Lasst die Katalanen frei!

Von | 8. Oktober 2017

“Es gibt schlicht keinen Grund, Katalonien nicht in die Unabhängigkeit, die staatliche Freiheit von Spanien und in die Selbstverantwortung zu entlassen. Im Gegenteil mag gerade diese Autarkie den Beziehungen zwischen Katalonien und dem restlichen Spanien sogar gut tun. Der einzige Grund, der gegen ein solche Selbständigkeit spricht, ist die spanische und wohl auch EU-europäische Befürchtung, dieses Beispiel könne Schule machen – und aus wäre es mit den Gedankenspielen eines aus Brüssel verwalteten transeuropäischen Molochs. Aus wäre es mit dem Alptraum der Vereinigten Staaten von Europa – und die Idee vieler kleiner Nationalstaaten könnte – geläutert durch die jüngere Geschichte nationaler Katastrophen in Kriegen – ihre Vorteile ausspielen….” (hier)

14 Gedanken zu „Lasst die Katalanen frei!

  1. Fragolin

    Das Selbstverständnis des EU-Apparates fußt auf der Berufung, die “Arbeit” Karls des Großen fortzusetzen.
    Zur Erinnerung: der hat nicht “Europa geeint” sondern in einem Großreich unterworfen.
    Was der mit den Sachsen angestellt hat, ist bekannt. Den Katalanen wird es nicht besser ergehen, wenn sie sich nicht unterwerfen.

  2. Kluftinger

    Im Beitrag steht: “die Konsequenzen kennen…”
    Eben darum geht es. Die derzeitige Wirtschaft in Katalonien ist eingebettet in ein größeres Ganzes. Fallen dann gewisse wichtige Parameter weg (Mitgliedschaft in der EU etc…) dann ist die Lage nicht mehr berechenbar. Daher werden Unternehmen abwandern. dies bedeutet Arbeitsplatzverluste gepaart mit erhöhten staatlichen Eigenleistungen usw. Dieses Geflecht an möglichen Konsequenzen muss aufgezeigt und kommuniziert werden.
    Allein ein paar profilierungssüchtigen Politkern zu ihrem Erfolg zu verhelfen ist nicht genug.
    (In Italien haben wir das schon hinter uns: Die Lega Nord hatte ja ähnliches betrieben. Wurde aber bei den nächsten Wahlen zurechtgestutzt. Also auch Neuwahlen in Katalonien, dann weiter Verhandlungen über einen neuen Autonomiestatus).

  3. Christian Peter

    Das Selbstbestimmungsrecht der Völker als völkerrechtliches Grundrecht genießt einen höheren Stellenwert als die spanische Verfassung. Die Unabhängigkeit Kataloniens ist ohnehin nicht mehr aufzuhalten, die Alternative wäre der militärische Besetzung durch spanische Truppen, was auf Dauer nicht aufrecht erhalten werden kann.

  4. astuga

    Das sog. Selbststimmungsrecht der Völker ist das unsinnigste Argument.
    Wer definiert denn, wann und unter welchen Bedingungen jemand “Volksstatus” genießt.
    Sind die Südtiroler ein Volk, die Bewohner der Krim, die Kosovaren – oder nur die Gesamtheit der Albaner in einem Großalbanien, was ist mit den Spaniern als Staatsvolk?
    Was ist wenn zwar Barcelona und Girona mehrheitlich unabhängig sein wollen, aber Lleida und Tarragona bei Spanien verbleiben – sind das dann 4 Völker?

    Und so klar, dass alle Katalanen die völlige Abspaltung wollen ist es ja auch wieder nicht.
    http://derstandard.at/2000065521181/Gegner-der-Abspaltung-wollen-demonstrieren
    Wie so oft, hält man jene die am lautesten auftreten fälschlich auch für die Mehrheit.
    Bis vor kurzem waren die Befürworter einer Spaltung immer in der Minderheit, aber als Teil der katalanischen Regierung haben sie im Laufe der Jahre Gesetze schrittweise so verändert, dass eine Abstimmung wie die jetzige überhaupt erst möglich wurde und der Graben immer tiefer.
    Die spanische Regierung ist schlichtweg unfähig und stur, aber die meisten katalonischen Politiker sind da keineswegs besser.

    Ich weiß nur eine Fraktion der sich freut, die Gegner der Nationalstaaten in der EU.
    Wahrscheinlich ist es von dieser Seite auch so still.

  5. astuga

    Gemeint war: Wahrscheinlich ist es deshalb von dieser Seite auch so still.

  6. Christian Peter

    @astuga

    Wenn die Katalanen keine eigenes Volk sind, wer dann ? Das Ergebnis von 90 % Zustimmung zur Abspaltung könnte eindeutiger nicht sein, schließlich hat die Wahlbeteiligung praktisch keinen Einfluss auf ein Wahlergebnis. Wenn sich 90 % der Bürger bei einer Wahlbeteiligung von 40 % für die Abspaltung aussprechen, sieht das Ergebnis bei einer Wahlbeteiligung von 80 % auch nicht anders aus (Schwankungsbreite +/- 1 – 3 %).

