauptete “Kulturellen Aneignung” ist, die in jedem Künstler steckt, möchte ich hier auszugsweise zeigen, weil ich das gerade lese:
    “Die Auseinandersetzung eines Künstlers mit einem künstlerischen Zeugnis der Vergangenheit wie etwa dem Werk eines großen Dichters, wird auf eine ganz andere Weise vor sich gehen als die eines Philosophen oder Literaturwissenschaftlers. Muss der Wissenschaftler nach klarer Systematik und historischer Genauigkeit streben, so handelt es sich für den Künstler nur darum, eine möglichst enge Verbindung zur eigenen Produktivität herzustellen. Der dichterische Text wird für den Künstler zum Material, zu einem Fundus von Zeichen, die er mit den Zeichen seiner eigenen Sprache in eine Verbindung bringen muss.”
    Hans Zender, Waches Hören, S. 34, Hanser TB, 2. Auflage, 2017

    Den Erfolg eines Joe Zawinul könnte es heute gar nicht mehr geben. Seine Aneignung der schwarzen Musik würde man als “Blackfacing” brandmarken. Welch tolle Musik wäre uns entgangen, hätte damals schon eine Bewegung wie BLM bestanden.

  11. astuga

    @Johannes
    Diese angeblichen Antirassisten machen selbst genau das was sie anderen Vorwerfen: Menschen auf ihre Hautfarbe zu reduzieren und ihnen nur eine Gruppenidentität mit Opferstatus zuzugestehen.

    Das gipfelt dann beispielsweise in Aussagen von Biden (alt, weiß, hetero und ein Mann) der es vom Wahlverhalten abhängig macht, ob jemand ein echter Schwarzer ist oder nicht.
    Oder in weißen, wohlstandsverwahrlosten Collegekids die glauben, Afroamerikaner über Rassismus belehren zu müssen.
    Und wie Sie auch schon festgestellt haben tatsächlich geht es BLM und anderen nicht um Rassismus oder Antirassismus.
    Sie orientieren sich an der kulturmarxistischen Postmoderne, nach der alles ausschließlich ein Ringen um Macht ist.
    Nicht eines nach Wahrheit, Ethik und Moral oder Besserung von Missständen.
    Es geht nur darum einen Machtkampf zu inszenieren und mit allen Mitteln total zu dominieren.

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