Lasst uns doch endlich die Unternehmer verjagen!

(ANDREAS TÖGEL) Derzeit geht es in Kakanien Schlag auf Schlag. Dramatisch steigende Arbeitslosenzahlen und ein nicht zuletzt dadurch explodierende Staatsdefizit, versetzen die politischen Klasse in zunehmende Nervosität. Und weil inkompetente und daher im Zustand permanenter Überforderung handelnde Akteure selten vernünftige Entscheidungen treffen, jagt derzeit eine Schnapsidee die nächste.

Die von SPÖ-Klubobmann Schieder erhobene und am ersten Mai von Kanzler Faymann bekräftigte Forderung nach sechs Wochen Urlaub für alle (außer für diejenigen, die die Chose zu bezahlen haben – nämlich die Unternehmer), ist ein gutes Beispiel. Doch schon wird der nächste Coup gelandet: der „Überstundeneuro“. Nach den Vorstellungen des derzeitigen Sozialministers und potentiellen Bundespräsidentschaftskandidaten Hundstorfer (allein der Umstand, dass dieser Mann zu den heißen Favoriten um das höchste Amt im Staate zählt, wirft ein grelles Licht auf die Qualität der Personalreserven der hohen Politik) sollte die Ableistung von Überstunden künftig pönalisiert werden. Es versteht sich von selbst, dass nicht etwa die Werktätigen Massen durch den ins Auge gefassten Strafzuschlag von einem Euro je Stunde belastet werden sollen, sondern natürlich die entmenschte Ausbeuterklasse. Die Unternehmer haben´s ja schließlich, wie jeder Rote weiß, und können die ihnen dadurch entstehenden Mehrkosten daher locker verkraften.

Doch halt – das stimmt so nicht, denn das Ziel des (möglicherweise) nächsten Hausherrn der Hofburg ist es ja, die Zahl der geleisteten Überstunden zu verringern. Der geradezu geniale Gedanke dahinter geht in dieselbe Richtung, wie der Urlaubsplan des nicht minder brillanten Genossen Schieder: Durch den Wegfall von Überstunden und die Ausdehnung von Urlaubsansprüchen wird – so die sichere Gewissheit der beiden Anwärter auf den Wirtschaftsnobelpreis – das Arbeitsplatzangebot zunehmen. Mit schlichteren Gemütern ausgestattete Naturen unter den Wählern, könnten sich tatsächlich einreden lassen, durch die Verteilung der bestehenden Arbeitsmenge auf mehr Köpfe, sei dem Problem der Arbeitslosigkeit beizukommen und dem Raubtierkapitalismus damit endlich die Zähne zu ziehen. Politisch/taktisch daher ein listiger Gedanke, der – völlig zu Recht – die Unbedarftheit großer Teile des Stimmviehs einkalkuliert.

Doch leider: Im Leben unter Marktwirtschaftsbedingungen wird kein Wunschkonzert gespielt (in einer Planwirtschaft gibt’s nicht einmal Instrumente) – und im irdischen Jammertal kann bloßer Glaube am Ende eben doch keine Berge versetzen. Was den beiden begnadeten Arbeitswerttheoretikern nämlich leider völlig entgangen sein dürfte: Bei den österreichischen Unternehmen handelt es sich zu einem großen Teil um Klein- und Mittelbetriebe. Je kleiner das Unternehmen, desto stärker ist es auf eine flexible Gestaltung der Arbeitszeiten angewiesen – also etwa auf die fallweise Ableistung von Überstunden. Bei stark schwankender Auftragslage, gilt das natürlich umso mehr. Ein Dreimannbetrieb kann aber wegen des Wegfalls einer im Durchschnitt möglicherweise recht geringen Zahl von Überstunden oder wegen der Ausdehnung des Urlaubsanspruchs um ein Fünftel, eben keinen weiteren Mitarbeiter einstellen. Jeder, der sich jemals mit Betriebswirtschaft befasst hat und/oder auch nur über einen Funken an Einsicht verfügt, weiß das. Minister Hundstorfer und Klubobmann Schieder zählen nicht zu diesem Kreis.

