Liefert Putin Waffen an die Terroristen?

Das Vakuum, das die Politik der Obama-Administration im Nahen Osten kreiert hat, wird zunehmend von Russland gefüllt – und die Region damit noch gefährlicher, als sie es ohnehin schon war. Zuerst kam die direkte militärische Intervention in Syrien, jetzt ist auf The Daily Beast eine Geschichte zu lesen, die nicht nur in Israel für einiges Kopfzerbrechen sorgen dürfte. Sollten die Informationen sich als wahr herausstellen, hat Russland damit begonnen, die islamistische Terrororganisation Hisbollah im Libanon mit Kriegsmaterial zu beliefern: hier

13 comments

  1. Fragolin

    Was, die Hisbollah ist plötzlich eine islamistische Terrorroganisation? Das sind doch arme freiheitskämpfende Friedensengel, also zumindest bis gestern waren sie’s noch…

  2. Thomas Holzer

    “„Moscow hasn’t placed any restriction…..”
    Das kommt mir bekannt vor; egal ob D, A, USA oder wer auch immer; jede vertraglich zugesicherte Restriktion bei Waffendeals ist das Papier nicht wert, auf welchem die Unterschrift geleistet wurde

  3. Reini

    … warum sollte man ein lukratives Geschäft nicht annehmen,… 😉 … , wenn A nicht liefert machts eben B! … ist doch perfekt für die Wirtschaft, jetzt muss die Gegenseite ebenfalls aufrüsten, und die wird von Europa und USA beliefert!

  4. Der Realist

    @Reini
    auf den Punkt gebracht, und wenn Europa durch Sanktionen Russlands Wirtschaft bremst, dann muss eben anderswo für Ausgleich gesorgt werden, und Präsident Putin ist mindestens so intelligent wie die Brüsseler “Führungsgarnitur” zusammen.

  5. gms

    Thomas Holzer,

    [„„Moscow hasn’t placed any restriction…..“]
    ” .. jede vertraglich zugesicherte Restriktion bei Waffendeals ist das Papier nicht wert”

    Man gestatte den Hinweis, wonach der Autor selbst festhält: “Sollten die Informationen sich als wahr herausstellen, ..”. Egal welche Nachricht man heranzieht, sie beginnen alle mehr oder minder mit: “Senior Hezbollah militants tell US news outlet”.

    Put simply: Da klopft ein Hissbollah-Offizier bei einer amerikanischen Agentur an und packt aus.

    Richtig ist, wonach die Russen den USA das leidige ‘Rebellen’spiel in Syrien verhageln und unsere lokale Propaganda nichts anderes zu berichten weiß, alsdaß Russen dort Zivilisten bombadieren und zugleich den Flüchtlingsstom anheizen. Einmal mehr stirbt im Krieg die Wahrheit zuerst.

  6. Thomas Holzer

    @gms
    Dessen bin ich mir durchaus bewusst!
    Nur wollte ich zum Ausdruck bringen, daß Vereinbarungen, welche z.B. besagen, daß diese Waffen nur gegen A und B nicht aber gegen C eingesetzt werden dürfen, und vor allem Personen, welche betonen daß es derlei Vereinbarung gibt oder eben nicht, einfach nur lächerlich sind.

  7. Mona Rieboldt

    @gms
    Richtig ist, dass Obama den Krieg in Syrien geschürt hat, in dem er die “Rebellen” mit Waffen unterstüzt hat, die “Rebellen” aber auch nichts weiter als Kopfabschneider waren, die mit den abgeschnittenen Köpfen posiert haben. Dazu kommt die Wahnidee der amerikanischen Regierung, jeden Diktator im Nahen Osten weg zu bomben. Und der deutsche Außenminister ständig “Assad muss weg”.

    Und ja Putin hat der Obama-Regierung dieses “Assad muss weg” und das Rebellenspiel verhagelt.
    Noch vor nicht langer Zeit gab es in deutschen Zeitungen eine Kriegsrhetorik gegen Putin, die wird jetzt weiter geführt, was Putin alles Böses macht in Syrien. Aber eher wird Putins Eingreifen
    in Syrien Frieden bringen, als das widersprüchliche Treiben der US-Regierung dort.

