Lektüre für das lange Wochenende

Von | 30. März 2013

Die Anreise ist mühsam und nicht ungefährlich: von Lima, der Hauptstadt Perus, eine Flugstunde Richtung Nordosten nach Tarapoto, von dort mit dem Auto einen Tag und eine Nacht an den Ostrand der Anden, wo Militär an einem Checkpoint die Daten der Reisenden aufnimmt, damit im Fall von deren Ableben die jeweilige Botschaft verständigt werden kann. Dann geht es über eine notdürftig aus den Bergen gefräste Piste auf 3000 Meter Seehöhe, wo eines der geheimnisvollsten Bauwerke Amerikas steht: die Festung Kuelap.

Eine acht Meter dicke, 20 Meter hohe und 1200 Meter lange Mauer aus präzise gearbeiteten Quadern umschließt den Komplex aus 415 steinernen Wohnhäusern, Lagerhäusern, Gemeinschaftseinrichtungen und Wehrtürmen. Das dreifache Bauvolumen der Cheopspyramide wurde hier, in einer der unzugänglichsten Ecken Südamerikas, vor vermutlich rund 2000 Jahren errichtet. Und zwar von der mittlerweile längst untergegangenen Chachapoya-Kultur, deren Ursprung bisher schlicht unbekannt war, die sich aber in zahllosen Aspekten von den in den Anden bisher bekannten Indio-Kulturen unterscheidet – nicht zuletzt dadurch, dass bis heute im Land der Chachapoya viele hellhäutige und rothaarige Menschen mit vielen Sommersprossen leben, die nicht wie Indios, sondern eher wie Nachfahren der Kelten aussehen.

Möglicherweise, weil sie welche sind, behauptet der deutsche Autor Hans Giffhorn in seinem Buch “Wurde Amerika in der Antike entdeckt?”. 15 Jahre lang hat er die Hinterlassenschaft der Chachapoya in Peru untersucht, zahllose Historiker, Geologen und Ethnologen befragt, Ausgrabungen und DNA-Analysen durchführen lassen und Indizien an Indizien gereiht.

Seine spektakuläre These: Die Chachapoya sind Nachfahren phönizischer Flüchtlinge, die sich rund um die Einnahme ihrer Hauptstadt Karthago durch die Römer auf die Flucht durchs Mittelmeer Richtung Westen gemacht hatten. Unterwegs, so Giffhorn, hätten sie sich mit in Spanien lebenden Kelten zusammengetan und wären schließlich mit ein paar Dutzend Schiffen in Richtung Südamerika gesegelt. Dort, so die spektakuläre These weiter, wären sie den Amazonas stromaufwärts gefahren, immer auf der Suche nach fruchtbarem Land, halbwegs friedlichen Nachbarn und für sie erträglichem Klima. Gefunden hätten sie ihr gelobtes Land letztendlich dort, wo noch heute die Feste Kuelap von ihrem hohen Zivilisationsgrad Zeugnis ablegt.

Zerstört wurde diese keltisch-phönizisch-indianische Kultur nicht von militärisch überlegenen Gegnern, sondern von jenen europäischen Krankheiten, die von den spanischen Konquistadoren eingeschleppt worden waren. Nahezu alle Chachapoya fielen diesen Seuchen zum Opfer, die hellhäutigen Rothaarigen in deren einstigen Siedlungsgebieten dürften ihre letzten Nachfahren sein.

Stimmte das, muss die Geschichte neu geschrieben werden. Dann wäre nicht Kolumbus oder der Wikinger Leif Erikson Entdecker Amerikas, sondern es wären namenlose Karthager und Kelten auf der Flucht vor den Römern.

Beweisen kann Giffhorn seine These nicht, wie er auch selbst völlig offen einräumt – doch die Fülle der Indizien, die er zusammengetragen hat, beeindruckt. So beschreibt er zahllose architektonische Details, Gemeinsamkeiten des Zusammenlebens oder Charakteristika von Gebrauchsgegenständen, die bei den Chachapoya nahezu exakt so waren wie bei den Kelten; findet Hinweise darauf, dass tatsächlich vor 2000 Jahren Weiße den Amazonas hinaufgereist sind, und lässt eigens die DNA der mutmaßlichen heutigen Chachapoya-Nachfahren auf europäisches Erbgut untersuchen (mit positivem, aber nicht zwingend signifikantem Ergebnis).

