Migration, Trotzkismus und Globalisierung

Von | 6. Juni 2016

(MARCUS FRANZ) Der Begriff “Trotzkismus” ist heute fast unbekannt, obwohl er inhaltlich allgegenwärtig ist: sämtliche linken internationalistischen Bestrebungen, die gegen die Grenzen der Nationen gerichtet und für die Auflösung aller Nationalstaaten sind, stellen nichts anderes als die Essenz des Trotzkischen Denkens dar.
Ein Treppenwitz der Geschichte ist, dass Trotzkis Ideologie ihre finale Erfüllung vermutlich in einer unheiligen Allianz mit dem von ihm in der “permanenten Revolution” bekämpften Kapitalismus finden wird. Die Globalisierung ist in gewisser Weise das “rechte”, kapitalistische und dramatisch erfolgreichere Gegenstück zum bisher immer gescheiterten linken Internationalismus. Doch das Blatt wendet sich. Die Globalisierung arbeitet grundsätzlich internationalistisch. Trotzkis frühere Gegner sind dadurch überraschenderweise seine posthumen Unterstützer geworden: die Klassenfeinde namens Kapitalisten besorgen sein Geschäft.

Getriggert wird die Globalisierung vor allem vom Finanzkapitalismus, der ohne Rücksicht auf nationale Grenzen in Bruchteilen von Sekunden Millionen von Dollars verschiebt und so wahrhaft international wirkt. Zum Schmunzeln regt an, dass die Linke an allen nur erdenklichen Plätzen dieser Welt gegen die finanzkapitalistischen Auswüchse der Globalisierung kämpft und die stets angriffige Linksaußen-Formationen gleichzeitig immer auch die Auflösung der Grenzen fordern. Darin steckt nicht nur eine fast schon absurd anmutende Paradoxie, sondern auch eine gehörige Portion Ironie: Die Occupy-Bewegung und andere hardcore-antikapitalistischen Strömungen lassen ihre Vertreter in Nike-Schuhen, H&M-Shirts und diversen anderen Kapitalismus-Produkten weltweit gegen die dunkle Seite des Kapitals antreten. Die Linke macht sich mit den Logos des Kapitalismus zu seinem Erfüllungsgehilfen.

Nun ist es durch die Massenmigration noch einmal zur Verschärfung jener lytischen Effekte gekommen, die zur Auflösung der Nationen beitragen, weil sie die Grenzen schwächen: Millionen von potenziellen Konsumenten strömen fast ungehindert nach Europa, um dort zunächst durch soziale Transfers von der autochthonen Bevölkerung jenes Geld zu erhalten, das ihre Kaufkraft stärken soll. Dieses neue und von der Linken enthusiastisch begrüßte Proletariat wird von jenen, die arbeiten und durch Leistung Geld verdienen, fleißig gesponsert – meist unfreiwillig. Natürlich könnte man daher auch diagnostizieren: Die neuen Ausgebeuteten sind jetzt diejenigen, die bis dato unsere Systeme für die einheimische Bevölkerung erhalten haben. Das bedauerns- und unterstützungswerte Proletariat, das pro titulo jede linke Bewegung braucht, sind natürlich in deren Lesart die Ankömmlinge. Eine scheinbar gelungene Wendung der Begriffe.

Die Industrie und der Kapitalismus hoffen natürlich, dass aus den vielen jungen Immigranten durch kostenintensive Ausbildungs-Maßnahmen (welche die ansässige Allgemeinheit trägt) einst brave Systemerhalter, produktive Arbeitskräfte und vor allem kauflustige Konsumenten werden. Freilich wird dabei der vermutlich nicht zu überbrückende kulturelle Gap und all die bekannten Schwierigkeiten, welche die Ankömmlinge schon jetzt bereiten, tunlichst ausgeblendet, denn die Controller und die CEOs müssen ja mit einer hellen Zukunft rechnen. Und sie haben dabei immer ein vordergründig starkes Argument: Die Demografie.

