Lockdown, ethisch wertvoll, gesellschaftlich katastrophal

Von | 23. November 2020

(von HANSJÖRG TENGG) Immer skurrilere Anstrengungen der Politik gegen das Covid19 Virus mit immer größeren Kollateralschäden und riesigen Kosten legen die Frage ihrer Angemessenheit nahe: offensichtlich ist, dass außer den symptomatisch Erkrankten niemand was von dem Virus spürt, ob er nun getestet infiziert, oder ungetestet infiziert oder vom Virus noch unberührt ist.

An den Lock Downs leiden aber alle! Wie viele sind vom Virus unmittelbar betroffen? Die weltweit aktualisierten Daten zeigen, dass die „Fälle“, also die bis dato jemals positiv Getesteten bei 0,75% der Weltbevölkerung liegen. In Europa differieren die Werte zwischen 2,9% für Österreich, 2,2 % für Schweden, 2,3% für UK, 3,2% für Frankreich und 4,8% für Belgien.

Es gilt als unbestritten, dass zumindest 80 % der positiv Getesteten, in Österreich also bisher rund 2,3% der Einwohner, keine oder nur leichte Symptome der Krankheit entwickelten und daher keine nennenswerte Probleme haben. Das bedeutet, dass rund 99,4 % der österreichischen Bevölkerung bis dato mit dem Virus direkt kein Problem haben.

Die restlichen rund 0,6% der Einwohner brauchten und brauchen medizinische Betreuung, zum Teil in Spitalsbehandlung und teilweise auf Intensivstationen. Ein Teil von diesen Patienten starb und stirbt schlussendlich, für die Statistik jedenfalls am Virus, wenn der Verstorbene vor dem Tod positiv getestet war. Die Anzahl der so festgestellten Todesfälle durch Covid19 beträgt in den Industriestaaten bis dato zwischen 2 und 8 Toten pro 10.000 Einwohner. Die Gesamtsterblichkeit in Österreich lag im Jahr 2019 bei 94 Todesfällen pro 10.000 Einwohnern, die Covid19-Toten bei 2,9 pro 10.000, womit sich die Frage stellt, ob dies für 2020 zu einer erkennbaren Übersterblichkeit führt.

Kann man bei diesem persönlich vom Virus betroffenen Bevölkerungsanteil von 0,6% wirklich behaupten, dass Covid19 eine Bedrohung für die österreichische Allgemeinheit darstellt? Diese Frage bleibt im Prinzip auch dann berechtigt, wenn man die Zahlen der Vergleichsländer betrachtet und auch unter Annahme einer gewissen Dynamisierung im weiteren Verlauf der Pandemie bis zu einer hinreichenden Herdenimmunität durch Impfung und Durchseuchung.

Wie lange wird sich noch der zwar vordergründig ethisch wertvolle, aber schlussendlich gesellschaftlich letale Lock Down Kurs fortsetzen lassen, um das gesundheitliche Problem von derzeit etwa 0,6 % der österreichischen Bevölkerung sowie den Kollaps der Intensivmedizin in den Griff zu bekommen? Die 99,4% der vom Virus nicht betroffenen Bürger werden in Hausarrest geschickt und psychisch deformiert, die Wirtschaft wird hinuntergedrosselt und teilweise nachhaltig zerstört, die Bildung der Jugend auf Sparflamme gesetzt, die Staatseinnahmen drastisch verringert , Zig Milliarden Kompensationszahlungen für Grundeinkommen von Arbeitnehmern und Unternehmern auf Staatsschulden flüssig gemacht, um vorgelagert die Infektionen zu minimieren, damit nachgelagert die Überlastung des Spitalsystems vermieden wird.

Richtig wäre es doch schon längst, mit einem kleinen Bruchteil der Lock Down Milliarden diesen potenziellen Spitalsengpass aufzubohren, um entsprechende Arbeitsbedingungen des Medizinpersonals zu erhalten und den Patienten angemessene Behandlungen zu ermöglichen. Bleibt die Frage, warum fast alle Regierungen in den Lock Down Wettbewerb eintreten und der Test- und Tracing- Manie verfallen, im Irrglauben, sie könnten damit ohne eine totalitäre Orwell’sche Struktur die Covid19-Infektionen eliminieren?

