Leserpost

Lieber Kollege Ortner, Mit Aufmerksamkeit und großem Interesse habe ich Ihren Beitrag “Danke, liebe EU, dass du uns so intensiv betreust und umerziehst” gelesen und respektiere natürlich Ihre zum Ausdruck gebrachte Meinung. Dennoch möchte ich zur Versachlichung einige Anmerkungen machen. Das Sicherheitssystem eCall in Kraftfahrzeugen verbindet sich erst bei einem Unfall mit einem Netzbetreiber und nimmt Kontakt mit dem europaweiten Notruf 112 auf, d.h. das System ist bei Normalbetrieb des KFZ ausgeschalten und kann nicht geortet werden. Ihre Unterstellung, dass das System eine permanente Überwachung von Fahrzeugen ermögliche ist daher unrichtig, vielmehr hat die Europäische Kommission großes Augenmerk auf den Schutz von Persönlichkeitsrechten gelegt, indem das eCall System den Datenschutzbestimmungen genügen muss, die KFZ-Hersteller dafür Sorge tragen müssen, dass das System nur im Ernstfall ortbar ist, gespeicherte Daten kontinuierlich gelöscht werden, die Privatsphäre unterstützende Technologien eingebaut werden, eine klare Begrenzung der übermittelten Daten festgelegt wurde und die Datenaufbewahrung nur so lange wie notwendig erfolgt.

Zu Ihrer Parallele, die Sie mit Klospülungen und Glühlampen ziehen möchte ich anmerken, dass es zu WC-Spülungen lediglich Normierungen gibt, die bei der Verwendung eines “Öko-Labels” einzuhalten sind und es beim Ausschluss energieineffizienten Glühlampen um übergeordnete Ziele der Einsparung von Ressourcen geht. Gerade die aktuelle politische Lage führt deutlich vor Augen welche strategische Bedeutung der sparsame und effiziente Umgang mit Energie hat.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Heinz R. Miko

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Heinz R. Miko
Pressesprecher

Europäische Kommission
Vertretung in Österreich

12 comments

  1. Matthias Wolf

    Sehr geehrter Herr Miko,

    danke für die diesbezügliche Klarstellung.

    Dennoch muss die Behörde zur Kenntnis nehmen, dass eine große Skepsis gegenüber oktroyierten Informationssystemen herrscht.

    Daher rege ich an, die diesbezügliche Software in einer ›White-Box‹ zu installieren, also schlicht, den Quellcode des Systems nach Art von Open Source-Software zu veröffentlichen.

    Beste Grüße
    Matthias Wolf

  2. Gerhard Huemer

    Danke für die Klarstellung Herr Miko. Der einzig richtige Umgang mit polemischer EU Kritik ist erklären, dagegenhalten und richtigstellen. Das hat auch die EU Wahl gezeigt: Cameron, der versucht hat UKIP klein zu halten indem er auch über die EU herzog, wurde zu recht abgestraft, während in den Niederlanden die Regierungsparteien, aber auch die Sozialpartner dagegen gehalten haben und erfolgreich waren.

    Weiters so, billige Polemik darf sich nicht auszahlen!

  3. fts

    Nur zwei Links dazu:

    http://www.spiegel.de/auto/aktuell/ecall-eu-parlament-beschliesst-pflicht-zu-automatischem-notrufsystem-a-955731.html

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/e-call-system-das-ende-des-autos-naht-12948900.html

    Fazit:
    Wer die offizielle EU-Propaganda noch kauft, ist nicht mehr nur einfach naiv.
    Der ist entweder dumm oder kriminell.

    Aber vielleicht kann der ‘Herr Miko’ ja auch einmal kurz dazu
    Stellung nehmen,
    1. warum das System nicht abschaltbar ist,
    und
    2. warum die EU sich überhaupt anmaßt, diese Entscheidung
    für mich zu treffen.

    Bliebe noch anzumerken, daß es für mich jetzt definitiv an der
    Zeit ist, aus dem zunehmend totalitären ‘*Haus’ namens ‘EU’ auszusteigen.

    Ansonsten kann man den Zurückbleibenden nur empfehlen
    dieses System nach Kauf eines Wagens umgehend stillzulegen
    und die Auswahl des Fahrzeugs danach zu treffen, wie aufwendig
    dies ist.

  4. Thomas Holzer

    1.) Herr Miko sollte ehestmöglich einen Deutschkurs besuchen
    2.) “und es beim Ausschluss energieineffizienten Glühlampen um übergeordnete Ziele der Einsparung von Ressourcen geht.”