Was aber nicht ganz zur Wirtschaftseuphorie passt, sind die gleichzeitig abgegebenen Prognosen, dass Arbeit zunehmend automatisiert und es daher immer schwieriger wird, Arbeitsplätze in der Industrie zu schaffen, ja dass man vielmehr damit rechnen muss, viele Arbeitsplätze sogar zu verlieren.

Die Linken helfen den Kapitalisten bei ihren Visionen, indem sie die bereits überall erkennbaren kulturellen Konflikte ebenfalls kleinreden, diese den Einheimischen anlasten und fleißig an der Demontierung der Grenzen mitarbeiten. Viele nach eigener Aussage bürgerliche Politiker unterstützen sie noch dabei, weil sie meinen, diese Art der Internationalisierung sei humanitär notwendig und auf der Nächstenliebe beruhend. Beide Teile erodieren solcherart die Nationen und beide glauben, sie haben recht. Die Situation ist haarsträubend.

Dass es auch anders geht, zeigen uns die Visegrad-Staaten (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn). Doch seitens der unheiligen Allianz von Trotzkisten und Kapitalisten wird an der Reputationsbeschädigung dieser Länder fleißig gearbeitet: Wer nicht mittut beim derzeitigen europäischen Wahn, der kann kein Guter sein. Gut ist nur, wer die Grenzen aufmacht und kritiklos alle ins Land lässt, zur Ehrung der höheren Ziele und zur Verwirklichung der Humanität.

Der Schritt zurück, den man immer braucht, um ein “Gesamtkunstwerk” zu betrachten, macht uns sicher: Wir stehen vor einer gigantischen Verschmelzung des internationalistischen Trotzkismus mit dem globalisierten Kapitalismus. Beide benützen dieselben Werkzeuge, haben aber naturgemäß unterschiedliche Endziele. Die Kapitalisten wollen durch das Niederreissen der Grenzen den völlig freien Güter- und Warenaustausch erreichen und eine globalisierte Welt von Konzernen und steuerbaren Konsumenten erzeugen. Die Linken wollen ebenfalls die Grenzen auflösen, um den trotzkistischen gleichheitstrunkenen Weltstaat errichten zu können. Beide helfen sich derzeit immer intensiver dabei und beiden ist ein berühmtes Lenin-Wort in die DNA eingeschrieben: Der Zweck heiligt die Mittel.

Übrig bleibt der Bürgerliche. Er steht nun allein da mit seinen Ansprüchen auf den eigenen Kulturraum und seiner Verbundenheit zu seinen Traditionen. Er muss alleine bleiben mit seinem Credo an die klassische und echte Marktwirtschaft, die auf der realen Produktion und reellen Geschäftsbeziehungen aufgebaut ist. Der Bürger ist isoliert mit seinem Vertrauen auf das persönliche Leistungsprinzip und seinem Glauben an die Verlässlichkeit von den dafür notwendigen staatlichen und nationalen Strukturen.

Anders gesagt: Die rettende Gegenbewegung zum beschriebenen internationalen und giftigen Amalgam aus Trotzkismus und Kapitalismus muss von der bürgerlichen Seite kommen. Ein Europa der Nationen und der freien und starken Gesellschaften muss das Ziel sein. Und nur eine freie und starke Realwirtschaft mit festem regionalen Bezug kann das Rückgrat dieser Nationen bilden. Das alte Wort “Think global, act local” kann dabei eine Richtschnur sein. Was niemand braucht, ist ein Europa der gleichgeschalteten, migrationsgestärkten, linksdenkenden und brav konsumierenden Massen ohne Identität – das ist strikt abzulehnen. Denn dieses Europa würde schlimmer enden als alle düsteren Orwellschen Szenarien. (hier)

24 Gedanken zu „Migration, Trotzkismus und Globalisierung

  1. stiller Mitleser

    Sehr geehrter Herr Doktor,
    Sie haben meinen, im allgemeinen unerfreulichen, Montagmorgen unterhaltsamer gemacht – danke!

