Mindestlohn und Scheinheiligkeit

…Land auf, Land ab, kritisiert die Linke die Niedriglöhne und fordert Mindestlöhne. Unternehmen werden für die schlechte Entlohnung an den Pranger gestellt. Die Argumente, dass hohe Löhne zu weniger Beschäftigung führen, werden nicht akzeptiert und vom Tisch gewischt. Anders sieht es aber aus, wenn es um die Entlohnung der eigenen Mitarbeiter geht. So bezahlt etwa die linke Tageszeitung taz ihr Mitarbeiter selbst unter Tarif. …” (weiter hier)

13 comments

  1. FDominicus

    Das mit den Mindestlöhnen gilt für alle Anderen (außer der Partei) das ist aber allgemein bekannt und “anerkannt”.

  2. Plan B

    Nun, zur Ehrenrettung der TAZ muss man aber auch anmerken, dass der Verlag als Genossenschaft organisiert ist und alle Mitarbeiter freiwillig auf eine marktübliche Entlohnung verzichten (keiner wird gezwungen, bei der TAZ zu arbeiten).

    Im Grunde ist die TAZ eine etwas bessere Schüler- oder Studentenzeitung, die vom Idealismus der Genossen und Mitarbeiter getragen wird. Oder anders gesagt: ein sozialistisches Projekt, eben Raiffeisen für Arme.

  3. Gutartiges Geschwulst

    Der Artikel erinnert mich an Fernsehsender, wie ARD und ZDF, die kübelweise ihre Herzjauche verschütten, wenn´s darum geht soziales Unrecht anzuprangern, denen es aber vollkommen gleichgültig ist, dass im unmittelbaren Umfeld ihrer eigenen Sendetätigkeit die selben Zustände herrschen.
    Hier werden nämlich, seit mehr als vier Jahrzehnten, genau jene ausbeuterischen Arbeitsbedingungen praktiziert, die unsere scheinheiligen TV-Journatollahs Firmen anlasten, wie z. B. Amazon oder Red Bull.
    Obwohl mit dem Geld der Gebührenzahler reichlich genug versorgt, um nahezu jede Sendeminute eigenständig zu erstellen, vergeben die öffentlich-rechtfreien Fernsehanstalten, spätestens seit Mitte der 1960ger Jahre, einen großen Teil ihrer Produktionen an freie Gesellschaften, heutzutage Subunternehmen genannt.
    Damit gehören gerade ARD und ZDF zu den Wegbereitern jenes Unheils, welches sie andererseits heuchlerisch beklagen.
    Jeder, der die Szene kennt, wird bestätigen, dass zahlreiche dieser Produktionsfirmen die Arbeitskraft ihrer Beschäftigten hemmungslos ausbeuten.
    Hauptsächlich Assistenten und Praktikanten werden, trotz 16-Stundentagen sowie Nacht- und Wochenend-Arbeit, mit Niedrigstlöhnen abgespeist, sofern sie ihre Gagen überhaupt erhalten, was allzu häufig nicht der Fall ist.

    Übrigens, lieber Christian Ortner, warum stehe ich unter Moderation, und womit habe ich mich so missliebig gemacht?

  4. Günter Thiele

    Plan B :
    Nun, zur Ehrenrettung der TAZ muss man aber auch anmerken, dass der Verlag als Genossenschaft organisiert ist und alle Mitarbeiter freiwillig auf eine marktübliche Entlohnung verzichten (keiner wird gezwungen, bei der TAZ zu arbeiten).
    Im Grunde ist die TAZ eine etwas bessere Schüler- oder Studentenzeitung, die vom Idealismus der Genossen und Mitarbeiter getragen wird. Oder anders gesagt: ein sozialistisches Projekt, eben Raiffeisen für Arme.

    Das ist schon eine recht merkwürdige Argumentation. Meine Frau ist vor Jahren im öffentlichen Dienst auch “freiwillig” auf Teilzeitarbeit umgestiegen und hat sich damit einen Kündigungsschutz für 6 Jahre “erkauft”. Solch eine Freiwilligkeit nenne ich Nötigung.
    Und was soll denn “keiner wird gezwungen, bei der TAZ zu arbeiten” heißen? Da können Sie auch gleich argumentieren, dass niemand gezwungen wird überhaupt zu arbeiten. Damit wäre Problematik Mindestlohn mit einem Schlag gegenstandslos.

  5. Realist

    @Plan B
    Es wird auch keiner gezwungen bei McDonalds zu arbeiten.

    Mindestlöhne erhöhen nicht die Löhne für Leute mit einer Produktivität darunter (also so ziemlich alle die weniger verdienen).

  6. Thomas Holzer

    @Gutartiges Geschwulst
    Es gab vor nicht all zu langer Zeit den Fall in Deutschland, entweder bei der SPD, der Die Linke oder den Grünen, wo ein Praktikant gesucht wurde, welcher lt. Inserat mit ca. EUR 400,– p/Monat für einen Vollzeitjob “bezahlt” hätte werden sollen 😉

  7. Plan B

    @Suwarin

    Ich sehe da keinen Widerspruch.