  8. Lisa

    “Mischt euch nicht in fremde Händel” :So altbacken der Spruch von Bruder Klaus auch klingen mag – es wäre manches besser auf der Welt, hielten sich die Länder, Nationen, Reiche daran…
    Nur: heute gibt es Internet. Film und Fotografie – keiner kann behaupten, er hätte nichts gewusst. Und es gibt Mobilität zu Wasser, Luft und Land – keiner kann sagen, da komme man ja nicht hin, um helfen zu können. Vor allem aber : es gibt Atom- und Wasserstoffbomben… Keine Ahnung, warum dieses Damoklesschwert ignoriert wird, nie so richtig ins Bewusstsein der Menschen dringt – oder, wenn, wird diese Ungeheuerlichkeit gleich wieder verdrängt. Wir müssen uns einmischen, ob wir wollen oder nicht. Putin tuts auf seine Weise, andere auf die ihre. Wir haben nur diese eine Welt – und da hört der Kampf um Raum und Ressourcen nie auf. (“Möge der Beste gewinnen” – der Beste, nicht der Gewalttätigste. )

  9. gms

    Reini,

    > … warum sollte man ein lukratives Geschäft nicht annehmen

    Geschäftliches steht hier nicht zur Debatte. Liest man bei den Quellen nach, anstatt sich auf mediales Junkfood zu verlassen, sind es rund 200 Soldaten, denen Russland bei der beschriebenen Aktion Waffen aus Depots überließ. Wieviel Lenkwaffen tatsächlich dergestalt den Halter wechselten, ist ungewiß. Sei’s d’rum:

    Ohne Truppen am Boden ist für Angriffe aus der Luft kein Ziel zu ermitteln oder nach Ausschaltung der Feinde zu halten. Umgekehrt kommen die Bodentruppen ohne Luftunterstützung nicht voran. Russland und die Hisbollah (schiitisch und vom Iran finanziert) kooperieren dergestalt, gemeinsam wiederum mit eher schwachen syrischen Regierungstruppen.

    Die Hammas (sunnitisch) kämpft gegen Assad, wie ebenso IS (Al-Kaida-Ableger) und Al-Nussra (gleichfalls Al-Kaida-Derivat). Daneben soll es noch moderarte Rebellen geben, von denen niemand sagen kann, wer das ist oder wo sie sind.
    Israel will weder IS, Hammas noch Hisbollah in geographischer Nähe. Assad will man gleichfalls nicht, anerkennt ihn aber als das geringste Übel [2], nachdem seine Ausschaltung nicht gelang und Assad mit Gegenschlägen gegen Israel drohte, sollte es weiterhin in Syrien Anti-Assadkräfte unterstützen. Daß Israel und die USA in Syrien zurzeit gezielt Hisbollahführer ausschalten und die Hisbollah sich dafür revanchiert, zerspragelt das chaotische Netz der Konfliktlinien zusätzlich.

    Was wäre meine ganz private Strategie als Westler, wollte ich weder salafistische noch sunnitische noch schiitische Moslems noch Assad als Sieger in Syrien sehen? Ich würde den Konflikt solange am Kochen halten, bis sich alle gegenseitig abgeschlachet haben und hernach das geleerte Feld relativ verlustfrei einnehmen. Das mag zynisch klingen, ist aber strategisch gesehen das Effektivste und Billigste, wenn man schon meint, dort irgendwie mitreden zu wollen.

    Die Alternative ist Syrien mit Assad unter russischer Kontrolle, und die fehlende Aussicht auf einen Krieg gegen den Iran, der immer noch auf der Abschußliste seit 9/11 steht. Dafür aber mußte man Rußland vertrauen, es würde sich mäßigend einbringen, sobald Syrien oder der Iran gegen Israel aggressiv würde.
    Der Worst-Case ist ein elendiglich langer Stellvertreterkrieg USA-Russland, will doch Rußland die Nato nicht auch noch irgendwann an seiner Südflanke haben.

