Mobiles AKW läuft und läuft: Licht und Wärme für Sibirien

Von | 7. Dezember 2020

“…..Vor gut zwei Jahren berichtete Achgut.com über den Reisebeginn des schwimmenden Kernkraftwerkes „Akademik Lomonossow“ in Richtung Sibirien, wo es das Tschukotische Inselnetz mit Strom versorgen sollte. Der Weg wurde begleitet von lautstarken Protesten von Greenpeace, die das schwimmende KKW als „Schwimmendes Fukushima“ bezeichneten und den baldigen Untergang prophezeiten.

Seither schweigt sich die deutsche Presse weitgehend über das Projekt aus, die letzten Meldungen sind fast zwei Jahre alt. Und sie sind natürlich mit den Warnhinweisen von Greenpeace über das „Tschernobyl auf dem Wasser“ versehen.

Die schwimmende Energieeinheit „Akademik Lomonosov“ ist der Prototyp einer Reihe von mobilen Kernkraftwerken mit zwei Reaktoren einer Leistung von je 40 Megawatt. Es ist für den Betrieb als schwimmendes Kernkraftwerk (APEC) konzipiert und stellt eine neue Klasse von Stromerzeugungsanlagen dar, die auf der russischen Nuklearschiffbautechnologie basiert. mehr hier

2 Gedanken zu „Mobiles AKW läuft und läuft: Licht und Wärme für Sibirien

  1. Thomas Brandtner

    Sehr geehrter Herr Dr. Ortner, für Ihr mutiges Eintreten für Rationalität in der Debatte um die Kernenergie kann ich Sie nur bewundern. Allerdings ist die erfolgreiche Nutzung der Kernenergie von politischen Rahmenbedingungen abhängig, die derzeit in den meisten Staaten Westeuropas nicht mehr gegeben sind. Obwohl Experten immer wieder darauf hingewiesen haben, daß die Systemkosten intermittierender erneuerbarer Energiequellen (Sonnen- und Windenergie) wegen der starken Schwankungen im Energieangebot durch diese Quellen rund das Dreifache der Kosten für Bau und Betrieb der Solar- und Windkraftwerke betragen, wird dies aus politischen Gründen gegenwärtig nicht in Rechnung gestellt und die erneuerbaren Energien scheinen dadurch und durch Förderungen plötzlich marktwirtschaftlich konkurrenzfähig. Sie sind es aber nicht, und das schlägt sich in den hohen Stromkosten nieder. Es ist daher durchaus angemessen, ironisch von “verteuerbaren Energien” zu sprechen. Natürlich sind die bisher verwendeten Kernreaktoren in Bezug auf ihre Sicherheit sensible Strukturen, die langwieriger technischer Genehmigungsverfahren bedürfen. Verbunden mit dem Widerstand in der Öffentlichkeit gegen die Kernenergie führt dies zu so langen Verzögerungen bei der Genehmigung von Kernreaktoren, daß sie sich für die Energiewirtschaft betriebswirtschaftlich einfach nicht mehr rechnen. Wozu noch die mangelnde Planungssicherheit kommt. Da ist es marktwirtschaftlich rationaler, die höheren Kosten auf die Konsumenten abzuwälzen, die sich die Abkehr von der Kernenergie ja mehrheitlich gewünscht haben.
    Diese Situation könnte sich durch die modernen Small Modular Reactors grundlegend ändern. Aber von dieser Technologie werden derzeit gerade erst die ersten Exemplare gebaut. Ihr Hinweis auf das schwimmende russische KKW ist auch deshalb so wertvoll. Aber die Zukunft der Kernenergie liegt in anderen Ländern, nicht bei uns. In Österreich ist die Entscheidung gegen Kernkraft bei der Zwentendorf-Abstimmung gefallen, deren Ergebnis denkbar knapp war und außerdem weniger mit der Kernkraft zu tun hatte als mit der vorübergehenden Unpopularität des damaligen sozialistischen Bundeskanzlers Dr. Bruno Kreisky. Trotzdem kam es in der Folge zu einem politischen Prozeß, der zu einer praktisch einhelligen Ablehnung der Kernkraft durch das gesamte politische Spektrum in Österreich und zum Atomsperrgesetz führte. Unser Land wird von diesem einmal eingeschlagenen und ideologisch fixierten Weg wahrscheinlich nicht mehr abgehen, und wenn, dann erst zu einem Zeitpunkt, zu dem alle unsere Nachbarn Kernkraftwerke der neuen Generation implementiert haben werden und erfolgreich betreiben. Das wahrscheinliche Szenario ist, daß Österreich höhere Strompreise in Kauf nehmen und Strom (einschließlich Atomstrom) weiterhin aus dem Ausland importieren wird. Wie das mit der Dekarbonisierung der energieintensiven Industrien und mit der Einführung zahlreicher Elektroautos vereinbar sein soll, ist derzeit nicht nachzuvollziehen. Aber es gibt natürlich Alternativen zur Kernenergie: wir können beispielsweise weiterhin Erdgaskraftwerke betreiben und ihre CO2-Emissionen zum größten Teil nicht in die Atmosphäre gelangen lassen (carbon-capture-and-storage, carbon-capture-and-use). Möglicherweise gibt es noch weitere Kapazitäten beim Bau von Speicherkraftwerken, und mit denen läßt sich dann ein Elektrizitätsnetz mit einem hohen Solar- und Windkraftanteil schon stabilisieren, wie es uns Dänemark, Schweden und Norwegen vormachen. Dem Tourismusland Österreich dürfte das grüne Image als Staat ohne Atomkraftwerke ja vielleicht guttun. Wichtig ist nur, daß die Debatte über eine rationale und am Gemeinwohl orientierte Energiepolitik nicht abreißt.

  2. sokrates9

    Österreivch hat mit Zwentendorf einen irrationalen Meilenstein gesetzt der natürlich nicht mehr hinterfragt werden darf!Schließlich hat auch die Kirche 2000 Jahre gebraucht bis man sich einsehen musste dass die Erden nicht das Zentrum des Universums ist!
    Vielleicht kann dann mal der Fremdenverkehr profitieren dass viele Asiaten in Zukunft kommen um die Steinzeitösterreicher zu bewundern wo wissenschaftliche Verbesserungen ignoriert werden weil man Kreisky schaden wollte.

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