Missbrauch ist halt nicht gleich Missbrauch

Von | 20. November 2016

(ANDREAS UNTERBERGER) Die grässlichen Fälle von sexuellem und physischem Missbrauch in österreichischen Kinderheimen lasten wie eine dunkle Wolke über der Nachkriegsgeschichte  Der Skandal, der viele Menschen lebenslänglich geschädigt hat, setzt sich in der Gegenwart sogar in mehrfacher Form fort, wie jetzt immer klarer wird. So erklärt die Gemeinde Wien kurzerhand, sie zahle nichts mehr für alle weiteren Opfer, die sich jetzt erst melden. Zugleich stellt sich heraus, dass diese Verbrechenswelle in jeder Hinsicht vor allem eine in der Verantwortung der Gemeinde Wien war, auch wenn die rotgrüne Propagandamaschine – vom ORF bis zu einer staatlich subventionierten Filmproduktion – ständig nur über die Missbrauchsfälle im Verantwortungsbereich der Kirche redet.

Jetzt stellt sich jedoch heraus, dass die Zahl der misshandelten Kinder in Einrichtungen der Gemeinde Wien deutlich größer ist als die Zahl der Fälle im Bereich der Kirche – in ganz Österreich! Aber auch unabhängig von der Quantität war die Widerwärtigkeit des Kinder-Missbrauchs in Wien noch ein Grad übler (wenn die Widerwärtigkeit von sexuellem Missbrauch überhaupt noch steigerbar ist): Hier wurden Kinder nämlich wie in einem Bordell zum Missbrauch verschachert.

Die konkreten Zahlen: An die Wiener Opferschutz-Kommission haben sich über 3100 Menschen gewandt. Das ist mehr als in Einrichtungen aller anderen Bundesländer zusammen. An die kirchliche Opferschutzkommission haben sich nach deren Angaben mehr als 1500 Opfer gewandt – allerdings war diese Kirchenkommission für ganz Österreich zuständig!

Allein diese Zahlen bedeuten schon einen dramatischen Unterschied. Dieser wird noch größer, wenn man bedenkt, dass in jenen Jahren die Zahlen der Zöglinge in kirchlichen Heimen und Internaten in ganz Österreich zweifellos weit größer war als jene nur in Heimen der Stadt Wien (auch wenn hierzu keine genauen Zahlen bekannt sind).

Umso skandalöser ist der zusätzliche Skandal, dass die SPÖ mit Steuermitteln jetzt einen Film fördern ließ, der sich nur mit den Schicksalen von Insassen kirchlicher Heime befasst Auf die Wiener Kinderzwangsbordelle auf der Hohen Warte, am Wilhelminenberg und in Eggenburg (wohin von der Gemeinde Wien ebenfalls Kinder verlegt worden waren) wird aber überhaupt nicht eingegangen.

Auffällig ist auch ein anderer mehr als erstaunlicher Aspekt: Von den einstigen Opfern in Wiener Einrichtungen waren 63 Prozent Buben (über die Geschlechterverteilung in kirchlichen Einrichtungen liegen keine Angaben vor). Das lässt viele schlimme Befürchtungen zu, auch wenn es dazu keine weiteren Informationen gibt.

Zurück zu den Zahlen: Seit das Wiener Rathaus im März dekretiert hat, jetzt würden keine Fälle mehr angenommen, haben sich weitere 86 Menschen gemeldet – etwa weil sie erst jetzt den Mut dazu hatten, über ihre schreckliche Kindheit zu reden. Pech gehabt, hätten sie sich doch in einem Ordensinternat missbrauchen lassen. Denn die kirchliche Kommission – obwohl schon früher eingesetzt als die der Gemeinde – hat im Unterschied zum Rathaus verbindlich erklärt: Es werde weiterhin „kein Schlussstrich“ gesetzt.

Ein weiterer zusätzlicher Skandal der Wiener Aufarbeitung ist die Begründung durch den vom Rathaus beauftragten „Weißen Ring“, warum es für 734 jener, die sich sehr wohl rechtzeitig gemeldet hatten, dennoch keine Unterstützung gibt: „Es waren zum Beispiel Fälle, wo die Eltern ihre Kinder in Heime gebracht haben.“ Oder wo die Akten in der MA 11 verschwunden sind.