    [1] thedailybeast.com/articles/2016/01/11/russia-is-arming-hezbollah-say-two-of-the-group-s-field-commanders.html
    [2] handelsblatt.com/politik/international/buergerkrieg-israel-saehe-syrische-grenze-lieber-in-assads-haenden/10638620.html
    forward.com/news/breaking-news/323876/israel-now-neutral-on-ousting-syrias-assad/
    [3] israelhayom.com/site/newsletter_article.php?id=3338
    welt.de/politik/ausland/article116997355/Assad-droht-Israel-mit-dauerhaftem-Widerstand.html
    [4] derstandard.at/2000027841845/Ranghohes-Hisbollah-Mitglied-in-Syrien-getoetet

  10. gms

    Die BILD-Zeitung interviewt lang und ausführlich Putin. Themen: Die Beziehungen Deutschland-Rußland und Rußland-Nato, Ukraine, Syrien, Sanktionen und vieles mehr. (Diekmann und Blome sind übrigens Mitglieder der Atlantik-Brücke, was dem Ganzen eine besondere Relevanz verleiht und gleichzeitig wie ein Tauwetter wirken läßt, angesichts der bisherigen Dämonisierung Rußlands.)

    [Zwei Teile, werbefrei]
    bild.de/politik/ausland/wladimir-putin/russian-president-vladimir-putin-the-interview-44092656.bild.html
    bild.de/politik/ausland/wladimir-putin/russian-president-vladimir-putin-the-interview-44096428.bild.html

  11. mariuslupus

    Vielleicht liefert Putin Waffen an Terroristen. Aber alle liefern irgendwelche Waffen an Irgendjemand. Diese Irgenjemands heissen dann einmal Terroristen, dann wieder Regierung. Und dieses Karussel dreht sich munter weiter. Wie blöd muss man sein, um auf dieses Karussel aufzuspringen.
    Es gibt nur eine rationale Politik bei solchen , jeder-gegen jeden Konflkten, Containment. Und abwarten. Alles andere ist Import von Gewalt. Wie aktuell in Europa geschieht.

  12. gms

    mariuslupus

    > Aber alle liefern irgendwelche Waffen an Irgendjemand.

    Obama, 13.01.2016: “Even as their economy contracts, Russia is pouring resources to prop up Ukraine and Syria — states they see slipping away from their orbit. And the international system we built after World War II is now struggling to keep pace with this new reality. […]
    For more than a year, America has led a coalition of more than 60 countries to cut off ISIL’s financing, disrupt their plots, stop the flow of terrorist fighters, and stamp out their vicious ideology. With nearly 10,000 air strikes, we are taking out their leadership, their oil, their training camps, and their weapons. We are training, arming, and supporting forces who are steadily reclaiming territory in Iraq and Syria.
    If this Congress is serious about winning this war, and wants to send a message to our troops and the world, you should finally authorize the use of military force against ISIL. Take a vote.” [1]

    Den beabsichtigten Einsatz US-amerikanischer Bodentruppen bedeutet das zwar nicht, aber zumindest ein offizielles und forciertes Eingreifen in Kampfhandlungen. Das kann verdammt böse enden, wenn man bedenkt, wie intensiv die USA und Rußland bereits schon aktiv involviert sind [2 stratfor, dec 17]: “U.S. and Turkish aircraft had been supporting rebel groups combating the Islamic State in the region. The Pentagon was forced to suspend aerial operations here for all but drones when Russia deployed SA-17 surface-to-air missile systems to the area. These systems are backed up by long-range strategic surface-to-air missile systems based in Latakia province, northwest Syria. Russia also ramped up air operations near the Turkish border, interfering with U.S. and allied support for rebels in the area.
    [ several measures are ] raising the risk of an incident and escalation. Washington has elected to avoid this outcome by pulling back its aircraft from the Azaz corridor entirely.”

    [1] medium.com/@WhiteHouse/president-obama-s-2016-state-of-the-union-address-7c06300f9726
    [2] stratfor.com/analysis/russia-forces-us-shift-northern-syria

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