Mit Sozialarbeit wird der Terror eher nicht besiegt

(C.O.) Wann immer in der letzten Zeit junge Herren der Allahu-akbar-Fraktion unbeteiligte Mitmenschen mithilfe von Bombengürteln, Handgranaten und der bewährten AK-47 vom Leben zum Tode befördern, müssen wir uns, quasi als intellektuellen Kollateralterror, auch noch in unendlich vielen Variationen das unsägliche Gesülze anhören, wonach „mangelnde Integration“, „keine Lebensperspektiven“, „Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft“ und ähnliche soziale Missstände die wahre Ursache des Terrors seien.

Massenmorde wie jene von Paris vor einer Woche hintanzuhalten wird damit sozusagen zu einer Aufgabe für die kommunale Gebietsbetreuung, für interkulturelle Mediatoren und andere Sozialarbeiterlein umdefiniert. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Gemeinde neben Fahrrad- und Fußgängerbeauftragten noch einen Selbstmordanschlagsverhinderungsbeauftragten installieren wird. Auch der Herr Bundeskanzler ließ es sich im Nachgang zu den Ereignissen von Paris ja nicht nehmen, diese Theorie vom Terrorismus als vor allem soziale Frage zu verbreiten.

Eine Theorie, die den Vorteil hat, das Problem mit den herkömmlichen politbürokratischen Methoden (mehr Steuergeld für X, Y und Z) als lösbar erscheinen zu lassen; und die es ihren Vertretern erspart, die unerquickliche Frage nach einem allfälligen Zusammenhang zwischen dem Islam und dem Terrorismus ergebnisoffen zu erörtern; oder auch die Frage zu diskutieren, inwiefern eine Politik der offenen und ungeschützten Außengrenzen, an der sich ja noch immer nichts Essenzielles geändert hat, nicht doch den Paten des Terrors beim Ausleben ihrer Neigungen etwas behilflich ist. Sind ja eh alles nur soziale Probleme.

Diese Theorie hat bloß den kleinen Nachteil, dass sie weitgehend falsch ist. Denn: Zwar sind die desolaten Verhältnisse, wie sie in den muslimisch dominierten Vierteln von Brüssel, Paris oder auch dem Ruhrgebiet herrschen, natürlich hilfreich als Rückzugsgebiete, Aufmarschräume und Schutzzone für Jihadisten. Aber als Ursache für den Terrorismus taugen diese desolaten Verhältnisse wenig bis gar nicht. Schließlich gibt es einerseits auf diesem Planeten ziemlich viele ziemlich desolate Gegenden, ohne dass dort massenmörderische Organisationen entstünden. Andererseits stammen die Köpfe des islamischen Terrors – wie etwa die Attentäter vom 11. September – meist selbst gar nicht aus den Zonen materieller und sozialer Not, sondern aus geordneten Verhältnissen. Auch die Täter von Paris entstammen eher einem kleinbürgerlichen Mittelschichtsmilieu als jenem der migrantischen Arbeitslosigkeit; einer betrieb eine Bar, was nicht eben auf einen Mangel an „Integration“ hinweisen dürfte.

Die Vorstellung, dem Terror gleichsam mit sozialarbeiterischen Methoden beikommen zu können, hat deshalb bestenfalls etwas hochgradig Naives; im Falle von Politikern hingegen durchaus etwas Fahrlässiges. Wer meint, Terror sei die Folge mangelnder „Teilhabe“ der Muslime an unserer Gesellschaft, oder der westlichen Interventionen in der arabischen Welt, der blendet die zentrale Ursache dieses Terrorismus aus: die schiere Existenz einer politisch-religiösen Strömung in der islamischen Welt, die unsere Art zu leben nicht erträgt und daher zerstören will.

