Mit unserer Meinungsfreiheit ist es nicht weit her

“….Die Deutschen halten sich für aufgeschlossen, tolerant und liberal. Aber das sind viele nicht. Sobald jemand gegen den gesellschaftlichen Konsens verstößt, wird er oft radikal ausgegrenzt…” (hier)

13 comments

  1. Thomas Holzer

    Ich denke, es ist eher der von (staatlichen) Medien, Pseudointellektuellen, Politikern, Vertretern von NGOs -also de facto einer sehr kleinen, dafür aber umso lauteren Minderheit- vorgegebene “Konsens”, welcher als breiter, gesellschaftlicher Konsens verkauft wird.
    Hinzu kommt, daß das Internet Einzelnen ermöglicht, inner Minuten einen Sturm der Entrüstung zu entfachen, welcher in keinerlei Relation zur angeblich inkriminierenden Aussage, Tat steht.

  2. namor

    @holzer

    Da würde ich noch weiter gehen.

    DIE Politik will diese Entwicklung. Die eine Systempartei ganz aktiv und die andere läßt sie unter seltensten Pseudoprotest gewähren. Mit den Grünen hat man eine Marionettenpartei die als Speerspitze funktioniert. Weitere Speerspitzen sind jede Menge NGOs, Vereine, Plattformen, etc. die direkt oder indirekt vom Staat nicht nur finanziert, sondern auch ins Leben gerufen werden (vergl. Googlesuche “Marionettenvereine gegen Alkohol).

    Die Medien verformen nun durch veröffentlichte Meinung die öffentliche Meinung. Wem 2015 die Augen nicht geöffnet hat, der ist Hirntod. Dort wo sie die öffentliche Meinung nicht in ihrem Sinne verformen können, schaffen sie ein Klima der Repression. Physische Gewalt geht nicht, soziale Ächtung ist mit die härteste Strafe, schon in Rom und Griechenland war die Verbannung mit die schlimmste Starfe. In Nomandengesellschaften war die Verbannung ein Todesurteil. Meine Zurückhaltung (nicht Schweigen) in Diskussionen ist dem real drohenden Verlust der Arbeit (meine Kinder kosten Geld) und dem sozialem Netz meiner Partnerin (wie kann ich sie in die Isolation treiben!) geschuldet.

    So wird die Gesellschaft mit einer Konsequenz und Langatmigkeit umgebaut, die maximalen Erfolg verspricht. Ähnlich verhält es sich mit der Zerstörung des Nationalstaates, während Polen, Ungarn, Kroaten, ja selbst die Orthodoxen sich erfreulich schnell assimilieren, werden Muslime lange bis immer in Parallelstrukturen leben. Der Anteil der Muslime wird wachsen, die Systematik ähnelt der oben beschriebenen. Die einen fordern, die anderen halten mit Alibiaussagen scheinbar dagegen. Es werden Marionettevereine und -Parteien vorgeschoben. Auch hier muss man maximalen Erfolg erwarten.

    Das System ist strukturiert, profitiert nach Jahrzehnten immer noch vom Überraschungseffekt, hat Geld, Einfluss, etc.

    Man kann nur hoffen, dass ein Sportsgeist die Agierenden antreibt und sie es dich gut mit uns meinen.

  3. sokrates9

    Mit Public correctness wird irrer Meinungsterror aufgebaut! Mir wurde nach einer Diskussion einmal erklaert dass ich in der oeffentlichkeit nicht das Wort Elite verwenden soll!

  4. stiller Mitleser

    @namor
    Unter einfachen Leuten ist der Konformitätsdruck wahrscheinlich nicht so hoch, aber an der Uni z.B. war er das schon vor 2015, für manche Themen war es möglich einen Erstgutachter, aber schon nicht mehr einen Zweitgutachter zu finden, manche Außenseiterpositionen haben sich – über internationale Publikationen und internationale Anerkennung – durchgesetzt, manche durch institutionelle Neugründungen.
    Wenn man nicht sein gesamtes soziales Umfeld aufgeben will&kann agiert man am besten mit Humor und in Frageform, schließlich fremdelt man mit Leuten, mit denen man sich plötzlich stärker einer Meinung sieht doch ebenfalls… wenn sich der Meinungskarren dann langsam&ächzend in Richtung etwas mehr Realismus gewendet hat, sollte man vermeiden die alten Dummheiten nochmals zu erwähnen (meine Tastatur hat kein Smiley).

  5. mariuslupus

    Das Selbstbild wird immer vom eigenen Narzismus bestimmt. Toleranz so weit wie es dem kodifizierten Konformismus entspricht. Eine seitliche oder oben/unten Bewegung wird so weit toleriert, wie es die politische Korrektheit, sprich der Meinungsterror erlaubt. Ein untrügliches Zeichen für Iliberalität und Intoleranz ist die Humorlosigkeit und Unfreundlichkeit. Wer alles und immer besser kann und weiss hat kein Bedürfnis zu sich selbst auf Distanz zu gehen, über sich zu lachen, Fehler anderer Menschen zu tolerieren und zu ihnen freundlich sein.
    Es sei den die Begrüssungsfreundlichkeit und Unterwürfigkeit wird von oben angeordnet, überwacht und sanktioniert.

