Lieber bürgerliche Bildung als Bewußtseinsbildung

Von | 15. Juni 2021

(JOSEF STARGL) Die grün-roten Garden artikulieren zunehmend ihre Klima- und Umweltängste sowie ihre Unzufriedenheit mit der Marktwirtschaft. In der Tradition des Geistes von 1968 stehend glauben sie an die Machbarkeit der Geschichte und ersehnen neue Menschen für eine neue Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung.

Die Strategien der Avantgarde zielen nach wie vor auf eine „permanente Bewußtseinsrevolution“ durch gemeinsame Aktionen der jugendlichen Zivilisationsrevolutionäre. Provokation, Inszenierung von Konflikten, Feindbilder, „Dagegen sein“, antiautoritäres Handeln, Konfrontationen und die „Entlarvung des Systems“ haben eine Tradition.

Die Organisation von Gemeinschaftserlebnissen bei Demonstrationen soll einer Intensivierung der Bewußtseinsbildung dienen. Eine Persönlichkeitsbildung, die dem Einzelnen ein Erlernen der Fähigkeit zum Umgang mit der Freiheit und mit der Eigenverantwortung ermöglicht, ist damit nicht beabsichtigt. Nonkonformisten sind unerwünscht. Das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Freiheit im Rahmen einer bürgerlichen Bildung ist außerdem anstrengend und verlangt auch Eigenleistungen im Wettbewerb.

Die von der Avantgarde ersehnte Einschmelzung in ein bewußtseinsrevolutionäres Kollektiv ist mit Konformismus, mit Anpassung, mit dem Erlebnis von Harmonie in der Gruppe und mit Gleichschaltung verbunden. Auf eine Förderung von Vielfalt, auf einen geistigen Wettstreit und auf individuelle Lernprozesse wird dabei bewußt verzichtet.

Zur Erinnerung: Schon der Sklave(!) Epiktet (50-135) forderte, dass sich der vernunftbegabte und selbstverantwortliche Mensch selbst zur Freiheit hin erziehen soll.

Lernen und Einsicht ermöglichen eine Selbstbefreiung. Wer sich seiner eigenen Schwächen bewußt wird, der verzichtet deswegen nicht auf ein Leben in Würde und in Selbstachtung. Er kann seine Ideen umsetzen, seine Absichten durch Taten erproben und die Folgen seiner Handlungen erkennen, um sich lernend in den kleinen Dingen des täglichen Lebens bewähren zu können.

Nach Epiktet ist das Selbstinteresse des Menschen sozial nützlich. Es trägt zum „Wohlstand für alle“ bei.

Am Beginn der Neuzeit war es Pico della Mirandola (1463-1494), der in seiner „Rede über die Würde des Menschen“ die Bedeutung der Freiheit für die Persönlichkeitsbildung, für Lernprozesse bei öffentlichen Erörterungen im Wettbewerb, für die Erkenntnis der Wahrheit sowie für einen dem eigenen Gewissen folgenden schöpferischen und dem tätigen Leben verpflichteten Menschen betonte.

Wenn eine Bewußtseinsbildung immer mehr an die Stelle einer bürgerlichen Bildung tritt, dann wird dadurch der Kollektivismus als ein Irrweg der Europäischen Zivilisation gefördert.

Durch globale Klima- und Umweltängste können keine konkreten sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Bürger gelöst werden. Die Angstpolitik kann eine Freiheit unter dem Recht nicht ersetzen.

Zahlreiche Jugendliche (in den Bildungsinstitutionen) werden immer mehr zu einem Instrument der Avantgarde. Sie sollten sich wieder mehr der Vorteile einer individuellen Freiheit und Würde bewußt werden. Persönlichkeitsbildung kann nicht durch Bewußtseinsbildung ersetzt werden.

Ein Gedanke zu „Lieber bürgerliche Bildung als Bewußtseinsbildung

  1. Kluftinger

    Danke Herr Stargl! Zu ergänzen wäre noch, dass Angst auch die Phantasie und Kreativität lähmt. Beides brauchen wir dringend um jenen Innovationen zu realisieren welche notwendig sind um den Fortschritt zu erzielen den wir dringend brauchen. Das Klima ändert sich, aber die Angstparolen beinhalten keine Lösungskompetenz!

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