Magnitz und die Folgen

(ANDREAS TÖGEL) Der Überfall auf den AfD-Politiker Frank Magnitz hatte einige bemerkenswerte Reaktionen zur Folge. So konnten etwa selbst die regierungsaffinen deutschen Medien nicht umhin, darüber zu berichten – wenn auch mit einer erkennbaren Schlagseite, die dem Opfer zumindest eine Mitschuld an seinem Schicksal zuweist. Immerhin, ein Fortschritt, denn über Anschläge auf Häuser und Fahrzeuge von anderen Dunkeldeutschen und „Nazis“ oder deren Anhänger, die sich halsstarrig weigern, der Lichtgestalt im Berliner Kanzleramt und deren servilen Handlangern kritiklos zu folgen, wurde bisher meist in nobler Weise der Mantel des Schweigens gebreitet.
Mehrere im Gefolge des Anschlags auf Bremer AfD-Chef abgegebene Kommentare von Linkspolitikern (wie z. B. Cem Özdemir von den Grünen), lassen klar erkennen, wes Geistes Kinder hier am Werk sind: Bedauert wird der Mordversuch  insofern, als er ihrer Sache schaden könnte, nicht einer grundsätzlichen Ablehnung von Gewalt gegen politische Gegner wegen. Auch die sozialen Medien quellen geradezu über von schadenfrohen und/oder die Gewalttat relativierenden oder gar gutheißenden Kommentaren linker Bessermenschen. Denn dann, wenn einer sich rechts der Mitte einordnen lässt, heiligt der Zweck im Kampf gegen ihn eben jedes Mittel – sofern es der linken Agenda nicht schadet, was diesmal allerdings dummerweise der Fall sein dürfte.
Es hilft im Hinblick auf Einsicht und Erkenntnisgewinn oft ungemein, den eigenen Standort für einen Moment zu verlassen und die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Alsdann: Gesetzt den Fall, AfD-Politiker hätten immer wieder und über einen längeren Zeitraum hinweg unverblümt zum Einsatz aller nur denkbaren Mittel im Kampf gegen Links aufgerufen, (was nach meiner Kenntnis der Sachlage nicht der Fall war). Verständlicherweise wären darüber alle helldeutschen Kräfte völlig aus dem Häuschen geraten und hätten davor gewarnt, dass auf diese Weise Gewalttaten heraufbeschworen und „Weimarer Zustände“ befördert würden. Wäre es dann tatsächlich zu einem gewalttätigen Angriff auf einen Linkspolitiker gekommen, hätte es keine fünf Minuten gedauert, bis erste Forderungen nach einem Verbot dieser „rechtsradikalen“ Partei erschallt wären, die doch das politische Klima im Lande offensichtlich vergiften würden.
Und was passiert jetzt? Wo bleiben die Betroffenheitsaderessen der lupenreinen grünrotschwarzen Demokraten nebst Antifa; wo die Selbstkritik der Damen und Herren Stegner & Genossen in den Medien, die seit Jahren offen und unmissverständlich gegen die einzig ernstzunehmende Opposition im Lande hetzen? Nun, sie bleiben aus, weil Linke ja unbeirrbar davon überzeugt sind, die Guten zu sein und daher keinen Moment lang daran denken, von ihrem hohen Ross der überlegenen Moral herunterzusteigen und Verantwortung für die Konsequenzen ihres Treibens zu übernehmen. In diesem Milieu schlägt Gesinnungsethik eben Verantwortungsethik.

Womit wir auch schon beim irreparablen Webfehler des herrschenden Politsystems angelangt sind: Politiker, gleich welcher Coleur, übernehmen und tragen – allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz – niemals Verantwortung. Dasselbe gilt übrigens auch für die Wähler, die sich nach dem Verlassen der Wahlzelle unerkannt seitwärts in die Büsche schlagen und für ihren Wahlentscheid (anders als gerichtlich überführte Anstifter zu einer Straftat) niemals zur Verantwortung gezogen werden können. Anders als jeder kleine Unternehmer, der auf den Boden des bürgerlichen Rechts für jede seiner Fehlentscheidungen haftet und gegebenenfalls im Gefängnis oder im Schuldturm landet, können demokratisch gewählte Politiker tun und lassen was immer sie wollen, ohne für die Folgen geradestehen zu müssen.
Nassim Taleb („Der Schwarze Schwan“, „Skin in the Game“) kritisiert völlig zu Recht, dass Politiker in ihrem „Geschäft“ ihre Haut nicht aufs Spiel zu setzen brauchen und die Folgekosten ihrer Fehler ungestraft Dritten aufbürden können. Dass dieser Umstand erheblichen Einfluss auf die Art des Handelns der solcherart Privilegierten nimmt (und zwar mit Sicherheit keinen positiven!), liegt auf der Hand.

