Müllverbrechen, eine Plage Afrikas

( Volker SEITZ ) Zu recht alarmiert das Uno-Umweltprogramm (UNEP) die Weltöffentlichkeit, dass bis 90 Prozent des Elektroschrotts ( ausgediente Computer, Fernseher, Handys, Kühlschränke oder andere Elektronikprodukte) jedes Jahres illegal gehandelt oder entsorgt wird. In dem Bericht “Waste Crimes, Waste Risks” (“Müll-Verbrechen, Müll-Gefahren”) werden in Afrika vor allem Ghana, Nigeria , die Elfenbeinküste und die Demokratische Republik Kongo als Ziel des Mülls genannt. Der Export giftiger Abfälle aus EU-Staaten in Entwicklungsländer sei zwar untersagt, jedoch gebe es immer wieder Betrugsfälle. So würden Tausende Tonnen an gefährlichem Elektronikschrott bei der Ausfuhr falsch deklariert und zum Beispiel Batterien als Plastik- oder Mischmetallmüll exportiert.

In der Theorie kontrolliert auf internationaler Ebene das Basler Übereinkommen grenzüberschreitende Elektromüll-Transporte. In Europa ist seit 2006 darüber hinaus die WEEE-Richtlinie in Kraft, die den Export von Elektroschrott in Länder außerhalb der OECD verbietet und Sammel- und Verwertungssysteme für Recycling vorsieht.

Gesundheitlichen Auswirkungen der Schadstoffe etwa gleich hoch wie die von Aids, Tuberkulose und Malaria.

Leider können Sie nach Afrika alles exportieren, so lange Sie kräftig bezahlen. Fast jedes Land hat ein Umweltministerium, weil das Eindruck auf die Geberstaaten macht. Dennoch werden weiterhin hochgiftige Stoffe direkt in die Natur entsorgt. Bodenproben in Kenia, Nigeria und Ghana zeigten alarmierende Ergebnisse. Ghana z.B. importiert jährlich mehr als 200 000 Tonnen gebrauchter Elektrogeräte, vor allem aus Westeuropa. Die Hälfte davon landet als Abfall auf Deponien, wo die Geräte unter erbärmlichen Bedingungen, meist von Kindern, ausgeschlachtet werden, um an die Metalle zu kommen. Dabei liegen Schwermetallkonzentrationen um das Zehnfache über den zulässigen Grenzen . Das Schwermetall Kadmium schädigt in hoher Konzentration Organe und kann zu Nierenversagen führen. Bronchitis und Asthma sind häufige Krankheiten. Auch in der Elfenbeinküste und in Nigeria werden Elektroschrott und hochgiftiger Klärschlamm auf offenen Müllkippen verteilt. Die gesundheitlichen Auswirkungen der Schadstoffe sind nach Angaben der Umweltorganisation Green Cross etwa gleich hoch wie die von Aids, Tuberkulose und Malaria. Die Machteliten, die natürlich weitab von den den Müllhalden residieren und die kräftig von den Umweltsündern kassieren kümmert das Leid der armen Bevölkerung nicht.
Giftmüll in Afrika zu lagern, ist nicht nur für windige ausländische Firmen lukrativ, sondern auch für afrikanische Politiker und Beamte, die sich ohne Rücksicht auf die Gesundheit ihrer Landsleute mit wilden, ungesicherten Deponien eine goldene Nase verdienen. Während staatliche Medien, Regierungen, Hafenaufsicht , Zoll den Europäern und Amerikanern die Schuld zuweisen, kämpft die Bevölkerung mit Atembeschwerden, Ausschlag, Übelkeit und Augenreizungen. Die Leute wissen genau, wem sie das zu verdanken haben. Die skrupellosen Verantwortlichen, die sich auf Kosten ihrer Mitbürger bereichern, werden nicht belangt.

In Abidjan in der Elfenbeinküste wurden über 500 Tonnen hochgiftigen Klärschlamms auf offenen Müllkippen verteilt. Die von der ivorischen Regierung zugesagte Aufklärung dieses Giftmüllskandals endete im September 2006 mit der Zahlung einer Strafe der niederländisch-schweizerischen Unternehmensgruppe Trafigura von 200 Millionen US-Dollar. Im September 2009 einigte sich sich Trafigura mit den Opferanwälten auf eine Abfindung von 46 Millionen Dollar, was pro Opfer rund 1550 Dollar entspricht. Von den 2006 an die Regierung gezahlten 200 Millionen war bei den Opfern nichts angekommen. Das Gerichtsverfahren verlief erwartungsgemäß weitgehend im Sande. Lediglich zwei der neun Angeklagten wurden zu zwanzig bzw. fünf Jahren Haft verurteilt. Sieben weitere Angeklagte , darunter der Chef des Hafens von Abidjan , wurden freigesprochen. Eine Verantwortung der ivorischen Behörden wurde nicht festgestellt.