Klärung käme sehr teuer
Die Wissenschaft steht den Thesen Griffhorns erwartungsgemäß eher skeptisch, aber nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, was nicht zuletzt an dessen redlich-nüchterner Argumentation liegen dürfte, die sich ehrlich bemüht, die eigenen Thesen zu falsifizieren. Hier ist kein verbissener Erich-von-Däniken-Epigone am Werk, sondern ein durchaus wissenschaftlich arbeitender Außenseiter des Wissenschaftsbetriebes. Die Frage, ob er recht hat, könnte nur durch groß angelegte, extrem aufwendige DNA-Tests geklärt werden; und die sind nicht in Sicht. Das Rätsel Kuelap bleibt wohl auch weiterhin eines. (WZ)

Wurde Amerika in der Antike entdeckt? Karthager, Kelten und das Rätsel der Chachapoya.

Hans Giffhorn

C.H. Beck, 288 Seiten, 19,50 Euro

34 Gedanken zu „Lektüre für das lange Wochenende

  1. panzerechse

    (Zitat: CO) – “…auf der Suche nach fruchtbarem Land, halbwegs friedlichen Nachbarn…”

    Sehr interessant, wenngleich auch noch verwirrender, der oben stehende Satz… Wenn vor 2000 Jahren schon “Europäer” (?) Amerika entdeckten, wie kamen dann die “halbwegs friedlichen Nachbarn” hin?

    Ich erinnere mich an eine kurze Pressedienst-Meldung in den 90er Jahren. Damals noch im Gofer-Netzwerk. Da hat ein USA Anthropologe die These aufgestellt, daß das mit der Entstehung der Menschheit in Afrika nicht so stimmt. Er meinte, daß ab einem bestimmten Zeitpunkt die Menschheit (menschenähnlich/menschenartig) mehr oder minder gleichzeitig und über den Globus verstreut, entstanden sei… Das erinnert mich wiederum an einen Kernsatz des Buddhismus, der in die vorbuddhistische Zeit zurückreicht: “Leben ist dort, wo Umgebung ist.” Heißt: entsprechend der Umgebung, entsteht entsprechendes Leben.

    Von jenem Anthropologen hab’ ich nie wieder etwas gehört. Und seine Ansicht wurde nicht mehr weiter verfolgt. Mir persönlich erscheint das sehr plausibel. Paßt natürlich so überhaupt nicht in die weit verbreiteten Schöpfungsgedanken und -vorstellungen…

  2. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    Da ich nicht unterschreibe, unterstellen Sie mir, nicht verfunftbegabt zu sein; dies erlaube ich mir zu verbitten!
    Nichts desto Trotz:
    gesegnete Ostern 🙂

  3. Mercutio

    @Thomas Holzer
    Entweder man glaubt oder man ist vernunftbegabt. Der Glaube an den christlichen Gott ist nicht vernünftiger oder rationaler als der an Kali, Ra, Wotan oder Huitzlipochtli.

  4. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    Dann müssten Sie aber auch alle anderen Privilegien genauso vehement bekämpfen 🙂
    Was ist z.B. mit den Zwangsmitgliedschaften?
    Schon ein bisserl einseitig und teilweise sogar falsch, was auf dieser website behauptet wird

  5. Thomas Holzer

    @Mercutio
    Ja, das mit der Vernunft ist schon so eine Sache; schon Goethe läßt Mephisto feststellen: “Du hast ihm den Schein des Himmellichts gegeben, er nennt’s Vernunft, und braucht’s allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein” 😉

  6. gms

    Christian Peter :
    Schade, denn die Beseitigung staatlich geschützter Privilegien
    ist ein Kernanliegen des Liberalismus.