Die mutwillige Verteuerung von Überstunden wird zur Folge haben, dass kleinere Betriebe auf den einen oder anderen Auftrag werden verzichten müssen und dass das „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ dieser Unternehmen jedenfalls sinkt. Der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck macht es nämlich so gut wie unmöglich, erhöhte Lohnkosten einfach auf die Verkaufspreise aufzuschlagen. Die Konkurrenz im weniger unternehmerfeindlichen Ausland schläft nämlich nicht. Aber das lässt die roten Bonzen offensichtlich eiskalt.

Konsequenz: Wieder werden KMU im Verhältnis zu Großbetreiben, für die es wesentlich leichter ist, ihr Personal situationselastisch einzusetzen, schlechter gestellt. Das in Sonntagsreden so oft beschworene Bekenntnis zur Förderung von Selbständigkeit und Unternehmertum, wird durch sozialistische Realpolitik – einmal mehr – konterkariert. Man kann es nicht oft genug widerholen:

► Gleichheit ist etwas anderes als Gerechtigkeit.

► Oktroyierte Gleichmacherei führt zu Leistungsverlusten.

► Wohlstand entsteht durch Arbeit, nicht durch Nichtarbeit.

Schade, dass wir nicht erleben werden, dass das Offensichtliche endlich auch von den Sozialisten in allen Parteien begriffen wird…

Tagebuch

15 comments

  1. Thomas Holzer

    Die Ankündigungen, oder sollte es eher heißen, Verkündigungen dieser Propheten der Lehre der heißen Luft sind schon schauerlich genug, mochte man hoffen; wirft man jedoch einen Blick in die “Begleitgesetze”, neuen und natürlich zusätzlichen Gesetze, die Änderungen im Steuerrecht, welche auf Grund der größten Steuerreform aller Zeiten als notwendig erachtet werden, darf und muß man konsterniert feststellen, daß von dieser großen Koalition (wieder einmal) ein riesengroßer Schritt Richtung ökonomischer Abgrund gesetzt wurde

    Auffällig nur noch, daß diese Schritte immer öfter und immer schneller gesetzt werden;
    warum bewußt in diese Richtung, wäre noch zu eruieren

  2. panta rhei

    Da sitzt eine völlig abgehobene Politikerkaste am großen Reißbrett und da blinkt die Zahl 270 Mio. Überstunden pro Jahr auf. Man denkt sich: no, da kann man doch zumindest ordentlich auf die Pauke hauen. Der Klassenfeind tobt und man zeigt dem Wahlvolk, was man für geniale Ideen hat und für die nächsten Verhandlungen mit der Koalition oder WiKa hat man auch schon Munition.

  3. cppacer

    Schieder umd Hundsdorfer sind Leute, die nie in ihrem Leben in der Privatwirtschaft gearbeitet haben und daher die meisten Probleme nur aus der Theorie
    kennen. Weltfremde Theoretiker, vom wahren Leben keine Ahnung. Die betrifft auch den Großteil der Gewerkschafter.

  4. PeterT

    ist der Überstunden-Euro eigentlich auch für Beamte geplant? Das würde mich wundern, weil die kassieren ja oft ein fetttes Zusatzgeld aus (zum Teil virtuellen) Überstunden-Entgelten.
    Wäre mal interessant das zu hinterfragen – ich nehme an, falls die Antwort ja ist, ist die Sache sofort tot, sobald Neugebauer aufmarschiert.
    Falls die Antwort nein ist, dann sollte die Wirtschaftskammer eigentlich keine weiteren Argumente zu brauchen, um die Sache zu killen.

  5. alfred mayerhofer

    @cppacer

    Um etwas ‘in der Theorie’ zu verstehen müsste man zumindest etwas Bildung haben. Und die haben Hundsdorfer, ‘Sohnemann’ Schieder und vor allem der ‘Taxifahrer der Nation’ halt nicht.

