Kurz, Amazon und Uber

(C.O.)  Es ist intellektuell verlockend, sich vorzustellen, was geschehen wäre, hätte Sebastian Kurz die ÖVP verlassen und eine eigene Bewegung gegründet so wie der neue französische Staatspräsident Emanuel Macron vor einem Jahr. Völlig ungewiss ist, wie viele Stimmen Kurz in diesem Falle gewinnen hätte können, aber ziemlich sicher ist, dass er zu einem einigermaßen relevanten Player geworden wäre. (Immerhin hat die vergleichsweise wenig profilierte Irmgard Griss im ersten Durchgang der österreichischen Präsidentschaftswahlen 2016 aus dem Stand etwa 19 Prozent der Stimmen bekommen. Man kann sich vorstellen, was eine wesentlich kräftigere Marke wie Kurz samt entsprechender finanzieller Power für ein Potenzial hätte.)

Vieles ist da plötzlich möglich, was noch vor einem Jahrzehnt völlig unmöglich geworden wäre. Politik ist wesentlich liquider geworden, traditionelle Organisationen und Strukturen sind plötzlich akut einsturzgefährdet und in ihrer Existenz bedroht. Neues kann viel schneller entstehen und erblühen als früher. Für den Wähler ist das durchaus ein erfreulicher Fortschritt.

Geschuldet ist dieser Paradigmenwechsel nicht Politischem, sondern hauptsächlich einer technologischen Innovation: den Sozialen Medien im Internet. Im Grunde erlebt der politische Betrieb jetzt zum ersten Mal, womit Wirtschaftsbetriebe schon seit Jahren konfrontiert sind: eine sogenannte disruptive Innovation. Also eine neue Technologie, die bisherige traditionelle Anbieter nicht langsam konkurrenziert, sondern im schlimmsten Fall auszulöschen droht. So wie die Massenproduktion von Autos die Kutschen, Musikdownloads die CD, Digitalkameras die analogen Fotoapparate, Amazon den herkömmlichen Einzelhandel oder demnächst vielleicht Uber die Taxis ersetzt. Und jetzt blüht eben auch den politischen Parteien eine Bedrohung, die erst durch das Internet möglich geworden ist. Das Start-up wird plötzlich zur politischen Kategorie mit dem Zeug, Polit-Dinos zu killen. Manchmal sogar durch die bloße Drohung, disruptive Technologien zu benutzen. Denn Kurz’ Übernahme der ÖVP wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit undenkbar gewesen, wäre den relevanten Entscheidern nicht höchst bewusst gewesen, was ihnen blühen hätte können, hätte Kurz einen auf Macron gemacht.

Mit den Möglichkeiten, die disruptive Technologie im politischen Geschäft bietet, werden vermutlich auch noch andere Parteien oder politische Gruppierungen mehr oder weniger schmerzhafte Bekanntschaft machen. Natürlich war das alles auch früher schon möglich – wie etwa Jörg Haider seinerzeit vortanzte -, aber es war viel schwieriger, teurer und damit mühsamer, was in Summe durchaus einen qualitativen Unterschied macht.

Der Demokratie wird das nützen, weil mehr Wettbewerb auch hier mehr Kundennutzen bringt und den Druck auf die Parteien und Listen erhöht, auf die Wähler zu hören. Oder wünscht sich allen Ernstes jemand die Zeiten zurück, als die politische Speisekarte ausschließlich aus SPÖ und ÖVP (sowie einer mehr oder weniger irrelevanten FPÖ) bestand, die das Land über Jahrzehnte hinweg einfach ungestört unter sich aufteilen konnten? (WZ)

23 comments

  1. Thomas Holzer

    “Und jetzt blüht eben auch den politischen Parteien eine Bedrohung, die erst durch das Internet möglich geworden ist.”

    “Vielleicht” gerade deswegen die offensichtlichen Bestrebungen von Maas und Konsorten, daß Internet zu beschneiden.
    Ein Schelm, der Böses denkt 😉

  2. Christian Peter

    Von einem ‘Paradigmenwechsel’ bzw. ‘mehr Wettbewerb’ kann in dem totalen Parteienstaat Österreich überhaupt keine Rede sein, die Altparteien ÖVP und SPÖ, die sich den Staat seit Jahrzehnten gnadenlos zur Beute machen, haben die Medien und alle anderen Bereiche des Staates noch immer fest im Griff und können bei Wahlen etwa 50 % aller Stimmen auf sich vereinen.

  3. Falke

    @Thomas Holzer
    Und unser neuer “Vizekanzler” schaut schon lange begehrlich zu unseren Nachbarn hinüber – unseren Rot-Grünen (zu denen man – zumindest unter Mitterlehner – auch die ÖVP zählen kann/konnte), deren Wünschen Brandstetter ja immer sofort diensteifrig entspach, würden sehr gerne, natürlich möglichst noch vor den Wahlen, auch so ein Maulkorbgesetz haben.

  4. sokrates9

    Es ist richtig, man kann heute ohne Ideologie, ohne Werte, ohne Konzept auf Wählerfang gehen! Und je unspezifischer man ist desto mehr Wähler identifizieren sich mit der Zielperson! Doch was keiner hinterfragt, wer steht dahinter, wer finanziert??

  5. Christian Peter

    Heureka : Endlich Wettbewerb in Österreichs Politik ! Ohne ÖVP und SPÖ wird es zwar in den kommenden Jahrzehnten keine Regierungsbildung geben, aber immerhin haben zwei Neuparteien den Einzug in das Parlament geschafft (wovon eine 2017 wieder ausscheiden wird).

  6. Mona Rieboldt

    Thomas Holzer
    Da können Sie ruhig Böses denken. Demnächst wird dann jede Kritik an der Regierung als Hassmail deklariert. Das ist aber noch nicht alles, man will auch unliebsamen Parteien das Geld nehmen, selbst aber bei Steuerfinanzierung bleiben. Es soll bis jetzt nur für die nicht verbotene NPD gelten, später sicher auch für die AfD. Es ist sicher kein Versehen, dass immer wieder Stimmen für die AfD nicht ausgezählt werden wie in Bremen, dann Zweitstimmen als ungültig gezählt werden wie in NRW. Kommt man dann auf solche Machenschaften, war wieder einmal alles nur ein Versehen. Nur dass diese “Fehler” stets die AfD betreffen.

  7. Christian Peter

    @Selbstdenker

    Diese bezahlten Telefon – Umfragen sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Sind Sie nun endlich bereit, € 100 darauf zu wetten ?

    1. ÖVP liegt bei den kommenden NR – Wahlen vor der FPÖ.
    2. ÖVP erhält mehr als 25 % der Stimmen bei den kommenden NR – Wahlen.

  8. wbeier

    >Politik ist wesentlich liquider geworden< (zit.C.O:)
    Naja, bereits 1933 wusste die Christlichsoziale Partei keine Antworten auf die Fragen der Zeit und ist unter Dollfuß zur Bewegung, zur "Vaterländischen Front" mutiert und darin aufgegangen. Alles nix Neues unter der österreichischen Sonne 😉

  9. Thomas Holzer

    @Selbstdenker 12:51h
    Wieder mal der “Beweis” erbracht, daß das Wahlvolk -grosso modo- de facto dumm und lernresistent ist.
    Und da fasele mir noch ein Politikerdarsteller davon, daß es “Bildung, Bildung, Bildung und nochmals Bildung” bedarf.

  10. sokrates9

    Thomas Holzer@ Ist Bildung heutzutage das was man als Bildung versteht! wenn man mühevoll SPÖ von ÖVP am Wahlzettelunterscheiden kann, ist das leider noch nicht Bildung!!

  11. Oliver H.

    “Mit den Möglichkeiten, die disruptive Technologie im politischen Geschäft bietet, werden vermutlich auch noch andere Parteien oder politische Gruppierungen mehr oder weniger schmerzhafte Bekanntschaft machen.”

    Das ist fraglos richtig, bislang offen aber ist die Antwort auf die Frage, ob die Schmerzen ausreichend stark sein werden zur Herbeiführung einer Wende ins Bessere. Kausal für den pessimistisch anmutenden Befund sind nachfolgende Faktoren:

    1) Propagandisten sind zwangsweise schmerzbefreit.
    2) Propagandisten sind naturbeding bestens mit Medien vertraut, was ‘soziale’ Medien miteinschließt.
    3) Propagandistischen Coups, neudeutsch ‘erfolgreiche PR-Arbeit’ genannt, gelang bislang immer noch die dauerhafte Errichtung potemkinscher Fassaden, vor denen der Heiligenschein gezielt gehypter Personen in strahlendem Licht erscheint.

    Nach Strich und Faden belogen wurde die Öffentlichkeit seit jeher, ein Großteil sogar über Krieg und Frienden entscheidende Mythen wurde später von Historikern astrein entlarvt und die Widerlegung daraufhin auch anerkannte public opinion — bloß bis dahin hatte der Globus sich schon ganz im Sinne der vorigen Propaganda weitergedreht.

