Migration: Machen wir es den Schweizern nach!

(PETER STIEGNITZ) Ich bedauere die Flüchtlinge. Auch ich war einer. 1956 aus Ungarn. Leider sind die vielen Menschen, die in Europa Schutz und ein besseres Leben suchen, nur die Folgen und nicht die Ursache der jetzigen Flüchtlingskrise.
Die Ursachen sind einfach:
In Syrien tobt seit rund fünf Jahren der brutale Bruderkrieg. Doch erst die Merkelsche Einladung öffnete die Flüchtlingsschleusen nach Wohlstandseuropa. Dass jetzt Merkel uns und der deutsche Außenminister unseren Außenminister kritisieren, ist eine wahre Zumutung und eine Abschiebung der eigenen Verantwortung. Die deutsche Kanzlerin hofft, dass die Türkei ihre eigenen politischen Fehler beseitigen wird. Naiv und kostspielig.
Migrationssoziologische Erfahrungen zeigen die beiden großen Faktoren der Integrationshemmung: Familienzusammenführung und Religion. Wenn in der Familie ausschließlich die Heimatsprache gesprochen wird, dann werden nur „heimatliche“ Medien konsumiert. Diese Hemmnisse kennen keine sozialen gesellschaftlichen Unterschiede, wir erleben sie unter den Türken aus Anatolien genauso, wie in Akademikerfamilien aus Ungarn. Die Religion hemmt die Integration nur im Extremfall. Das betrifft nicht nur die Muslime, sondern beispielsweise auch die orthodoxen Juden.
Die EU ist in ihrer jetzigen Form eine Fehlkonstruktion. Vor allem die sinnlose Erweiterung, die unsinnige Aufnahme von Ungarn, Rumänien und Bulgarien.
Diese eher simplen, leicht durchschaubaren Ursachen, wobei die Überlegungen der deutschen Kanzlerin, außer sie hoffte auf einen Friedensnobelpreis, von Anfang an unverständlich waren, erzeugten für alle Beteiligten mehr als nur unangenehme Folgen.
Jetzt wundern wir uns. Zuerst verstummten in Ungarn die „Willkommensrufe“, dann in Polen und in der Slowakei. Dänemark ließ die Grenzbalken nieder und auch die vielgepriesene schwedische Flüchtlingseuphorie bekommt mehr als nur einige Risse. Bayern ist aufmüpfig und möchte alle neuen Flüchtlinge nach Österreich zurückschicken und unsere, nicht allzu mutige Bundesregierung diskutiert, ob man den Flüchtlingsstrom mittels „Richtwert“ oder „Obergrenze“ stoppen könnte. Und das ist gut so, da immer nur die Benennung entscheidet. Die Politik lernt von der Wirtschaft: Verpackung und Werbung (pardon: die „politische Kommunikation“) sind wichtig, nicht so sehr der Inhalt.
Die Lösung wird, das geben alle zu, nicht einfach sein; außer wir lernen – als erste Maßnahme – aus der Vergangenheit und sind bereit unter dem EU-Mantel Kerneuropa und die EFTA (pardon: die Visegradstaaten) schön langsam zu beleben. Ansonsten erfüllt sich die politische Hoffnung vieler Parteien – von der FPÖ bis zu den Schwedendemokraten.
Die einzige richtige Antwort auf die drohende „Flüchtlingsinvasion“ ist eine neoliberale Politik à la Schweiz: gezielte Zuwanderung gutausgebildete Fachkräfte aller Stufen: von Altersheimen und Krankenhäusern bis zu den mittleren Chefetagen größerer Firmen.

9 comments

  1. Lisa

    naja, schon ein a bisserl heilklig, diese Art – genau wie Cameron, der sich sein Syrerkontingent, handverlesen wohl, direkt in der Türkei abholen will.. Aber die Schweiz ist ja nicht, und GB vielleicht bald nicht mehr, in der EU ;- Anderseits: wenn “man” gleich zu Beginn etwas klarere Regeln rausgegeben hätte… aber dazu hätte es Grenzen gebraucht.

  2. Thomas Holzer

    Platzverbot von Stadtpark bis Heldenplatz gegen Demonstranten möglich und wird mit ca. 2800 Polizisten durchgesetzt.
    Grenzschutz friedlichen, vor Verfolgung und Krieg Flüchtenden gegenüber nicht.
    Verkehrte Welt, kann man nur schreiben.
    Außerdem: Man möge bitte endlich die bewußte Vermischung, Vermengung, Gleichsetzung von “Flüchtling” und Migrant beenden.