Anders Uganda. Das Land hat 2009 als erstes afrikanisches Land den Import von gebrauchter Elektronik verboten. Das ist vorbildlich.
Dies zeigt, dass Fortschritte möglich sind, wenn die einzelnen Staaten das Thema Umweltschutz mit der nötigen Entschlossenheit und Ausdauer angehen.

Umweltverschmutzung durch Plastiktüten

Afrikanische Metropolen werden durch Plastiktüten und leere Trinkwasserbeutel verschmutzt. Sie werden vom Wind durch die Straßen getrieben. Hängen in den Bäumen und ersticken die Böden. Der Plastikmüll verstopft Abwasserkanäle die zu Brutstätten für Malariamücken werden. Da es in diesen Ländern, in der Regel keine Verwertungssysteme für Abfall und Wertstoffe gibt, gelangen die Plastiktüten nach ihrem Gebrauch unkontrolliert in die Umwelt. Wenn man z.B. durch den Niger reist, erkennt man eine nahende Ortschaft daran, dass dem Reisenden Müllteppiche aus Plastiktüten entgegenkommen. Der Zersetzungsprozess soll je nach Kunststoffsorte zwischen 100 und 500 Jahren dauern

Ruanda war einmal mehr das erste afrikanische Land das 2004 Plastiktüten verboten hat. Es hat die Einfuhr, die Herstellung und die Verbreitung der Plastiktüten verboten. In allen Geschäften werden die Einkäufe in Papiertüten verpackt. Eritrea, Tansania, Südafrika, Gabun (2010) , Kongo (2011), Mali (2013) und Kamerun (2015) folgten. Im Tschad gab es ein derartiges Importverbot bereits seit 1993, aber es wurde nie durchgesetzt. Erst 2010 hat die damalige Bürgermeisterin der Hauptstadt N’Djamena die Durchsetzung des Gesetzes erzwungen. Jede Plastiktüte wird konfisziert. Der Besitzer, ob Kunde oder Händler wird angeblich festgenommen. Die Verbreitung der Tüten kann mit einem Jahr Gefängnis bestraft werden. Gleichzeitig soll eine Geldbuße von umgerechnet 76 bis 457 Euro fällig werden.

Hergestellt werden die Tüten in Kenia , deshalb ist dort der politische Wille für ein Verbot nicht vorhanden.

 

Bewusstseinswandel wird in Ruanda politisch angeordnet

Bei den meisten Afrikanern spielt der Umweltschutz, schonender Umgang mit Ressourcen im Alltagsleben noch eine untergeordnete Rolle. Nur wenige Menschen machen sich Sorgen um Umweltbelastungen und die Verantwortung für künftige Generationen. Nachhaltig ökologische Engagements wie beim Tourismus in Botswana, Mauritius, Ruanda und Seychellen, gibt es nur vereinzelt. Nur wo sich die Einstellung der Regierenden zur Umwelt geändert hat und verstanden wird, dass das Thema zentral für die Lebensqualität der Menschen ist, dort wird es auch einen Bewusstseinswandel geben.

Ruanda wird straff regiert, aber es ist eine verantwortungsvolle Politik die das Gemeinwohl in den Vordergrund stellt. Das Land ist Vorbild in puncto Sauberkeit und Umweltschutz. Das Land gilt als eines der saubersten Afrikas. In den größeren Städten gibt es eine Müllabfuhr. Mülltrennung ist vorgeschrieben. Seither sich eine prosperierende Recyclingindustrie entwickelt. Plastikabfall wird recycelt, beispielsweise zu Müllbeuteln oder Rohmaterial für neue Produkte.

(Volker Seitz war 17 Jahre in Afrika tätig. Sein Buch “Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann” erschien 2014 bei dtv in 7. überarbeiteter und erweiterter Auflage.)

One comment

  1. Daniel B.

    Ja, ja schon immer waren die Afrikanischen Regierungen so blöd (oder die Afrikaner auch selber weil sie die Regierungsmafias nicht zum Teufel schickten) und nutzten diese exzellente Rohstoffquelle nicht. Es wäre so einfach mit den Zig Millionen Menschen die keine Arbeit haben und den billigen Löhnen in Afrika. Die Millionen Menschen die jetzt nach Europa wollen, könnten mit einfacher aber sicherer Ausrüstung und sauberen Recycling Methoden, die bei uns seit sicher mehr als 30 Jahren verwendet werden, diesen Elektro-Schrott innerhalb ein paar Jahre verwerten!
    Was können wir im “Westen” dafür wenn die Menschen und deren Regierungen in Afrika selber nicht auf ihre Umwelt achten?

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