  6. namor

    @stiller mitleser

    In meiner Wohlfahrtsverband-Arbeit kann man dieses Wenden des Meinungskarren gut beobachten. Es ist so schwer wie nötig, die alten Dummheiten ruhen zu lassen. Der Karren wendete, wobei er nie weit kommt, des öfteren. Nach 9/11, Madrid und London, Charlie, Beclan, IS, …

    2015 ist schnell zu neuem Leben beschworen. Vier Wochen und die öffentliche Meinung klatscht wieder und Legionen von Menschen ballen ihre Fäuste in der Hosentasche.

    Vielleicht gönnt man uns nur eine Pause, vielleicht wendet sich der Karren und fährt den Weg zurück. Viele Menschen sind heiß und würden sich vor diesen Karren spannen lassen. Die anderen könnte man medial ruhigstellen. Wie 2015 nur unter anderem Vorzeichen.

    Man muss 2015 dankbar sein, mehr Erkenntnisgewinn über menschliches Zusammenlben geht nicht.

    P.s. ihrer Antwort zur Geburtenkontrolle kann ich so nicht zustimmen. Die Steigerung der Akademikerinnen-Anzahl hat direkten Einfluß auf die Kinderzahl. Frauen werden später Mütter, weniger Kinder da weniger Zeit zum Kinderkriegen, weniger Kinder da Arbeit wichtiger, weniger geeignete Männer (Frauen orientieren sich in der Partnerwahl zum Alphatier). So kann man Geburtenkontrolle betreiben ohne davon zu sprechen. Man kann diesen Ansatz nun variieren. So sind die Fachhochschulen oder Bachelorstudien ein geeignetes Mittel die Ausbildungszeit massiv zu verkürzen und wirken so auf die Geburtenzahl. Interessant dazu auch “Rosa Rees und Borchert” und das die Urteile nie umgesetzt wurden ja genau im Gegenteil weitere Belastungen dieser Art für Familien eingeführt wurden.

  7. stiller Mitleser

    @mariuslupus
    wunderbar gesagt, danke!

    @namor
    “Man muss 2015 dankbar sein, mehr Erkenntnisgewinn über menschliches Zusammenleben geht nicht.”
    auch wunderbar gesagt, danke!

    Ihre These mit den Akademikerinnen ist richtig, die nächste Generation ist wieder etwas familienfreudiger,
    aber es hängt auch von der Herkunftsfamilie ab, wenn man eine größere Familie erlebt hat, bleibt die Sehnsucht darnach. Schwierig ist die Situation, wenn vererbte Familienkonflikte und dadurch mitbedingte Studien-und Berufswahl jemanden in ganz andre soziale Umgebungen katapultieren, in dem sein Familienmuster (und der doch persistierende Wunsch) keine Anerkennung und keinen Partner finden können.

  8. Falke

    Diejeigen, die sich selbst “liberal” oder bestenfalls “linksliberal” nennen und – ihrer Meinung nach – die Meinungsfreiheit hochhalten, sind durchaus bereit, über alles zu diskutieren; wenn jemand allerdings – wieder ihrer Meinung nach – rechts, rechtsradikal, minderheiten-, ausländer-, islamfeindlich oder sonstwie politisch inkorrekt ist, dann hört sich die Diskussionsfreudigkeit auf, dann wird ganz einfach jede Kommunikation abgebrochen und durch Beschimpfungen und Beleidigungen ersetzt. Ist unterdessen auch offizielle Regierungspolitik; schlimmer noch, da wird die “falsche Meinung immer mehr auch strafrechtlich verfolgt.
    Ich glaube, es war Henryk Broder, der gesagt hat: Die Deutschen wollen an den Moslems das wieder gut machen, was sie an den Juden verbrochen haben.