    Stimmt schon. Bloß ob man sich selbst dafür vor einen Karren mit linken Spinnern spannen will, bleibt dahingestellt. Als radikaler Libertärer und überzeugter Atheist halte ich es hierbei wie Hans Rauscher vom “Standard”, wenn er schreibt:
    “Das Volksbegehren scheint weniger von liberalem, aufklärerischen Denken als von antiklerikalem Ressentiment getragen zu sein.”

    derstandard.at/1363706507141/Ein-Volksbegehren-gegen-die-Kirche

  7. gms

    @Christian Peter

    Weil Rauscher also ein “Schmierfink” ist, kann er mit seinen Worten nicht richtig liegen? – “Etliche Behauptungen der Initiatoren, die finanziellen Begünstigungen der Kirche betreffend, sind schlicht und einfach falsch oder tendenziös dargestellt.”

    Für die sonstige Leserschaft hier: “Leihe jedem dein Ohr, doch wenigen deine Stimme.” (Shakespeare, Schmierfink)

  8. Christian Peter

    @gms

    Sie sollten Volksbegehren nach rein sachlicher Kriterien beurteilen.
    Menschen zu diskreditieren, die hinter einem Volksbegehren stehen,
    lässt auf niedere Beweggründe schließen.

  9. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    Dann sollten auch die Argumente der Befürworter dieses Volksbegehren sachlicher sein, als sie auf der von Ihnen angeführten website sind!
    Mit zumindest Halbwahrheiten zu einer Unterschrift aufzurufen, läßt auch auf “niedere Beweggründe” schließen 😉

  10. Mercutio

    @Thomas Holzer
    Tja wenn man davon ausgeht, dass alle Vernunft von einem Gott kommt … Ich gehe davon aus, dass sich der Mensch in der Abstammung von Tieren herleitet und noch eine ganze Menge von Trieben mit diesen teilt.
    Aber das verbindet KLerikale, Liberale und Kommunsiten, die alle davon ausgehen dass der Mensch und seine Affekte durch ein Regelwerk gebändigt werden müssen, während doch die gute alte Rudel- und Revierordnung fast schon alles erklärt.

  11. Christian Peter

    @rubens

    Dass ein Forum für Marktliberale von Herz-Jesu-Sozialisten unterwandert
    wurde, ist ein bedauerlicher Umstand.

  12. Jennerwein

    @Thomas Holzer

    Und? Qed, Der Mensch glaubt nicht aus Vernunftgründen, sondern aus irrationalen Trieben. Noch irrationaler ist allerdings die Verteidigung eines anachronistischen Vereins, der mit den Werten des Liberalismus genausowenig zu tun hat wie der Ostblock-Kommunismus.

  13. Lodur

    In den Berichten der spanischen Konquistadoren ist NIE von blonden, hellhäutigen oder rothaarigen Indios die Rede.

    “und lässt eigens die DNA der mutmaßlichen heutigen Chachapoya-Nachfahren auf europäisches Erbgut untersuchen (mit positivem, aber nicht zwingend signifikantem Ergebnis).”

    Ist nicht überraschend, da sich Indios mit Siedlern aus Europa ab dem 16. Jahrhundert vermischten. Diese Mischlinge und ihre Nachfahren bezeichnet man als “Mestizen”.

    Dieser Blog verkommt immer mehr zu einem Forum des Irrationalismus, in dem Fall in der Form eurozentrischer Kulturdominanz-Spekulationen ohne Hand und Fuß.

  14. Christian Peter

    Osterbotschaft 2013 : Liberalisierung des Marktes religiöser Dienstleistungen.

    http://www.kirchen-privilegien.at/

    Alle Bürger mit Restverstand unterschreiben zwischen 15. – 22.4.2013
    in den Bezirks- bzw. Gemeindeämtern.

  15. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    Zuerst haben Sie die “Vernunftbegabten” aufgefordert, nunmehr reduzieren Sie ihre Aufforderung auf die, welche einen “Restverstand” besitzen………
    Aus Mangel an zu erwartenden Unterschriften scheinen Sie die intellektuellen Anforderungen der potentiellen Unterschreiber tagtäglich zu reduzieren

  16. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    nebstbei; warum nehmen Sie nicht zu den zumindest Halbwahrheiten, welche auf dieser website veröffentlicht werden, Stellung?!

