Mindestlohn für alle!

(ANDREAS TÖGEL) Nachdem die von den Sozialisten geführte Regierung damit gedroht hatte, einen gesetzlichen Mindestlohn festzusetzen, falls die Sozialpartner sich nicht auf einen solchen einigen könnten, bestand Zugzwang. Nun ist es soweit: Die Gewerkschaft hat bei den Verhandlungen über die Zwangsinteressenvertretung der Unternehmer, man ist versucht zu sagen – erwartungsgemäß – triumphiert. Innerhalb von fünf Jahren sind für Vollzeitarbeit in allen Branchen künftig Mindesttariflöhne von 1.500,- Euro monatlich zu bezahlen. Die Arbeitgeberseite hat sich dagegen mit vagen Zusagen für eine künftige Arbeitszeitflexibilisierung abspeisen lassen. Dass es im von Touristen wimmelnden Wien jemals möglich sein sollte, auch an Sonntagen einzukaufen, wie das im Rest der zivilisierten Welt möglich ist, werden die Stalinisten von der Gewerkschaft wohl auch in Zukunft zu verhindern wissen.

Der Effekt von Mindestlöhnen wurde bereits hinreichend intensiv erforscht, um zu wissen, dass er nichts bringt – zumindest nichts Gutes. Gewerkschafter und Gleichheitsfanatiker betonen gebetsmühlenartig die „soziale“ Bedeutung möglichst hoher Mindestlöhne: Mehr Einkommen bedeute mehr Konsummöglichkeiten und damit letztlich Wirtschaftsaufschwung und „gerecht“ verteilten Wohlstand. Wunschdenken pur. Einige entscheidende Fakten werden dabei nämlich ausgeblendet:

► Mehr zu konsumieren, bedeutet mittel- und langfristig noch lange keinen steigenden Wohlstand. Nämlich dann nicht, wenn nicht zugleich auch die Investitionen hochgefahren werden. In diesem Fall läuft ein verstärkter Konsum auf Kapitalverzehr hinaus und läutet auf längere Sicht einen Wohlstandsverlust ein.

► Höhere Bruttolöhne sind für die Unternehmer kostenwirksam, was ihre Möglichkeiten limitiert, zusätzliche Beschäftigte einzustellen und ihnen zudem ein Motiv liefert, Arbeit durch Kapital zu substituieren.

► Sie bedeuten aber, angesichts bereits im mittleren Einkommenssegment konfiskatorisch zu nennender Steuertarife, dennoch keinen nennenswerten Nettoeinkommenszuwachs. Dass bereits mittlere Einkommensbezieher nahezu die Hälfte ihrer Löhne in Form direkter Steuern und Abgaben an den Großen Bruder abzutreten haben (rechnet man auch indirekte Steuern Gebühren und Abgaben hinzu, kommt man schnell auf zwei Drittel des Bruttobezuges), zeigt den wahren Gewinner höherer KV-Löhne: es ist der Fiskus. Wem nicht am Klassenkampf, sondern am Wohl der Werktätigen liegt, sollte daher die allgemeine Steuerlast senken, anstatt Arbeitsplatzvernichtung durch Mindestlöhne zu betreiben.

► Die Höhe der Löhne ist nicht die Konsequenz frommer Wünsche der Regierung oder anmaßender Forderungen des als Gewerkschaft firmierenden Arbeitskartells, sondern stehen vielmehr in untrennbarer Beziehung zur Wertschöpfung in den Betrieben. Es ist kein Zufall, dass hochproduktive Unternehmen, die gewöhnlich durch einen hohen Kapitaleinsatz gekennzeichnet sind (wie solche in der Fahrzeug-, Luftfahrt- oder der pharmazeutischen Industrie), weitaus höhere Löhne bezahlen (können), als die in der Gastronomie oder in anderen Dienstleistungsbranchen.

Werden niedrige Mindestlöhne festgesetzt, bekommen die Unternehmen zu diesen Tarifen keine Mitarbeiter (zumindest keine brauchbaren), und sind daher gezwungen, mehr zu bezahlen. In diesem Fall hat die Festsetzung eines Mindesttarifs keinerlei Wirkung. Werden den Unternehmen dagegen zu hohe Mindestlöhne oktroyiert, die nicht verdient werden können, kommt es zum Verlust von Arbeitsplätzen. Bestimmte Tätigkeiten werden unter diesen Umständen einfach nicht mehr nachgefragt, automatisiert oder ins Ausland verlagert. Ein im Grunde glasklarer Zusammenhang, der niemandem, außer den Apologeten sozialistischen Planwirtschaften, verborgen bleibt: Unternehmer können nicht vom Draufzahlen leben. Mindestlöhne sind daher im günstigsten Fall überflüssig. In weniger günstigen Fällen wirken sie sich schädlich auf den Beschäftigungsgrad aus.

