Manchmal muss man sich einfach wehren

Von | 3. September 2016

(GEORG VETTER) Mitte der 80er Jahre veröffentlichten André Glucksmann und Thierry Wolton das Buch „Politik des Schweigens“, in dem sie die Hintergründe der Hungerkatastrophe in Äthiopien aufdeckten. Auf perfide Art und Weise nutzten die dortigen Machthaber die Hilfsbereitschaft des Westens aus, um sich der politischen Gegner zu entledigen. Der Originaltitel des Buches brachte es auf den Punkt: Silence, on tue. Ruhe, man tötet.

Wenn die Bilder mit überfüllten Fischerbooten im Mittelmeer gezeigt werden, fragt man sich, ob sich in den letzten 30 Jahren viel geändert hat. Nach wie vor spielen brutale Banden mit dem Leben tausender Menschen, der Westen zeigt mit täglichen Rettungsmanövern grenzenlose Hilfsbereitschaft und über die Ursachen wird der Mantel des Schweigens gebreitet.

Wann werden wir beginnen, die Schlepperbanden wirksam zu bekämpfen?

Voraussetzung für einen solchen Kampf gegen die Schlepperei – fast hätte ich Krieg geschrieben – ist der entsprechende Wille, dem wiederum die Einsicht vorausgehen muss, dass nicht nur die Geschleppten, sondern auch die Staaten der Europäische Union Opfer dieser Machenschaften sind.

Glucksmann, der letztes Jahr verstorben ist, warnte immer wieder davor, dass Europa kämpfen müssen wird, wenn es nicht untergehen soll. Derzeit sieht es eher so aus, als wollte sich die Union vom Kampfe freikaufen – und damit selbst den Krieg finanzieren. Der Türkei viel Geld für die Zuwanderungszurückhaltung zu zahlen, während deren Regierung im Inneren die Opposition ausschaltet und im Äußeren die Panzer rollen lässt, lässt den Gedanken der – wenn auch unbeabsichtigten – Kollaboration aufkommen. Wo sind die Zeiten, als die Union noch ein hohes Maß an Menschenrechtskonformität als Voraussetzung für Beitrittsverhandlungen verlangte?

In Österreich war das Heiraten über Jahrhunderte staatsmottohaft populärer als das Kriegführen. Der Gedanke ist durchaus sympathisch, doch nicht immer von Erfolg gekrönt. Manchmal muss man sich auch wehren. Das Outsourcen der Sicherheitspolitik ist keine Lösung.

Europa muss lernen (schaffen), sich selbst zu verteidigen.

 

10 Gedanken zu „Manchmal muss man sich einfach wehren

  1. Fragolin

    Der Westen will uns einreden, man könne Schlepper bekämpfen indem man ihnen ihre Arbeit abnimmt.
    Nach der gleiche Logik kann man Assassinen bekämpfen, indem man gleich alle Leute umbringt.
    Oder Dealer, indem die Lehrer an der Schule die Drogen verteilen.
    Und keiner kommt auf die Idee, dass es den Dealern wurscht ist, ob sie den Stoff an die Kids oder an die Lehrer verticken.

  2. Falke

    @Fragolin
    Es stellt sich ja auch noch eine grundsätzliche Frage, die offenbar nirgends behandelt wird und gerne totgeschwiegen wird: “Schlepperei” ist ein strafbarer Tatbestand, so wie etwa Hehlerei oder Rauschgifthandel. Dazu gehören natürlich immer zwei Parteien: der Anbieter und der Käufer/Konsument. Während selbstverständlich der Käufer von Diebsgut und von Rauschgift auch bestraft wird, hört man aber nichts von Strafverfahren gegen diejenigen, die sich gegen Bezahlung “schleppen” (oder “schleusen”) lassen. Wieso eigentlich nicht? Schlepper sind die “bösen”, die streng bestraft gehören, diejenigen, die dieses “Service” in Anspruch nehmen (und dafür auch viel bezahlen), sind dagegen – je nachdem – die Helden oder armen Opfer (so, als würden sie von den Schleppern mit Waffengewalt in überfüllte Schlauchboote gezwungen werden). Wird da etwa – wie so oft im Zusammenhang mit der “Flüchtlingskrise” – wieder einmal Recht gebrochen?

  3. Mona Rieboldt

    Falke
    So ist es. Bei den Schleppern geht es um Angebot und Nachfrage. Da hier ja nicht die wirklich Armen nach Europa kommen, sondern diejenigen, die tausende Euros an Schlepper bezahlen können, sind sie auch zugleich Täter. Hier würden auch viele zu Schlepper, wenn sie damit tausende Euros verdienen könnten. Und ja diese Glücksritter und Wirtschaftsflüchtlinge zwängen sich selbst in Lastwagen, in marode Boote und teilweise muten sie das auch ihren Kindern zu. Die meisten sind aber wohl genährte junge Männer.

    Und was die wenigen wirklichen Kriegsflüchtlinge angeht, so sind sie ja schon in sicheren Ländern, bevor sie nach Deutschland oder Österreich kommen. Sicher wären sie beispielsweise auch in Bulgarien, aber sie wollen dahin, wo es das meiste Geld gibt. Es ist auch bekannt, dass man in der Türkei Papiere kaufen kann, damit man als Syrer erscheint, die hier sofort Asyl bekommen.