    Internationalismus (Sie kennen doch “Hoch die internationale Solidarität!”), KOMINTERN etc. gehen nicht auf Trotzki zurück, sondern sind sozusagen marxismusimmanent. Richtigerweise haben Sie die “permanente Revolution” genannt, eine Menschen vermutlich überfordernde Angelegenheit, ursprünglich der Kampf gegen die stalinistische Burokratie , der Trotzki, und nicht nur ihn, schließlich das Leben gekostet hat, den nennen Sie (halt kein Historiker) nicht. An all jene, die unter dem Titel “Trotzkismus” abgeurteilt, in Lagern elend verkamen, sei hier auch noch erinnert.

    Wo haben Sie das mit dem “Trotzkismus” denn eigentlich aufgeschnappt?
    Leutchen, die sich für Trotzkisten halten mögen, obwohl sie ja doch schon lang, lang echte, kreuzbrave Sozialdemokraten (dort gibt’s schließlich Ämter und Verdienst) sind, braucht man solche Selbstnobilitierung
    mit fremdem Heroismus doch nicht abzunehmen. Das ist so ähnlich wie mit den Märtyrern und der Amtskirche, da berufen sich auch jene mit den embonpoints auf die von Löwen Gefressenen.

  2. sokrates9

    Ergänzend kommt noch hinzu dass man mit der Förderung des Islams Europa in das intellektuelle Mittelalter zurücktreibt!

  3. wbeier

    >Übrig bleibt der Bürgerliche…….<
    Welcher Bürgerliche?
    Der Besitzbürger, der sich über die im Zuge der Migration steigenden Immobilienpreise freut?
    Der den Pfarrgemeindemarkt organisierende Traditionsbürger, dessen Erlös der Integrationsarbeit zufließt?
    Der Bildungsbürger im Eiertanz zwischen Beethovens 9ter und Nietzsches Nihilismus?
    Hören sie mir bloß mit den Bürgerlichen auf, da diese „viribus unitis“ eher wenig bis nix zustande brachten und bringen. Selbst 1848 war eine Folge des Hungerwinters 1847/48, der gestiegenen Lebensmittelpreise und nicht primär der bürgerlichen Erregung. Richtig revolutionär war hier lediglich der noch nie dagewesene Bierkonsum der Frankfurter Nationalversammlung.
    Bürgerliche als homogener Faktor oder gar als Aktivisten? Gähn…….

  4. S.M.

    Wer das heute global Geschehende als Kapitalismus bezeichnet, der sollte ein Lexikon aufschlagen…

  5. Thomas Holzer

    “Richtigerweise haben Sie die „permanente Revolution“ genannt,…………”

    Diese “permanente Revolution” ist allen! Totalitarismen systemimment, wie schon Hannah Arendt richtig feststellte, egal ob Nationalsozialismus, Kommunismus, Sozialismus, ja, auch Islamismus 😉

  6. stiller Mitleser

    sehr geehrter Herr Holzer,
    ich hab grad nur Hannah Arendts Briefwechsel mit Mary Mc Carthy zur Hand (da geht’s lustigerweise auch um die Mieten und Wohnungspreise im Paris der Anfangssechzigerjahre) und kann das nicht verifizieren.
    Permanente Revolution bei Trotzki und der Vierten Internationale heißt ständige Erneuerung der Strukturen von der Basis her, um Nomenklaturen zu verhindern. Wie ja alle wissen, kämpfen alle Betriebe, Organisationen und Parteien nach einiger Zeit mit Verkrustungen und Erstarrungen ; dagegen gibt’s mittlerweile jede Menge Beratungsansätze. Warum gerade Totalitäre gegen solche organisationsimmanente Defizite gefeit sein sollten erschließt sich mir nicht.

  7. aneagle

    scheint als käme das von Olaf Henkel herbeigesehnte, von Wolfgang Schäuble strapazierte, Europa der 2 Geschwindigkeiten doch noch. Aber nicht als Ergebnis der verschiedenen Produktivitätskraft der Nationen, sondern als Ausdruck der mentalen Gesundheit der Völker Europas.
    So werden die langsameren Visegrad Staaten und (nach Brexit) England etwas später zugrunde gehen, während Resteuropa, allen voran Schweden, Griechenland, Belgien, Frankreich, et al., sich bereits heute rasch und munter von der politischen Klippe Staatsversagen stürzt. Angeführt von Deutschland in vollkommen decrepidem Geisteszustand, mit Beistand der türkischen “Verbündeten” . Dieses Szenario war nicht einmal Orwell, Houellebecq und Boualem-Sansal geläufig.

