Lasst doch endlich die Polen in Ruh!

(ANDREAS UNTERBERGER) Dass ausgerechnet Deutschland die neue polnische Regierung via EU maßregeln will, weil diese auf den (bisher von anderen Parteien beherrschten) öffentlich-rechtlichen Sender Polens zugreift, ist doppelt pikant und skandalös.

Erstens weil Deutschland gerade bei Einmischung in innere Angelegenheiten Polens doppelt zurückhaltend sein sollte. Ist Deutschland in der Geschichte doch mehrmals in dem östlichen Nachbarstaat einmarschiert (keineswegs nur 1939) und hat sich dort jedes Mal schweinisch benommen. Umso empörender ist es, wenn sich Deutschland wieder dazu berufen fühlt, den Polen zu kommandieren, wo es langgeht. Wenn sich der CDU-Fraktionschef Volker Kauder ungeniert in Polen einmischt. Wenn der Vorsitzende der Unionsgruppe im EU-Parlament, Herbert Reul, sogar finanzielle Strafen und Wirtschaftssanktionen gegen Polen verlangt.

Zweitens – und das sollte alle deutschen Regierungspolitiker doppelt zu einem „Schnauze halten“ bringen: In Deutschlands öffentlich-rechtlichen Sendern selbst spielt sich in diesen Tagen der allergrößte Medienskandal der letzten Jahre ab. Nur um Oppositionsgruppen keinen Aufwind zu geben, wird dort gelogen und manipuliert, dass sich die Balken biegen.

Zuerst werden tagelang die Migranten-Exzesse aus der Silversternacht überhaupt verschwiegen. Dann wird behauptet, dass keine Flüchtlinge involviert wären. Dann wird daraus eine allgemeine Männer-Hetze gemacht. Dann wird Interview-Partnern (etwa dem renommierten Kriminologen und Ex-SPD-Justizminister Pfeiffer) verboten, die Massen-Übergriffe mit Flüchtlingen in Zusammenhang zu bringen. Dann wird ohne jeden Beweis zur Ablenkung behauptet, beim Oktoberfest (einen der wenigen deutschen Orte ohne Flüchtlingsmassen) habe es 200 Vergewaltigungen gegeben. Dann werden von Moderatoren die Berichte über Köln als Klischees abgetan.

Man muss schon in DDR-Zeiten zurückgehen, um Berichterstattung in deutschen Staatsmedien zu finden, die ebenso manipulativ, unausgewogen und linksradikal gewesen ist.

Für das Warum dieser medialen Degeneration gibt es zwei Gründe: Erstens sitzen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen heute überwiegend linkskorrekte Dummköpfe; und zweitens will man dort den Machthabern willfährig sein und die katastrophalen Konsequenzen der Regierungspolitik vertuschen. Das einseitige Ergebnis ist mindestens genauso schlimm wie alles, was künftig in Polen im Fernsehen passieren mag.

PS: Jeder Österreicher sieht und hört gerade auch derzeit wieder, dass es im ORF mindestens ebenso einseitig und manipulativ zugeht. Aber hierzulande hat sich meines Wissen wenigstens noch kein Regierungspolitiker zur Gouvernante und zum Vormund Polens aufgeschwungen. Bisher zumindest – bei Elefant Faymann muss man freilich immer mit dem Schlimmsten rechnen, hat er doch schon mehrmals gegen Ungarn gehetzt. Aber Polen ist so weit entfernt, das kennt er vielleicht nicht…

PPS: Natürlich ist es überall, auch in Polen, schlimm, wenn Regierungen auf öffentlich-rechtliche Sender zugreifen. Aber die Lösung kann nicht in selektivem Hyperventilieren liegen, immer nur wenn das eine konservative Regierung tut. Denn alle Regierungen greifen unverschämt zu. Die Lösung kann daher nur die Abschaffung aller öffentlich-rechtlichen Gebührensender sein. Es gibt ja auch sonst längst keinen Grund mehr für staatliche Sender. (TB)

 

8 comments

  1. Ge Ba

    Ach, greift man in Ö nicht ein in den öffentlich rechtlichen Rundfunk?
    Wer ist dann dort der Verantwortliche, der uns bisher belog?
    Schön langsam, sehr sehr langsam, hört man auch in den Berichten der Nachrichtensprecher den Unmut durch…

  2. gert cok

    Ich stimme Herrn Unterberger zu.
    In einem Punkt sehe ich die Sache aber anders:
    Nicht die Medien zeigen Willfährigkeit der Politik gegenüber, sondern die Politik der Medien. Wie richtig bemerkt, sitzen in den Medien (übrigens nicht nur in den Öffentlich-rechtlichen) Alt-68-er an den Schaltstellen, die Themen und Trends angeben und die Politik auf dem Weg der Verwirklichung der 68-Ziele vor sich her treiben.

