Moloch “Großer Bruder”

Von | 11. August 2021

(ANDREAS TÖGEL) „Nachtwächterstaat“ lautet die abwertende Bezeichnung, die der deutsche Sozialist Ferdinand Lasalle anno 1862 für den liberalen Minimalstaat erfand, der sich auf seine Grundaufgaben, nämlich die Sorge für Sicherheit (im Inneren wie nach außen) und die Rechtsprechung, beschränkt. Ein solcher Staat ist mit einem Minimum an Steuern und Abgaben zu finanzieren – lässt den Bürgern also ein Maximum an Freiheit, das sich vor allem in der weitgehenden Unverletzlichkeit privaten Eigentums manifestiert. Das war und ist den Sozialisten in allen Parteien naturgemäß zuwider, weil sie ja nicht an der Freiheit der Bürger, sondern an deren Kontrolle und Beherrschung interessiert sind. Und letztere gelingt umso leichter, über je weniger Eigentum der einzelne verfügt. Denn Eigentum – nicht Arbeit – macht frei!

Ungeachtet des Umstands, dass linke Kollektivisten täglich über den angeblich tobenden Neoliberalismus klagen und unentwegt nach neuen Möglichkeiten suchen, die derzeit bei gut 50 Prozent liegende Staatsquote noch weiter in die Höhe zu treiben, bleibt festzustellen, dass die Staaten der Eurozone noch nie zuvor in einem Maße planwirtschaftlich sozialdemokratisiert waren, wie das dieser Tage der Fall ist.

Nahezu alle Lebensbereiche sind staatlich infiltriert und stehen unter der Kuratel von Staatsbürokraten: Gesundheitswesen, Altersvorsorge, Unfall- und Arbeitslosenversicherung, Bildungseinrichtungen und das öffentliche Transportwesen (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit) befinden sich in Staatshand. Das private Vertragsrecht ist weitgehend abgeschafft. Der Staat ergreift bei der Gestaltung von Arbeits- und Mietverträgen Partei (stets zugunsten der „sozial Schwächeren“, versteht sich), schreibt Ladenöffnungszeiten vor und stellt damit sicher, dass auch nicht der leiseste Hauch wirtschaftlicher Freiheit aufkommt. Von Kapitalismus und „laissez-faire, laissez-passer“ ist in der EU (außer in einigen Staaten des vormaligen Ostblocks) längst keine Spur mehr zu finden.

Während der viel geschmähte Nachtwächterstaat mit einer Quote von zehn Prozent des BIP bestens finanziert werden kann, ist der sozialdemokratisch organisierte Vollkasko-Wohlfahrtsstaat nicht mit einem unter 50 Prozent liegenden Anteil zu haben. Da selbst in der selig entschlafenen Sowjetunion ein informeller Privatsektor der Wirtschaft für (vorsichtig geschätzt) gut 20 Prozent der Wirtschaftsleistung verantwortlich war, steht Euroland mit seiner horrenden Staatsquote dem Sozialismus somit deutlich näher als der Marktwirtschaft!

Die Hälfte jedes in Österreich und dem Rest der EU erwirtschafteten Geldes beansprucht der zum Moloch gewordene „Große Bruder“. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, beschränkt der sich mittlerweile nicht mehr auf die Regelung aller Bereiche der Daseinsvorsorge und der Wirtschaft, sondern oktroyiert den Bürgen darüber hinaus immer rigidere Vorgaben für die private Lebensführung. Die freie Wahl von Haushalts-Elektrogeräten (z. B. Staubsaugern) oder Kraftfahrzeugen ist passé. Frei von der Leber weg zu sagen, was man denkt, ist inzwischen riskant geworden. Wer für das Ansprechen tabuisierter Themen oder den Gebrauch bestimmter Begriffe schon nicht strafrechtlich verfolgt wird, muss unter dem Druck einer zur „Wokeness“ umerzogenen Öffentlichkeit zumindest mit wirtschaftlichen Nachteilen rechnen.

Dass Freiheit die Basis für den Wohlstand einer Gesellschaft bildet, gerät aus dem Blick. Dass eine liberale, auf Leistung setzende, produktive Vertragsgesellschaft einer auf Umverteilung setzenden Statusgesellschaft vorzuziehen ist, ebenfalls. Es scheint, dass der Verlust der Freiheit den meisten Zeitgenossen erst dann auffällt, wenn es für eine Umkehr auf Weg zur Knechtschaft zu spät ist.

3 Gedanken zu „Moloch “Großer Bruder”

  1. Kluftinger

    Herr Tögel, die Frage ist, wie weit die betreffenden Zeitgenossen wirklich “Freiheit” wollen? Da müssten sie selber denken und entscheiden und für ihr Tun einstehen. M.E ist das für viele ZG eine Drohung.
    Im Gegenteil, es wird der Gruppendruck entstehen, selbständiges Handeln und Denken möglichst der Masse einzuverleiben und damit zu verhindern? (siehe Corona: da geht es nicht nur um den medizinischen Aspekt sondern auch um die Zuordnung zur Gemeinschaft der “Geimpften”. – und wie war das 1933 und folgend?).

  2. sokrates9

    Das sozialistisch / kommunistische System wird erfolgreich in der EU implantiert.Es wächst derzeit eine Generation heran, der es wesentlich schlechter geht als die vorigen.Einkommen schrumpfen, Überstunden sind weg, ein junger Mensch mit durchschnittlichen Gehalt kann sich heute keine Wohnung / Haus mehr leisten. Dass natürlich alle Frauen zur “Selbstverwirklichung” als Billakassierin und ähnlichen Jobs arbeiten müssen,während es früher Standard war dass die Frau bei den kindern zu Hause war rundet das Bild ab.Trotzdem schaffte es “Papa” in der Regel ein Haus zu bauen, eine Auto zu erweben und mit der Familie asuf Winter / Sommerurlaub zu fahren.
    Hatten wir jetzt Kriege / Naturkatastrophen dass das kaum mehr möglich ist? Nein aber wir haben die EU die viel ” Mehrwert ” absaugt für Sanktionen, Migration, und mit aufgeblähten Beamtenapparat zur entsprechender Sekkierei der Bevölkerung beiträgt.Beispielsweise w
    Was kostet in Europa die wassersparende Dusche inklusive entsprechender Vorschriften, die bewirkt dass iun wasserreichen Gegenden die Kanalisation austrocknet.

  3. CE___

    @ Kluftinger, Sokrates9

    Alles richtig.

    Der gerade in die Realität umgesetzte Leitspruch für die Insassen der EUdSSR lautet ja: “Du wirst nichts besitzen, und Du wirst glücklich sein”.

    Hinzugesagt wird ja nicht dass das so weit geht dass “Dir” nicht einmal der eigene Körper gehören wird.

    “alle” werden natürlich nicht glücklich sein, es wird natürlich Unmut geben, zuindest bei denen die wenn es so hart wie 1933-45 kommt (und einige Staaten wie Italien und Frankreich sind schon über die Klippe gegangen) nicht schnell genug in freiere Gefilde abhauen konnten, darum baut man ja gerade die “Ungeimpften” als zukünftige gesellschaftliche Blitzableiter auf.

    Noch gäbe es die Möglichkeit eines Stopps dieses totalitären “Putsch von oben” durch diesen unguten Klüngel an Fiatgeld-Milliärden und ihren Laufhunden in Politik, Verwaltung und Medien. Es müssten nur mehr Menschen ihren Ar… heben.

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