  8. Lisa

    „Think global act local“- würde auch heissen KMU zu stärken, die global agierenden Wirtschaftszweige durch hohe regionale Zölle zu beschränken – ganz egal, wie unmodern Zölle anmuten mögen. Dafür könnte man andere Handelsbeschränkungen fallen lassen und ohne grossen Formularkrieg jedem Kleinunternehmer freie Aus- und Einfuhr erlauben, bei Mittelständlern etwas genauer hinschauen und Fusionen ab einer bestimmten Grösse schlicht verbieten – das gäbe etwas Konkurrenzdruck in den Regionen, mehr Selbständigkeit und Eigenverantwortung statt ein leicht ersetzbarer immer von Entlassung bedrohter Lohnsklave zu sein. Diese Global Players (Betonung auf Letzterem…) überziehen die Welt mit einer Monokultur, die zudem sehr westlich geprägt ist und eigentlich trotz Geschäftsgewinnen zu einer Verarmung im Angebot führt. Die Frage treibt mich indes echt um: Was ist es denn, das jeden Hottentotten auf dieses Zeug abfahren lässt? Einfach unabänderliches Schicksal? Wer um Himmels Willen kann denn ein Interesse daran haben, in jedem Kaff einen Starbucks (oder McDo C&A H&M und was der globalen Krebsgeschwüre mehr sind) vor die Augen geknallt zu bekommen als die Unternehmen selbst? Die Kinder in aller Welt werden sich an die gleichen Lego, Playmobil, Barbie , Matchboxautos und batteriebetriebenen Spider-Super-Batman-Figuren erinnern – und wer die Jugend hat, hat bekanntlich die Zukunft… Epson-hp-canon-brothers vereinigen sich samt den „Sozialisten aller Länder“ zur Brave New World. Das allerdings nicht in Trotzkis Sinn, der war ja eher fürs Direktdemokratische…

  9. carl schurz

    Also das mit dem Kapitalismus müssen Sie uns bitte noch einmal erklären, was sie darunter verstehen.
    So wie ich ihn verstehen ist der Kapitalismus freiheitlich. Er ist ohne Freiheit, ohne dem aufgeklärten Bürgertum (deren Werte, ich möchte auch die jüdischen-christlichen Werte dazu zählen) und ohne “echtes Geld” undenkbar. Vermutlich meinten Sie den Geldsozialismus.

  10. A.Felsberger

    Übrig bleibt….. Ja, wer eigentlich? Der Bürger? Falsch. Übrig bleibt das Immobile, sei es nun der seßhafte Bürger, das ansässige Unternehmen, der immobile Arbeiter, der bewegungsunfähige Pensionist, der ruhende Arbeitslose oder gar der Flüchtling, der zu geringer Mittel wegen nicht fliehen kann. Es ist die Herrschaft des Mobilen über das Immobile, das sich hier entfaltet. Und warum? Weil das Mobile bekanntlich die höchste Form des Krieges ist……

  11. gms

    Marcus Franz,

    “Wir stehen vor einer gigantischen Verschmelzung des internationalistischen Trotzkismus mit dem globalisierten Kapitalismus.”

    Dieser Satz wurde berechtigt schon anfangs des vorigen Jahrhunderts geschrieben, als rote Revolutionäre rund um Lenin und Trotzki von US-amerikanischen Magnaten finanziert wurden und die potententen Geldgeber aus Industrie und Hochfinanz sich zur Freier in der Carnegy-Hall einfanden, nachdem die Bolschewiken in Russland das Ruder übernommen hatten [1].

    Es bedarf erschreckender Geschichtsblindheit, besagte Verschmelzung erst rezent wahrzunehmen, gab es doch niemals echte (sic!) Opposition zwischen diesen ideologischen Antipoden. Zugleich erforderte es die Ignoranz der Thesen Hegels mit seiner Dialektik, welche die Basis des Handeln bei Plutokraten ebenso bildet, wie bei Marxisten und den bellizistischen Neokonservativen in der geistigen Tradition Trotzkis und mit deren Wurzeln im militärisch-industriellen Komplex.

