Libra – der letzte Schrei aus Utopia oder die neue Internet-Weltwährung?

(ANDREAS TÖGEL) Nichts könnte den Vertrauensverlust in die staatlichen Fiat-Währungen besser veranschaulichen als die „Flucht ins Gold“ oder ins „Betongold“, und das immer stärkere Aufkommen blockchainbasierter Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Nach einer stark volatilen Entwicklung, die immer wieder von dramatischen Talfahrten gekennzeichnet war, hat sich der Platzhirsch Bitcoin zuletzt prächtig erholt. Nicht wenige „Early Adopters“ sind dank ihres zeitgünstigen Einstiegs bei Bitcoin reich geworden.

Der große Reiz dieser und anderer nichtstaatlicher Alternativwährung besteht darin, dass weder korrupte Politiker noch (Zentral-)Banker ihren Wert durch beliebig ausgeweitete Massenproduktion vermindern können. Bitcoin & Co. sind einzig und allein dem Interesse ihrer Nutzer, nicht aber politischen Befindlichkeiten verpflichtet. Ihre dezentrale Produktion und ihre technisch limitierte Zahl gewährleisten, dass sie eine starke Resistenz gegenüber politischen Interventionen aufweisen.

Die rund um den Globus betriebenen, beispiellosen Zinsmanipulationen der letzten Jahre, und die daraus resultierenden, in die Milliarden gehenden Verluste für die Sparer, treiben eine wachsende Zahl von Zeitgenossen aus dem staatlichen und suprastaatlichen Geld und lassen sie nach Alternativen suchen. Besonders die mit Computern aufgewachsenen jungen Leute sind es, die immer stärker auf private Blockchainwährungen setzen.

Doch nicht alles was glänzt, ist Gold. Wie jede nicht durch Realwerte unterlegte Währung, wurzelt auch die Kaufkraft dieser virtuellen Geldarten ausschließlich im Glauben der Nutzer. Tatsächlich handelt es sich nämlich, wie bei jedem aus dem Nichts geschaffenem Geld – gleich ob es auf den Namen Dollar, Euro, Yen, Pfund oder Franken hört -, um eine intrinsisch wertlose Luftnummer. Ob es sich dabei um von Notenbanken ausgegebene buntbedruckte Zettel, oder um digitale Anzeigen privater Betreiber auf einem Rechner handelt, bildet keinen Unterschied. Im Gegensatz dazu ist und bleibt eine Unze Gold stets eine Unze Gold. Sie besitzt einen greifbaren Wert – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Edelmetalle treten – anders als staatliches Geld – nicht als Resultat einer Verschuldungsaktes in die Welt. Sie werden auch nicht – wie Blockchainwährungen – mittels computerisierter Manipulationen als bloße Digitalanzeigen generiert, sondern verfügen über einen inneren (Kauf-)Wert, der sich seit Jahrtausenden faktisch nicht verändert hat.

Die Fadenscheinigkeit staatlichen Geldes ist an einem in seiner Bedeutung weithin unterschätzten Ereignis des Jahr 1971 zu erkennen: damals, als die Goldreserven der USA unter dem Druck der internationalen Entwicklungen zu verschwinden drohten, konnte die mächtige US-Regierung nicht umhin, den Dollar vom Gold abzukoppeln (Präsident Nixon hob am 15. 8. dieses Jahres die Goldbindung des Dollars auf). Der Verrechnungskurs einer Goldunze gegenüber dem USD ist seither von 35 auf über 1.300 USD gestiegen.

Aber zurück zur elektronischen Alternative zum staatlichen Schuldgeld: Soeben betritt ein mächtiger neuer Mitspieler die internationale Bühne: Mark Zuckerbergs Facebook-Konzern. Facebook plant die Einführung einer auf den schönen Namen „Libra“ hörenden, neuen Blockchainwährung, die den Zahlungsverkehr nicht nur vereinfachen, sondern außerdem noch drastisch verbilligen soll. Jeder, der über Erfahrungen mit dem Auslandszahlungsverkehr verfügt, weiß, wie lange konventionelle Überweisungen dauern können und mit welch horrenden Gebühren die Banken die Geldnutzer dafür traktieren. Dank dem Libra, so die vollmundigen Ankündigungen, soll es damit vorbei sein. Überweisungen sollen dann in „Echtzeit“ abgewickelt werden können und so gut wie nichts mehr kosten. Beinahe zu schön, um wahr zu sein.

Außerdem, so werben seine Propagandisten, soll die neue „Weltwährung“ – anders als der derzeitige Marktführer Bitcoin – durch einen Korb internationaler Währungen und Staatsanleihen (!) unterlegt sein. Weshalb man sich bei Facebook einbildet, das Vertrauen der Kundschaft ausgerechnet damit erringen zu können, indem man ihnen jene schwindsüchtigen Fiat-Währungen als Sicherheit anbietet, aus dem die Kryptrofans aus guten Gründen flüchten, scheint rätselhaft.