  7. astuga

    @Christian Peter
    Sorry, aber das ist Kaffeesudleserei.
    Interpretation von Statistik auf dem Niveau von, wenn ein Bein in eiskaltem Wasser steht, und ein Bein in heißem, dann ist laut Median der Person gerade angenehm warm.

    Wie eine Abstimmung ausgeht weiß man nach der Auszählung der Stimmen.
    Und wie viele Stimmen reichen damit so eine wichtige Abstimmung überhaupt gültig wird, ist dann natürlich Gegenstand von Politik im Vorfeld.

    Für den Topos Volk wiederum gibt es verschiedenste Definitionen.
    Das reicht vom Staatsvolk über eine Ethnie bis zur Gemeinsamen Sprache und Geschichte bis zur Willensnation.
    Würde man 100 Personen aus Tarragon befragen, würden wohl – behaupte ich – fast alle sagen, dass sie sich von den Leuten in Barcelona unterscheiden.
    Und würde man 100 beliebige Europäer befragen, dann würden wohl fast alle die Spanier in ihrer Gesamtheit als Volk bezeichnen.
    Der Begriff kann also verschieden definiert werden.
    Deshalb wäre es im Vorfeld jeder Diskussion darüber wichtig, sich auf eine gemeinsame Definitionsgrundlage zu verständigen.
    Aber man sieht in Spanien und Katalonien sehr schön, wie beide Seiten offenbar eine “alles oder nichts-Position” eingenommen haben.

  8. Christian Peter

    @astuga

    Das ist keine Kaffeesudleserei, sondern Mathematik. Bei Hochrechnungen werden z.B. 1000 Wähler gefragt, wie sie abstimmten, das Ergebnis stimmt dann praktisch mit dem Endergebnis überein (Schwankungsbreite +/- 1 – 2 %). Das bedeutet : Die Wahlbeteiligung hat keinen Einfluss auf ein Wahlergebnis, das bleibt immer dasselbe (mit einer gewissen Schwankungsbreite).

  9. Christian Peter

    @astuga

    Auf dem selben Prinzip beruhen Wahlumfragen, dabei werden in der Regel nur 500 Bürger befragt, die Ergebnisse sind dennoch ziemlich genau. Was veranlasst Sie zur Annahme, eine Wahl mit einer Wahlbeteiligung von 42 % aller Stimmberechtigten wäre nicht aussagekräftig ? Sehen Sie sich die Genauigkeit des Mittelwerts von Wahlumfragen an, obwohl dabei nur etwa 500 – 1000 Bürger (in diesem Fall ca. 0,001 % der Wahlberechtigten) befragt werden:

    http://www.bpb.de/lernen/grafstat/grafstat-bundestagswahl-2013/146600/mb-03-22-genauigkeit-von-wahlprognosen

  10. mariuslupus

    Katalonien könnte ein Signal sein. So gescheit sind die in Brüssel noch. Der Zerfall der Eu beginnt an den Rändern, und wird sich nicht mehr aufhalten lassen. Was hat die, senilisierende Altherren Riege in Brüssel noch zu bieten ?
    Phrasen, Versprechungen und immer mehr von dem selbigen. Aber Juncker und Co sind überzeugt,dass die Menschen in Europa allesamt schwachsinnig sind. Manipulierbar sind.

  11. Lisa

    @mariuslupus: Vermutlich wird sich das tatsächlich nciht aufhalten lassen, auch wenn es Zeit und Vernunft brauch. So friedlich wie Tschchein-Slowakei oder Bern-Jura wird es vermutlich nicht abgehen, Aber hoffentlich cniht so primitiv-brachial wie in Ex-Jugoslawien. Die meistenn katalanischen Gegner der Trennung haben nicht unbedingt wirtschaftliche Bedenken, sondern fürchten einen Verlust an Nimbus: Wer kennt schon Katalonien und verbindet das mit spanischer Kultur und Geschichte? Cervantes, Flamenco, Madrid, Toledo, Seefahrer, Calderon, Kolonisten Südamerikas, Armada – und was immer man mit “Spanien” assoziieren mag: es ist eben Spanien und nicht Katalonien. Zudem werden manche Ehen/Familien dann plötzlcih binational…

  12. astuga

    @Christian Peter
    Wollen Sie jetzt ernsthaft mit mir die Zuverlässigkeit von Wahlprognosen diskutieren? 😉

  13. mariuslupus

    @Lisa
    So what ? Warum sollen Dinos, im Mittelalter absolutistisch geschaffen, überleben ?Daseinsberechtigung von Italien, Frankreich, Deutschland ? Wo ist sie ?

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