    Georg Wilhelm Hegel (1770-1831): ‘To synthesize a new order, it is first necessary to create opposites sides and then bring them into conflict.’; ‘Contradiction (in nature) is the root of all motion and of all life.’

    Wer den Konflikt und damit die Ereignisse vor der Krise kontrolliert, kontrolliert das Geschehen und dessen Konsequenzen. Die Idee, als tatsächliche Elite, ausgestattet mit Wissen und Reichtum in größeren Horizonten denkend sich des Sozialismus zu bedienen, um selbst nach der historischen Schlacht als Sieger hervorzugehen, dessen globale Vormacht von keinem Nationalstaat mehr angefochten werden kann, ist weder neu, noch kommt deren aktuell intensivierte Umsetzung nach allen bisherigen Weichenstellungen überraschend.

    Know thy enemy — Kreuzbraven Libertären fällt der Glaube schwer, andere kümmerten sich selbst nicht nur ums eigene Umfeld, dächten zeitlich in Generationen oder gar daran, geopolitische Umwältzungen zum eigenen Vorteil auf Schiene zu bringen. Frei nach Orwell, und er kannte seine Pappenheimer nicht nur aus seiner Arbeit für Regierungen, führt kein Land Krieg, wenn es der herrschenden Klasse nicht nützt. Egal welche große Krise oder ökonomische Verwerfungen man betrachtet, – nach deren Ende war Wohlstand von unten nach oben umgeschichtet worden und zugleich das politische Brett noch ein Stück weiter nach links gekippt als Basis für den nächsten Showdown.

    “Die Occupy-Bewegung und andere hardcore-antikapitalistischen Strömungen lassen ihre Vertreter in Nike-Schuhen, H&M-Shirts und diversen anderen Kapitalismus-Produkten weltweit gegen die dunkle Seite des Kapitals antreten. Die Linke macht sich mit den Logos des Kapitalismus zu seinem Erfüllungsgehilfen.”

    Daß es sich bei den Occupy-Bewegungen um keine redliche linke Bewegungen handelt, erschließt sich jedem, der auch nur oberflächlich an der Fassade kratzt und sich das unerwartete Echos aus Politik und Wirtschaft vergegenwärtigt. Echte Gefahr droht Plutokraten von der Tea-Party und deren Hauptkritik am Treiben der Federal-Reserve; dieser Gruppe galt es medienwirksam eine vorgebliche Grassroot-Organisation gegenüberzustellen, und einmal mehr wurden dabei von Oben naive Linke vor den Karren gespannt mit dem Ziel, das Geldwesen vollständig den Zentralbanken und damit den Zentren weltweiter Macht zu überantworten.

    Wer die Absichten und Zusammenhänge nicht kennt, vermutet ironische Treppenwitze oder zufallsbedingten Dadaismus gepaart mit Versuch und Irrtum durch Unwissende. Ja, ihr dummen Linken, ihr seid die fünfte Kolonne, die mit Karotten vor der Nase artig den Karren in eine Zukunft zieht, in der die klassenlose Gesellschaft anders als erhofft in einem globalen Feudalsystem mündet, in dessen breiter Basis ihr genauso pulverisiert seid, wie jene Libertäre, gegen die ihr euch so tapfer engagiert. Dummheit manifestiert sich im Verkennen von Zusammenhängen, sie mag fahrlässig sein, aber sie ist behebbar. Know thy enemy.

    [1] wildboar.net/multilingual/easterneuropean/russian/literature/articles/whofinanced/whofinancedleninandtrotsky.html

  12. Dr.Fischer

    So ist es.Und die Linken Europas meinen, sich ein neues Wahlvolk zu importieren, verteilen kreditfinanzierte Wohltätigkeiten und merken in ihrer Verblendung nicht, daß sie nur vor den Karren der Hochfinanz gespannt sind und zuletzt weder der Islam in Europa noch die Sozialistische Internationale übrigbleiben wird – so wie sie nicht einmal imstande sind zu bemerken, daß der von ihnen eifrig bewillkommnete Islam den auf ihre Fahnen gehefteten Dogmen widerspricht, tödlich widerspricht sogar, und beitragen wird, sie selbst zu eliminieren.