Die Antwort dürfte in der psychologischen Struktur der Angstmechanismen zwischen Bürgern, Medien und Politikern liegen. Eine neuartige Bedrohung wird zuerst überhöht und plakativ medial bewusst gemacht, die Politik muss reagieren und bekommt erst mal Vertrauen und Zuspruch, und hat dann gleich wieder Angst diesen zu verlieren und im internationalen Vergleich schlecht abzuschneiden. Alle, Medien, Bürger, Politiker und natürlich die Experten konzentrieren sich auf die Frage, wie man die Ausbreitung des Virus verhindern kann .

Die Praxis lehrt aber , dass das nur mit völliger Unterbindung der menschlichen Kontakte geht, womit sich aber das gesellschaftliches Leben, Wirtschaft , Bildung, Kunst, Reisen etc aufhört. Aber auch solche weitgehenden Beschränkungen zu postulieren und zu verordnen fällt dem Politiker in seinem medialen Umfeld und in Kenntnis der angstvollen Psyche einer Mehrheit seiner Bürger leichter , als zu erklären , es sei wichtig, das gesellschaftliche Leben weiter einigermaßen offenzuhalten ,die Spitalskapazitäten dringend auszubauen und zu verstehen, dass einige vor allem der älteren und kranken Mitbürger an dem Virus sterben werden.

Jahrzehntelang gezüchtete Risikoaversion und eine durchgängige Vollkaskomentalität im Wohlfahrtsstaat lassen nur gutmenschliches Solidaritätsgeschwurbel bis zum materiellen Abgrund zu. Erst am Rand des materiellen Abgrundes wird sich das dann vermutlich abrupt ändern. Aber der ist dank der unendlichen Geldschöpfung der Zentralbanken und der Negativzinsen angeblich noch ferne!

 

Update am 25.11.2020: Einige Zahlen und Daten wurden vom Autor aktualisiert.

 

7 Gedanken zu „Lockdown, ethisch wertvoll, gesellschaftlich katastrophal

  1. Alois Scheicher

    Man kann das Virus mit dem Holzhammer, einem Lockdown à la Wuhan oder Melbourne – oder durch intelligente APPs (Taiwan, Südkorea, restliches China) besiegen.
    Ja, APPs sind eine Form der Überwachung – aber was ist das kleinere Übel? Quarantäne für wenige und Freiheit für den Großteil der Bevölkerung bei gleichzeitiger de fakto Ausrottung des Virus oder ein ewiges Herumlavieren und Hoffen auf eine Impfung?
    Schon früher haben Studien gezeigt, daß Politiker die Berufsgruppe sind, die das geringste Vertrauen in der Bevölkerung geniest. Da diesen so wenig Vertrauen entgegengebracht wird, ist die Bevölkerung nicht bereit sich überwachen zu lassen, APPs zu installieren – und aufheizt des mangelnden Vertrauens werden sich im Westen auch vergleichsweise wenige impfen lassen. Man wird das Virus nicht in den Griff bekommen und das Vertrauen in die Politik wird noch weiter sinken

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/vertrauensvolle-berufe-die-meisten-vertrauen-feuerwehrmaennern-a-954481.html

  2. CE___

    Sehr guter Artikel.

    Nur dass es seit spätestens dem Sommer nicht mehr um Medizin oder Gesundheitswesen geht, sondern nur mehr um Politik.

    Die erste Gruppe, die am Anfang im guten Treu und Glauben es handle sich um einen Killervirus, nach Monaten der kompletten Untätigkeit, dann auf einen derart hohen Hysterie- und Panikbaum hochgeklettert ist, von dem sie nicht mehr herunterzufinden glaubte, und im Sommer vollends den Absprung verpasste. Und sich damit zum Handlanger und Mitläufer der zweiten Gruppe machte.

    Diese zweite Gruppe, vornehmlich auf seiten der weltweiten politischen Linken, die schon spätestens im März mit affenartiger Geschwindigkeit erkannte dass sich der Virus bestens eignet für eine hemmungslose politische Instrumentalisierung und als Rammbock um die verschiedenen eigenen Ziele durchzudrücken (Untermininierung einer gehassten Präsidentschaft in den USA, Unterdrückung von Opposition, allgemeiner Einschränkung der Reisefreiheit wegen “dem Klima”, Stärkung der EUdSSR, Great Reset, Green New Deal, und und und, und alle möglichen Konstellationen daraus).

    Und das muss man einfach in aller Offenheit den Leuten vermitteln, das es sich hier im Grunde vorrangig um lauter politische Putschversuche gegen eine freiheitliche westliche Staatsordnung handelt, und nur weit nachrangig um um ein medizinisches Problem, wenn überhaupt, im Vergleich mit anderen Viren.

