“Lockern wir uns und machen die Sache wenigstens ein bisschen besser”

(STEFANIE HOLZER)  Es ist merkwürdig ruhig. Nicht nur weil am Himmel keine Flieger zu sehen und weil die Spazierwege nahezu menschenleer sind. Es ist auch bemerkenswert ruhig im Geistesleben: Noch findet keine öffentliche Debatte darüber statt, ob die faktische Ausgangssperre und ihre Auswirkungen auf das Sozialleben und die Wirtschaft tatsächlich so »alternativlos« sind, wie man sie darstellt. Noch interessiert man sich nicht für Sterbestatistiken (bzw. die Übersterblichkeit) , wie man sie im Euromomo (European monitoring of excess mortality for public health action) nachlesen kann, die übrigens nicht belegen, dass dieses Virus so viel gefährlicher sei als bisher gekannte Grippeviren. Diese Informationen kann man sich im Internet suchen oder man bekommt sie zugeschickt, wenn man Freunde oder Bekannte hat, die gern verstehen würden, wie unser Leben weitergehen soll, wenn wir den vielzitierten »Peak« erst verzögert haben. Was passiert dann? Gehen wir dann wieder aus und stecken uns zeitverzögert gegenseitig an, bis wir wieder zu Hause bleiben müssen? Was tun derweil die Alten? Bleiben die ab jetzt immer zu Hause?

Ein erstes, aber kräftiges Aufmucken gegen diese Ruhe gab es medial durch Rosemarie Schwaiger im »Profil« (»Freiheitsentzug und Überwachung. Dürfen sie das?«, 30. 3.), die u.a. dazu auffordert, die Beispiele Südkorea und Taiwan ernst zu nehmen, wo man die Ansteckung durch das Corona-Virus offenbar ohne großen Shutdown und ohne Beschneidung der Freiheitsrechte in den Griff gekriegt hat. Dort hat man das Tragen von Masken, nicht zum Selbstschutz, sondern zum Schutz der anderen, befohlen und so die Ansteckungsraten deutlich senken können. Sie fragt auch, was aus unserer Demokratie wird, wenn wir beim ersten Anzeichen einer Gefahr (welcher Art auch immer) locker aller denkbaren Grundrechte über Bord werfen.

Die Debatte über das wirklich nötige Maß an Zusperren muss bald geführt werden, wenn man nicht riskieren will, dass eine noch größere Zahl von Existenzen gefährdet oder zerstört wird. Da es ein Weilchen dauern kann, bis die Panikstarre abfällt und man wieder debattenfähig wird, könnte man sich in der Zwischenzeit Folgendes überlegen:
Es gibt zwei Bevölkerungsgruppen, die besonders unter den derzeitigen Regeln für unser Sozial- und Berufsleben leiden: Die ersten sind die, die es tatsächlich zu schützen gilt. Also die Alten und diejenigen, die an Grunderkrankungen leiden. Sie sind durch den Coronavirus ernsthaft bedroht. Aber darf man sie deswegen einfach nur wegsperren? Wie lange soll das gehen? Und wie ließe sich das jemals wieder beenden?

Meine Freundin H. etwa sitzt seit zwei Wochen in ihrer Wohnung und darf nicht hinaus. Nachbarn kaufen für sie ein und sind rundum nett zu ihr beziehungsweise zu ihrer Telefonstimme. Aber wie soll die über 80jährige H. diese Isolationshaft unbeschadet überstehen? Menschen brauchen Bewegung, umso mehr im fortgeschrittenen Alter. Warum sagt man, bis man etwas Besseres ersinnt, nicht einfach: Zwischen x und y Uhr sind nur die Alten auf der Straße und vertreten sich die Beine? Alle Gefährder, sprich die Jungen, müssten in dieser Zeit zu Hause bleiben. Ich bin sicher, H.s Leben würde lebenswerter, wenn sie einmal am Tag in ihrem Stadtteil herumspazieren und Körper und Seele auslüften könnte.

