Löcherbohrer

Von | 28. Juni 2016

(GEORG VETTER) Christian Kern, der der Sozialdemokratie ein intelligentes Antlitz und der Regierung einen neuen Stil geben soll, hat am Parteitag der SPÖ seinen eigenen Kollegen braves Rudern im Regierungsboot, der ÖVP hingegen das Bohren von Löchern zugeschrieben. Nun kann man bereits die Verwendung solcher Metaphern durchaus als neuen Stil interpretieren. Man kann aber auch der Meinung sein, dass es zu kurz greift, jene der Destruktion zu zeihen, die sich gegen Maschinensteuer und Arbeitszeitverkürzung aussprechen. Kern mag mich nicht ausdrücklich mitgemeint haben, doch fühle ich mich, solidarisch wie ich mittlerweile bin, angesprochen.

Dabei gibt es noch einige weitere Löcherbohrer, wenn wir bei diesem Bild bleiben wollen. So hat es die Ratingagentur Moody’s ein paar Stunden vor Kerns Wahl zum SPÖ-Vorsitzenden gewagt, die Herabstufung der Bonität Österreich wegen mangelnder Wachstumsaussichten bekannt zu geben. Die zeitliche Koinzidenz mutet sehr verdächtig an.

Verdächtig erscheinen auch jene internationalen Investoren, die sich in jüngster Zeit vermehrt an die österreichischen Beratungsberufe mit der leicht nervös wirkenden Frage wandten, was es denn mit den Gerüchten um Arbeitszeitverkürzung und Maschinensteuer in Österreich auf sich habe. Wenn aufgrund solcher Gerüchte nunmehr die Geldgeber einen Bogen um die Republik nehmen, kann man durchaus der umgekehrten Meinung sein, dass die Urheber solcher Gerüchte selbst zu den Löcherbohrern gehören. Trotz aller Regulierung ist das Kapital immer noch sehr sensibel.

Vielleicht ist es auch ganz anders und es handelt sich nur um eine besonders smarte Kommunikationsvariante. So hatte unlängst Landeshauptmann Niessl zuerst die ÖVP scharf kritisiert, um anschließend Einschränkungen bei der Mindestsicherung zu fordern. Da letzteres ja gerade die ÖVP fordert, liegt der Schluss nahe, dass sich Niessl mit der eingangs geäußerten Kritik an meiner Partei selbstimmunisieren wollte, um sich anschließend nicht verdächtig zu machen (was ihm, so die Kritik an ihm auf dem besagten SPÖ-Parteitag, nicht ganz gelungen ist). Wenn es Kern ähnlich macht – Selbstimmunisierung durch Fundamentalbashing des Regierungspartners mit anschließender Kurskorrektur in dessen Richtung – gäbe es doch noch Hoffnung. Wirklich vertrauenserweckend wirkt eine solche Taktik allerdings nicht.

 

15 Gedanken zu „Löcherbohrer

  1. Gerald

    Wie lange will die Övp diesen ungezählten Schaumschläger Kern noch mittragen. Stehen die Jobaussichten für Mitterlehner so schlecht, dass die Övp ihren zumindest am Papier existierenden Parteichef nicht schon längst in die Wüste der heimischen Wirtschaftskammer geschickt hat?
    Da man der Spö nunmehr ja die Zurechnungsfähigkeit absprechen kann, sollte wenigstens die Övp soweit am Wohlergehen Österreichs interessiert sein, dass sie dieses erbärmliche Schauspiel beendet.
    Freilich eine Neuaufstellung Österreichs würde auch für die Övp bedeuten, sich von ihren Geldquellen sprich Wk und Lk zu befreien. Diese regieren ja in Wahrheit mit Ak und Gewerkschaften unser Land.
    Als wir vor 20 Jahrenfür den Anschluss an die Eu stimmten, erhofften sich viele von uns einen Abbau dieser alles durchdringenden Machtstrukturen, was folgte, war jedoch eine weitere Vertiefung und Bürokratisierung angeregt durch die Eu.
    Darum verstehe ich auch die mehrheitliche Entscheidung der Briten.

  2. sokrates9

    Habe den Eindruck dass der Headlinemanager Kern in der langen Geschichte sozialistischer Schwadroneure
    mit dramatischem Fehlen jeder Wirtschaftskompetenz schnell einen Spitzenplatz einnehmen wird!

  3. Reini

    Mit der EU ist Österreich “Gefangen im System”,
    – wir haben “noch” ein sehr gutes Lohnniveau, – mit fallender Tendenz – Anpassung an unsere Nachbarstaaten,
    – 100.000 Arbeitskräfte aus dem Ausland tragen die “Investitionen” des Staates in ihre Heimat!
    – viele Auftraggeber müssen Ausländische Firmen aufnehmen um Konkurrenzfähig zu bleiben!
    – dadurch ist man Chancenlos die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, denn die neuen Jobs übernehmen eben Billigere!
    – viele Gewerkschaftsvertreter leben noch vor der EU, und sind nicht anpassungsfähig!

    Herr Kern hat keinen Plan – den es gibt keinen in, mit der EU
    – und mit Geld verschenken wird’s nicht lange funktionieren!

