Lob der Sezession

Von | 7. September 2016

“….General de Gaulle wurde von der gesamten US-Presse beschimpft und verspottet, weil er bei seinem Besuch der kanadischen Provinz Quebec aufgestanden und „Vive le Quebec Libre“ (Lang leben ein freies Quebec!) gerufen hat. Die Amerikaner scheinen nicht in der Lage zu sein, das Prinzip der Sezession zu verstehen oder den Wunsch einer unterdrückten ethnischen Minderheit nachzuvollziehen, sich von der Tyrannei der Mehrheit zu befreien.

In den Vereinigten Staaten haben alle gelacht und de Gaulle als senilen alten Trottel verspottet; aber in Kanada, und insbesondere in Quebec, hat niemand gelacht. Dort war man entweder aufgebracht und wütend, oder brach in Jubel aus; aber gelacht hat keiner. Denn dort weiß jeder, dass Kanada aus zwei Nationen besteht, und dass die Briten die Franzosen seit der Zeit beherrschen, als Britannien Mitte des 18. Jahrhunderts in Neufrankreich (wie Kanada damals hieß) einmarschiert ist und es erobert hat…..” (hier weiterlesen)

9 Gedanken zu „Lob der Sezession

  1. stiller Mitleser

    Wirklich erhellend, da der amerikanische Sezessionskrieg ja immer als Exempel dafür, daß Sezessionisten nicht nur Nationalisten, sondern auch kulturell rückständig (Sklavenhalter!) seien und daß nur ein zentrales Regime Menschen-und Minderheitenrechte garantiere, verwendet wird.

  2. Thomas Holzer

    So sollte es wohl sein, aber welcher Politikerdarsteller inklusive der Bürokraten, verzichten freiwillig auf die Macht, die natürlich immer anwächst, je größer das Staatsgebilde wird. Da gehen auch gewählte Politikerdarsteller lieber über Leichen, als daß sie den Bürgern mehr Freiheit(en) gewähren würden.

  3. Carl Schurz

    Genau. Jefferson wusste um die Zunahme der politischen Macht im Laufe der Zeit und der damit einhergehenden Verluste bürgerlicher Freiheiten, bzw. Recht. Daher wurde u. a. das Recht auf den Besitz der Waffe in der Verfassung festgeschrieben. Ein Ärgernis vor allem für Demokraten/Liberals/Linke. Er soll das Fehlen eines Schuldenverbotes für die Regierung bereut haben. Ursprünglich war die Verfassung darauf angelegt die politische Macht zu begrenzt und zu kontrollieren. Dies gilt zwar noch heute und ist in der Hinsicht effektiver als das GG und die Administration in D. Aber leider eingeschränkter, seit dem Washington während der Regierungszeit A. Lincolns den größten Machtzuwachs bekam. Vermutlich ist er hier als Heiliger der amerikanischen Etatisten (meist Juristen und die sind keine Zeugen der Freiheit) einzuordnen.

  4. mariuslupus

    Auch ein amerkanischer Mythos. Der kampf der Aufrechten Yankees unter der Führung des braven Abo, gegen die niederträchtigen Sklavenhalter. Der Ursache des Krieges waren, wie immer, wirtschaftliche Interessen. Der Neid des Nordens auf den prosperierenden, aber auch kulturell höher stehenden Süden.
    Die Beseitigung der Sklaverei war nur ein Vorwand. Die Diskriminierung der Schwarzen hat durch die plakative Befreiung der Sklaven, nicht aufgehört.
    Nur ein Gedankenspiel. Historisch nicht zulässig. Wie wäre die Geschichte anders verlaufen hätten die Yankees nicht gewonnen,und Nordamerika wäre, als eine Option, dreigeteilt geworden ? Die Konföderierten, die Union und Kanada, evtl mit unabhängigen Quebec.

  5. Lisa

    Und wenn man die inneramerikanischen Unterschiede, horizontal und vertikal, geografisch und ethnisch, genauer ansieht (hab dort gelebt), ist da überhaupt nichts von “Einigkeit und Recht und Freiheit” vorhanden, sondern ein künstlich wachgehaltener Nationalismus, der das tägliche Leben (immer noch das alte Brot und Spiele) kaum beeinflusst, aber wenigstens bei “God bless America” Tränen in die Augen treibt…

  6. astuga

    In den USA tut man sich damit vielleicht auch schwer, weil im dortigen gesellschaftlichen Narrativ jeder US-Amerikaner ein Sezessionist im Inneren ist.
    Der individuelle Pursuit of Happiness ist quasi eine Verpflichtung, mitunter auch eine schmerzhafte.
    Vom Ansatz her war das mit der amerik. Revolution und der Gründung der Union sogar ein aufklärerisches Menschheitsprojekt.

    In der Realität natürlich auch mehr Anspruch als Wirklichkeit.
    Aber auch Sezessionisten akzeptieren ja unter sich dann selten weitere Abspaltungen.
    Was ebenfalls einen Widerspruch darstellt.

  7. astuga

    Nachsatz: Auch die USA haben ihre “unabhängigen” Territorien der Indianer (First nations), oder Sonderstatus wie zB. für Puerto Rico.
    Wobei das aber wohl mehr Vorteile für die USA bringt als für die Bewohner dort.
    Afaik wollen sie mittlerweile doch beitreten.

  8. Thomas Holzer

    @mariuslupus
    Zu Beginn des Sezessionskrieges war von Sklavenbefreiung noch gar keine Rede; da ging es nur darum, die Bestreben eben der Sezession der Südstaaten mit allen Mitteln zu verhindern.
    Erst im Laufe des Krieges wurde dieses Thema virulent, natürlich auch mit dem Hintergedanken, durch das Versprechen der Befreiung die Südstaaten zu schwächen

  9. Christian Weiss

    Wenn wegen einer Sezession aus einem Staat zwei zentralistische Staaten werden, ist dadurch aber gegenüber einem föderalen Staat wie den USA auch nichts gewonnen.
    Sezession macht zudem in einer “Willensnation” wie den USA auch wenig Sinn, weil es ja gar keine Regionen mit ethnischer Homogenität gibt, bzw. solche, die sich über die ethnische Homogenität definieren.
    Auch in der föderalen Schweiz würde eine Sezession eines Landesteiles kaum mehr Freiheit generieren. Die lateinische und die germanische Schweiz und die 26 Gliedstaaten befruchten sich in gegenseitigem Wettbewerb und durch kulturelle Vielfalt. Auch in der Schweiz wurden übrigens die Sezessionsgelüste der katholisch geprägten Kantone 1847/48 im Sonderbundskrieg militärisch unterdrückt. Heute ist auch keiner mehr unglücklich, dass das so gelaufen ist. Auch hier definiert man sich nicht über irgendeine biologische oder rassische Zugehörigkeit zu einer Ethnie, sondern durch den Wunsch, in einer freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung zu leben, die ein möglichst grosses Mass an Selbst- und Mitbestimmung erlaubt.

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