Der Idee von Mindestlöhnen, liegt die blanke Hybris von Politikern und Funktionären zugrunde, die gewöhnlich über keinerlei Erfahrungen in der Privatwirtschaft verfügen. Sie gehen davon aus, dass Wertschöpfung ein von der Natur bereitgestelltes Phänomen ist, das nur darauf wartet, „gerecht“ verteilt zu werden. Sie sind daher folgerichtig der Meinung, am grünen Tisch Entscheidungen über Löhne treffen zu können, die für alle gelten. Seltsam, dass sie noch nicht auf die Idee verfallen sind, auch Umsätze und Gewinne der Unternehmen festzusetzen. Wäre doch naheliegend.

Dass Betriebe unterschiedlicher Branchen, aber auch innerhalb derselben Geschäftsfelder, vor zum Teil völlig unterschiedlichen Herausforderungen stehen, ist der Mindestlohnfraktion fremd oder egal. Dass (zu) hohe Tarifabschlüsse für bestimmte Unternehmen katastrophale Konsequenzen haben können – und damit am Ende auch deren Belegschaften schaden – ist ihnen entweder nicht einsichtig oder schlicht gleichgültig.

Fazit: Ohne Gewerkschaften wären die Arbeitnehmer besser dran. Es gibt nämlich keinen wirkungsvolleren, unbestechlicheren und faireren Mechanismus zur monetären Bewertung von Arbeitsleistung, als den Markt.

9 comments

  1. P.R.

    In weitestgehender Zustimmung zu Ihrem Artikel erlaube ich mir doch eine kleine Ergänzung: Ein Mindestlohn hätte durchaus für manche Arbeitnehmer positive Konsequenzen, nämlich für jene, die sich in Lohnverhandlungen unter wert verkaufen, sofern der Mindestlohn ihrer Produktivität entspricht.
    Das reicht freilich nicht aus, um die negativen Effekte aufzuwiegen und ließe sich zudem viel besser lösen, indem auch gewöhnliche Arbeitnehmer professionelle Lohnverhandler engagieren dürften.

  2. sokrates9

    Gibt es irgendwo ein Land wo die planwirtschaftliche Mindestlohnidee gesamtwirtschaftlich positive Effekte hatte? Mir ist kein Land bekannt!

  3. steyn

    Mit dem Mindestlohn ist praktisch sichergestellt, dass es für die schutzbedürftigen Neuankömmlinge so gut wie keine Arbeit in der wertschöpfenden Wirtschaft geben wird.

  4. Mona Rieboldt

    steyn
    Genau so ist es, welche Firma kann es sich leisten für einen Analphabeten einen derart hohen Mindestlohn zu bezahlen. Da die Personalkosten immer höher wurden, nimmt man seit längerer Zeit fest installierte Roboter, die einfachen Arbeiten in der Industrie in D gibt es nicht mehr. Früher konnte ein ungelernter Arbeiter am Band arbeiten und hatte mit ein paar Überstunden gut verdient.
    Was zu hohe Löhne anrichten, sieht man gut in Frankreich. Wenn der Betrieb das nicht erwirtschaften kann, auch keine Arbeiter entlassen darf, geht er pleite. Dazu kommen in F restriktive Arbeitsgesetze und den Rest schaffen dort kommunistische Gewerkschaften. Folge hohe Arbeitslosigkeit.

  5. sokrates9

    Mona Riebodl t@ Zusätzlich kommen noch unsere überstrengen Gesetze: Wenn sie einen Analphabeten zum Strassenreinigen einsetzen und der raucht wo explizit Rauchen-verboten-schilder aufgestellt sind und der zündet was an, sind Sie natürlich als Arbeitgeber schuldig!

  6. Thomas F.

    Machen wir doch einfach EUR 5000 Mindestlohn! Dann gibt es nur noch Gutverdiener.

  7. Mona Rieboldt

    Thomas F.
    Warum nicht gleich bedingungsloses Einkommen von 5000 Euro? Attac etc. verlangen stets das bedingungslose Grundeinkommen, das zur Zeit bei ca. 1000 Euro liegt. Mit etwas Abwarten steigern die das bestimmt noch auf 5.000.
    Keiner sagt aber, wo das Geld herkommen soll. Das ist wie bei Elektroautos, da sagt auch keiner in D, wo der Strom herkommen soll dafür, ohne Atom und Kohleausstieg.

  8. Falke

    Es geht ja nicht nur um Mindestlöhne: Die Lunacek-Grünen etwa verlangen – neben einem Mindestlohn von 1750 Euro – auch eine gesetzliche Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden wöchentlich (bei vollem Lohnausgleich natürlich). Sogar dem Peter Pilz ist das zu viel, er verlangt gnädigerweise nur 35 Stunden; seine feministische “Kandidatin”, deren Name mir entfallen ist (die Initiatorin des “Frauenvolksbegehrens”) verlangt aber nach wie vor 30 Stunden. Ein Beweis mehr, wie völlig ahnungslos in Wirtschaftsbelangen die linkskommunistischen Grünen und deren Ableger sind.

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