Märkte: Alle Zeichen stehen auf Sturm

(CLAUS VOGT)  Mit David Einhorn hat sich kürzlich ein sehr bekannter und erfolgreicher US-Hedgefondsmanager zu Wort gemeldet und vor einer zweiten Technologieblase gewarnt. Laut Einhorn handele sich derzeit ohne Wenn und Aber um eine Echoblase des Originals der späten 90er Jahre. Im Unterschied zu damals seien allerdings weniger hochkapitalisierte Aktien betroffen und der öffentliche Enthusiasmus sei deutlich geringer. Er halte jetzt den Zeitpunkt für gekommen, um auf fallende Kurse eines ganzen Korbs von Technologieaktien zu setzen. Dabei habe er eine Auswahl von Aktien getroffen, deren Kurse mindestens um 90% fallen müssten, wenn sie in den Bereich traditioneller Bewertungsmaßstäbe zurückfallen sollten – was früher oder später unausweichlich passieren werde. „Viel Glück!“, lautete der ironische Kommentar eines Bloggers auf diese Meldung. Die aktuelle Blase ist größer als alle ihre Vorgängerinnen Ich zitiere Einhorn hier nicht in erster Linie, weil er zu ähnlichen Analyseergebnissen kommt wie ich, zumal ich das Ausmaß der aktuellen Spekulationsblase für sehr viel größer halte, als er es zu tun scheint. Insbesondere sehe ich die Blase nicht auf den Technologiesektor beschränkt.

Dort haben in den vergangenen Monaten zwar die offensichtlichsten Exzesse stattgefunden. Aber im Unterschied zu den späten 90er Jahren geht die fundamentale Überbewertung dieses Mal sehr viel mehr in die Breite, da nahezu alle Sektoren betroffen sind. Insofern kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die aktuelle Spekulationsblase sogar noch größer ist als damals.

Außerdem kommen im laufenden Zyklus Exzesse an den Rentenmärkten hinzu, deren realwirtschaftliche Folgen sich als noch gravierender herausstellen werden als die spekulativen Übertreibungen an den Aktienmärkten. Schließlich sind die Rentenmärkte nicht nur erheblich größer als die Aktienmärkte, ihre realwirtschaftliche Bedeutung ist auch wesentlich größer. In den Medien ist das Thema Spekulationsblase außer Mode Was ich an Einhorns Ausführungen so interessant finde, ist der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung. Dank moderner Technik gibt es inzwischen Statistiken, mit denen die Printmedien sehr detailliert ausgewertet werden können.

Eine solche Statistik besagt, dass in den dafür untersuchten englischsprachigen Publikationen die Kombination der Begriffe „Aktie“, „Markt“ und „Blase“ derzeit eher selten auftaucht. Unter Journalisten ist das Thema Spekulationsblase also out. Das war im Jahr 2000 ähnlich. Damals nahm das Medieninteresse erst nach dem Platzen der Blase deutlich zu und erreichte seinen Höhepunkt erst im Herbst 2001, also nach dem Kurseinbruch, der den Terroranschlägen vom 11. September vorausging. Zu einer zweiten, etwas geringeren Häufung der gesuchten Begriffe kam es sogar erst im Frühjahr 2002. Für die Massenmedien war es damals offensichtlich erst interessant über die Spekulationsblase zu berichten, nachdem sie geplatzt war und massive Verluste zu beklagen waren. Etwas anders verhielt es sich im Jahr 2007. Bis Anfang des Jahres war das Thema Spekulationsblase ebenfalls völlig aus der Mode.

Dann erreichte das Thema aber ganz schnell eine Popularität, die fast an die Höhepunkte der Jahre 2001 und 2002 herankam und mit den Höchstkursen an der Börse zusammenfiel. Ein Blick unter die Oberfläche dieser Statistik zeigt aber einen interessanten und wichtigen Unterschied: Der Großteil der damals erschienenen Artikel versuchte seine Leser nämlich davon zu überzeugen, dass es keine Spekulationsblase gebe. Mit dem Platzen der Blase nahm das mediale Interesse in diesem Fall allerdings ganz schnell wieder ab. Dafür erlebte es dann Anfang 2010 ein beeindruckendes Comeback und erreichte eine Medienpräsenz, die weit über die früheren Spitzenwerte hinausging. Auch in diesem war es also erst die mediale Aufarbeitung der geplatzten Blase, die das Thema Spekulationsblasen in die Schlagzeilen brachte. Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Spekulationsblasen sind erst nach ihrem Platzen für die Medien interessant Aus Sicht der Massenmedien werden Spekulationsblasen offenbar erst nach ihrem Platzen so richtig interessant.

Aber als Anleger ist Ihnen natürlich nicht damit gedient, von einer Spekulationsblase erst nach deren Platzen zu erfahren. Dann ist es bekanntlich zu spät. Derzeit sind die Aktienmärkte nach allen traditionellen und treffsicheren Kennzahlen der Fundamentalanalyse drastisch überbewertet. Das Spekulieren auf Kredit hat die Rekorde der Jahre 2000 und 2007 gebrochen, was auch für zahlreiche Stimmungsindikatoren gilt. Deutliche Signale, die für das baldige Platzen der Blase sprechen, kommen jetzt auch vom US-Neuemissionsmarkt. Darüber hinaus hat in den USA bereits Ende Dezember 2013 eine geldpolitische Wende stattgefunden. Damit stehen alle Zeichen auf Sturm. Das derzeit sehr geringe Medieninteresse am Thema Spekulationsblasen passt perfekt in dieses Bild.

(Claus Vogt ist Buchautor – Das Greenspan Dossier, Die Inflationsfalle, The Global Debt Trap, jeweils gemeinsam mit Roland Leuschel).

One comment

  1. Reinhard

    Die Politik, die so gern medienwirksam “gegen Zocker und Spekulanten” wettert, hat gleichzeitig diesen Spielsüchtigen Geld zum Nulltarif zur Verfügung gestellt. Wenn die Notenbanken frisches Geld zu fast keinen Zinsen bereitstellen, dann ruft das automatisch jene auf den Plan, die risikobereit sind. Wenn ich bereits bei Gewinnspannen unter 1% ordentlich absahnen kann, wenn nur die Geldmenge stimmt und ich große Kredite zu winzigen Zinssätzen bekomme, ist eine Blase die einzig logische Schlussfolgerung.
    Aber die Politik erklärt uns das als “alternativlos” und schüttet den Spielsüchtigen mmer mehr Geld hin.
    Der nächste Knall ist vorprogrammiert.

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