Fazit: Selbstverständlich ist der feige Übergriff auf einen älteren Herrn der AfD zu verurteilen – und zwar nicht nur aus der Sicht von Libertären, sondern von jedermann, dem der Sinn für Recht und Unrecht noch nicht gänzlich abtrainiert wurde. Allerdings sollte sich gleichzeitig jedermann von der Illusion verabschieden, eine starke AfD könnte und würde am Systemfehler der absoluten Unverantwortlichkeit aller an der Staatsführung Beteiligten – auch der Wähler -, etwas ändern.

Wer mittels Stimmzettels Einkommen und Vermögen seiner Nachbarn in seine Brieftasche wählen kann, wird auf dieses „Recht“ niemals verzichten. Und wer an ehrlicher Arbeit nicht interessiert oder dafür unfähig ist und daher in die Politik geht, wird den Status Quo unter Zuhilfenahme aller Mittel verteidigen.

Der große altösterreichische Gelehrte Ludwig Mises bringt es auf den Punkt: „Wer den Menschen nicht zu dienen in der Lage ist, will sie beherrschen.“ Mehr braucht es nicht, um das Wesen der politischen Klasse erschöpfend zu beschreiben.

12 comments

  1. Herbert Manninger

    Die Angst abgewählt zu werden ist die Triebfeder politischen Handelns.
    Es liegt alleine an den Wählern, träge Gewohnheiten zu überdenken.
    Der sich informierende Wechselwähler wäre es halt….

  2. Gerald Steinbach

    Wenn in Russland ein Oppositionspolitiker angegriffen wird, reflexartig wird von deutschen Politiker/Medien suggeriert , dass Putin hier seine Hände im Spiel hat, im Umkehrschluss würde das aber bedeuten,….hat sie natürlich nicht.

    Aber das die Antifa die Drecksarbeit auf der Straße leistet und die Politiker/Medien da wegschauen liegt seit Hamburg auf der Hand und die Gelder gegen “Rechts” werden laufend aufgestockt

  3. dna1

    Wenn jemand die Urlaubsfotos von ein paar Politikern öffentlich zugänglich macht ist das ein Angriff auf Demokratie und Freiheit.
    Wenn ein demokratisch gewählter Politiker angegriffen, den anderen seiner Partei mit Gewalt gedroht wird, dann hört man plötzlich nichts von wegen “Angriff auf die Demokratie”. Nur noch verlogen, diese Heuchler.

  4. Triumph Cruiser

    Ich bin der festen Überzeugung, dass Herr Magnitz von einer festen Sturmbö erfasst wurde, welche ihn schlussendlich (selbstverschuldet) zu Fall brachte. Solche Böen soll es auch in Bremen geben (wer schon mal an der Nordsee war / Bremen ist da ja nicht weit davon entfernt, kennt diesen Wind 😉 ). Wäre doch ein Thema für Claas Relotius.

    Angeblich soll es Videomaterial des “Vorfalls” geben. Die Behörden zieren sich noch etwas, dieses freizugeben. Unter Umständen muss noch etwas “nachgearbeitet” werden, bzw. der richtige Regisseur, für eine “Neuverfilmung”, – gefunden werden … 😉

  5. Falke

    Es wird schon fleißig daran gearbeitet, dass der Vorfall doch der AfD schadet. Es wurde ja anfangs berichtet – und von Gauland ausführlich kritisiert – dass Magnitz mit einem Holzscheit geschlagen und dann noch – auf dem Boden liegend – getreten wurde. Nun erklärt die Staatsanwaltschaft offiziell, das er nur “geschubst” wurde und mit dem Kopf auf die Gehsteigkante gefallen sei; der oder die “Schubser” sei(en) dann sofort weggelaufen Jetzt kann ganz Helldeutschland jubeln, dass die AfD aus einem Floh einen Elefanten macht und die Öffentlichkeit über den Tathergang belogen hat.