  3. Fragolin

    @Lisa
    Es gibt Regeln, aber in der EU ist es seit Jahren Usus, sich um diese einen Dreck zu scheren. Und wer jetzt einfordert sich an die regeln zu halten, ist ein Rechtspopulist, ein Nationalist, ein “Dunkeldeutscher” oder im Falle Orbans ein “Puszta-Putin” oder, um es mit Juncker zu sagen, ein “Dikator”.
    Schon irgendwem in unserer von Schnappatmung und Hyperventilation geplagten Empörungsgesellschaft aufgefallen, dass Ungarn, das Vielgescholtene und als kalte unmenschliche Diktatur geschmähte, das einzige (!) Land ist, das genau das getan hat und tut, was das Schengen-Abkommen vorsieht? Es würde sich auch an Dublin III halten, aber unsere Rechtsverkünder am Gängelband der Regierungsparteien haben Ungarn ja zu einem “unsicheren Land” erklärt. Warum? Weil es die Regeln einhält. Und die EU droht mit Sanktionen und Geldkürzungen. Warum? Weil es die Regeln einhält und “Kontingente” ablehnt, die den Regelbruch “solidarisch” aufteilen, nach dem Motto, wenn jeder einen Teil der Hehlerware bekommt, fragt keiner mehr, wie man an das Zeug herangekommen ist.

  4. Christian Weiss

    Der Autor scheint die Situation in der Schweiz nicht so gut zu kennen. Sonst würde er sie nicht als leuchtendes Beispiel für Migration preisen.

    Es stimmt zwar, dass die Schweiz zu einem Teil eine sehr hoch qualifizierte Zuwanderung hat und in absoluten Zahlen nach Deutschland und den USA an dritter Stelle bei jenen Zuwanderern steht, die am neuen Wohnort an technischen Innovationen beteiligt sind (Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mit Abstand Nummer 1).
    Es zeigen sich aber auch bedenkliche Defizite: So haben die Zuwanderer einen deutlich geringeren Bildungserfolg als die Einheimischen, werden dreimal häufiger kriminell, werden weit häufiger arbeitslos und beziehen dreimal so oft Sozialhilfe.
    Da die Schweiz die Zuwanderung aus EU-Staaten wegen des Freizügigkeitsabkommens nicht steuern kann, entstehen weitere Probleme: Die Verkehrsinfrastruktur ist überlastet, der Wohnraum wird knapper, was sich in höheren Kosten und höheren Preisen für Wohnraum niederschlägt. Zudem importieren Firmen auch viele Geringqualifizierte in die Schweiz, was zu einer Stagnation bei der Arbeitsproduktivität und den Einkommen führt. Und auch wenn die Schweiz in den vergangenen Jahren europaweit eher zu den Ländern mit starkem Wirtschaftswachstum gehört hat, so hat das Bevölkerungswachstum dieses beinahe wieder aufgefressen und der Wohlstand der einzelnen Einwohner ist kaum gestiegen.

  5. Christian Peter

    Das Stichwort lautet : Legale Einwanderung. Daher wären Länder wie die USA, Australien oder Kanada die besseren Beispiele. Dort gibt es die Möglichkeit, legal zuzuwandern, aber es ist praktisch ausgeschlossen, sich diese Länder durch illegale Einwanderung zur Heimat zu machen.

  6. Mona Rieboldt

    Der Artikel wirft vieles durcheinander. Wieviel orthodoxe Juden gibt es denn in Europa? Und Ungarn rotten sich wohl kaum zusammen wie orientalische Muslime und greifen Frauen an. Auch die Vietnamesen, die damals nach Deutschland flüchteten, sind am liebsten unter sich. Aber ihre Kinder gingen schon in deutsche Schulen und haben heute sehr gute Abschlüsse.
    ,
    Dagegen sind Türken, die hier seit 40 Jahren leben, in Parallelgesellschaften, die Kinder, die hier schon geboren wurden in D haben schlechte Abschlüsse in den Schulen, gehen oft ohne Abschluss aus den Schulen. Nur die türkischen Mädchen schneiden besser ab. Dazu gibt es Massenschlägereien auf Kinderspielplätzen, weil alle mit machen, wenn sich nur zwei kleine Jungen streiten, das Gleiche passiert bei Jugendfußball. Und das sind Leute, die hier, wie gesagt, schon lange leben.

    Wenn die Integration da schon nicht funktioniert hat, soll es jetzt aber bei hunderttausenden orientalischen Muslimen funktionieren. Wer glaubt eigentlich solche Märchen?