  9. Lisa

    zit.:”Trotz allem Stolz auf den Individualismus, auf die Vielfalt der Gesellschaft, auf Multikulti scheint sich selbst der progressivste Deutsche im tiefsten Innern nach der Volksgemeinschaft zu sehnen, nur dass sie dieses Mal nicht rassisch definiert ist, sondern ihr Ideal in der geistigen Einheit sucht.” Volksgemeinschaft ist es wohl eher nicht, die Sehnsüchte weckt, aber eine Gesinnungsgemeinschaft: ein Tiroler Bauer hat trotz unterschiedlicher Sprache mit einem solchen aus der Savoie oder den Marche mehr gemeinsam als der IT-Spezialist oder der Banker mit einem Landwirt aus dem eigenen “Volk” – trotz gleicher Sprache. Wertvorstellungen differieren in einem “Volk” viel mehr als in sozialen Schichten.
    @mariuslupus: der Mangel an Humor und Freundlichkeit ist auch für mich ein untrügliches Zeichen für Fanatismus und zeugt von einer eigentlichen Unsicherheit, was die offiziell geäusserte (p.c.) Meinung betrifft; wären sie im Innersten überzeugt davon, dass ihre Ansicht die richtige ist, brauchten sie sie ja nicht so kriegerisch zu verteidigen, könnten freundlich zuhören, was der offenbar Andersdenkende zu sagen hat und müssten nicht an den Haaren herbeigezogene und nicht logisch anchvollziehbare Gründe für ihre Haltung geltend machen. Wenn mir “islamfeindlichkeit ” vorgeworfen wird, weil ich diese Ideologie nicht für eine Religion halte, sondern für ein politisches Machtinstrument, kann ich immer nur erwidern, dass der Koran ein interessantes altes Buch ist, und Mohammed bestimmt ein charismatischer Mensch war, dass aber die Nachgeborenen, ja nach Zeitgeist und lokaler Kultur, mal dies, mal das mit diesem Buch erklärten – und dass ich Ideologien Machtinstrumente nenne und Religionen das Verhältnis des Menschen zum Transzendenten, das man, solange man lebt, gar nicht erkennen kann.

  10. caruso

    Vor Jahrzehnten diskutierte ich mit einer eher links stehende Freundin über die österreichische Innenpolitik. Auf einmal sagt sie: “Du argumentierst wie die ÖVP.” (Ich konnte die seinerzeitige ÖVP nicht ausstehen,) Ich: “Und? Kann die ÖVP nicht einer oder fünf Sachen recht haben? Die SPÖ hat nicht alle Weisheit der Welt für sich gepachtet.” – Wie es scheint, was diese Einstellung betrifft, hat sich nichts oder nicht allzu viel geändert. Nicht der Sachverhalt ist wichtig sondern aus welcher Partei diese oder jene Frage, Sachverhalt zur Sprache gebracht wird. “Meine” Partei, “meine” Ideen sind wichtig, nicht das Land wofür ich angeblich arbeite.
    lg
    caruso

  11. stiller Mitleser

    @Falke 10.34
    Es gibt tatsächlich so was wie traditionell rechte und linke Lebenswelten, die kaum miteinander Kontakt haben und die, wenn sie miteinander in Kontakt geraten, sehr mißtrauisch sind. Obwohl ich in einem Arbeiterbezirk lebe und viele FP-Wähler (zumeist vom Gassi-Gehen und Plaudern) kenne und auch mit den Prospektverteilern vor Wahlen bereitwillig rede, kenne ich keinen Funktionär, keinen Burschenschafter und auch niemanden, der dem Typus des FP-Honoratioren entspräche. Es gibt Sozialgruppen die einander nicht kennen, aber über einander phantasieren.

    Aber auch wenn man politische und soziale Gruppen kennt, bedeutet das noch nicht Identifikation und Zugehörigkeit.
    Allerdings kann Identifikation partiell und punktuell und trotzdem sehr wirkungsvoll sein und deswegen denke ich, man sollte an den Modellen “Bewegung” und “one-issue-group” weiterstricken, das würde die einengende Polarisierung von rechts-und links mit all ihren belastenden Implikationen obsolet machen.
    Also: Bewegungen zu konkreten Einzelforderungen, die viele Leute betreffen und mobilisieren können.

  12. mariuslupus

    @Lisa
    Der Autor des Originalartikels hält die Demokratie in Deutschland für verfestigt.
    Eine Demokratie verdient diesen Namen aber nur dann, wen eine Diskussion über Themen, die dem Willen der Machthaber widersprechen möglich ist. Die Voraussetzung dafür ist zuerst Anstand, Respekt und Überzeugung, dass auch ein Andersdenkender eine Meinung vertreten kann, die auch für den politischen Gegner argumentativ interessant sein könnte. Die Diskussion wird unter Demokraten argumentativ ausgetragen und nicht mit Anfeindungen und Herabsetzungen. Der politische Gegner, bleibt ein Gegner, ist aber kein Feind. In Deutschland wir immer bei Andersdenkenden mit Feindbildern operiert. Aus diesen Grund ist Deutschland keine Demokratie.

  13. aneagle

    Rechts – Links Identifikation ist was zum Festhalten für Unterlinge. Im pragmatischen Wien schicken hochrangige FPÖler ihre Kinder in die grüne Privatschule. Diese gedeihen in dem Umfeld prächtig und sind zeitweise der Stolz ihrer grünen Lehrer. Tu Felix Austria…..
    Die reale Identifikation ist, zumindest in Österreich, wohl eher Oberlinge – Unterlinge. Versatzstücke wie Toleranz Respekt Humanität kommen gar nicht oder beliebig als Ausstaffierung einer totalitären Egozentrik zur Anwendung. So sieht es aus, mitten in Europa am Beginn des 3. Jahrtausends.

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