  4. Falke

    Kern hat sich ja gerade eben auf denm SPÖ-Parteitag wie der Messias präsentiert und feiern lassen. Die gesamte Inszenierung erinnert an amerkanische Heilsprediger. Die Ablehnung der ÖVP für Arbeistzeitverkürzung und Maschinensteuer hat er mit Verweigerung des Sonnenaufgangs und der Erdanziehung verglichen; offenbar meint er, das seien Dinge die physikalischen Gesetzen folgen und daher unvermeidlich sind. Das schient wohl der “new deal” zu sein, mit dem er Österreich wieder wirtschaftlich an die Spitze Europas bringen will. Da kann man nur sagen: Gott schütze Österreich!

  5. Gerald Steinbach

    Ich habe noch keinen Regierungschef erlebt, der in so kurzer Zeit so viel schaden angerichtet hat, wie der Kern

    Faymann hat wenigstens den Schaden eingedämmt, indem er nichts gemacht hat, wenn dann also Kern sagt, jetzt müssen wir anfangen zum arbeiten, kann man das auch als Drohung verstehen

  6. Rennziege

    Allein schon das maskenhaft geglättete (botoxierte?) Mienenspiel des roten Messias stimmt mich traurig. Ebenso seine unsäglich redundanten Plattitüden, die wir aus den Mündern anderer Rosstäuscher schon x-mal vernehmen mussten und die eine Beleidigung des Zuhörers sind — dem der Neukanzler damit unterstellt, er sei eh zu blöd, um eitle Verbalflatulenzen von echten Ideen und Strategien unterscheiden zu können.
    Selbst Spinner wie die Zeugen Jehovahs haben Argumente zur Hand. Christian Kern lebt, wie in seinem ÖBB-Job gewohnt, von hohlem anbiederndem Blah-Blah.
    Aber offenbar kommt man damit in Kakanien für ein Weilchen durch. Igendeine neue Umfrage bescheinigt dem Herrn Kern höchste Vertrauenswerte, knapp hinter BP Heinz Fischer. Entweder ist die gekauft, wie so viele demographischen Turnübungen. Oder die Österreicher sind tatsächlich so leicht hinter die Fichte zu führen, wie ihre Volksbeglücker vermuten.

  7. Gerald Steinbach

    Die Umfragen mit den Vertrauen, wem fragt man da, einen Unternehmer sicher nicht, und warum sollte man ein Vertrauen zu noch BP Fischer haben, einen Mann, dem seine einzige Arbeit war zum richtigen Zeitpunkt aufs Clo zu gehen
    Die Umfragen mit den Vertrauen sind zum füllen für einen Rundordner, …

  8. Gerald Steinbach

    …….wie der Teufel das Weihwasser, wenn ich ihre Ausführung noch verfeinern darf

    Die Haus und Hof Versicherung Wiener Städtische der SPÖ Wien, an der Börse besser bekannt als VIG

    Da relativiert sich, “seit Kern modern” der Job in der “Privatwirtschaft” und wenn man weitere Töpfe aufmacht lacht einem immer ein rotes Gesicht entgegen
    Zitiere aus den link
    “”Beim VIG-Konzern könnte Steßl auch ihren politischen Ex-Chef Werner Faymann treffen. Er hat sich als Lobbyist registriert und könnte, wie der KURIER berichtete, bei der VIG als Berater andocken””

    Faymann und die SPÖ kommt mir so vor: “”Wennst direkt zu uns kommst Werner, machts a schlechte Optik, aber mach den Lobbyisten und von uns kriegst die Aufträge””

    Werde die weitere Karriere von Werner sehr Aufmerksam verfolgen unter Ausschluss der Privatwirtschaft, das steht schon einmal fest

  9. Thomas Holzer

    Und die verdummten Versicherungsnehmer dürfen all diese “overheads” ungefragt bezahlen……..
    das nennt man dann in Österreich freie Marktwirtschaft 🙁

  10. Gerald Steinbach

    Ganz genau Herr Holzer, aber zumindest bei den Blödsinn bin ich nicht dabei

  11. Thomas Holzer

    Und in diesem “Glaubwürdigkeitsranking” -welch ein Schwachsinn- führt sogar unangefochten ein Herr Marcel Hirscher, bei einem sample von 750 Personen!
    750 Personen für knapp 9 Millionen, in Österreich wohnhaft; wirklich repräsentativ 😀
    Und darüber berichten der ORF und viele, wenn nicht alle, anderen Medien.
    Wer bewahrt eigentlich die Verantwortlichen der Medien vor der eigenen Verblödung?!

  12. Gerald Steinbach

    Thomas Holzer@ Rein zufällig ist das eine Person , die auch schon öfters den Zeigefinger gestreckt hatte in Richtung ” rechts” und für Mitgefühl /Solidarität/(“Show your Face”-Challenge ) wirbt

    Und wieder schließt sich ein Kreis, ….

  13. Selbstdenker

    Der Austausch vom Bundes-Taxler durch den Bundes-Bahner gleicht dem Tausch von Pest gegen Cholera.

  14. Selbstdenker

    @Thomas Holzer, 17:22:
    “Nach einer mehrmonatigen Ausbildung im In- und Ausland übernimmt Steßl mit 1. Oktober die Leitung der Krankenversicherung der Städtischen”

    Jetzt weiß ich wenigsten welche “Qualifikationen” man benötigt um in dieser “Versicherung” eine “Leitungsfunktion” auszuüben: ein rotes Parteibuch und eine mehrmonatige Ausbildung.

    Wenn es schiefgeht, springt eh der Steuerzahler ein.

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