  17. Thomas Holzer

    @Lodur
    einer, welcher an die Realisierung des “realen Sozialismus/Kommunismus” ohne Zwang glaubt, ist auch ein Irrationalist 😉

  18. Christian Peter

    @Thomas Holzer

    Sie möchten sämtliche Privilegien in Steuergesetzen beseitigen, die Privilegien
    (ausgesuchter) Glaubensgemeinschaften jedoch aufrechterhalten ? Seltsam
    irgendwie. Übrigens : Österreich gibt mehr Geld für Glaubensgemeinschaften
    (ca. 3 Milliarden Euro) als für Landesverteidigung aus (2,5 Milliarden Euro).

  19. Christian Peter

    Wir sollten das freiheitliche Modell der USA übernehmen : Weder positive noch
    negative Diskriminierung von Glaubensgemeinschaften, Verbot von Religions-
    unterricht an öffentlichen Schulen, keine Kirchensteuern, keine Finanzierung
    von Glaubensgemeinschaften aus öffentlichen Mitteln (u.a.).

  20. Lodur

    @Thomas Holzer
    “einer, welcher an die Realisierung des “realen Sozialismus/Kommunismus” ohne Zwang glaubt, ist auch ein Irrationalist ;)”

    Nein, Rationalist, weil er Alternativen zum irrationalen, krisenhaften Kapitalismus sucht.

    PS.: Ach wie gut, dass es in der kapitalistischen Marktwirtschaft keine Zwänge gibt, abgesehen von den Sachzwängen. 🙂

  21. Thomas Holzer

    @Lodur
    “PS.: Ach wie gut, dass es in der kapitalistischen Marktwirtschaft keine Zwänge gibt, abgesehen von den Sachzwängen”

    Wer zwingt Sie, Ihre Idee nicht zu verwirklichen?

    Ach ja, die Sachzwänge; wäre aber Ihre werte Idee so beeindruckend, müßten Ihnen eigentliche die Türen eingerannt werden. 😉

    “Nein, Rationalist, weil er Alternativen zum irrationalen, krisenhaften Kapitalismus sucht.”

    Da steht Aussage gegen Aussage: Sie behaupten, Ihr System sei rational, ich behaupte, der Kapitalismus ist rational

  22. kh80

    @Thomas Holzer
    “Da steht Aussage gegen Aussage: Sie behaupten, Ihr System sei rational, ich behaupte, der Kapitalismus ist rational”

    In sich gesehen schon. Im Sinne der systemimmanenten Logik. Aus der Außenperspektive jedoch nicht. Was ist an einem System rational, das tauschwertorientiert konzipiert ist, in dem es um die Realisierung des in der Relation zum Aufwand höchstmöglichen Ertrages geht und nicht um die Bedürfnisbefriedigung? Und da liegt das Problem. Um dies zu erreichen, lässt der Unternehmer so viele Produkte wie möglich zu einer bestimmten Zeit produzieren, um einerseits so viele Waren wie möglich innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu einem bestimmten Preis verkaufen zu können, und um andererseits die Produktionskosten pro Stück zu senken. Daher sinkt auch der Preis des Produktes (es sind mehr Waren als vor der Rationalisierung auf dem Markt vorhanden und es ist durch die Technisierung immer weniger menschliche Arbeitskraft zur Produktion notwendig). Das Ziel ist die höchstmögliche Kapitalakkumulation, sprich einen so hohen Profit wie möglich zu machen. Andere Unternehmer müssen es ihm gleichmachen, wenn sie nicht vom Markt verdrängt werden wollen. Also rationalisieren sie auch, um mit den niedrigeren Preisen des Konkurrenten mithalten zu können. Dadurch sinkt die durchschnittlich notwendige Arbeitszeit, es ist ja immer weniger menschliche Arbeitskraft zur Produktion nötig. Die Preise sinken ebenfalls weiter, denn die hergestellten Waren haben daher einen immer geringeren Wert bzw. es erhöht sich das Angebot auf dem Markt. Die gesellschaftlich durchschnittliche Profitrate (Gewinn in der Relation zum eingesetzten Kapital) sinkt daher, wobei die Profitmasse durchaus steigt, jedoch auch die organische Zusammensetzung des eingesetzten Kapitals durch die Maschinisierung, die durch die Tendenz der fallenden Profitrate und den damit ausgelösten Rationalisierungsdruck stetig steigt. Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem der Unternehmer nicht mehr den vom Arbeitnehmer produzierten Mehrwert zur Genüge auf dem Markt realisieren kann. Und die Krise ist da. Kosten müssen radikal gesenkt werden. Daher werden Arbeitnehmer entlassen, unrentable Produktionszweige stillgelegt, menschliche Arbeit wird billig ausgelagert (so weit möglich). Kreditraten können nicht mehr (voll) bezahlt werden. Banken schlittern in die Krise. Die allgemeine Kaufkraft sinkt etc. Wenn dann genug Kapital bzw. Produktivkräfte vernichtet worden sind, beginnt das Spiel wieder von vorn. Die Zeche zahlen im Endeffekt die Arbeitnehmer, z. B. durch sinkende Löhne und/oder Sozialleistungen, Erhöhungen der erlaubten Normarbeitszeit oder durch Sparerenteignungen, um die Bankeneigentümer und deren Anleihengläubiger zu schonen. Was ist daran rational?