  6. frustrierter Bürger

    Sehr geehrter Herr Tögel!
    Ich bewundere Ihre Hartnäckigkeit, mit der Sie immer wieder gegen viele Facetten des Niederganges in qualifizierter Form anschreiben! – Ich habe z.B. als (erfolgreicher) Unternehmer schon vor Jahren wegen der Übermacht der Proleten die Segel gestrichen …

  7. sokrates9

    Derzeit werden Unternehmer auf ganzer Linie sekkiert! Nicht nur dass alles kriminelle Steuerhinterzieher sind,
    sind Sie auch völlig unfähig und müssen daher mit tausenden Gesetzen und Verordnungen gemaßregelt werden! Dazu ist natürlich die EU eine hervorragende Quelle für Nonsensregulative die natürlich von unseren EU – Abgeordneten fleissig mitgetragen werden! Dazu kommen bei kleinsten Verstößen absurd hohe strafen! Es muss doch gelingen diese Ausbeuterkaste auszurotten! Man muss diese Parasiten derart beschäftigen, dass Sie keine Zeit mehr haben politisch tätig zu werden! Da ist natürlich die ÖVP und die Kammer ein hervorragender Mitstreiter!

  8. Erich

    @PeterT
    Auch die Zuständigen des Staates wissen, dass Überstunden immer noch billiger kommen als ein voller Arbeitsplatz. Ich kenne das als ehemaliger Fachtheoretiker einer HTL: Überstunden werden nur bezahlt, wenn sie anfallen. Abgesehen von den 2,5 Monaten unterrichtsfreier Zeit sind viele Klassen immer wieder auf Exkursion, Sportwoche etc. Unterricht in den Maturajahrgängen entfällt ab Mai. Auch bei Krankheit wird nur das Grundgehalt ausbezahlt. Es stehen also einige Überstunden für vielleicht 30 bis 35 Wochen im Jahr einem vollen Gehalt 14x jährlich gegenüber mit der Frage, ob diese Anstellung auch in Zukunft notwendig ist. Und für die Pension gibt es eine obere Anrechnungsgrenze für Überstunden; kommt also auch billiger.
    Natürlich wird der Staat auch den Euro zahlen müssen (ist so wie bei den Ersatzzahlungen, wenn zu wenig Behinderte angestellt sind). Aber dieser Euro geht doch nur von einem Sack zu einem Anderen.

  9. mike

    “Mit schlichteren Gemütern ausgestattete Naturen unter den Wählern, könnten sich tatsächlich einreden lassen, durch die Verteilung der bestehenden Arbeitsmenge auf mehr Köpfe, sei dem Problem der Arbeitslosigkeit beizukommen und dem Raubtierkapitalismus damit endlich die Zähne zu ziehen.”

    Genau so wird es sich wieder abspielen: das dumbe Wahlvolk wird den Schlagzeilen in “Österreich”, “Heute” und “Krone” sowie dem Geschwafel und Geschwurbel der Herrn Schieder und Hundstorfer glauben und die linken rotgrünen Staatszerstörer wieder wählen. Dass die Sozis nicht lernfähig sind, haben Schieder und Genossen ja wieder bestens bewiesen.

  10. Ehrenmitglied der ÖBB

    Herr Tögel, sie haben ja so was von recht!
    Ich habe den Herrn Hubdstorfer im SPÖ affinen ORF Salzburg gehört und mich hast geschaudert. dann wurden noch der allseits bekannte Herr Pichler und ein ÖGBler eingeladen um zu diskutieren.
    Eine Frage konnte nicht beantwortet werden, bei den so vielen Überstunden, wie schafft es der SPÖ Kader, die freiwerdenden Überstunden in Vorarlberg mit entsprechenden Arbeitslosen aus Wien oder Salzburg (man muss ja die Qualifikation beachten),abzudecken?
    Es ist zum Weinen!

  11. Fragolin

    Da das tumbe Stimmvieh mehrheitlich keine Ahnung von Statistik hat – Mathe war ja immer das Hassfach in der Schule – kann man solchen Schrott vebreiten ohne rot zu werden. (Muss man auch nicht, da jene, die diesen Schrott vebreiten, ja schon rot sind.)
    Ich drösel das den Leuten, die erstmal begeistert jubeln, wenn sie wieder auf statistischen Schwachsinn hereinfallen, immer so auf: Wenn in meiner Firma täglich 8 Überstunden anfallen, könnte ich statistisch eine zusätzliche Arbeitskraft einstellen. Das ist richtig. ABER es müssen leider ein paar lästige Fragen beantwortet werden: Wenn nun 1 Stunde in der Fertigung, 1 in der Montage, 1 in der Konstruktion, 1 in der Arbeitsvorbereitung, 1 in der Netzwerkbetreuung, 1 im Vertrieb, 1 im Lager und 1 in der Buchhaltung anfällt – welchen Beruf sollte dann diese Arbeitskraft beherrschen? Als was soll ich sie einstellen? Und ganz am Rande: Wo finde ich diesen Wunderwuzzi, der fähig und bereit ist, jede Stunde einen anderen Job zu machen und das mit 100% Einsatz?
    Also außer Einpersonenunternehmer und Besitzer von Kleinstbetrieben kenne ich da keinen.
    Und die stehen meist nicht zur Verfügung.
    Solange Flexibilität ein Reizwort für Gewerkschafter ist und Weiterbildung eine Drohung für Arbeitnehmer, können sich die knallroten Ökonomieflaschen ihre Statistiken dorthin stecken, wo sie sich nach der Wahl auf ein präsidiales Kissen setzen.
    Das wirklich beschämende ist, dass man als gelernter Österreicher im Kopfkino bereits den Film sehen kann, wie die Schwarzen aus der dritten Reihe scharf protestieren, dann aus der zweiten Reihe relativieren und schlussendlich in der ersten Reihe, fußfrei am Futternapf, vor dem roten Garant der Teilhabe an den fetten Pfründen der Macht in die Knie sinken.

  12. Rennziege

    Auch der einfältigste und gierigste Blutegel hört auf zu saugen, wenn sein Wirtstier (“die entmenschte Ausbeuterklasse”) sich mit entleerten Adern dem Koma nähert. Was lernen wir daraus? In Kakanien (Copyright: Robert Musil) sind die Politiker hirntechnisch jedem Ringelwurm unterlegen.
    Der Kakanien-Schlenker hinkt übrigens insofern, als das heutige Österreich nicht mehr so bezeichnet werden kann. Denn die k.k. Monarchie wusste haargenau, dass eine geschlachtete Kuh nicht mehr gemolken werden kann — und dass Blutegel nur in der Hand eines kundigen Arztes hilfreich sein können, nicht aber als staatliche Würgeengel.

  13. Thomas Holzer

    @Renntiege
    Hätten wir doch nur die Steuersätze aus Zeiten der Habsburger Monarchie!

  14. Rennziege

    22. Mai 2015 – 18:03 Thomas Holzer
    Wie wahr! Christopher Clark (“Die Schlafwandler”) bezeichnet die Habsburger-Monarchien in ihren zwei glücklichen Jahrhunderten nach Maria Theresia als die erste und bislang einzige funktionierende Europäische Union. Nachgeborene Royalistinnen wie ich sehen das ebenso.

  15. Thomas Holzer

    d*accord
    Und die Monarchen haben eben nicht ihren Untertanen vorgeschrieben, wie diese zu leben haben, und sie eben nicht mit Verboten und sinnlosen Gesetzen tagtäglich traktiert.
    Wie sagte Kaiser Franz Joseph, mit all seinen Fehlern, so trefflich: “Ich muß versuchen, meine Völker vor den gewählten Politikern zu schützen” 😉

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