    Man verzeihe das wiederholte Eingehen auf diesen speziellen Punkt, doch nachdem vor wenigen Tagen ein weiteres Alpha-Tier der Meinungsklempner, der Ex-RTL-Chef Helmut Thoma, nicht müde wurde, die Schließung der Balkanroute einem Sebastian Kurz anzudichten: Er war es nicht! [1]

    Die einzig bislang tradierte Heldentat des jugendlichens Messias’ ist ein waschechter PR-Coup. “Na gut”, mögen Wohlwollende einwenden, “aber immerhin bemüht er sich um gute Beziehungen zu Russland.”

    Tut er das? — 11. April 2016: Andreas Unterberger hier auf OO: “Wieder einmal hat nur Außenminister Sebastian Kurz die richtigen Worte gefunden. Er sprach ausdrücklich auch von der „völkerrechtswidrigen Annexion“ der Krim, auch wenn das die Russen nicht gerne hören. Damit ist klar gesagt: Sanktionen schaden zwar allen Seiten – aber es liegt eindeutig an Russland und nicht Europa, Schritte zu setzen, damit die Sanktionen zu einem Ende kommen.”

    Das oberflächliche Wohlwollen unseres Außenministers hat einen weithin erkennbaren Haken, demzufolge Russland ganz drehbuchkonform niemals aus der Nummer rauskommt.
    Fast überflüssig wirkt das Strapazieren des Offensichtlichen, wonach jene, die Kurz lautstark an die Ostfront schicken, dieselben sind, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Propaganda der Balkanroute orgeln.

    Freilich können ‘soziale Medien’, notabene solche, die von ihren lokalen Betreibern zu einem kleinen Gallien in von Keynesianern besetzten Landstrichen dargestellt werden, der dortigen Leserschaft die eine oder andere Sichtschneise durch’s Lügengewirr bereiten, wenn man sich zugleich ganz ungallisch nicht um den vorhersagbar herabfallenden Himmel mit der Beschriftung “Krude Verschwörungstheorie!” fürchtet.

    [1] livestream.com/kleinezeitung/events/2374657/videos/155911641
    Kurz gegen Glawischnig: Was läuft falsch in Europ? 08.05.2017, Kleine Zeitung, Podiumsdiskussion
    Minute 47: Kurz mit eigenen Worten: “Bitte nicht immer mit dem Vorwurf des Nationalen kommen […] Auch die Westbalkanroutenschließung wurde zu einer europäischen Lösung, sie ist von allen 28 Staats- und Regierungschefs so beschlossen worden.”

  12. Selbstdenker

    @Thomas Holzer, @sokrates9:
    Bildung ist unter den heutigen Voraussetzungen tatsächlich ein nahezu beliebiger, gerne aber missbräuchlich verwendeter Begriff. So merkwürdig es klingen mag, aber das Adjektiv “gebildet” ist etwas weniger verfänglich.

    Meiner bescheidenen Meinung nach wird inzwischen so gut wie alles als “Bildung” bezeichnet, wo man eine bestimmte Zeit absitzt, sich berieseln lässt, gegebenenfalls ein paar Aufgaben löst und dann ein mehr oder (meist) weniger nützliches Zertifikat erhält.

    Ob jemand gebildet ist, kann man nicht automatisch mit der formellen “Bildung” gleichsetzen: es gibt Leute, die “nur” über einen Berufsabschluss verfügen, die aber durchwegs gebildet sind. Und es gibt Uni-Absolventen, die zwar über ein Diplom verfügen, von denen man aber dennoch nicht behaupten kann, dass sie gebildet wären.

    Gebildete Leute haben meistens kein Problem höhere “Bildungs”-Abschlüsse zu erreichen, aber ein höherer “Bildungs”-Abschluss ist im Jahr 2017 kein verlässlicher Hinweis, der einen Rückschluss zulässt, ob jemand wirklich gebildet ist, oder ob es sich nur um zertifizierte Einbildung handelt.

    Wenn man sich zudem den Zustand (ich meine damit nicht die Gebäude oder die finanzielle Ausstattung) der heimischen Universitäten ansieht, wird man in absehbarer Zeit aufpassen müssen, dass sich ein Uni-Abschluss nicht in eine Art Anti-Auszeichnung verwandelt.