Die zweite Gruppe, die dringend Erleichterung braucht, sind Familien mit Kindern. Es ist weder für Eltern noch für Kinder zuträglich, das Leben von früh bis spät in einer Wohnung zuzubringen. Wer keine Kinder hat, kann sich das nicht vorstellen und hat keine Ahnung von dem immensen Durchhaltevermögen, das so ein Eingesperrtsein für Eltern und Kinder nötig macht. Deshalb braucht es hier »Experten«, die Erfahrung mit dem Bewegungsdrang von Kindern haben. Wäre das nicht eine spannende Aufgabe für Logistik-Studenten, den Ausgang für Kinder in einem Wohnblock zu staffeln, so dass alle ausreichend Bewegung bekommen und darüber hinaus noch ein bisschen Sonnenlicht erhaschen, damit sie genug Vitamin D3 für ihre Immunabwehr bekommen? Das Ganze muss selbstredend so organisiert werden, dass die Ansteckungsrate nicht gleich durch die Decke geht.

Der Coronavirus sollte die menschliche Kreativität nicht länger lähmen dürfen. Also lockern wir uns und machen die Sache wenigstens ein bisschen besser.

21 comments

  1. W. Schwarz

    Sehr schöner Kommentar von einer Frau, die auch Fakten anspricht, nicht nur Emotionen.

  2. Herbert Manninger

    Mir geht der Niki Lauda so ab, der uns mit seinenem Universaldurchblick in kritischen Situationen die Weltlage erklärt hätte……

  3. sokrates9

    Man sollte überlegen wie man die Alten mit MULTIPLEN VORERKRANKUNGEN schützen kann, und sonst so reagieren, wie man auf normale Grippe reagiert – nämlich in der Regel gar nicht! Jetzt kommt die gefährliche Pollenzeit! Es stirbt zwar keiner dran, aber wir könnten viel retten wenn allgemeine totale Ausgangssperre verhängt wird! Es wäre angebracht wenn die Regierung nicht jeder Mediensau zu lasten unserer Wirtschaft nachrennen würde!
    Man sollte auch zur Kenntnis nehmen dass das Leben lebensgefährlich ist – vor allem wenn unkompetente
    junge Politiker und Medienexperten glauben mit Message control – früher Zensur genannt-regieren zu können!
    Ist es eigentlich für alte Leute zumutbar dass sie die letzten Monate ihres Lebens in Einzelzellen kaserniert sind, ihnen das Futter vor die Tür gestellt wird, sie die Natur, ihre Enkeln, ihre kleinen Vegnügen wie auswärts essen nicht genießen dürfen, weil einige größenwahnsinnige Lebensretter spielen wollen??

  4. Otto Mosk

    das Hauptproblem ist nicht COVID-19, sondern die angst der menschen vor dem Tod UND ihr unreflektiertes Leben…das Recht geht vom unreflektierten Bürger aus.

  5. Der Realist

    Man braucht ja kein Wirtschaftsexperte sein um zu wissen, dass dieser Stillstand nicht allzu lange dauern darf.
    Auch die vielfach angesprochenen Einschränkungen wie enger Bewegungsradius, die Enkel nicht in die Arme nehmen zu können, dass alte Menschen ein paar Wochen eben daheim sitzen müssen (viele sind gesundheitsbedingt schon Jahre eingesperrt), den Fraß bei McDonald nicht genießen zu können, usw. sind in Wahrheit das geringste Problem, obwohl viele Maßnahmen durchaus zu hinterfragen sind.
    Irgendwann wird der Betrieb wieder angeworfen werden müssen, ob dann auch alle mittun (wollen), ist auch fraglich.

  6. astuga

    Jedenfalls wird es viele EPUs und KMUs geben die das Handtuch werfen – müssen.
    Darunter zahlreiche Betriebe die halt gerade so ihr Auskommen gefunden haben (bzw die auf laufende Einnahmen angewiesen sind), aber auch junge Selbständige, eventuell auch noch mit Krediten.
    Und viele Branchen haben ohnedies immer schon eine geringe Gewinnspanne, siehe Gastronomie.