  13. stiller Mitleser

    Mein zweiter Kommentar von 10.52 Uhr wurde offenbar bisher leider noch nicht freigeschaltet.
    .
    Aber nach der Lektüre des Kommentars von “gms” von 13.40 Uhr sag ich nur “not my cup of tea” und werde ich mich in Zukunft hier wieder aufs gelegentliche Mitlesen beschränken, die hier verlinkten Artikel sind ja manchmal durchaus interessant.

  14. gms

    Dr.Fischer,

    “so wie [Linke] nicht einmal imstande sind zu bemerken, daß der von ihnen eifrig bewillkommnete Islam den auf ihre Fahnen gehefteten Dogmen widerspricht, tödlich widerspricht sogar, und beitragen wird, sie selbst zu eliminieren.”

    Das mit dem Eliminieren ist zutreffend, wenngleich nur mittelbar. Im angepeilten globalen Polizeistaat werden islamische Aufstände ebenso wirksam unterbunden, wie bürgerliche Revolten oder solche genuiner Marxisten.
    Die aktuell vom Zaun gebrochene Schlacht, Islam gegen die westliche Gesellschaft, ist dank der erwiesenen Instrumentalisierbarkeit der Wüstenreligion nur vorübergehendes Mittel zum Zweck, am finalen Ende können aggressionsaffine Elemente locker in Schach gehalten werden, wie jüngst hinweggebomte Herrscher in Irak oder Libyen demonstrierten respektive jener in Syrien. In der Diktatur herrscht Grabesstille im Karton, selbst unter potentiell verfeindeten Gruppen.

  15. gms

    stiller Mitleser,

    “Mein zweiter Kommentar [] wurde offenbar bisher leider noch nicht freigeschaltet [not my cup of tea]”

    Das kann vielerlei Ursachen haben, es sollte Sie aber nicht von weiteren Kommentaren abhalten, speziell dann nicht, wenn Sie Ihren Tee lieber anders zubereiten und Ihre Sichtweise sich von jenen mancher Poster hier unterscheidet. Verschiedene Getränke bereichern die Debatte.

    Die Vorstellung, der Sozialismus sei instrumentalisiert worden, kann für redliche Linke befremdlich, ja sogar erschreckend wirken. Gleiches gilt für andere Wohlgelittene, denen solch ein Treiben unvorstellbar wirkt, nachdem sie, wie die meisten Menschen, von sich auf andere schließen und deshalb extem anmutende Optionen ausschließen. Das Verwenden des Wortes ‘Dummheit’ hierfür mag wie ein Affront wirken, dem mit dem Eingeständnis die Spitze genommen werden soll, ich selbst hätte mich schon ausreichend oft verdammt dumm verhalten.

    Zu Ihrem ersten heutigen Kommentar: Der rote Faden von Trotzki über Leo Strauss zu den heute dominierenden Neoconservativen ist tragfähig. Die initiale Opposition zwischen Lenin und Trotki ist bloß eine historische Fußnote, wurde Trotzki doch nach anfänglichen Reiberein Lenins wortgewaltigster Dogmatiker. Der Handelnde in seinem Geiste erleidet Geschichte nicht, er schreibt sie, weil es niemanden geben kann, der ihn daran hindert, sobald der Zweck die Mittel heiligt.

  16. S.M.

    @gms
    Ihre Thesen in allen Ehren, aber es sind und bleiben Thesen. Wenn Sie den Beweis der Haltbarkeit antreten wollen, dann prognostizieren oder skizzieren Sie doch das Geschehen in den nächsten zehn, zwanzig Jahren. Das würde mich sehr interessieren.