Getrieben von durch und durch religiösen Motiven und einem politischen Weltbild, das in vieler Hinsicht sehr stark an den Nationalsozialismus erinnert, wollen diese Leute nicht bessere Lebensverhältnisse in Brüsseler oder Pariser Vororten, keine „Integration“ und keine „Teilhabe“, sondern unsere Unterwerfung oder Vernichtung. So wenig die Nazis das Bedürfnis hatten, die von ihnen definierten „Untermenschen“ besser ins Dritte Reich zu integrieren, so wenig wollen diese Leute mehr „Teilhabe“ der europäischen Muslime.

Solange Europas Politik das nicht hinreichend wahrhaben will, wird an eine Lösung dieses Problems nicht einmal zu denken sein. (Presse)

21 comments

  1. Der Realist

    hoffentlich werden nicht auch unsere 500.000 Arbeitslosen, all die von Armut Betroffenen und sozial Benachteiligten, heutzutage von den “Eliten” mit dem Sammelbegriff “Wohlstandsverlierer” tituliert, nicht auch radikalisiert und laufen mit der aufmunitionierten Kalaschnikow durch die Gassen. Diese “Unterschicht”, so werden diese Menschen gerne von den feisten Schreiberlingen in den selbsternannten “Qualitätszeitungen” benannt, ist natürlich für ihre Situation selbst verantwortlich, die Verantwortung für eine kriminelle Laufbahn solcher mit Migrationshintergrund, trägt natürlich unsere Gesellschaft, haben wir diese Leute eben nicht ausreichend integriert und ihnen keinen geschützten Arbeitsplatz geboten.

  2. O.d.S.

    Herr Ortner!

    Ich habe vor nicht allzu langer Zeit geschrieben, dass wir uns im Krieg gegen den Islam befinden. Sie löschten diesen Kommentar. Ob Sie das wohl noch immer tun würden?

  3. O.d.S.

    Aber ich möchte hier mal eine Frage an alle Leser stellen. Wie kommt es, dass der IS vorrangig nach europäischen Leben trachtet? Haben wir nicht in unzähligen Kommentaren, Zitaten und Reden gehört, dass Israel ein Krebsgeschwür ist, das ausgerottet werden muss? Warum strebt der IS nicht gen Süden, sondern kämpft vor allem gegen Assad? Wie kommt es, dass die islamofaschistischste Gruppierung der Erde nicht alles daran setzt, im Süden militärische Basen zu errichten, um Israel als Krebsgeschwür zu entfernen, wo dies doch sogar der Musel von nebenan am liebsten tun würde?
    Fehlt dem IS schlicht die militärische Stärke? Oder….?

    Tja, ich denke der Hauptgrund ist jedem ersichtlich, der seinen Riechkolben in ein Grundlagenwerk weltpolitischer Ränkeschmiede gedrückt hat.

  4. Enpi

    “Ich habe vor nicht allzu langer Zeit geschrieben, dass wir uns im Krieg gegen den Islam befinden. Sie löschten diesen Kommentar. Ob Sie das wohl noch immer tun würden?” (ods)

    Mittlerweile dürfte einige bemerken, daß der Westen in einem von ihm selbst (noch) nicht wahrgenommenen Kriegszustand mit dem Islam ist. Ich sage dies bereits seit längerer Zeit hier und werde im Gegensatz zu Ihnen nicht zensuriert. Vielleicht könnte Hr. Ortner die Gründe Ihrer Zensur darlegen?

  5. Enpi

    “Aber ich möchte hier mal eine Frage an alle Leser stellen. Wie kommt es, dass der IS vorrangig nach europäischen Leben trachtet? Haben wir nicht in unzähligen Kommentaren, Zitaten und Reden gehört, dass Israel ein Krebsgeschwür ist, das ausgerottet werden muss? Warum strebt der IS nicht gen Süden, sondern kämpft vor allem gegen Assad? Wie kommt es, dass die islamofaschistischste Gruppierung der Erde nicht alles daran setzt, im Süden militärische Basen zu errichten, um Israel als Krebsgeschwür zu entfernen, wo dies doch sogar der Musel von nebenan am liebsten tun würde?
    Fehlt dem IS schlicht die militärische Stärke? Oder….?” (ods)

    Nein. Der Grund für Europa ist nicht aus den von Ihnen verschwörungstechnisch aufgepeppten Vermutungen, sondern deswegen, weil Israel im Gegensatz zum dekadenten, pazifistisch verseuchten, Europa kein leichtes Ziel ist. In Israel ist man sich der Gefahr stets bewußt, in Europa nicht. In Israel ruft der Staat den Privatmann zur Bewaffnung auf, in Europa versuchen die Linken immer neue Waffenbeschränkungen durchzusetzen.