Besonders kritisch aber ist ein ganz anderer Aspekt: Viele Facebook-Nutzer haben bereits unschöne Erfahrungen machen müssen. Jene Zeitgenossen nämlich, die auch nur geringfügig vom Pfad der politisch korrekten Tugend abgewichen sind, haben bereits erlebt, dass sie für einen oder mehrere Tage gesperrt – also vom Zugang zu ihrem Profil abgeschnitten wurden. Es besteht also die keinesfalls grundlose Befürchtung, dass die Facebook-Blockwarte am Ende in gleicher Weise auch mit dem Zugang zum Konto verfahren könnten. Im Klartext würde das bedeuten: wer kritische Äußerungen zu vom Mainstream beklatschten Ereignissen absetzt könnte dafür zeitweilig oder dauerhaft vom Zugriff aufs eigene Konto abgeschnitten werden.

Das wäre kein sehr verlockendes Argument zugunsten des Libra. Oder sollte das tatsächlich die Zukunft des Geldes sein, auf das die Welt gewartet hat? Wo „Gemeinschaftsstandards“ überwachende Gatewatcher darüber befinden, ob man sich etwas zu essen kaufen darf oder nicht…?

6 comments

  1. CE___

    Sehr guter Artikel.

    Warum ich aus Kryptowährungen nicht schlau werde, ohne mir hier nun ein endgültiges Urteil bilden zu wollen, ist neben der technischen Unsicherheit wie zwingendem Zugang zu IT-Infrastruktur und Strom, dass die Ausgabe an Kryptowährungen quasi unendlich ist.

    Ein jeder IT-Geek kann eine neue raushausen.

    Ja, eine jede Kryptowährung selber ist irgendwo begrenzt, Bitcoin auf angeblich 21 Millionen Einheiten.

    Nur, es kann neben Bitcoin unendliche andere Kryptowährungen geben, wie Sand am Meer.

    Es soll ja angeblich schon tausende Kryptowährungen geben, las ich einmal, die einen sehr bekannt, die anderen obskur, jedoch vorhanden und verwendbar.

    Dagegeben muss man ja sagen, sind Fiatwährungen trotz aller ihrer Mängel begrenzter im Angebot.

    Wieviele Nationalstaaten mit Währungsmonopol auf dem Staatsgebiet gibt auf der Welt ? Irgendwo zwischen 180 und 190 ?

    Und Gold und sowieso als Gold einzigartig. Daneben gibt es nur Silber. Vielleicht noch Kupfer, nimmt man die Währungsgeschichte her.

  2. TomM0880

    Es läuft alles drauf raus, dass die Staaten sich ihre eigenen Kryptowährungen basteln werden, nur eben mit den oben genannten Nachteilen (für die Nutzer), dass der Staat die totale Kontrolle und Transparenz hat. Bargeld wird in ein paar Jahren Geschichte sein, auch wenn so mancher Politikdarsteller uns garantieren wird, dass dies NIEMALS passieren wird.

    Wer nicht sputet, dem wird das Geld abgedreht. Schöne neue Welt.

  3. Triumph Cruiser

    Ich habe mich am tatsächlichen Höhepunkt vom Bitcoin verabschiedet und bin nicht nur sehr gut, sondern sehr, sehr, sehr, sehr gut (Einsatz: ver-18-zehntfacht,- ausgestiegen – mit einer bis zu diesem Zeitpunkt unglaublichen Rendite.

    Seit diesem Zeitpunkt “dümpelt” diese Krytowährung (im Vergleich zum “AllTimeHigh”) nur noch dahin.

    Gewinn wurde in Edel- und Buntmetall (letzteres Blei / Kupfer- und RWS (bleifrei – man tut ja was für die Umwelt, – gell Greta) angelegt -letzteres für die Jagd. – auf alle Fälle, – “spannende Zeiten” …

  4. Luke Lametta

    @CE. Das tut ja auch quasi jeder zweite Geek der Welt, Kryptowährungen gibts wie Sand am Meer. Warum das schlecht für Bitcoin sein soll, will mir nicht ganz einleuchten. Amazon kratzts auch nicht, wenn pro Tag 368259486 Online-Händler dazukommen.

  5. Johannes

    Bitcoin: Wert am 15. Dez. 2017 16.721,77 Euro
    Wert am 14. Dez. 2018 2.814,09 Euro
    Wert am 21. Juni 2019 9.360,49 Euro

    Die richtige Währung für jeden der gerne Hochschaubahn fährt.

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