11 comments

  1. Leitwolf

    Das ein sehr theoretischer Ansatz, den ich gern mit etwas Praxis unterfüttern möchte.
    Ich war dereinst auf einem Amt, einem Amt welches auch über eine Bibliothek verfügt. Bibliotheken sind im Allgemeinen jetzt nicht übermäßig frequentiert, diese aber halt ganz besonders nicht. Es gibt dort jedenfalls nichts als bürokratische Pitzligkeiten nachzulesen. Es verwundert also nicht, dass das Logbuch in welches ich mich als externe Nutzer einzutragen hatte, bei eben dieser Eintragung offenbarte, dass wöchentlich gerade mal 2-3 Externe vorbeikamen.

    Nun gab es dort quasi einen Bibliothekar. Der wurde von den internen Mitarbeiter leidlich ignoriert, da sie eben diesen nicht um Erlaubnis fragen mussten, wenn sie ein Buch nutzten. Eine Notizkarte anstelle des entlehnten Werkes reichte völlig.
    Somit blieben einzig die wenigen und seltenen “Externen” zu verwalten. Da ich ein Solcher war, wurde mir ein Übermaß an verwaltungstechnischer Aufmerksamkeit geschenkt. Vom akkuraten Platzieren meiner Gaderobe bis zum protokolairisch korrekten auslesen einer CD (im Stand-PC, nicht im privaten Laptop!) wurde ich solchemaßen unterwiesen. Einzig beim Anfertigen einer Kopie scheiterte des Protokoll dann gänzlich. Zwar tat ich mir wie befohlen, als ich die angeordneten Gebühren für das was eigentlich unter das rechtliche Prinzip der Informationsfreiheit fiel entrichten wollte, verweigerte die Mitarbeiterin die Annahme jenes Entgelts.
    Sie deutete vielmehr mit einen “Wischer” an, dass der besagte Bibliotheker wohl nicht alle Tassen im Schrank hätte, und ich seine Anweisungen bestmöglich ignorieren solle.

    Womit die berechtigte Frage bleibt, was man denn tun soll, wenn man in seinen pragmatisierten Job gefangen ist. Mangels tatsächlich Tätigkeit und Kompetenz, mangels irgendeiner nützlichen Fähigkeit, kann sich so jemand niemals auf den Arbeitsmarkt werfen. Dank Pragmatisierung wäre dies auch ein quasi suizidöäres Verhalten, zum gröbsten Schaden der betreffenden Person. Da wird man doch lieber krank!

  2. mariuslupus

    Warum werden Beamte krank. Weil sie sich es leisten können krank zu sein.
    Ein Beispiel aus dem richtigen Leben. Mein Grossvater war Schneider. Ist jeden morgen um sechs Uhr in seiner Werkstatt gestanden, gearbeitet bis um 8 Uhr abends. Sechs Tage in der Woche nur am Samstag war um sechs Uhr Schluss, weil es dann die Tarokpartie gegeben hat, bei der ich kiebitzen durfte. Am Sonntag Spaziergang in die Kirche, anschliessend ein Vierterl, manchmal ein paar mehr.
    Merkwürdig, mein Grossvater war nie krank, wusste nicht dass er nach spätestens 20 Jahren Arbeit gestresst hätte sein sollen, oder ein burn out, sich zulegen könnte. Die einzigen die ihn wirklich gestresst haben waren die Russen. Auch die Russen hat er ohne burn out, aber auch ohne seine Armabanduhr, überstanden.
    Gestorben ist mein Opapa im hohen Alter, so wie er gelebt hat, in seiner Wetrkstatt.

  3. raindancer

    und der eigentliche Zynismus der letzten Zeit ist, die Rufe nach Harmonisierung von ASVG und Beamten wurden immer lauter, als Reaktion darauf bieten unsere Politiker(allesamt selbst Beamte) nun die Harmonisierung von Arbeitern und Angestellten. Beides Gruppen die sowohl bei den Pensionen als auch Löhnen volle Abgaben zahlen und eine Deckelung der Pension erhalten. Der sogenannt höhere Arbeitgeberbeitrag, der so gern erwähnt wird, wird ebenso von uns bezahlt. Die sogenannte Abfindung wird um ein vielfaches überboten durch Zulagen und Prämien. Die Beamten die am meisten profitieren und Bevorteilungen haben, werden wieder mal ausgespart. Das ist purer Zynismus.
    Ein Arbeiter der in Frühpension geht, wenn er sie überhaupt bekommt, ist meist dem Grabe nahe.
    Beamte in meiner Gegend spielen Mittwochs um 10h am Tennisplatz.
    Bester Fall in letzter Zeit, der Wiener der in Frühpension ging und nun eine Firma betreibt die Aufträge für den Staat erhält.
    Allzugern werden dann als leuchtendes Beispiel Polizisten und Krankenschwestern hergenommen.
    Wovon ich aber rede, sind die Bürositzer und die Lehrer.
    Abgesehen davon gibt es auch im ASVG Bereich schwerstarbeitende Menschen, die bekommen wenns gut geht eine Hacklermindestpension!
    Die Beamten sind er neue Hochadel Europas.
    Und keiner ..nicht die blauen, nicht die roten und nicht die schwarzen werden etwas an dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit ändern.