  7. Der Realist

    @astuga
    Stimmt schon, aber man sollte das auch differenzierter sehen. Viele EPUs, Start-ups und oftmals auch eingesessene Betriebe haben auf dem Markt halt keine Chance (mehr), eigentlich auch vor Corona schon nicht gehabt, es gibt halt unumstößliche Marktgesetze. Und mit der Gewinnspanne in der Gastronomie kann man es sich auch nicht so einfach machen und pauschalieren. Wenn der Markt nur zwei Gasthäuser verträgt, ein dritter oder gar vierter Betrieb dazukommt, wird wahrscheinlich einer zusperren müssen, oder alle kriegen finanzielle Probleme , was wiederum irgendwann zur Pleite führt. Und beinahe jeder kennt Gastronomiebetriebe die dürften auch einiges abwerfen, zumindest wenn man sich den Lebensstil und die privaten Immobilien und den Fuhrpark der Betreiber anschaut, wie aber gesagt, auch hier darf man nicht pauschalieren, bei vielen reicht es halt gerade zum Überleben.

  8. sokrates9

    Der Realist@Die Regierung hat das Coronavirus mit ähnlicher Mortalität wie Grippe total überschätzt! jetzt ist die Frage wie man da wieder in Normales Gewässer kommt und den Wirtschaftsschaden minimiert!
    Der Schaden ist schon groß genug, aber aus Blamage will man nicht zurückziehen!

  9. fxs

    @Realist. Also nicht nur der polit-mediale Komplex ist froh, dank Corona “haltet den Dieb” ufen zu können und alle selbst verschuldeten Proleme auf diesen Virus abschieben zu können. Es gibt offenbar auch Unternehmen, die sich diese Gelegenheit nich engehen lassen wollen.

  10. Falke

    @Rado
    Bemerkenswert an dieser Liste, dass es 62 Männer und nur 4 (vier!) Frauen sind. Heißt das etwa, dass Männer einer vielfach höheren Ansteckngsgefahr unterliegen als Frauen?

  11. Gerald

    Seit mehr als einem Monat ist klar, dass die Infektion hauptsächlich über die Atemluft erfolgt und das Virus auch in Räumen nachgewiesen werden kann in dem sich kein Mensch aufhält. Trotzdem funktioniert der öffentliche Verkehr nach wie vor. Ebenso laufen in Krankenhäusern Menschen ohne Schutz herum. Diese beiden Einrichtungen sind seit jeher die größten Infektionsschleudern unserer Gesellschaft.
    Wir werden uns von der heiligen Kuh Öffi genau so verabschieden wie es die Grünen von der heiligen Kuh Auto gefordert hatten.
    In Meinem! Auto stecke ich mich nicht an, ist sogar eine geschützte Zelle, in den geförderten Öffis bin ich mit dem Virus ganz intim trotz Schutzmassnahmen.

  12. Rado

    @Falke
    Schwer zu sagen. Das Besondere daran finde ich die Geburtsdaten. Es ist jedenfalls auch ein über 90jähriger dabei. Der jüngste ist Jahrgang 1971. Die dazwischen dürften grösstenteils im Aktivstand gewesen sein. Man kann ziemlich jeden Fall in der italienischen Lokalpresse, in Krankenhausseiten und Internetseite von Ordinationen finden. Nur beim über 90jährigen habe ich vergeblich gesucht. Der Altersschnitt widerspricht jedenfalls schon mal einer Legende zu den italienischen Todesfällen.
    Eine der letzten toten Frauen auf der Liste war eine 57jährige Ärztin aus dem Trentino.

  13. astuga

    @Rado
    Naja, das sind einige mit Geburtsdatum in den 1940er und sogar 1930er Jahren darunter.
    Und auch die etwas jüngeren stammen noch aus einer Zeit wo in Italien relativ wenige Frauen Medizin studiert haben.