  3. Christian Peter

    Außerdem : Von Gewaltenteilung kann in Bananenrepubliken wie Österreich und Deutschland ebenfalls keine Rede sein, es gibt wenige Länder in Europa mit einer abhängigeren Justiz.

  4. Mona Rieboldt

    @gert cok
    Die sogenannten 68er sind die Jahrgänge von 1944-1948. Die sind in der Zwischenzeit schon in Rente. Es sind die vielen neueren Grün-Roten, die überall drin sitzen, ob in den öffentlich-rechtlichen Sendern, in den Redaktionen, in der Justiz und in der Politik mit Ausnahme der CSU.

    Und der deutsche EU-Kommissar Oettinger sagte, die EU solle Polen unter “Aufsicht” stellen. Durch besondere Intelligenz ist der Mann ja noch nie aufgefallen, aber bei dessen Worten dürfte auch dem letzten Polen schlecht geworden sein. Deutschland will zumindest verbal wieder in Polen einmarschieren.

    Im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen wird eine Regierungspropaganda betrieben, dass sich die Balken biegen. Frau Merkel hat sogar die Intendanten zu einem Gespräch “gebeten”, bei denen sie ihnen wahrscheinlich gesagt hat, was sie senden sollen und was nicht gesagt werden soll. Und selbst wenn kein Deutscher diese Sender noch einschaltet, ist es ihnen völlig egal, da wir zu einer Zwangsabgabe verpflichtet sind. Und da regen sich gerade deutsche Politiker über Polen auf, das ist absurd.

  5. Ch.

    Die deutschen Moralimperialisten glauben noch immer: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.

  6. Seerose

    Was ist beim ORF anders als in Polen? Aber, in Oesterreich ist das ja ganz normal. Der liberalste Generalintendant war noch Bacher, da durfte wenigstens auf 5 gleichgeschaltete Beitraege dann einer von der Gegenseite gesendet werden.
    Aber heute? Die groesste Schweinerei ist aber, dass wir (das Volk) dafuer noch bezahlen muessen.

    Und was die Uebergriffe zu Silvester in Koeln betrifft. Ich wuerde mich nicht wundern, wenn ploetztlich Beitraege in den “objektiven” Medien erscheinen, dass die Frauen alle (N)Schl…en waren und alles nur erfunden haben.

  7. mariuslupus

    Die vereinigte Linke in der EU hat nach den Wahlen in Polen nur einen Vorwand gesucht um mit der Regierung rechts der Mitte , abzurechnen. Widerlich ist die Willfährigkeit der Medien die sich, offensichtlich mit Begeisterung, unkritisch vor den Karren der Politik , spannen lassen. Ausgerechnet die Medienleute die im Geiste von Neues Deutschland schreiben, haben es nötig über die Bedrohung der Pressefreiheit in Polen Krodilstränen zu vergiessen. Der Unterschied ist, dass in Deutschland und in Österreich die Pressefreiheit abgeschafft worden ist. Die paar journalistiche Gallier beeinflussen die merkelhörige Medienlandschaft in keiner Weise.
    Der Umgang der EU Komissäre (Komissäre, dass erweckt gewisse Assoziationen) mit Polen zeigt von der Unfähigkeit langfristig zu denken, und von einer an Dummheit grenzenden Ignoranz , polnische Geschichte betreffend. Es ist es eine durchsichtige Intrige von Merkel von ihren eigenen Versagen abzulenken. Die polnische Regierung leistete Widerstand gegen dem Versuch von Merkel unter dem Vorwand von Solidarität Polen ihren Willen aufzuzwingen. Das Wort Solidarität hat für einen Polen eine andere Bedeutung wie für eine Ostdeutsche SED Propagandistin. Frau Merkel hat sicher in ihrer Erinnerung den glorreichen Einzug der DDR Truppen in die Tschechoslowakei 1968. Dieser Feldzug der NVA geschah auch unter dem Vorwand der Solidarität.

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