    Aha, also wurden energieeffiziente(sic!) Glühlampen ausgeschlossen, um Ressourcen einzusparen; soviel zur Logik der EU-“Granden”

    Und schlußendlich will Herr Miko uns einfache Bürger wohl “zum Besten halten”, wenn er die Behauptung aufstellt, daß die Möglichkeiten, welche “e-call” den Staaten, der EU bietet, nicht wahrgenommen werden; wenn auch nicht sofort bei Einführung dieses Systems.

    Entweder ist Herr Miko ein grenzenloser Naivling oder ein eingefleischter Technokrat, welcher wider besseres Wissen lügt; ein Drittes scheint mir nicht möglich

  5. herbert manninger

    Nun, SO blöd sind unsere EU-Machthaber auch wieder nicht, um uns gleich ihre vollständigen Absichten zu verraten.

  6. Graf Berge von Grips

    So was blödes, Seitensprünge werden immer komplizierter….

  7. stipo turini

    Lieber Herr Mirko,
    Wenn wir alle nicht einen zwanzigjährigen Erfahrungsschatz mit dieser aus den Rudern gelaufenen EU hätten, könnte man meinen, dass der gute Ortner hier ein bissi überzogen hätte. Auch, wenn viele das Muster nicht durchschauen, aber unser “allerliebstet” Juncker sagte sinngemäß einmal, dass sie (die Lenker- und innen der EU, wer auch immer das tatsächlich sein sollte) immer wieder schauen, was alles reingeht. Wenn der Widerstand nicht zu groß ist, dann machen sie weiter, bis es kein Zurück gäbe. Also vielen Dank für Ihre wohlmeinenden Beschwichtigungsversuche, die Sie entweder selber wirklich glauben oder denen Sie selbst zum Opfer gefallen sind.
    Ihre Apanage wird hoffentlich ein zarter Trost für Sie sein können.
    Stipo Turini

  8. Christian Ortner

    Leider hat es Herr Miko verabsäumt, mit auch nur einem Wort auf meine zentrale Kritik an dem von mir ja als grundsätzlich vernünftig beschriebenen System einzugehen: nämlich dass die EU dem Einzelnen nicht erlaubt, das System abzuschalten, wann und aus welchem Grund auch immer es ihm beliebt. Nur darum geht es, und darauf hat er leider nicht geantwortet. Das erhöht die Glaubwürdigkeit des EU-Vertreters natürlich enorm. lg, c.o.

  9. gms

    Heinz R. Miko,

    “Das Sicherheitssystem eCall in Kraftfahrzeugen verbindet sich erst bei einem Unfall mit einem Netzbetreiber und nimmt Kontakt mit dem europaweiten Notruf 112 auf, d.h. das System ist bei Normalbetrieb des KFZ ausgeschalten und kann nicht geortet werden.”

    Die Aussage, das System sei im Normalbetrieb ausgeschaltet, widerspricht der expliziten Bestimmung nach einem verpflichtenden Selbsttest mit allfälliger Warnung an die Insassen, im Anlaßfall ggfs. keinen Call absetzen zu können. Wenn hierfür allenfalls ein rein passiver Netzempfang getestet würde, so sagte dies noch garnichts über die Möglichkeit zum Einbuchen in ein GSM-Netz, könnte die Subscription doch abgelaufen oder sonstwie ungültig sein.
    Ohne testweises Einbuchen in ein Netz wäre der Test sinnlos, sobald man aber im Netz ist, ist auch die Funkzelle bekannt und damit (Stw. RAMM-Subscription [1]) zugleich der ungefähre Standort des mit der Subscription verbundenen Fahrzeuges zum Zeitpunkt des Tests.
    Darüber hinaus sind selbst für eCall-only-Systeme explizit Test- und Reconfigurationsanrufe vorgesehen. Wozu?
    Als wäre das noch nicht schon suspekt genug, firmieren die Systeme juristisch als Mobiltelephone und fallen allein deshalb unter jede Menge Big-Brother-Regulierungen außerhalb jener speziell für eCall.

    Zwar untersagt die eCall-Verordnung recht konsequent eine _permanente_ respektive _dauerhafte_ Verfolgung, eine _temporäre_ ist damit aber ebensowenig unterbunden, wie eine einmalige oder auch gelegentliche Standortfeststellung (Lokalisierung). Den Begriff Lokalisierung oder Standortfeststellung verwendet die Verordnung nicht, weder im Deutschen noch analog im Englischen.

    Wäre den Mitgliedern der Kommission, dem behandelnden Ausschuß und den Parlamentariern tatsächlich an einer Regelung gelegen, die dem entspricht, was Sie hier nahelegen, so wäre es ein Leichtes gewesen, dies auch dergestalt auszuformulieren.