  6. sokrates9

    Falöke@ Nächste Variante: Herr Magnitz ist selbst gestürzt – wahrscheinlich wollte er gerade den Deutschen Gruß üben, und hinter ihm waren 3 hilfsbereite mutmaßlich Flüchtlinge die mit den Fuß über seinen Kopf gestolpert sind und dann halt sicherheitshalber weggelaufen sind…:-) Ein Zeuge ist anscheinend auch nicht mehr auffindbar.. erinnert mich an Haider da gab es auch Augenzeugin die dann verschwunden ist…

  7. Kluftinger

    Inzwischen ist ein Video aufgetaucht das exakt den Verlauf wiedergibt. Man sieht ich deutlich, wie sich die “Helfer” die Sturmmützen über das Gesicht ziehen bevor sie losrennen.
    Da wird sich der Herr Pressesprecher schwer tun das zu relativieren?

  8. Johannes

    Machen wir uns nichts vor, Magnitz ist gestolpert und die drei Männer hinter ihm wollten ihn noch auffangen.
    Was ist los im Mainstream, muss ich jetzt schon die richtigen Antworten liefern?

  9. astuga

    @Kluftinger
    Selbst bei diesen Videoausschnitten ist ansatzweise erkennbar, dass der Täter der ihn zu Fall gebracht hat, auch noch von der Seite in sein Gesicht schlug.
    Und dass er dabei etwas in der Hand hielt (oder war es ein Schlagring?), im Weglaufen hat dann wohl der zweite Täter diese Tatwaffe übernommen.
    Händchen halten wollte er ja wohl kaum.

    Faszinierend jedenfalls, dass die Polizei Bremen das Bekennerschreiben der Antifa auf einer einschlägigen linksradikalen Internetseite (es wurde nach wenigen Stunden wieder gelöscht) als gegenstandslos betrachtet.
    Eine echt vertrauensbildende Vorgehensweise…

  10. aneagle

    Magnitz hat sich den Angrifff durch aufrechte linke Antifamitglieder redlich verdient. Schreibt er doch mit Blick auf die drohende Überwachung durch den Verfassungsschutz in einem seiner Essays bereits 2012:

    * „Um den Nationalstaat zu überwinden, „muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, die Demokratie erst einmal zu vergessen, ihre Institutionen abzuschaffen, soweit sie nationale Institutionen sind, und dieses Modell einer Demokratie, das uns so heilig und wertvoll erscheint, weil es uns vertraut ist, dem Untergang zu weihen. Wir müssen stoßen, was ohnehin fallen wird, wenn das europäische Projekt gelingt. Wir müssen dieses letzte Tabu der aufgeklärten Gesellschaften brechen: dass unsere Demokratie ein heiliges Gut ist.“

    Aber ach, es war eine Verwechslung. Nicht Magnitz hat das geschrieben, sondern der famose Robert Menasse. Und nein, der wurde nicht für seine faschistoid wirkende Wortwahl von den aufrechten Sozialdemokraten angefallen, sondern von einer mutmaßlichen Radikalsozialistin, der Frau Malu Dreyer, immerhin Ministerpräsidentin von Rheinland Pfalz, mit der Carl Zuckmayer Medaille geehrt.

    Zuckmayer selbst kann, trotz brutaler Fehlinstrumentalisierung, nur mehr im Grab rotieren. Hätte Magnitz sich so oder ähnlich geäußert, wäre er zumindest geteert und gefedert worden, kann also vom Glück reden nur ein mutmaßliches Brett vor den Kopf geschlagen bekommen zu haben, weil er…. Ja was eigentlich? Wem hat er was getan, das diesen Angriff rechtfertigt?

    Wir lernen: Sagen darf man im Land der freien Meinungsäußerung alles. Es kommt nur darauf an, sich selbst politisch und Ausschwitz geographisch, richtig zu verorten.

    *Aus der europäische Landbote 1912 von Robert Menasse
    Quelle:
    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article186818390/Carl-Zuckmayer-Medaille-Robert-Menasse-und-die-Zerstoerungslust.html

  11. aneagle

    was zur Komplettierung noch fehlt:
    Der Experte, der im ZDF schlüssig erklärt, Magnitz könne nur der Beziehungstat eines verwirrten Einzelztäters, mutmaßlich rechter Herkunft, anheim gefallen sein, denn “die löbliche Antifa macht so etwas nicht!”. 😉

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