Medien: “Wer soll denen je wieder etwas glauben?”

“….Immer neue Details des Falls Relotius sickern an die Öffentlichkeit. Der “Star-Reporter” hat sogar Reportagen geschrieben, ohne dafür den Schreibtisch zu verlassen, beispielsweise ein Propagandastück namens “Der Kapitän weint” von Bord eines Flüchtlings- bzw. Schlepperschiffs, erschienen im Juli 2018 im Spiegel. Der Kapitän allerdings “weint überhaupt nicht. Im Gegenteil: Er ist richtig wütend auf den Autor”, notiert Alexander Wallasch, denn der Relotius-Text sei eine Fiktion. Wallasch stellt zwei angemessen peinliche Fragen: Warum empört sich der Kapitän erst ein halbes Jahr später über die Märchenstunde? Und warum haben die drei Co-Autoren des Relotius-Märchens, die eigentlichen Rechercheure der Story, ebenfalls geschwiegen? Wie ich schon sagte: Relotius ist kein Ausnahmefall, sondern ein struktureller. Jetzt sind es schon vier Spiegel-Redakteure, die im Zuge der Affäre ihre Glaubwürdigkeit verloren haben, plus zwei Chefredakteure und x Dokumentare. Und dabei wird es nicht bleiben. Wer soll denen je wieder etwas glauben? hier

8 comments

  1. Cora

    Ein Reporter, der nicht von seinem Schreibisch aufsteht, will sich nicht mit der Wirklichkeit befassen, denn er ahnt, dass sie niemals so sein kann, wie er sie sich in seinen kühnsten Träumen ausmalt. Dass er dabei seine Helfer und Helfershelfer gehabt hat, abgesehen von all den anderen Wegschauern und Drückebergern, ist für jeden verständigen Menschen nicht anders erklärbar. Sonst wäre das nicht erschienen. Die Singularität des Falles ist damit aufgehoben. Es wäre besser, gäbe es den “Spiegel” nicht mehr.

  2. Cora

    Was immer wieder auffällt, dass es herzzerreißende Geschichten gewesen sind, die Relotius schrieb. Der Kapitän weint. Und haben nicht die Grünen einen Wahlkampf geführt, den sie dann gottseidank verloren haben, mit dem Slogan, man müsse auf sein Herz hören. Auf die Träne drückende Geschichten von armen Mädchen mit Kulleraugen, dabei standen junge Männer vor den Grenzen, Relotius war überall. Oder: die „Flüchtlinge“ seien mindestens so gebildet wie die Österreicher, diese Geschichte kam zwei Mal. Einmal unmittelbar nach der ersten Welle 2015, dann nochmals ein Jahr später. 2 Jahre später, also jetzt, liest man, stimmt nicht, war doch nicht so. Relotius ist überall. Man hat das Wissen der Ankömmlinge nicht abgefragt, sondern stillschweigend geglaubt, was sie angaben. Wie Relotius, nur nicht aufstehen, nur nicht Aussagen auf Wahrheitsgehalt abklopfen. Einfach glauben, ist ja auch viel bequemer. Obwohl schon damals offensichtlich war, wie mir zum Beispiel, dass vieles davon nur erlogen und erstunken sein kann.

  3. sokrates9

    Die Mickeymousewelt ist leider nicht so wie es die Journalisten glauben! Es gibt auch andere Lektüre!

  4. GeBa

    So Tränchendrücker Beiträge erzeugen bei mir das genaue Gegenteil von dem erwünschten Effekt,
    die bringen das Schlechteste in mir nach oben 🤭
    Vermutlich weil ich mich strikt gegen Manipulation wehre

  5. astuga

    Jetzt muss die linkslastige Wikipedia nur noch ihren Artikel auf den aktuellen Stand bringen.

    “Als Fake News (…) werden manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten bezeichnet, die sich überwiegend im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken und anderen sozialen Medien zum Teil viral verbreiten. Zunehmend wurde Fake News auch zu einem politischen Schlagwort und Kampfbegriff.”

    Aber sicher…

  6. astuga

    Wobei das deutliche schwierigere Thema weiße Lügen in den Medien noch gar nicht angesprochen wurde.

    Weiße Lüge – lügen durch Auslassung.

  7. astuga

    Gutes Beispiel für weiße Lügen:
    https://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5556930/Vermummte-pruegeln-AfDChef-Magnitz-krankenhausreif

    Aus einem Mordversuch (man braucht sich bloß das Foto des Opfers in anderen Medien ansehen) wird ein “krankenhausreif prügeln”.
    Auch Teile des Kommentarbereichs sprechen für sich.
    Wenn ich daran denke, welche meiner harmlosen Kommentare seinerzeit in der Presse nicht freigeschaltet wurden, kommt mir das kotzen.
    Das nächste mit Presseförderung finanzierte Häuselpapier.

  8. Johannes

    Ist der Ruf erst mal ruiniert lebt es sich ganz ungeniert.
    In den 68igern wurde in einer Uni in Wien vor versammelter Studentenschaft von einem gewissen Herrn M. auf den Tisch geschissen. Ohne Scham ohne Hemmung, für mich als später Geborenen war, als ich es zum ersten mal im TV sah ganz klar, das ist das Wesen der 68iger Revolution.
    Ich muss gestehen das ich immer wieder ganz ähnliche Assoziationen habe wenn ich die Mainstream-Medien scheibenkleistern sehen.

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