    Und der wichtigste Grund ist wahrscheinlich der daß in Westeuropa die Linken als eine fünfte Kolonne dem Feind materielle und mediale Unterstützung bieten. Dies wäre in Israel undenkbar.

  6. O.d.S.

    @Enpi

    Sie hätten zwar auch schlicht sagen können, Sie seien der Meinung, dass Israel dem IS einfach militärisch zu stark ist, aber gut.
    Und ich weise den Verschwörungstheorievorwurf zurück. Sollten Sie einmal die Zeit haben um sich selbst mit Wissen statt mit Aggression zu füllen, empfehle ich eine Recherche IS- USA.
    Aber ja, die Roten Brigaden waren ja auch wirklich Kommis, ned wohr?

  7. nattl

    Der Herr Ortner muss auch von was leben. Daher muss er zuweilen unangenehme Kommentare entfernen bzw. Blogposts von Dritten gar nicht veröffentlichen.

  8. Lisa

    Dass es vor allem junge Männer sind, hat jedoch schon auch (psycho-)soziale Gründe: da es nicht genug (gut bezahlte) Stellen gibt (Arbeit gäbs schon…), wo sie ihre entwicklungstypische Aggressions- und Kopulationsbereitschaft kanalisieren könnten, kann die nicht gebrauchte Energie zum Kampf gebündelt werden (s. Abstinenz von Sportlern vor Einsatz!) Sexualität ist in ihrer Religion stark reglementiert: Sex nur in Ehe, Jungfräulichkeit, Masturbation verboten, wenn Ehe nicht möglich, Keuschheit u.v.m. Die praktizierenden Katholiken mit ähnlich rigiden Regeln in Arbeiter- und Bauerngesellschaften hatten zumindest die Möglichkeit der Sündenvergebung und mussten streng körperlich arbeiten – “wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen”, Sechstagewoche, Zehn- oder Zwölfstundentag, da hat man schlicht die Energie nicht mehr, gegen “die da oben” aufzustehen, ohnehin zumeist erfolglos, weil der Staat (also “die da oben”, oder? ) legal Gewalt anwenden darf. Soziale Probleme löst man nicht durch Sozialarbeiter – der Heilige Franziskus hat auch bloss einen Einzelgänger liebevoll Bruder Wolf genannt, von einem Rudel hungriger Wölfe wäre auch er zerfleischt worden 😉

  9. Rennziege

    Wie schnell fast 500 Jahre vergehen! Und wie bis in die Gegenwart die realitätsferne Illusion von damals überlebt, die braven Österreicher und Europäer seien gefeit vor allen Bösewichtern der Welt …

    Als “Goldenen Apfel” ihres Reiches begehrten die Osmanen mit aller Macht Wien. 1529 marschierte Süleyman I. mit einem riesigen Heer vor die Kaiserstadt. Kanonen und Minen bereiteten den Sturm vor.

    Die Katastrophe begann schon drei Jahre zuvor, am 29. August 1526. An diesem Tag wurde ein ungarisch-böhmisches Heer in der Schlacht bei Mohács vernichtend von den Türken geschlagen. Unter den 24.000 Toten befand sich auch der erst 20 Jahre alte König Ludwig II. von Ungarn. Der Osmanen-Sultan Süleyman I. “der Prächtige” konnte daraufhin fast ganz Ungarn und Kroatien besetzen. Sein Machtbereich erstreckte sich fast bis vor die Tore von Wien. Dieses letzte christliche Bollwerk im Osten war erschreckend unvorbereitet und schien schon verloren, ehe die feindlichen Truppen überhaupt vor den Stadtmauern auftauchten.

