Lebt der ÖGB am Mond – oder im Schlaraffenland?

Von | 19. Juni 2013

(ANDREAS UNTERBERGER)  Wenn man durchliest, was die sozialistische Kerntruppe, also der Gewerkschaftsbund, zu seinem Bundeskongress so alles fordert, dann muss einem für die Republik angst und bange werden. Denn offenbar glauben die Gewerkschaftsbosse wirklich, dass auf ihren Wunsch hin Weihnachten, Ostern und der Gewinn eines Lotto-Sechser künftig immer auf den gleichen Tag fallen werden. Noch mehr provozierend – wenn das möglich wäre – ist das, was der ÖGB-Präsident in einem Interview sagt.

Der Herr Foglar will nämlich demnächst – im Alter von 62 Jahren – zurücktreten. Und er begründet das in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ auf die ironische Frage, ob er dadurch nicht das faktische Pensionsantrittsalter runterdrückt, ohne jede Ironie so: „Das ist mir ehrlich gesagt wurscht. Ich bin als Einzelperson außerhalb der statistischen Wahrnehmung.“

Keineswegs außerhalb der statistischen Wahrnehmung ist, dass auch fast alle von Foglars Gewerkschaftsmitgliedern so denken. Genau dieser anhaltende Trend zur Frühpension wird in absehbarer Zeit nicht nur das Pensionssystem, sondern auch die Republik kollabieren lassen. Aber das ist dem Herrn Foglar ja wurscht. Wurscht ist ihm auch, dass der aus der Gewerkschaft kommende Sozialminister seit Jahr und Tag scheinheilig ankündigt, er werde alles tun, dass die Österreicher erst mit dem gesetzlichen Pensionsalter zu arbeiten aufhören. Genau das will aber nicht einmal der ÖGB-Präsident selber. Dann müsste er ja drei Jahre länger arbeiten.

Davon, dass praktisch alle Berechnungen und Experten verlangen, dass Österreich längst auch das gesetzliche Pensionsantrittsalter spürbar anheben müsste, wenn die Pensionen gesichert bleiben sollen, wollen wir ja gar nicht reden. In die gleiche Richtung totaler Verantwortungslosigkeit gehen auch die Aussagen der Feminismusministerin: Sie macht fast täglich klar, dass die SPÖ zu keinerlei Nachgaben bei dem um weitere fünf Jahre niedrigeren Frauenpensionsalter bereit sei.

In dieser Partei dominiert heute nur noch der nackte Beton. Dort beherrscht kein einziger mehr die Grundrechnungsarten. Sie alle glauben wirklich, dass ständiges Noch-mehr-Fordern so wie in den Nachkriegsjahren noch immer am Platz ist. Trotz der explodierenden Staatsschuld. Trotz der steigenden Arbeitslosigkeit. Trotz der längeren Lebenserwartung. Trotz der gewaltigen Herausforderung durch China und Dutzend andere Staaten im internationalen Wettbewerb (immerhin muss ja Österreich weit mehr als die Hälfte all seiner Arbeit und Leistungen im Ausland verkaufen).

Die absolute Weltfremdheit des ÖGB zeigt sich aber nicht nur beim Thema Pensionen, sondern auch bei all seinen sonstigen Forderungen, die er in Zeiten wie diesen erhebt:

1500 Euro Mindestlohn;
Sechs Wochen Urlaub;
Erbschaftssteuer schon ab 150.000 Euro;
Drastische Verteuerung der Überstunden;
Neue Arbeitgeberabgaben.
Da sich die SPÖ speziell unter Faymann wieder ganz zur Außenstelle der Gewerkschaft (und des Wiener Rathauses) gewandelt hat, ist auf Grund dieses Forderungskatalog wirklich höchster Alarm notwendig. Will sich die ÖVP wirklich durch eine neuerliche Koalition an eine solche Rückschrittspartei ketten? Macht Kammerchef Leitl weiterhin der Gewerkschaft die Mauer? Kann das auch nur ein einziger anständiger Mensch verantworten, dass man eine solche Partei neuerlich in die Regierung kommen lässt? (TAGEBUCH)

 

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