  3. CE___

    @ Alois Schleicher

    “oder durch intelligente APPs (Taiwan, Südkorea, restliches China) besiegen.”

    Haben denn diese Staaten “das Virus besiegt”?

    Lassen wir einmal die VR China aussen vor da keiner weiß was dort in dieser abgeschotteten Diktatur wirklich vor sich geht.

    Vielleicht fahren die Chinesen in den Laboren auf ihren Messgeräten unter der Hand überhaupt nur 5 Zyklen und lachen sich eins und verkaufen dass als “grossen Erfolg” und “virusfrei” in die Welt, während wir uns im Westen mit absurden bis zu 40 Zyklen gesellschaftlich selbst zerfleischen.

    Wer weiß das schon. Abgesehen davon dass auch dort immer noch Virusfälle bekannt werden.

    Zu Taiwan, Südkorea, aber auch anderen asiatischen (Stadt)staaten.

    Diese Staaten haben in meiner Meinung nicht das Virus besiegt, sondern sich vor allem einmal erfolgreich schnell genug in ihre nationalen Wagenburgen zurückgezogen und, naja, da hocken diese jetzt drinnen, auch mit Virusfällen.

    Natürlich, im Januar, da war dies eine vollkommen richtige Reaktion, da unbekannt war um was es sich bei dem Virus genau handelt.

    Nur jetzt, nach 10 weiteren Monaten, wird diese Taktik zur Sackgasse.

    Wollen diese Staaten jetzt für alle Zeiten in der Wagenburg hocken bleiben? Die Gesellschaften jedenfalls bauen irgendwann einmal eine Wagenburg-Mentalität auf die nur sehr schwer wieder abzustreifen sein wird.

    Tödlich für (Stadt)staaten die sich als Knotenpunkte des Welthandels verstehen.

    Ich postuliere einmal dass wir in Europa und den USA, trotz des politischen Chaos, mittlerweile besser liegen, ganz einfach weil das Virus durch die Gesellschaft gehen kann, und wir die Chose mit einer Herdenimmunität eher hinter uns haben werden.

  4. sokrates9

    Ein weitere Aspekt ist da das “Generationenproblem”. Wenn man bedenkt dass das Durchschnittsalter der letalen Fälle bei ca 70 Jahren liegt und oft multiple Vorerkrankungen vorliegen sieht man wie sehr die Jungen das Diktat der Alten “ausbaden” müssen.Die Jungen, die durch die irrationale Poltik der Alten in den letzten Jahren einen nicht mehr zu bewältigenden Rucksack – Finanzkrise, Klimakrise, Migration
    Kommunistische Eu , Demokratiekrise, Meinungsdiktatur der staatlich gelenkten Medien- Torpedierung des Welthandels und des Kapitalismus umgeschnallt bekommen, sehen leider nicht wie derzeit ihre Zukunft zerstört wird.

  5. Johannes

    20% der positiv Getesteten brauchen eine Behandlung bis hin zu Spezialabteilungen.
    Wenn man davon ausgeht das ein exponentielles Infektionsgeschehen innerhalb kürzester Zeit bis zu 65% der Bevölkerung treffen würde so ist das von Ihnen durch konkrete Zahlen belegte Szenario vorgegeben.
    Es geht nicht nur darum möglichst viele Intensivbetten zur Verfügung zu stellen, wichtiger ist es zu vermeiden das sie gebraucht werden., weil es großes Leid mit ungewissem Ausgang bedeutet.

    “…. zu verstehen, dass einige der vor allem älteren und kranken Mitbürger an dem Virus sterben werden.

    Da nehme ich Sie, Herr Tengg, jetzt in die Pflicht, exponentielles , weil durch keinerlei Maßnahmen gebremstes ,Ansteigen der Virusträger bedeutet jetzt wieviel Tote genau.

    Sie haben Zahlen genannt die durch die Maßnahmen erreicht wurden. Es gibt keine Zahlen die durch Ihr Modell entstehen würden.

    Eine Frage noch an den Wirtschaftsmann Tengel.
    Wie hoch schätzen Sie bei Ihrem Modell die Kosten durch Sammelklagen ala Ischgl die dann auf sehr viele Unternehmen zukommen würden?
    Wie hoch könnte der Image-Schaden für bestimmte Branchen generell sein?

  6. Falke

    @Johannes
    Nicht einmal die “Korrektur” stimmt: der Herr heißt Tengg.

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