    http://www.welt.de/geschichte/article149093186/Als-die-Osmanen-zum-ersten-Mal-Wien-erobern-wollten.html

    Kluger Artikel des angesehenen Historikers Jan von Flocken in “Die Welt”, lesenswert.
    Er erwähnt auch, dass die Krummsäbelschwinger anno 1683 wiederkehrten, besser gerüstet und noch mordlustiger. Da hing Wien (und mit ihm wohl ganz Europa, soweit es nicht eh schon islamisch erobert war) am seidenen Faden, der auch ein blutiger war: Greise und Studenten gaben ihr Letztes, erlitten riesige Verluste, und Wien war der Kapitulation nahe. In letzter Minute eilte Johann III. Sobieski, Chef der Katholischen Liga, mit seiner Hussaria und verbündeten Truppen herbei und schlug die muslimischen Mordbanden am Kahlenberg in die Flucht. (Papst Innozenz XI. hatte zuvor die Fäden gezogen.)

    Was lernen wir daraus? Damals waren die leitenden Katholiken noch keine Weicheier. Heute üben sie sich in “Willkommenskultur” — mit stupiden Parolen und geschlossenen Augen.

  10. Rennziege

    21. November 2015 – 15:52 Fragolin
    Danke für den Link. Ist das eine herrliche Karikatur!
    Offenbar die alltägliche EEG-Diagnose eines stinknormalen Gutmenschen. 🙂

  11. wbeier

    Warum ist wohl Israel kein IS-Ziel? Naja, Hamas generiert sich gerade zur IS-Filiale vor allem bei der jungen Pali-Generation.
    Ausserdem ist Israel ein etwas anderes Format. Da sieht man mitunter schon die Frau Lehrerin beim Schulausflug mit einer grosskalibrigen Desert-Eagle am wohlgeformten Hintern – völlig unfassbar für uns verhausschweinte Mittel- und Westeuropäer. Das der Trigger-Finger am atomaren roten Knopf bei einer existentiellen Bedrohung auch etwas nervös sein könnte mit anschließender Verglasung des Kalifats – No Na Das wissen auch die Wickelmützen und machen – vorerst – einmal einen Bogen um Israel.
    Und ja, ich kenne die Theorie von Israel als Marionettenspieler der die ganze Region destabilisiert um als einzig ernstzunehmender Player übrig zu bleiben……..

  12. astuga

    Ein Integrationsdefizit ist nicht Ursache des Islamismus, denn sonst dürfte es in islamischen Gesellschaften selbst keinen geben.
    Aber mehr integriert als in den eigenen Kultur- und Sprachraum kann man gar nicht sein.

    Die Armut ist nicht Ursache des Islamismus, denn sonst dürfte es in wohlhabenden isl. Gesellschaften keinen geben.
    Tatsächlich wird er aber gerade von dort aus in alle Welt exportiert.

  13. Mourawetz

    Herr Ortner Sie schreiben sehr gut Klartext, den man nicht in die rechte Ecke stellen kann, da Ihre Argumente gut untermauert sind. Trotzdem werden einige HetzerInnen genau das probieren.
    Danke auch für das Sozialarbeiterlein. Hier tut sich mit der Endung -lein eine Möglichkeit zur Sprachgleichstellung auf, die wahrscheinlich sofort freudig aufgegriffen wird. Es hat den neutralen Artikel Das, ist allgemein anwendbar. Und ein Binnen-I hat es auch! was will FräuleIn mehr?

  14. Falke

    Israel wurde gefragt, warum es denn keine syrischen Kriegsflüchtlinge aufnehme. Die Antwort Netanjahus: “Wir importieren keinen Terrorismus”. Die fast identische Antwort auf dieselbe Frage gab übrigens auch die Regierung Saudi-Arabiens.

  15. astuga

    Die Saudis müssen es ja wissen.
    Die förderten zuerst den IS und jetzt die al-Nusra Front.

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