    Dass dies aber alles möglich ist, daran sind die eigenen Politiker schuld. Und es sind die Politiker und Medien, die uns das als Humanität verkaufen, um uns noch mehr Geld abzunehmen. Steuererhöhungen kommen n a c h der Wahl.

  4. Gerald Steinbach

    Mona rieboldt

    Und die Steuererhöhungen werden uns dann wahrscheinlich als Erhöhungen für die Menschlichkeit verkauft bzw abkassiert

  5. Mona Rieboldt

    Gerald Steinbach
    Ich denke mal, die Politheinis werden das als “Sicherheit” verkaufen. Da ja die Einstellungen von Polizisten teuer sei. In Wirklichkeit brauchen sie das für die Ruhigstellung ihrer “Flüchtlinge”, das diese nicht gewalttätig werden.

  6. mariuslupus

    Das ist die Geschichte der sogenannten Entwicklungshilfe. Wer hat von der “Entwicklungshilfe” profitiert ?
    Die Quittung wird Europa präsentiert. Tausende von Schwarzafrikenern die nach Europa wollen. Wäre die Entwicklungshilfe wirklich sinnvoll, oder sogar effektiv, hätten die Schwarzafrikaner einen besseren Lebensstardart erreicht und hätten zu Hause bleiben können.

  7. Fragolin

    @Falke
    Richtig. Ohne gierige Kunden, die haufenweise Geld aufbringen, um illegal geschleust zu werden, gäbe es keine Schlepper. Die Straftat, sich auf illegalen Wegen in ein bestimmtes Staatsgebiet schmuggeln zu lassen, wird vollkommen ausgeblendet. Und wenn Menschen, die auf kriminelle Weise mit Hilfe anderer Krimineller ihren Willen durchgesetzt haben, sich dann im alltäglichen Leben als Kriminelle entpuppen – dann wundert das noch wen? Und solchen Betrügern wird auch noch jedes Märchen aus 1001 Nacht unreflektiert geglaubt und ihre ganze (neue) Identität auf den Erzählungen von Betrügern aufgebaut.
    Jedesmal, wenn man beginnt, auch nur ansatzweise über den Irrsinn nachzudenken, der hier gerade abläuft, bekommt man Durst auf Hochprozentiges. Ich verstehe jeden Tag mehr die Russen, die jede Unlogik und Lüge ihrer Diktaturen traditionell in “sto-gramm”-Gläsern selbstgebrannten Haarentferners aus Bio-Erdäpfeln ertränken. Nach dem Motto: Wenn du dir Welt nicht verbessern kannst, dann sauf sie dir wenigstens schön!
    Und die Museln wollen nicht einmal das zulassen!

  8. Fragolin

    @Mona Rieboldt
    “Hier würden auch viele zu Schlepper…”
    Würden nicht nur, wurden auch. Am Besten verdienten (meist muselmanische) Wiener Taxifahrer, die für Wucherpreise ganze Familien von der ungarischen Grenze zum Wiener Hauptbahnhof oder gleich bis Salzburg gekarrt haben. Tausende Euro für eine Taxifahrt quer (oder besser: längs) durch Österreich, und in Salzburg kauften die dann sogar ganz normale Zugtickets nach Hamburg, Berlin oder München.
    Den größten Schnitt haben die ÖBB gemacht. Die haben einfach jeden kostenlos einmal quer durch Österreich gekarrt, von der einen Grenze bis zur anderen – und dann die entfallenen Ticketgelder beim Staat eingefordert haben. Das hat ein paar hundert milliönchen extra-Steuerknete in die Bahn gepumpt, die haben sich mit Schlepperei dumm und blöd verdient – und ihren Chef zum Dank zum ungewählten Bundeskanzler ausgerufen.
    Da sage mal einer, Gaunerei lohne sich nicht. Es kommt immer auf die Nutznießer der Gaunerei an…

  9. Fragolin

    @Gerald Steinbach
    Also gerade in diesem Jahr wurden uns Steuererhöhungen als Steuerersparnisse verkauft. Man hat den prozentualen Steuersatz verkleinert und dafür die Abschreibungen ersatzlos gestrichen. Unternehmer sparen sich dann mal eben 500 Öcken Steuer im Jahr, zahlen als “Gegenfinanzierung” für die bisher abschreibungsfähigen Sachen einen 1000er mehr, und dürfen sich über das “faire, soziale und gerechte” System der roten Geldabpressung freuen. Immerhin haben ihre schwarzen “Interessenvertreter” begeistert mitgeklatscht. Und die Forderung nach ausgabenseitiger Ersparnis ist, wie wir wissen, rechtsradikales Gedankengut und sozialer Brandbeschleuniger.

  10. Cimrman

    Solange wir da an der Grenze keine Tür mit Seitenteilen, keine Luftbefeuchter und Aromaverteiler einsetzen, werden die Schutzsuchenden/Invasoren/wie immer es einem beliebt weiterhin zuwandern, denn dem Schlepperwesen ist offenbar nicht beizukommen, zumindest nicht mit dem, was wir an Politkompetenz unser Eigen nennen.
    Die Integration der ganzen Schutzsuchenden/Invasoren/eh schon wissen funktioniert dann auch nicht so gut, schließlich mangelt es an allem: Deutschlehrer, Dolmetscher, Unterkünfte,…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.