Muss sich die Mehrheit immer fügen?

(MARCUS  FRANZ) Die Mehrheit im Lande bilden noch immer jene Leute, die mit ihrer Arbeitsleistung, ihrem allgemeinen Ethos und dem daraus hervorgehenden Wohlverhalten das Funktionieren des Staates Österreich ermöglichen. Man nennt diese Mehrheit auch den Mittelstand. Breit gefasst gehören etwa 70% der Österreicher dazu. Doch diese Mehrheit kommt immer mehr in Bedrängnis.  Die  political correctness ist nämlich zu einem  den öffentlichen Raum beherrschenden Monstrum geworden und sie verlangt der Mehrheit alles ab – sogar die Selbstverleugnung.

Wer heute einfach den Willen der Mehrheit vertritt oder sich gar darauf beruft, ihr anzugehören, macht sich verdächtig. Teil der Mehrheit zu sein und zu ihr zu stehen, das geht gar nicht. Angehörige der Mehrheit haben zu arbeiten, ihre Steuern abzuliefern, ihre Beiträge zu zahlen, solidarisch andere mitzufinanzieren und gelegentlich eine Mitte-Partei zu wählen.  Ansonsten sollen sie am besten schweigen und sich fügen.

Obwohl jede Demokratie vom Willen und den Zielen der Mehrheit lebt, muss diese Mehrheit ständig auf der Hut sein, nur ja niemanden, der nicht zur Mehrheit gehört, in seinen Rechten, Meinungen und Anschauungen zu verletzen. Und wie eine solche Verletzung aussehen könnte, das wird der Mehrheit immer von der Minderheit und ihren lautstarken Proponenten diktiert. Gesetze und traditionelle Regeln einzuhalten genügt für die Mehrheit längst nicht mehr, die Minderheit muss immer ihren Senf dazu geben und bestimmen, was ihr gut tut und was nicht.

Wir stehen damit vor einem Paradoxon der Demokratie. Nicht der öffentlich bekundete Wille der Mehrheit ist für die politische Korrektheit ausschlaggebend, sondern die jeweils geäußerten Willensbekundungen der Minderheiten. Und das Paradoxe in diesem Paradoxon ist obendrein, dass diese Willensäußerungen meist von bestimmten Angehörigen der Mehrheit in den öffentlichen Raum transportiert werden.

Der weiland so genannte „Gutmensch“ ist der Lieferant der Minderheitenanliegen, seien diese auch noch so seltsam. Und, notabene, bereits die Ablieferung des Anliegens ist Beweis für seine Richtigkeit. Der Inhalt ist immer sekundär. Und tertiär ist, ob das Anliegen überhaupt sinnvoll und nachvollziehbar ist. Wichtig ist, dass es geliefert und der Mehrheit  als Vorwurf dargestellt wird.

Auf diese Weise geraten der Mittelstand und der „normale“ Bürger immer mehr in eine Verteidigungsposition, die den Verdruss und den Widerwillen gegenüber der Politik nur noch mehr fördert. Die Politiker selber haben Angst, sich klar zu äußern, weil sie immer die verschiedenen medialen Pressure-Groups fürchten, welche allermeist die diversen Minderheiten und subjektiven Opfer der Mehrheits-Gesellschaft unterstützen.

So beginnt sich die Spirale der politischen Heuchelei, des Mittelstand-Verdrusses und des wachsenden Gegensatzes zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung immer schneller zu drehen. Am Ende dieser Spirale entstehen dann Bewegungen wie Pegida und andere Bürger-Initiativen. Leider steigt damit auch die Gefahr von Radikalisierungstendenzen.

Eine echte Lösung dieses Dilemmas ist noch nicht in Sicht, weil die Feigheit der Politik noch immer zu groß ist. Die sogenannte staatsmännische Politik will immer nur beschwichtigen und mittels besänftigender Maßnahmen den Interessens-Ausgleich schaffen. Dass das Appeasement aber erst recht der Weg in den echten Konflikt ist, wissen wir spätestens seit 1938.

4 comments

  1. Michael Schmid

    Alles richtig – aber ich bin nicht so sicher, ob die im ersten Absatz Angesprochenen tatsächlich noch in der Mehrheit sind …

  2. Mario Gut

    Klingt einfach, ist, vielleicht nicht immer, machbar und einfach: Man steht zu seiner Ansicht und fürchtet sich nicht – es ist erstaunlich, wie schnell man oft Verbündete findet – auch wenn sie zunächst nur mitnicken. Meine Erfahrung, die politisch oft widersinnig und dumme Korrektheit aus den Angeln zu heben ist die, seine Sache überzugt darzulegen und eben nicht in die Knie zu gehen. Ab einem gewissen Punkt wird einem dafür sogar vom Gegner Respekt gezollt (manchmal nur heimlich) und die Schar der “Winddreher” dreht sich in meine Richtung..

  3. Thomas Braun

    Sämtliche Wahlergebnisse beweisen, dass die angesprochene Mehrheit selbige leider nicht ist.

  4. Mario Wolf

    Die Mehrheit, d.h. die Arbeitenden Steuerzahler sind keine Mehrheit mehr. Sie werden von den Politikern, die sie aber selbst gewählt haben, als Legehennen in einer Legehennenbatterie, gesehen und auch so behandelt. Die Hendln, in diesen Zusammenhang merkwürdigerweise auch die Gockeln, legen fleissig Eier, und der Hendlbauer sprich Politiker, verfährt mit diesen Produkt nach seinen Gutdünken.

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