  4. Christian Peter

    Was darf man sich in einem Land wie Österreich erwarten, in dem (richtig gerechnet) 22,5 % der Erwerbstätigen im öffentlichen Dienst beschäftigt sind und jede 4 Arbeitsstunde in der öffentlichen Verwaltung geleistet wird ? Die OECD erfasst übrigens nur ein Fünftel der im öffentlichen Dienst Beschäftigten, weil der Großteil in ausgegliederten Unternehmen arbeiten. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, denn mit der Beamtenpartei ÖVP in Regierungsverantwortung wird es auch in Zukunft keine nennenswerten Einschnitte im öffentlichen Dienst geben.

  5. Christian Peter

    Dabei liegt in der Verwaltung in Österreich das größte Sparpotential, alleine durch Strukturreformen ließen sich gewaltige Summe einsparen : Nach Berechnungen von Experten würde z.B. die Beseitigung des (ohnehin äußerst schwach ausgeprägten) Bundesstaates Einsparungen von mindestens 15 Milliarden Euro pro Jahr bringen – das werden wir unter den herrschenden politischen Verhältnissen aber wohl niemals erleben.

  6. Falke

    Übrigens: Wer war denn Generaldirektor, als 2012-2013 die vielen (lt. Schellhorn 90%) ÖBB-Angestellten in Frühpension gingen? Richtig, der Herr (derzeitig noch) Bundeskanzler Kern. Das ist der, der die großartige Erfahrung in der “Privatwirtschaft” hat und in den nächsten 5 Jahren Gerechtigkeit üben und allen geben will, was ihnen zusteht – wahrscheinlich auch Pensionierung, wann immer sie wollen.

  7. Kluftinger

    @ CP
    Nicht immer auf die Beamten hinhauen!
    Der Grund vieler Bediensteter (Beamter) ist in der Gesetzesflut der Parlamente zu sehen.
    Weil, ein Gesetz dessen Einhaltung nicht kontrolliert werden kann, ist für die “Fisch”.
    Erinnere mich an die Abluft Verordnung der BM Rauch-Kallert. Da gab es zwei Möglichkeiten :
    a) mehr Mitarbeiter einzustellen, oder
    b) nur alle 5-6 Jahre zu kontrollieren.
    Dieses Modell können sie hochrechnen . Dann steht im Gesetzesentwurf: “zusätzlich entstehende Kosten” und in 90% steht dann dort “keine”.
    Obwohl jeder weiss, dass es Folgekosten geben wird. usw. und so fort….

  8. Christian Peter

    @Kluftinger

    Dass die Missstände politische Gründe haben, liegt auf der Hand. Wenn sich zwei Parteien den Staat seit Jahrzehnten zur Beute machen und es niemals einen Regierungswechsel gibt, wird es auch niemals (nennenswerte) Reformen geben in diesem Land.

  9. Dieuetmondroit

    Jetzt oute ich mich gleich einmal als Lehrer.
    Ein schlechterer Mensch kann man ja laut mancher Zeitungsberichte und Postings kaum sein. Und vor allem kein faulerer.

    Ich habe es eigentlich seit Jahren aufgegeben, meine Umwelt von meinem Fleiß zu überzeugen. Sie will die Argumente nicht hören.
    Mein Vorgesetzter ist mit mir zufrieden, und das genügt mir.

    Die “Pragmatisierung” wurde mir vor ca. 10 Jahren angeboten, ich habe aber dankend abgelehnt. Ich hätte dadurch nämlich finanzielle Einbußen erlitten. Ich vertraue auf meine Fähigkeiten und bin äußerst zuversichtlich, meinen Job auch weiterhin zu behalten. Ganz ohne Pragmatisierung.
    Diese Erklärung muss ich übrigens oft wiederholen. Nämlich bei fast jedem Arztbesuch. Die Mitarbeiter können nie verstehen, warum ein Lehrer bei der NÖGKK versichert ist.
    Ich arbeite übrigens an einer NMS und unterrichte Englisch, Französisch, IKT, Physik und Chemie. Unsere Schülerinnen und Schüler sind durchwegs später an höheren Schulen erfolgreich oder schaffen eine Lehre.

    Generell kann ich sagen, dass in den “Beamtendiskussionen” unzulässig verallgemeinert wird. Ganz davon abgesehen, gibt es in Österreich die freie Berufswahl. Jedem steht es demnach frei, ins angebliche Schlaraffenland umzuziehen und eine “Beamtenlaufbahn” einzuschlagen.

  10. Christian Peter

    @Dieuetmondroit

    ‘Es gibt in Österreich die freie Berufswahl’

    Sicher, das bedeutet aber noch lange nicht, dass der öffentliche Dienst als Selbstbedienungsladen dienen sollte, wie in Österreich seit Jahrzehnten üblich. Auch Lehrer sind in Österreich übrigens weit überbezahlt, die Gehälter liegen weit über dem Durchschnitt im internationalen Vergleich, obwohl Lehrer in Österreich weniger unterrichten und sich um weniger Schüler zu kümmern haben als ihre Kollegen im Ausland.

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