Nächste Phase der Globalisierung: Es wird die Besserverdienenden treffen

Richard Baldwin beschreibt die tektonischen Verschiebungen der Globalisierung. Für die nächste Phase, die durch die Digitalisierung geprägt sein wird, schlägt der in Genf lehrende Handelsökonom im Interview alarmierende Töne an (NZZ)

5 comments

  1. Der Tschakkomo

    Es ist unfassbar. Selbst ein Journalist der NZZ ist beim Thema Trump/Zölle nicht in der Lage auf die Tatsachen hinzuweisen (dass es ein Professor nicht tut, sei mal dahingestellt). Die Krönung des Unfassbaren liefert der letzte Absatz des Interviews:

    “Kommen wir auf Trump zurück. Angesichts der Entwicklung der Globalisierung: Kämpft er einen altmodischen, gar den falschen Kampf?”

    “Ja, ganz eindeutig. Zölle sind eine Lösung des 20. Jahrhunderts für ein Problem des 21. Jahrhunderts.”

    Es entsteht abschließend und nochmals verstärkend der Eindruck, dass China und die EU keine Zölle einheben würden und der böse Trump dies nun einseitig plant. Kein Wort davon, dass China und die EU in fast allen Branchen seit Jahren wesentlich höhere Zölle auf US-Produkte einheben als umgekehrt. Trump plant lediglich, sich in einzelnen Bereichen an das Niveau der EU und China anzupassen.

    Einfuhrzölle auf Autos: USA 2,5%, EU 10%(!)
    Einfuhrzölle Durchschnitt aller Waren (exkl. Agrar): USA 3,5%, EU 5,2%
    Quelle: WTO

  2. Selbstdenker

    Ich finde, dass dieser NZZ-Artikel im Großen und Ganzen recht treffend einige Faktoren der aktuellen Entwicklungen beschreibt.

    Leider konnte auch dieser Autor offenbar der Versuchung nicht widerstehen einen weiteren, eher diffusen Bullshit-Begriff zu erschaffen. Er hätte dieses neue Phänomen auch unaufgeregt vernetzte Automatisierung nennen können. Die Begriffsschöpfungen Globalisierung, Globalismus und – nunmehr – „Globotics“ klingen irgendwie gleich, sind es aber nicht.

    Inhaltlich ergänzen und kritisch anmerken möchte ich folgendes:

    1) Es wird außer Acht gelassen, dass die chinesische Regierung nicht nach jenen Regeln spielt, die für alle gelten sollten; sehr deutlich erkennbar ist dies u.a. bei Unternehmensbeteiligungen.

    2) Der leider in der Öffentlichkeit unausgesprochene – im Artikel aber immerhin zumindest ansatzweise skizzierte – „Deal“ ist der Tausch von Know-how und Fabriken gegen vermeintlich niedrigere Produktionskosten und das häufig ungedeckte Versprechen von Zugang bzw. Anteil am lokalen Markt.

    3) Die zunehmende Kritik an den Tech-Giganten der US Left Coast sollte man keineswegs mit einer Maschinenstürmermentalität gleichsetzen. Es geht hier primär um die Geschäftspraktiken dieser nicht ganz uneigennützigen Zentren monopolisierter Macht – wirtschaftlich handelt es sich um ein vertikales Kartell von Nischen-Monopolisten, die Dinge handeln, die ihnen häufig nicht einmal gehören – und weniger um Technologiefragen.

    Die Möglichkeiten der Politik derart komplexe wirtschaftlich-technologischer Problemstellungen im detaillierten Zusammenspiel zu begreifen und sogar zu halbwegs zufriedenstellenden Ergebnissen beizutragen werden erheblich überbewertet.

    Auf diesem Gebiet ist die interventionistische Politik in Europa geradezu ein riesiges Desaster.