  17. stiller Mitleser

    gms

    Ich vermag nur den roten Faden von Leo Strauss zu den Neocons zu sehen; den von Trotzki zu Leo Strauss
    aber nicht. Trotzkis Phase als Roter Kommissar und seine rücksichtslose Durchsetzung gegen Anarchisten und die Kronstädter Matrosen würde ich nicht als Trotzkismus (den setze ich später an) sondern als leninistischen Voluntarismus bezeichnen.
    .
    Rückblickend sind mir Ihre Kommentare durch besondere Stringenz aufgefallen; aber diese ideengeschichtliche Verbindung mit Extrapolation in die Zukunft halte ich – obwohl ich auch wenig zuversichtlich bin – für überzogen.

  18. gms

    S.M.,

    “.. dann prognostizieren oder skizzieren Sie doch das Geschehen”

    Wozu sollen wir hier gemeinsam über die Zukunft debattieren, wenn noch nichtmal über die Vergangenheit halbwegs Einigkeit besteht? Zugleich ließe sich jeder meiner Vorhersagen über kommende Jahrzehnte von Kritikern damit begegnen, diese möglichen Zustände könnten sich auch ohne globale Oligarchen im Hintergrund einstellen. Wer bislang flächendeckende Dummheit für kausal hielt und meint, die Menschheit strebe freiwillig und von sich aus in den Sozialismus, der wird für Kommendes diesselbe behauptete menschliche Schwäche als Ursache ansehen. Wer meint, die aktuelle Propaganda und das flankierend beobachbare Durchregieren über alle Widerstände hinweg hätte keine potenten Player im Hintergrund, wird dies ebenso für die Zukunft negieren.

    Das tatsächlich Kommende steht und fällt damit, wie sehr sich speziell die Bürger der EU noch weiter auf der Nase herumtanzen lassen, doch solange die Mehrheit naiv von einer mehr oder minder organischen Entwicklung der Politik ausgeht, wird der Linksshift bis hin zu postdemokratischen Zuständen anhalten. Irgendwann wird dann sogar ein US-Präsident behaupten, ohne eine nordamerikanische Union sei der Kontinent zum Scheitern verurteilt. Bis dahin hat man auch Rußland in die Knie gezwungen und in einer politischen Gemeinschaft einverleibt, in der von Steuern bis zum Sozialsystem für alle dasselbe gilt und relevante Ressourcen in den Händen weniger Player sind.

    Zum Kurzfristigen: Noch bevor die Unterschriften unter dem soganannten Türkei-Deal überhaupt gesetzt waren, habe ich prophezeit, er würde niemals halten. Begründet hatte ich das Scheitern mit der Feststellung, es handle sich dabei nur um eine Aktion zum Zeitgewinn respektive zur Vergrösserung der Fallhöhe, um später ein Narrativ für eine EU der zwei Geschwindigkeiten zu erhalten, zumal man über die Verteilung der Zuzügler keine Einigung erzielt. Die Pläne für diese Neufassung der Union werden in den kommenden Monaten auf den Tisch gelegt.

    Wollte ich darüber hinaus Prognosen treffen, müßte ich speziell die Reaktion der Deutschen abschätzen können, sprich ob und wie die Bundesbürger bereit sind, ohne Volksabstimmung noch mehr Souveränität abzugeben. Ginge es nach den Plutokraten, untersteht Deutschland mit einigen anderen ‘Willigen’ demnächst einer EU-Regierung mit dem IWF als Hüter des Euros.

    Ungeachtet der politischen Entwicklungen wird weiter am Untergraben der Geschäftsbanken gearbeitet, deren Aufgaben zunehmend von den übergeordneten Institionen übernommen werden sollen. In der Endausbaustufe findet sich der Bürger mit Milliarden anderen im Moloch wieder, über sich den großen Bruder, der mit seinen Einrichtungen seine Untertanen in jeder Hinsicht im Griff hat.

    Warum es nicht zwangsweise so kommen muß, hatte Vilem Flusser vor Jahrzehnten schon dargelegt, als er die Bedeutung der Massenkommunikation als Gegengewicht zum politischen Machtstreben der Eliten darstellte. Dessen eingedenk wird die sich bereits jetzt schon abzeichnende Schlacht um die Einschränkung des freien Meinungsaustauschs noch erbitterter geführt werden.

  19. S.M.

    Wie Sie sagen gms, es wird eine erbitterte Schlacht. Und was ist Ihr Beitrag? Worte? Oder haben Sie einen Plan?

