Mehr kapitalistische Bildung wagen!

Von | 13. September 2020

(JOSEF STARGL)  Die Bürger wissen als Konsumenten, als Steuerzahler (kalte Progression) und als Investoren in Sachvermögen, dass es eine immer größere Geldentwertung gibt. Sie erkennen auch als Sparer und als private Altersvorsorger ihre Enteignung durch die Zinsmanipulation.
Zahlreichen Bürgern ist die gigantische Zwangsumverteilung von Einkommen und Vermögen durch die Europäische Zentralbank bewusst und sie stellen auch die Frage, wer die Profiteure dieser Geldpolitik sind.
Wenn nun der Finanzminister dieses Landes in den Schulen ab dem Schuljahr 2023/2024 eine Finanzbildung einführen will und sich auch ein Informationsangebot an die Erwachsenen richten soll, dann ist diese „Aufklärung“ lobenswert.
Aber ohne ökonomische Bildung/betriebs- und volkswirtschaftliche Überlegungen sowie ohne marktwirtschaftliche/unternehmerwirtschaftliche Bildung für eine „Eigentümer-Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung“ kann auch eine Finanzbildung nicht gelingen.
Die Bürger sollen auch verstehen, warum die Europäische Zentralbank eine „monetäre Staatsfinanzierung“ pflegt, eine Fehlleitung von Ressourcen bewirkt und nicht den „Wohlstand für alle“ fördert.
Die Folgen der Geldmengenausweitung und der Zinsmanipulation werden ja auch von den Geldanlegern überlegt.
Wir sind kein „Volk von Aktionären“. Eine bereits jahrzehntelange antikapitalistische Bewusstseinsbildung in den Bildungs- und Kulturinstitutionen, in den Medien, in den Kirchen, in den Parteien und in den Verbänden/Sonderinteressengruppen hat ein antimarktwirtschaftliches Denken gefördert.
Die Antikapitalisten lehnen Gewinnorientierung ab. Die Unternehmer werden von ihnen als Ausbeuter betrachtet.
Staatsgläubigkeit und Machbarkeitsglaube sind in diesem Land sehr weit verbreitet. Etatismus und Paternalismus werden oft mehr geschätzt als Eigenverantwortung, Eigenleistungen, eine Vielfalt individueller Lernprozesse und Erfolg im wirtschaftlichen Wettbewerb.
Betrachten wir eine Finanzbildung als eine Chance, um den Antikapitalismus in den Schulen zu verringern.
Aktionäre benötigen nicht nur Finanzwissen, sondern auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse, Wissen über volkswirtschaftliche Zusammenhänge, über Branchen und Regionen, über die „Weltwirtschaft“, über die Geldpolitik und über wirtschaftspolitische Maßnahmen und deren Auswirkungen.
Ohne kapitalistische Bildung kann auch eine Finanzbildung nicht gelingen. Warum fordert der Finanzminister keine marktwirtschaftliche Bildung?

5 Gedanken zu „Mehr kapitalistische Bildung wagen!

  1. astuga

    Ernstgemeinte Frage: Wer war denn der letzte Finanzminister ohne gestörtes Verhältnis zu Marktwirtschaft und Wirtschaftsliberalismus?

  2. Falke

    @astuga
    Ist gar nicht so lange her: Hartwig Löger. War zwar auch keine ideale Figur im Sinne des Wirtschaftsliberalismus, doch muss man berücksichtigen, dass ihm seine (Regierungs-)Kollegen – wenig erstaunlich – jede Menge Hindernisse in den Weg gelegt haben. Immerhin hat er sich bemüht.

  3. astuga

    Stimmt, wer von ATTAC und Othmar Karas kritisiert wurde kann nur ein Guter sein!

  4. Sven Lagler

    @ Falke
    Habe Hartwig Löger in einem längeren Vortrag während des Wahlkampfes gehört. Meines Erachtens vertrat er dabei weit mehr betriebswirtschaftliche als volkswirtschaftliche Argumente / Perspektiven.
    Seine größte Sorge waren die Staatsschulden, die er unbedingt stark reduzieren wollte. Dabei stellte er stets Vergleiche zu Unternehmen her. Welchen Sinn hat es, die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen, wenn parallel dazu beinahe unendliche Haftungen für Südeuropa übernommen werden, und das obwohl zum Beispiel Italien weltweit führend bei den Goldreserven ist und das Privatvermögen gemessenen am BIP wesentlich höher als jenes von Deutschland oder Österreich ist ? Mann hatte den Eindruck, dass er Österreich als völlig unabhängig von der EU betrachtete. Österreich ist keine autonome Firma sondern eine kleine offene Volkswirtschaft die auf das engste mit der EU verflochten ist. Auch auf die TARGET Salden wurden in dem knapp 2 stündigenVortrag nicht eingegangen…
    Daniel Stelter zB. rät dazu, ebenso Schulden einzugehen, denn ein Scheitern des Euros ist nur eine Frage der Zeit. Selbst zu sparen und externe Defizite zu finanzieren ist sinnlos, sinnvolle Investitionen sollten daher getätigt werden.
    PS: übrigens hatten wir ein paar warme, wenn nicht heiße Tage. Der von Experten erwartete Hitzesommer ist aus meiner simplen Wahrnehmung nicht eingetreten, dennoch werden einschlägige Experten es irgendwie als ein Zeichen für den Klimawandel werten 😉 .

  5. Sven Lagler

    „Ohne kapitalistische Bildung kann auch eine Finanzbildung nicht gelingen. Warum fordert der Finanzminister keine marktwirtschaftliche Bildung?“

    Eine wirtschaftliche Bildung in Österreich wird wohl im Sinne von ATTAC´s ehemaligem Tänzer, Philologen und Politikwissenschafter Felber stattfinden. Ein Vergleich in öffentliche Bibliotheken macht sicher. Es gibt in den kleinen, wenn überhaupt vorhandenen Wirtschaftsabteilungen beinahe keine Bücher mit marktwirtschaftlicher oder pro kapitalistischer Prägung.
    Auch die Wirtschaftskunde Lehrbücher stimmen nicht allzu optimistisch.
    Die Sozialpartnerschaft funktioniert nach wie vor und wird zum Erfolgsmodell erklärt.
    Mann kann in Österreich ein komplettes VWL Studium absolvieren, ohne etwas von den Austrians gehört zu haben. Ausgerechnet jene Ökonomen, deren Modelle die aktuelle Situation erklären und die Zukunft voraussehen können.
    Neoliberalismus wird nicht so wahrgenommen wie es der Hausherr erklärt…
    Positiv betrachtet gibt es noch eine Menge Luft nach oben Herr Stargl 😉 .

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