Seltsame Begründungen. Würde im kirchlichen Bereich auch so argumentiert werden, dann hätte die Kirche fast überhaupt keine Entschädigungen zahlen müssen. Denn in die meisten Schulinternate sind die Kinder ja durch ihre Eltern gebracht worden.

Kein Wort, um Vorfälle in kirchlichen Internaten und Heimen zu rechtfertigen oder relativieren. Aber alles, um die Ungeheuerlichkeit zu kritisieren, dass ein noch viel größerer und ärgerer Skandal in der Verantwortung der Gemeinde Wien unter den Teppich gekehrt oder überhaupt ignoriert wird. Hier verbiegt die Linke wieder einmal die historischen Fakten bis zur Unkenntlichkeit.

Wie es soeben auch in einem Fernsehbeitrag über sich jetzt zusammenschließende Opfer der Gemeinde Wien in der ZiB2 geschehen ist. In diesem wird von einer stramm linken Redakteurin nicht mit einem einzigen Wort die Gemeinde oder das Rathaus erwähnt, sondern es wird nur von „kirchlichen und staatlichen“ Opfern geredet. Und natürlich hat der ORF auch nicht den Wiener Bürgermeister oder die zuständige Stadträtin dazu befragt, oder gar kritisch befragt (etwa in der Art, wie etwa Minuten davor der freiheitliche Präsidentschaftskandidat verhört worden ist). Man hat nicht einmal angedeutet, dass sich seit langem im ganzen Wiener Rathaus niemand zu einer Stellungnahme zu diesem Skandal bereitfindet. Man macht ihm vielmehr selbst die Mauer.

Dabei wird dieses Rathaus seit damals von der selben Partei beherrscht, die im letzten Wahlkampf sogar noch die Unverschämtheit hatte, die Parole „Haltung“ zu trompeten. (Hier)

14 Gedanken zu „Missbrauch ist halt nicht gleich Missbrauch

  1. Gerald Steinbach

    Die SPÖ Wien ist einer der seltsamen Beispiele wo eine Stadtregierung ihre Stadt zu Tode misswirtschaftet und trotzdem immer an die macht gelangt und das in jeglicher Hinsicht
    Es dürften allerdings ein paar Menschen von diesen System profitieren und der andere Teil glaubt den Schmäh von sozialer Gerechtigkeit und Menschlichkeit und andere Mantras der nur dazu dient seine eigenen Pfründe dauerhaft zu sichern

  2. Thomas Holzer

    Und in Bälde wird es den Tatbestand des Missbrauchs sowieso nur noch für die autochthone Bevölkerung geben, sollten die Vorschläge verschiedenster “Gutmenschen” wirklich in Gesetzesform gegossen werden.

  3. Gerald Steinbach

    Selbstdenker

    Die Causa EU -Türkei wird immer unerträglicher für normal denkende Menschen

  4. Gerald

    Ich bin der Überzeugung, dass ein Drittel der Bevölkerung direkt oder indirekt von der Lage profitiert und absolut lernresistent ist, ein Drittel glaubt den Mist den die Regierung hervorbringt und das verbleibende Drittel reichte nicht aus um etwas zu bewegen.
    Letztlich dreht sich alles um das eine Drittel, das labil oder dumm genug ist jeden Mist zu glauben. Traurige Tatsache, aber es scheint sich in dieser Masse etwas zu bewegen um eine Änderung herbeizuführen. Leider nicht durch Intellekt, sondern nur durch Emotionen.
    Wir sind aber bereits so tief gesunken, dass es uns letztlich egal sein kann, wodurch der Wandel herbeigeführt wird.

  5. mariuslupus

    Die Genossinen vom feministischen Lager schweigen und stimmen der Anleitung zum sexuellen Kindsmissbrauch in der Türkei, voll zu. Die gleiche Haltung werden sie auch einnehmen wenn die gleiche Gesetzgebung in Europa, nach dem Beitritt der Türkei zu EU, eingeführt wird.

  6. Falke

    @Selbsdenker
    Habe gerade eben diese unglaubliche Tatsache beim Artikel “Die Wähler sollten endlich die Sorgen der Politiker ernst nehmen!” des Blogbetreibers gepostet, sozusagen als weiteren Punkt zur Aufnahme der Türkei in die EU. Passt ja genau zu den Vorgaben des Korans, dessen Verbreitung bei uns nach wie vor erlaubt, ja erwünscht ist.

  7. Selbstdenker

    @Gerald:
    Das was Sie beschreiben, ist die Architektur eines jeden Herrschaftssystems.