    Anstatt einen einfachen und klaren ordnungspolitischen Rahmen abzustecken und den „Transformationsprozess“ – seit es eigenständig denkende Lebensformen auf diesen Planeten gibt, kann man von einer „Knowledge Economy“ sprechen und es findet permanent ein Anpassungsprozess statt! – möglichst kleinteiligen Marktakteuren zu überlassen, versucht man die Ergebnisse zum Schaden (fast) aller politisch zu beeinflussen wenn nicht gar vorzugeben.

    Der Gipfel der Frechheit ist die ständige Erweiterung bzw. Erschaffung von Markteintrittsbarrieren zugunsten mächtiger Akteure innerhalb eines bestehenden Marktes durch die Politik und politischen Vorfeldorganisationen.

    Z.B. die Maschinensteuerpläne von Kerns „Plan A“ hätte international agierende de facto Monopolisten, steuer- und abgabentechnisch bevorzugt, wenn sie rein aus diesen Gründen unproduktive Pseudo-Jobs geschaffen hätten. Finanziert hätte dieses für ein von KMU geprägtes Land wie Österreich autodestruktive Interventionsprogramm vor allem Selbständige, Bauern und kleine bzw. mittelgroße Unternehmen.

    Wenn das Problem in der Monopolisierung und Kartellbildung (siehe Punkt 3) besteht, kann die Lösung keineswegs darin bestehen, dass sich die heimische Politik ins Bett mit den großen Playern legt und kleineren bzw. mittleren Unternehmen noch mehr und noch strengere Regeln aufzwängt. Das genaue Gegenteil sollte möglichst rasch getan werden.

    Eine Vorstellung von der wirtschaftspolitischen Amokfahrt der europäischen Politik bekommt man, wenn man die Ausführungen von Punkt 3) im Kontext der Punkte 1) und 2) setzt:

    Mit der Überregulierung in Europa zugunsten von Machterhalt und Machtausbau politisch-ökonomischer Feudalherren (typischerweise sind dies Parteien mit sozialistischer Wirtschaftspolitik), wird das ökonomische Geschehen mehr und mehr in jenes Ausland abgedrängt, in dem es weder Demokratie noch Rechtstaatlichkeit gibt. Untrennbar damit verbunden, ändert sich damit auch das Menschenbild im Sinne dieser totalitären Akteure.

  3. Mourawetz

    Auch Baldwin erliegt dem Wunschtraum vieler Wirtschaftskapitäne und Politikern von Migration, dass „Menschengeschenke“ kämen. Telemigration könnte nur dann „definitiv“ (sic!) zu einem Ersatz für Migration werden, wenn sie qualifiziert wäre. Das ist sie aber nicht, weder die eine noch die andere, jedenfalls bei uns nicht. Sie ist islamisch, noch immer nicht begriffen?

    Es gibt zu wenig gute Leute a) wegen dem Pillenknick und b) weil weder die Frauen noch die Türken das Loch stopfen konnten, vielmehr hat man sich damit noch mehr Probleme eingehandelt, siehe Frauenquoten und Metoo. Jetzt auf billige Ingenieure zu hoffen, die in Indien, Pakistan oder sonst wo sitzen und via Telekonferenz dazugeschaltet werden sollen, und jetzt die Probleme lösen sollen, d.h. die Software schreiben, ist der Witz des Tages. Man klammert sich an immer weiter entfernte Strohhalme. Daran sieht man wie verzweifelt die Lage in der Wirtschaft ist. Die Männer, die das gekonnt hätten, wurden hierzulande nicht geboren und sind auch sonst nirgends auf dem Erdball im Überschuss vorhanden.

  4. astuga

    Die Zukunft wird wohl vor allem den Bankrott des Wohlfahrtsstaates in Europa bringen.
    Mit all den Verwerfungen die das zwangsläufig mit sich bringt.
    Offen bleibt ob gewollt, oder aus ideologischem Übermut und Unfähigkeit der Politik.

  5. astuga

    Nachsatz: Für einige wird das dennoch eine positive Entwicklung. Etwa für die Sicherheitsbranche und Versicherungen (Stichwort private Krankenversicherung).

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