    “Ach ja, die Sachzwänge; wäre aber Ihre werte Idee so beeindruckend, müßten Ihnen eigentliche die Türen eingerannt werden. ;)”

    Es gab und gibt immer wieder Revolutionen gegen das herrschende System. Momentan haben wir in Spanien, Portugal und Griechenland eine vorrevolutionäre Situation. Es finden Betriebsbesetzungen statt, Arbeiterkontrolle wird installiert, die Menschen demonstrieren auf den Straßen.

  23. Mercutio

    @Thomas Holzer
    Aber eines ist jedoch klar, Religion ist mit Gewissheit nicht rational, nach dem Motto, ich zahle ein Leben lang Bravheit und Reue für meine übergroßen Sünden ein, dafür krieg ich einen fixen Stehplatz im Paradies. 🙂

  24. Mercutio

    @kh80
    Danke für diesen erhellenden Beitrag, obwohl ihn nicht mehr viele lesen werden. Das vergessen Konservative wie Liberale immer wieder, jedes System ist nur in seiner internen Logik zwingend stimmig. Und immer sind es die bösen anderen mit ihren unberechtigten Forderungen, die die Harmonie zerstören. Natürlich gilt dasselbe auch für dogmatische Kommunisten.

  25. Mercutio

    @Libertas
    Politische und wirtschaftliche Überzeugungen dürfen niemals zur Religion werden. Auch wenn man für freie Märkte und Eigenverantwortung ist, kann man den Sozialstaat befürworten. Insofern lehne ich alle hier gängigen extremen Polarisierungen zwischen links un rechts ab. So schlecht waren unsere Erfahrungen mit einem Weg der Mitte nicht in den vergangenen 60 Jahren, es wird seinen Grund haben, dass die Länder Mitteleuropas und Skandinaviens trotz einer sozialen Ausgestaltung zu den per capita wohlhabendsten Nationen der Welt zählen.

  26. Lodur

    @Mercutio
    “Auch wenn man für freie Märkte und Eigenverantwortung ist, kann man den Sozialstaat befürworten.”

    Das Problem ist nur, dass die kapitalistische Produktionsweise mit ihrer Tendenz der fallenden Profitrate samt den Überproduktionskrisen den Sozialstaat mit seinen kostenintensiven Errungenschaften schlicht und einfach unleistbar macht. Der teure Sozialstaat funktioniert nur in einer kapitalistischen Aufschwungsphase, in der so viel Mehrwert produziert und realisiert wird, das er auch zu gemeinnützigen Zwecken verteilt werden kann. In einer Krisenphase, in der selbst die Lebensinteressen der Kapitalisten, also der Produktionsmitteleigentümer sowie der Eigentümer von Banken, Finanzdienstleistern, Immobilien und Grundstücken, in Gefahr sind, muss dieser Schritt für Schritt wegrationalisiert werden.

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