    Zum Thema Wandel:

    Die Manifestationen der Herrschaftsausübung haben sich mit zunehmender technologischer und kultureller Entwicklung von einem unmittelbaren physischen Einwirken hin zu einen abstrakten Einwirken verschoben:

    Während in der Steinzeit die physische Gewaltanwendung das Medium der Macht und die Keule das Mittel war, so ist heutzutage die Deutungshoheit über Informationen und Begriffe das Medium der Macht und es sind die gezielten Angriffe der Informationsübermittler, z.B. die Systemmedien, die als Man-in-the-Middle fungieren, auf Personen und Ideen die Mittel.

    Um den aktuellen Wahnsinn abzustellen, muss der Prozess der Selbsterschaffung und -Erhaltung dieses Systems (Autopoiesis) zum Erliegen gebracht werden.

    Die New Left (Cultural Marxists bzw. Neoprogressives) haben sich über Jahrzehnte hinweg und insbesondere die letzten zwanzig Jahre für jeden klar spür- und wahrnehmbar – ein Herrschaftssystem aufgebaut, dass ich oben beschrieben habe.

    Auch wenn ich der FPÖ sonst kaum sinnvolle Lösungen zutraue, so taugen sie zumindest dazu dem Prozess der Autopoiesis, mit dem sich der politmediale Komplex an der Macht hält, den Stecker zu ziehen.

  8. Thomas Holzer

    @Mariuslupus
    Ich befürchte, da muß man gar nicht auf den Beitritt der Türkei warten. Was derzeit z.B. in Deutschland von Politikerdarstellern alleine schon öffentlich ventiliert wird, lässt nur Böses erahnen. Die geistige und moralische Degeneration dieser “Menschen” ist leider mehr als nur fortgeschritten.

  9. Selbstdenker

    @Thomas Holzer:
    Dafür gibt es ausgleichende, kollektive “Gerechtigkeit”: wer als Einheimischer eine Frau grüßt, falsch anschaut (die Definition von “falsch” erfolgt situativ von feministischen Richterinnen) oder gar das phöse Wort “Pussy” sagt, wird wegen sexueller Belästigung oder Vergewaltigung angezeigt.

    Wenn man einen Täter nicht verurteilen kann (oder eher: nicht verurteilen will), sucht man sich einen Unschuldigen, damit die Statistik wieder passt. Man sehe sich nur mal die Gender-Klapse Schweden an.

  10. mariuslupus

    @Thomas Holzer
    Richtig. Aber, die ganze Angelegenheit bekommt erst , richtig Schwung, nach der Wiederwahl von Merkel,
    Merkel hat es schon bewiesen. Sie ändert nicht die bestehenden Gesetze. Dazu müsste sie das Parlament einberufen und abstimmen lassen. Ist unter ihren despotischen Herrschaftsniveau. Merkel ignoriert nicht einmal bestehende Gesetze. Gesetze waren auch in der DDR inexistent. Das Gesetz war das MfS und der Wille der Honneckers.
    Die deutsche Bevölkerung hat se abgelehnt die Geschichte ihres Staates seit der Gründung des Ersten Arbeiter- und Bauernstaates zu verstehen. Jetzt sind sie dabei den Sozialismus in Deutschland und in Europa, unter der Führung von Merkel, tatsächlich aufzubauen
    .

  11. sokrates9

    mariuslupus@ Merkel kann Deutschland vielleicht zerstören – und sie ist am Besten weg dazu- vielleich kann sie hoffentlich auch die EU mitreißen, doch Europa sicherlich nicht! Der Club Med kollapiert aus finanziellen Gründen, die Oststaaten werden eine vernünftige Linie fahren!

  12. Selbstdenker

    @sokrates9:
    Ich sehe es genauso. Die Sache läuft noch solange wie die Deutschen zahlen. Der Kollaps vom Sozialsystem wird in Deutschland nicht gebremst, sondern beschleunigt. Sobald die Knete aus Germany versiegt, wird jeder wieder seinen eigen Weg gehen.

  13. mariuslupus

    @sokrates9
    Ihr Wort möchte sich erfüllen. Aber was ist der tatsächtliche Unterschied zwischen der EU und Europa ? Merkel hat bereits ganz Europa usurpiert. Die Chance wäre, sollten die Visegrad Staaten sich von der Bevormundung der EU lösen. Aber, es fehlt mir der Glaube.

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