    Es kommt mir an dieser Stelle z.B. die mehr oder weniger unterschwellige Indoktrination mit Marxismus und Konstruktivismus im Methodologie-Seminar vom Doktoratsstudium in den Sinn.

  13. Selbstdenker

    @Oliver H.
    “Das ist fraglos richtig, bislang offen aber ist die Antwort auf die Frage, ob die Schmerzen ausreichend stark sein werden zur Herbeiführung einer Wende ins Bessere.”

    Meiner Meinung nach ist der von Ihnen angesprochene “erforderliche Schmerz” eher ein nachgelagertes Thema. Woher sollen die Menschen von diesen Schmerz erfahren, wenn die Verbindung zwischen Sensoren und Informationsverarbeitung gekappt ist?

    Die disruptiven Technologien setzen einen Prozess in Gange der den bisherigen Gatekeepern der öffentlichen (besser: veröffentlichten) Meinung ihre – dem eigenen Verständnis nach – “wohlerworbene” Rolle streitig macht.

    Es treten neue Anbieter auf den Marktplatz der Informationen und das Overton Window lässt sich von den Gatekeepern nicht mehr so einfach kontinuierlich auf der rechten Seite schließen und gleichzeitig auf der linken Seite öffnen.

    Der inzwischen recht hektische Betrieb vom politisch-medialen Komplex zeigt, wie sehr sich diese unverdiente Aristokratie in ihrer Existenz bedroht sieht. Damit ein Lügengebäude einstürzt, braucht es nicht zwangsläufig Schmerz, sondern die allgemeine Wahrnehmung der fundamentalen Unwahrheit.

  14. Christian Peter

    @Selbstdenker

    Wie steht es mir der Wette ? Habe den Betrag absichtlich niedrig angesetzt, damit sich auch minderbemittelte ÖVP – Wähler daran beteiligen können.

  15. Oliver H.

    @Selbstdenker

    “Damit ein Lügengebäude einstürzt, braucht es nicht zwangsläufig Schmerz, ..”

    Thematisch stringent eingeführt wurde die Schmerzerfahrung jener die Macht innehabenden Kaste mit aufkommenden disruptiven Faktoren wie dem Internet. Dieses könne den Etablierten das Spiel vergeigen, weil sie dann mit ihren flächendeckenden Täuschungen (= deception, fragmentation, de-/ re-contextualisation) nicht mehr durchkommen.

    “.. sondern die allgemeine Wahrnehmung der fundamentalen Unwahrheit.”

    Eh, das ist ja der Punkt, nur solange die Propagandisten auch das Internet erfolgreich bespielen, zumal auch ‘neue Medien’ nur Medien sind, ändert sich in der breiten Wahrnehmung die Täuschung bloß hin zum falschen Anschein. Glaubt denn irgendwer ernsthaft, neben den trivial erkennbaren Zensurbemühungen gäbe es nicht flankierend Honey-Bots zum zeitgleichen Einsammeln kritischer Kräfte?

    Sie schrieben hier selbst unlängst zutreffend über ZDF und ARD als pseudo-oppositionelle Angebote für Linke und Bürgerliche. Extrapolieren Sie diesen Gedanken, und schon haben wir jene Truman-Show, in der sowohl bei klassischen als auch neuen Medien reinrassige Trojaner hüben wir drüben an der Spitze der — leider nicht — Klarsichtigen stehen.

    Aber viel schlimmer noch, von wegen Aktuelles: Weder Macron, noch Lindner, noch Kurz sind ausschließlich Kinder des innovativ Disruptiven, sondern zum großen Teil jene des guten alten Mainstreams (Pars pro toto “Focus” vom 16.05.2017: ‘Aufstrebende Youngsters. Warum es Politiker wie Lindner, Kurz und Macron braucht. [..] Elefantenrunden [..] alte Gesichter von alten Politik-Hasen, die alte Phrasen dreschen’)

    Die “Youngsters” bespielen mit den von Puppet-Masters entlohnten Spin-Doktoren alte und ‘neue Medien’ aus dem Effeff; was wir aktuell erleben, ist eine Symbiose aus klassischer und innovativer Kampagnenführung und glauben, weil das genauso irgendwie *neu!* ist wie die damit angepriesenen Lichtgestalten, es hätte sich grundlegend was geändert. Das Volk will neue Führer? Es kriegt neue Führer!

    Sosehr wir beide daher prinzipiell Einigkeit erzielen, sosehr warne ich vor Optimismus und begründe diese Warnung mit der aktuell ablaufenden Schmierenkömödie, die von süßen Feigenblättern als Ausdruck des Disruptiven verkauft wird.