  14. sokrates9

    @ Rado
    Verweise auf gestrigen Bericht wo Pneumologen anzweifeln dass man auf der Intensivstation die richtigen Maßnahmen gesetzt hat. Gehe davon aus dass man sich um die bedauernswerten Kollegen sicherlich mit vollem Einsatz gekümmert hat! Die Statistik der Österreichischen Toten zeigt da ein anderes Bild:
    Gemäß ORF sind 80% älter als 70, Durchschnittsalter 80..Die letzten gemeldeten Fälle waren: 96/73/80/93/88/79/87…bei 10.000 Fällen ist es ja statistisch gar nicht einfach mit Infizierten in Kontakt zu kommen, wie schaffen das so viele Alte, noch dazu mit erheblichen Vorerkrankungen??
    thttps://www.achgut.com/artikel/bericht_zur_coronalage_31.03.2020

  15. Rado

    @sokrates
    Ja die deutschen Statistiken sind so eine Sache. Sollte man mit Vorsicht geniessen. In Berlin soll sich auch eine kinderlose alte Frau, die sich gesund in ihrer Wohnung verbarrikadiert hat, schon dreimal testen lassen haben und wartet von dort aus erstmal in Ruhe ein paar Wochen ab, was draussen so passiert.

    Das Durchschnittsalter der Bedauernswerten Seuchentoten ist nur die eine Hälfte der Geschichte. Die andere Hälfte ist der Altersschnitt der Patienten, die Intensivmedizinische Betreuung brauchen, und Corona Ohne nicht überleben würden. Da geht der Schnitt gleich mal um 20-30 Jahre runter. Wenn die Intensivmedizinischen Kapazitäten überfordert werden, haben wir Zustände wie im Mittelalter. (Ich übertreibe gerne, aber soweit weg ist der Vergleich nicht). Auch hierzu gibt es mittlerweile Zahlen. Gut visuell aufbereitet zB. hier am Beispiel der Genfer Intensivmedizin. Dort sind nur 6 Prozent der Intensivpatienten über 80 Jahre alt.
    https://www.en24.news/n24/2020/03/covid-19-more-than-half-of-intensive-care-patients-are-under-65-news-geneve-geneva-news.html

  16. Roland

    Wie ist es eigentlich mit dem Vermummungsverbot? Verstoße ich dagegen, wenn ich mit Mundschutz durch die Gegend herumlaufen. Und weiß eigentlich jemand, wie oft schon die Verwaltungsstrafe von 3.600,– ausgesprochen wurde? Angeblich sind unsere Behörden ja dazu verpflichtet zu “Beraten statt zu strafen” (siehe https://ra-rauf.at/verwaltungsstrafen-zum-covid-19-massnahmengesetz/), aber ob sie das wirklich tun?

  17. astuga

    Bereits 2018 wurde ein chinesischer Staatsbürger (angeblich ein Wissenschaftler) der illegal mit Proben von Grippe- (?), SARS- und MERS-Viren unterwegs war bei der Einreise in die USA am Detroit Metro Airport festgenommen.
    Die Proben waren als harmlose “Antikörper” deklariert.
    In einem Report sprach das FBI damals von zwei ähnlichen Fällen die bereits bekannt waren.

    Auch gibt es schon lange Bedenken wegen der lockeren Sicherheitsvorschriften in Chinas Laboratorien.
    So kam es nach dem Auftreten von SARS im Jahr 2003 zu mehreren Unfällen, acht davon am Virologischen Institut in Beijing…

    https://news.yahoo.com/suspected-sars-virus-and-flu-found-in-luggage-fbi-report-describes-chinas-biosecurity-risk-144526820.html
    youtube . com/watch?v=v_vvYDd01mw

  18. Johannes

    “Noch interessiert man sich nicht für Sterbestatistiken (bzw. die Übersterblichkeit) , wie man sie im Euromomo (European monitoring of excess mortality for public health action) nachlesen kann, die übrigens nicht belegen, dass dieses Virus so viel gefährlicher sei als bisher gekannte Grippeviren. “

    “ Das Ganze muss selbstredend so organisiert werden, dass die Ansteckungsrate nicht gleich durch die Decke geht.“

    Liebe Frau Stefanie Holzer, ja was denn nun ?

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