  20. stiller Mitleser

    Wahrscheinlich ist die Einschätzung der Vergangenheit ohnehin eher unerheblich; die bei Trotzkisten rituelle
    Gliederung von Artikeln in Ergebnisse und Perspektiven hat doch überwiegend zu Fehlprognosen, endlosen Streitereien und Spaltungen geführt.
    .
    Die Focussierung auf unmittelbare Konsequenzen in Franz´ heutigem Artikel finde ich besser. Es ist schon schwer genug den Wählern diese Konsequenzen klarzumachen. In Teilen meines Umfeldes war das Interview mit dem Dalai Lama der Durchbruch zum Realen.

  21. mariuslupus

    Trotzkismus wurde durch den linken Populismus des Genossen Lenin geboren. Aber die Idee der permanenten Revolution, lebt weiterDie kommunistisch inspirierte Linke sucht unermüdlich nach immer neuen Klassenfeinden, mit der Aussicht diese auch irgendwann ausrotten zu können. Nur die heutigen möchtegern Revolutionäre die Migration fördernd, in der Hoffnung weitere Verbündete an sich zu binden, sollten den Werdegang des Genossen Leib Bronstein, nicht vergessen. Auch ihn hat der nächste Tyran liquidiert.

  22. gms

    S.M.,

    “[Freier Meinungsaustausch] Wie Sie sagen gms, es wird eine erbitterte Schlacht. Und was ist Ihr Beitrag? Worte? Oder haben Sie einen Plan?”

    Betreffend freier Kommunikation steht und fällt die bürgerliche Freiheit mit Gesetzen rund um Kryptographie, seien es nun Vorgaben betreffen Schlüsseln, Verfahren oder was in Router und sonstige Netzwerkteile eingebaut werden darf. So die Gesellschaft nicht erkennt, wie die Obertanen hierbei jetzt schon die Axt anlegen, leben wir morgen entweder in einer Welt der Stummen oder der permanent kriminalisierten Bürger.

    Ich habe keinen Plan, bloß die Absicht, so redlich und korrekt wie möglich gegen relevante Irrtümer vorzugehen. Das eine dabei ist das Aufzeigen der Hintergründe, das andere das Agieren in der Sache selbst; dabei speziell beim aktuellen Geldwesen, ist doch dieses aktuell, neben dem Aushöhlen bügerlicher Mitbestimmung, die mächtigste von oben instrumentalisierte Brechstange wider die bürgerliche Gesellschaft und zugleich Dreh- und Angelpunkt dessen, was manche gerne verächtlich als ‘Verschwörungstheorie’ diskreditieren.

    Wenn inzwischen schon aufrechte Bürgerliche wie Markus Franz einen ‘giftigen Amalgam aus Trotzkismus und Kapitalismus’ feststellen und diesen zutreffend, wenngleich ohne historische Zusammenhänge, beschreiben, dann ist das ein freudiger Lichtblick. Falls demnächst auch die redlichen Linken in die Gänge kommen, die mit einer gelegentlich thematisierten Verschwörung des Kapitalismus auch nicht so falsch liegen, kann etwas Relevantes in Bewegung kommen betreffend der methaphorischen Nacktheit des Kaisers.

    Spätestens seit Hannah Arent sollte das Wesen und Wirken des Totalitarismus jedem bekannt sein. Die Hoffnung gesteht im Glauben, man könne nicht alle Menschen für alle Zeiten verarschen. Irgendwann werden die Kausalitäten common sense sein, die Frage aber bleibt offen, ob es dann schon zu spät ist, weil einmal mehr niemand das Unheil kommen sah und Geschichte sich nicht bloß als Farce wiederholte.

  23. gms

    stiller Mitleser,

    > Wahrscheinlich ist die Einschätzung der Vergangenheit ohnehin eher unerheblich;

    Nein, dem ist entschieden zu widersprechen. Geschichtsblindheit läßt uns eins ums andere Mal vergangene Dummheiten wiederholen. Fast wollte man fürchten, der Pessimismus vieler früherer liberaler Geistesriesen sei verdammt gut begründet.

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