    Wieso ist “sozialistisch” synonym mit “Zwang”? Die TAZ ist so was wie ein Kibbuz. Man bleibt eine gewisse Zeit. Und geht dann zur ZEIT. Nicht wahr, Herr Lau? (Die Liste geht sogar bis zum geläuterten Reinhard Mohr)

  8. Christian Weiss

    Die Schweizer Brachial- und Terrorgewerkschaft Unia hat vor einigen Wochen für die Mitarbeiter eines Tankstellenshops der Firma “Spar” 3800 statt 3600 Franken Monatslohn gefordert. Der zu diesem Zweck organisierte Streik und die Blockade wurden von Gerichts wegen als illegal eingestuft, die betroffenen Mitarbeiter entlassen. Die gleiche Gewerkschaft betreibt in Bern ein eigenes Hotel, wo sie den Angestellten vor Jahresfrist noch 3500 Franken – inzwischen 3700 Franken – bezahlten. Die gleiche Organisation will einen Mindestlohn von 4000 Franken (für Ungelernte) per Initiative in der Verfassung festschreiben.

  9. Lodur

    Und wieder einmal wird bewiesen, dass der Kapitalismus nur phasenweise eine menschenwürdige Entlohnung und eine Fastvollbeschäftigung garantieren kann. Wenn einmal die Tendenz der fallenden Profitrate in Kombination mit Überproduktionskrisenn zuschlägt, entpuppt sich der Kapitalismus als das, was er auch ist, nämlich ein Krisensystem.

  10. Lodur

    “Die Schweizer Brachial- und Terrorgewerkschaft Unia hat vor einigen Wochen für die Mitarbeiter eines Tankstellenshops der Firma “Spar” 3800 statt 3600 Franken Monatslohn gefordert.”

    Ach, wie “unverschämt”. Der Handelskonzern Spar hat immerhin im ersten Halbjahr 2012 sowohl bei Umsatz als auch bei Gewinn Zuwächse erzielt. Der konsolidierte Nettoumsatz stieg um 4 Prozent auf 2,68 Mrd. Euro. Unter dem Strich (Nettogewinn) verdiente das Unternehmen 16,2 Mio. Euro, nach 15,3 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2011. Das operative Ergebnis (EBIT) stieg von 33,05 auf 34,7 Mio. Euro (Die Zahlen widerspiegeln nur einen Teil des in Österreich und mehreren Ländern Osteuropas aktiven Konzerns, nicht die gesamte Spar-Gruppe).
    Die Lebenshaltungs- und Wohnbedarfskosten in der Schweiz gehören zu den höchsten Europas. Eine 60 m² Zweizimmerwohnung in Zürich kann locker 1.600 CHF monatlich kosten. Die Nebenkosten wie Strom und Heizung belaufen sich auf ca. 70-100 CHF im Monat. Telefon und Internet gibt’s für ca. 60 CHF dazu. Für die Schweizer GEZ, genannt Billag, zahlt man monatlich 40 CHF. Für Auto und/oder öffentliche Verkehrsmittel zahlt der Durchschnittsschweizer monatlich rund 750 Franken. Lebensmittel kosten 20 – 30 Prozent mehr als in Deutschland und Österreich. Ach, wie unverschämt, wenn dann eine “Terrorgewerkschaft” eine menschenwürdigere Entlohnung von 3800 statt 3600 CHF im Monat fordert. Schließlich haben ja die einfachen Verkäufer einen wesentlichen Anteil an der Erwirtschaftung dieses guten Geschäftsergebnisses, da sie (bzw. der Filialleiter und seine Stellvertreter) diejenigen sind, die für die Führung der Filialen und für den Verkauf der Waren sorgen. Der einzige Terrorist ist hier Spar, der seine Profitraten auf Kosten der Lebensqualität seiner Arbeitnehmer vergrößern will.

  11. wollecarlos

    “Und wieder einmal wird bewiesen, dass der Kapitalismus nur phasenweise eine menschenwürdige Entlohnung und eine Fastvollbeschäftigung garantieren kann. ”

    Erstens: DER “Kapitalismus” garantiert überhaupt nichts, jedenfalls nicht da, was hier lodurisiert wird!

    Zweitens: Dieses “phasenweise” funktioniert nun schon fast 3 Generationen. Nämlich seit dem Ende des WK II.

    Hat solange schon mal eine “kommunistische Gesellschafts- und Wirtschaftordnung” funktioniert?
    Zum Wohle der Bevölkerung?

    Aber halten wir mal fest, daß dieser Steinzeitkommunist immerhin konzediert, dass der Kapitalismus “phasenweise” eine menschenwürdige Entlohnung und eine Fastvollbeschäftigung zur Folge hatte.

    Das ist doch schon mal was, von dem sein Übervater Karl Murx nur träumen konnte!

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