  16. Selbstdenker

    @Oliver H.
    “sosehr warne ich vor Optimismus”
    Die Warnung nehme ich wahr, doch was ist die Alternative?

    Bin heute aus privaten Gründen nur kurz online. Erlaube mir daher off-topic folgende Video-Tipps zu posten, die Sie eventuell interessieren könnten:

    Yuri Bezmenov – Subversion, Media Manipulation 1984 (das volle Audiobook “A Love Letter to America”):
    https://thelandofthefreeblog.wordpress.com/2017/04/16/yuri-bezmenov-t-schulman-subversion-media-manipulation-1984/

    The Science Wars: Episode 1.1:
    https://thelandofthefreeblog.wordpress.com/2017/05/14/the-science-wars-episode-1-1/
    Ab 12:00 wird auf den Lyssenkoismus eingegangen. Irgendwie erinnert mich das fatal an die “heiligsten” EU-Projekte: Euro, Migrantismus und Gender.

  17. Christian Peter

    Dieser Artikel ist grottenschlecht, denn unter den herrschenden politischen Verhältnissen wird es auch in den kommenden Jahrzehnten keine nennenswerten Reformen in der Bananenrepublik Österreich geben. Glauben Sie ernsthaft, Herr Ortner, dass es unter Regierungsbeteiligung der ÖVP bzw. SPÖ in Österreich nennenswerte Reformen geben wird ? Für tiefgreifende Reformen bedürfte es überdies einer 2/3 – Mehrheit im Parlament, und zwar idealerweise ohne Stimmen der ÖVP/SPÖ. Wie soll das funktionieren ?

  18. Christian Peter

    Es kann leicht sein, dass die SPÖ/ÖVP – Regierung nach den kommenden Wahlen fortgeführt wird, im Moment dürften die zwischenzeitlich verloren gegangene parlamentarische Mehrheit für diese Parteien in der Wählergunst wieder hergestellt sein.

  19. Christian Peter

    Lasst Euch nicht zum Narren halten : Vor den NR – Wahlen wird auf politischen Wettbewerb gemacht und nach den Wahlen gibt es höchstwahrscheinlich wieder eine ‘große’ Koalition.

  20. Christian Peter

    Aber selbst wenn es die FPÖ in die Regierung schafft – mit der ÖVP (oder SPÖ) als Koalitionspartner ist politischer Stillstand vorprogrammiert. Politische Erneuerung wird es in der Bananenrepublik Österreich erst mit einer Regierung ohne Beteiligung der Altparteien geben, welche selbst als Oppositionsparteien notwendige Reformen blockieren können, denn für Verfassungsänderungen bedarf es einer 2/3 – Mehrheit im Parlament.

  21. Oliver H.

    @Selbstdenker

    [„sosehr warne ich vor Optimismus“] Die Warnung nehme ich wahr, doch was ist die Alternative?

    Ich stelle die Alternative in den Raum, die aktuell ablaufenden Umwälzungen nicht, wie manch andere Kommentatoren, als Folge des positiv wirksamen Disruptiven zu begreifen, sondern viel mehr als alten Wein in neuen Schläuchen.
    Erneut erlebten wir das Lieblingswerkzeug des Establishments namens ‘Dialektik’ in Aktion, derzufolge anvisierte Ziele am besten erreicht werden, indem man Antagonistisches innerhalb einer abgezirkelten Bandbreite forciert, dieses scheitern läßt und hernach das Heil “aus der Mitte” präsentiert.

    Finden Sie es nicht selbst hochgradig befremdlich, wenn in notorischen Thinktanks rotgrüne Gestalten einträglich mit vorgeblichen Ausbünden bürgerlicher Gesinnung harmonieren und erkennbar ideologische Antipoden sich mirakulös auf eine politische Lichtgestalt einigen? Das Ganze ist dermassen absurd, daß man sich ernsthaft fragt, wer diesem Schmierentheater auf den Leim gehen kann.

    Die Alternative dazu ist die Ausprägung eines Sensoriums für die Brüche in der ‘Matrix’, für die Widersprüche im Dargebotenen und die Nutznießer der Entwicklungen. Ein dem Disruptiven zugeschriebener Erwachungsvorgang, der Grundlegendes nicht erklären kann, ist nicht minder ein matrix-artiger Alptraum, der umso fataler wird, wenn Leute ihn als Befreiung wahrnehmen.

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