  7. mariuslupus

    “Machen wir`s den Schweizern nach”, eine merkwürdige Idee. Der Autor berücksichtigt nicht dass die Schweiz dabei ist sich langsam dem EU Niveau anzugleichen. Dass ist der erklärte Wille der Linken und an diesen Vorhaben wird beständig gearbeitet. Die geregelte Einwanderung gibt es nicht. Auch die zuständige Bundesrätin(Ministerin), eine Art Merkel, im Kleinformat, lädt sogenannte Flüchtlinge ein. Die Aussichten diese Leute in die Gesellschaft und den Arbeitsprozess zu integrieren sind äusserst fraglich. Die bisherige, versuchte Integration der Albaner und Eriträer ist gründlich misslungen. Beispiel: Eriträer, annekannte Flüchtlinge, nach 5 Jahren in der Schweiz, 90% abhängig vom Sozialamt.
    Nur eine Bemmerkung, habe aus Ungarn, Polen, der Slowakei oder Tschechien keinen Willkommensjubel gehört. Also musste er auch nicht verstummen. Die Erfahrungen mit dem roten Totalitarismus heben ihnen gereicht. Kein Bedarf an linken EU Totalitarismus.

  8. Hanna

    Ehe wir uns über sinnvolle Einwanderung Gedanken machen – müssten wir wirklich einen Weg finden, die vielen Illegalen und Kriminellen unter den “Zuwanderern” (wieso werden eigentlich all, die sich bei uns hereindrängen, so genannt?) loszuwerden. Wie werden wir die wieder los? Wie? Es wird nur mit Gewalt gehen. Wenn jetzt die Herkunftsländer die “Auswanderer” nicht mehr zurück nehmen – wohin dann mit ihnen? Da gibt es nur eine Lösung: Es muss eine Weltgegend als “Illegale-MigrantInnen-Lebenswelt” deklariert werden, und dorthin kommen alle. Ich denke, dass dann ganz schnell wieder Papiere auftauchen und Identitäten klar sein sowie Heimreisen angestrebt sein werden. Das mag utopisch klingen, aber allein das Herumwarten in Massenlagern (soferne die AusländerInnen, solange sie noch in ihren Ländern sind davon überhaupt erfahren) schreckt niemanden ab. Ganz im Gegenteil: Die Möglichkeit, das “Helferland” in Massen zu terrorisieren, scheint ja riesen Anklang zu bringen. Wieso wird eigentlich nirgends über die ermordete Helferin in Schweden berichtet? So ein “armer” Schutzsuchender wird jetzt also in ihrem Land leben, während er ihr das Leben genommen hat? Also das biblische “Aug’ um Aug'” erscheint fallweise recht passabel. Es leuchtet mir nicht ein, warum diese umgekehrte Diskriminierung nicht verfolgt wird. Sollte beispielsweise bei uns das freie Öffi-Ticket für die “Flüchtlinge” kommen, kaufe ich keine Fahrscheine mehr, und sollte man mir Strafe androhen, klage ich wegen schwerer Diskriminierung und deutlicher Schlechterstellung. Im übrigen müssten man den Flüchtlingen einfach nur Streifenkarten für ihre Wege aushändigen, von wegen “viel Bürokratie”. Alles ein Wahnsinn. Ein Wahnsinn …

  9. Lisa

    @Hanna: Nach Van Diemen’s Land sind leider bereits vorzeiten die kriminellen Briten ausgeschafft worden – und heute gibts nicht ein einziges unbesiedeltes und niemandem gehörendes Atoll, geschweige denn einen ganzen Kontinent, wo man die illegal Eingedrungenen hinschicken könnte. Allenfalls in die Wüste – aber von daher kommen sie ja…
    Griechische Inseln unter dem Protektorat von UNHCR, die offensichtlich auch nicht zwischen Kriegsflüchtlingen und Migranten unterscheiden? So könnten die Hellenen ihre Schulden zurückzahlen und die UNHCR hätte dort Beschäftigung statt ihre Nase in innenpolitische Massnahmen anderer Länder zu stecken. Vor allem die illegal Eingedrungenen sind ja noch jung und können was tun statt sich von andern aushalten zu lassen:
    http://www.nzz.ch/international/fluechtlinge-sind-nicht-nur-opfer-1.18683634
    Dann hätte die verlogene Willkommenspropaganda ein Ende, egal, ob von Merkel, den p.c. Medien, den Schleppern oder dem Buschtelefon derer, dies irgendwie geschafft haben. Zu letzterem: ist doch jedem peinlich, wenn er den Lieben daheim erzählen muss, dass er weder Arbeitslohn, noch Wohnung und auch kein Auto hat, sondern mit -zig andern in einer Lagerhalle haust und von den Einheimischen mit einem Bett, Essen, Kleidung und etwa Taschengeld unterstützt wird. Das hätte er auch zu Hause haben können…

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