    Man mag nun zur Verteidigung des EU-Werkels ins Rennen führen, es sei schwierig bis unmöglich, in Gruppen mit unzähligen unterschiedlichen verwendeten Muttersprachen konsensal einen nicht-trivialen Text zu erstellen. Ob nun Dummheit, Absicht oder systembedingte Unmöglichkeit kausal für den beschlossenen Verordnungtext waren — das Ergebnis ist letztklassig und daher auch und insbesondere im Kontext bisheriger Regelungen mitbestimmend für die steigende Aversion der Bürger gegen die EU.

    [1] google.com/patents/WO2013013140A1?cl=en
    “Wireless emergency call (ecall) devices and ecall service subscription management [..]
    for a given subscriber, indicating in the corresponding HLR record a subscription to a restricted access and mobility management (RAMM) subscription service (304), wherein the RAMM subscription service is associated with a network access device (NAD) of a motor vehicle (102); and for the subscriber having a current subscription to the RAMM subscription service, maintaining at least the corresponding subscriber profile information held in the home location register HLR until the occurrence of a predetermined trigger event (FIG. 4).”

  10. Selbstdenker

    Sehr geehrter Herr Heinz R. Miko,

    ich möchte mich für Ihren Lapsus “[…] und es beim Ausschluss energieineffizienten Glühlampen um übergeordnete Ziele der Einsparung von Ressourcen geht.” bedanken. So viel Ehrlichkeit hätte ich mir von einem Pressesperecher der Eurppäischen Kommission nie erwartet.

    Bleibt noch die Frage zu klären um welche “übergeordneten Ziele” es sich wohl handeln mag, wenn man den Bürgern der EU-Mitgliedsstaaten die teuren, hässlichen und auwendig zu entsorgenden Giftlampen im Wege der sogenannte “Öko-Design” Richtlinie aufnötigt. Eine Energieeinsparung über den gesamten Lebenszyklus inklusive Produktion und Entsorgung ist es jedenfalls nicht.

    Wenn die EU es mit den “übergeordneten Zielen der Einsparung von Resourcen” ernst meinen würde, dann wäre als erstes der Wanderzirkus zwischen Brüssel und Strassburg abzustellen.

    Ich habe übrigens bei den EU “Wahlen” meine Stimme nicht abgegben. Es war absehbar, dass der Wählerwillen nicht respektiert wird und die aktuellen Geschehnisse belegen dies sehr eindrucksvoll.

    Für die restlichen Jahre in denen es die Europäische Union noch geben mag, möchte ich Ihnen weiterhin viel Spaß bei der Arbeit wünschen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    ein Selbstdenker und ehemaliger EU-Befürworter

  11. gms

    Selbstdenker,

    [Ausschluss von energieineffizienten Glühlampen als übergeordnetes Ziel]

    Der Effekt, mit einer Übergangstechnologie (Spar-Schlampe auf non-LED-Basis) und zentralistisch befeuerter Schluckhilfe aus Brüssel noch ein paar zusätzliche Milliarden aus dem Markt zu destillieren, war ebenso vorhersag- wie später auch beobachtbar.

    Dasselbe einen Level größer erleben wir aktuell mit dem Zwang aus Brüssel zu eCall. Dieser erlaubt GSM-Betreibern die hoch willkommene Weiternutzung bestehender 2G/3G-Anlagen (mit maximal 384 kBit/s) über zusätzliche zehn Jahre und mehr, ein Umstand, auf den Qualcomm als Inhaber eines Patentes für eCall-Modems offen hinwies [0]:

    “2G/3G Connectivity for eCall IVS devices
    • GSM Directive and EU Commission decision on harmonization of the 900 MHz band
    – Expect migration of GSM networks to UMTS
    • By 2014, less than 15% of mobile subscriptions in the 12 largest European markets will be non-3G+
    • Lifespan of private vehicles (12-15 years)
    → Careful assessment of 2G/3G support is necessary
    • GSMA recommends dual-mode (2G&3G) devices for eCall
    • Additional benefits of a connected in-vehicle platform
    – Provides high speed mobile connectivity for ITS services
    – Enables telematics business models”

    Nichts, aber auch rein garnichts spricht dagegegen, wenn Firmen, Vereinigungen, Verbände, etc. sich untereinander abstimmen und wirtschaftliche Entwicklungen zu ihrem eigenen Vorteil beeinflussen wollen. Lobbying? – Soll sein!
    Sobald aber die Politik sich hierbei als willfährige und effektive Hure erweist und in ihrer Hauptrolle als Domina des Bürgers selbigem per Zwangseinlauf das Produkt ihrer zweiten Kundengruppe verabreicht und damit zugleich eigene Kontrollgelüste befriedigt, dann hört sich der Spaß auf.

    [0] Pan-European eCall, Marc Werner, Qualcomm Corporate R&D, April 2011
    ecallserver.com/index_html_files/ecall_-_qualcomm.pdf

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