Kultureller Rabatt für “Ehrenmord”

“Ein Deutsch-Afghane, der seine schwangere Ex-Freundin hinterrücks erstochen hat, bekommt eine Art Rabatt. Er habe sich „aufgrund seiner kulturellen und religiösen Herkunft in einer Zwangslage befunden“, sagen die Richter….” (interessantes Urteil, hier) Stellt sich die Frage: „Wenn der Täter Christ oder Atheist gewesen wäre, würde seine Schuld schwerer wiegen?“

4 comments

  1. Thomas Holzer

    So ich mich recht entsinne, ist Wiesbaden ein heißes Pflaster für “eigenartige” Urteile

  2. Mona Rieboldt

    Für den Afghanen gibt es sicher noch mehr Entschuldigungsgründe. Wenn er noch bei seinen Eltern wohnt, ist er halt in seiner Entwicklung zurück geblieben. Wahrscheinlich war ihm auch nicht so klar, dass bei einem Geschlechtsverkehr auch Kinder entstehen können. Da muss man doch kultur-sensibel reagieren. Ich wunder mich schon, dass er nicht nur Bewährung bekommen hat. Da hat das Gericht aber knallhart geurteilt. 😉

  3. Christian Weiss

    Wenn der Täter vermindert schuldfähig ist, dann doch wohl, weil er vermindert zurechnungsfähig ist. Wenn der Täter, der inzwischen deutscher Staatsbürger ist und dem die deutsche Rechtsordnung bekannt sein muss, nicht in der Lage ist, den kulturellen Druck seiner Herkunftsgesellschaft zu parieren, ist der Mann in seiner offensichtlichen Labilität ein Sicherheitsrisiko für die Gesellschaft und gehörte nach Verbüssung seiner (verminderten) Haftstrafe logischerweise in die Sicherungsverwahrung.
    Oder ist es ein naiver Wunschtraum, dass sich Juristen solche Überlegungen machen?

  4. Rado

    Seltsame Geschichte. Eine Erklärung könnte die sein (nämlich, dass es hier einen Richter mit Hirn gibt!):
    Die Strafe ja lautet immerhin auf Lebenslänglich, auch sehr ungewöhnlich in Deutschland in solchen Fällen!
    Möglicherweise sind prozesstaktische Gründe die Erklärung. Als Richter bzw. als Ankläger ist man üblicherweise gut beraten, alle Milderungsgründe, auch die absurden, an die man selbst nicht glaubt, in die Urteilsbegründung oder den Strafantrag reinzupacken. Das nimmt der allfälligen Berufung von vorneherein Angriffsenergie. Ein unberücksichtigter Milderungsgrund kann dann schon nicht mehr gerügt werden.

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