Lehrer: Wie wärs mit mehr Arbeit?

(C.O.) Als Politiker Kürzungen staatlicher Ausgaben für Schulen verantworten zu müssen heißt, um einen Shitstorm zu betteln, der sich gewaschen hat. Weniger Geld für Schulen, das kommt in der Öffentlichkeit gar nicht gut an. Es überrascht daher wenig, wenn die Unterrichtsministerin, Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), sich angesichts einer in ihrem Ressort geplanten Kürzung der Ausgaben um knapp 60 Millionen Euro nun in der Öffentlichkeit nur noch höchst überschaubarer Sympathien erfreut.

Die Dame steht plötzlich da, als hätte sie die für die Besoldung der Lehrer vorgesehenen Gelder persönlich im Kasino verzockt, um in der Folge den lieben Kleinen den Unterricht zusammenzustreichen. Opposition, Lehrer- und Schülervertreter empörten sich. Selbst der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl bestellte der Genossin Heinisch sein Missfallen.

Nun kann man sicher darüber diskutieren, wie schlau es ist, nach dem Rasenmäherprinzip in allen Ressorts gleichmäßig und damit natürlich auch bei den Schulen Budgets zu kürzen (wohl eher nicht). Doch wenn das System Schule nicht imstande ist, angesichts eines jährlichen Budgets von rund acht Milliarden Euro einen Betrag von 60 Millionen – das sind 0,75 Prozent – einzusparen, ohne dass das Produkt Schulbildung darunter auch nur im Geringsten leiden muss, dann verliert dieses System Schule, so wie es derzeit organisiert ist, jegliche Daseinsberechtigung.

Denn vor der unerfreulichen Lage, Kosten reduzieren zu müssen, steht nahezu jedes Unternehmen dieses Landes früher oder später. Und Kosten in der Gegend von einem Prozent einzusparen, ohne dass der Kunde davon etwas merkt und ohne dass sich an der Qualität des Produkts etwas verschlechtert, das schaffen auch höchst zartfühlende Unternehmensführer locker.

Wenn die Unterrichtsministerin – und das ist ihr nun wirklich vorzuwerfen– angesichts einer so bescheiden dimensionierten Sparvorgabe sofort das Produkt verschlechtert, indem Klassen zusammengelegt werden oder Stunden entfallen, dann ist das ungefähr so, als würde VW Kosten senken, indem das Unternehmen künftig beim Golf zwar den Preis gleich lässt, aber die Airbags, die Klimaanlage und die Scheibenwischer einspart.

Ein Unternehmensvorstand würde ein derartiges „Sparkonzept“ wohl keinen Tag überleben. Dass dergleichen im System Schule als unvermeidlich hingenommen wird, zeigt, wie dysfunktional dieses System staatlicher Schulen tatsächlich ist.

Dass an Österreichs Schulen mehr als ein Prozent der Kosten eingespart werden könnten, ohne das Produkt Schulbildung leiden zu lassen, zeigt ein Blick in die Bilanzen des Schulwesens ganz schnell. Denn Österreich gibt deutlich mehr Geld pro Schüler als die allermeisten EU-Staaten aus – mit dem Ergebnis, dass etwa ein Drittel aller Jugendlichen nicht einmal richtig lesen können. Österreichs Schulsystem produziert offensichtlich bei viel zu hohen Kosten ein viel zu schlechtes Produkt, was nur deshalb aufrechtzuerhalten ist, weil der Staat dieses System als De-facto-Monopolist betreibt, der kaum Wettbewerb zu fürchten hat.

So schaut das Ergebnis dann eben aus. Auf die Gefahr, nun von Lehrern menschenverachtender neoliberaler Umtriebe bezichtigt zu werden: Im wirklichen Leben senken Unternehmen Kosten, wenn es ums Überleben des Betriebs geht, indem sie mit dem Betriebsrat vereinbaren, dass für das gleiche Geld etwas mehr gearbeitet wird, zumindest für einen bestimmten Zeitraum. Das ist nicht besonders angenehm, aber noch immer besser als Insolvenz und Untergang aller Arbeitsplätze. Und es hat den Vorteil, dass die Produktqualität gleich bleibt, der Kunde also nichts bemerkt.

Da das staatliche österreichische System Schule allerdings weder von Konkurrenz noch von Insolvenz bedroht ist, wird es die notwendigen Kostensenkungen eben nicht durch mehr Effizienz, sondern durch ein (noch) schlechteres Produkt darstellen. Ganz, wie das in der Planwirtschaft schon immer üblich war. (“Presse“)

3 comments

  1. norbert bender

    Gebt den Lehrern die Möglichkeit, die “Verhaltensoriginellen”(im Klartext: die doofen Störer) vom Unterricht auszuschließen, und so könnten sie auch 40 Schüler unterrichten.
    Aber klar, wenn man auch den größten Deppen auf Augenhöhe begegnen und sie “mitnehmen” muss, geht halt das Bildungswesen auf Kosten der durchaus Interessierten den Bach runter.
    Was dann mit den Bildungsfernen geschieht? Pech gehabt, sie wollten es so.

  2. Reinhard

    @norbert bender
    Pfui, sind Sie böse!
    Wie können Sie so politisch unkorrekt einfach die Wahrheit schreiben… 😉

  3. M.Kunze

    diese HH ist schlicht genauso deppe*t wie alle anderen bildungsfernen halbde*ilen in der sog. Regierung – glaublich selber “Lehrperson” ohne Aus- u. sonstige Bildung.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .