Nächster Halt Holland

Von | 7. Februar 2017

(JÜRGEN POCK) Die Zeichen stehen auf Sturm. Nach den epochalen Ereignissen im letzten Jahr, als sich die Volksmeinung in Großbritannien und den USA so frevelhaft gegen die tonangebenden Kreise ausgesprochen hat, scheint die in Gang gesetzte politische Katharsis 2017 richtig Fahrt aufzunehmen. Nächster Halt: Niederlande. Die beschwingende, befreiende Wirkung dieses unvermittelten, überregionalen Einbruchs der Eliten hat bewiesen, dass die Macht letzten Endes immer vom Wahlbürger ausgeht, unbeeindruckt von Presse-Alarmisten, Eurokraten oder dem voreingenommen Getöse der Intelligenzschicht.
Es sieht ganz so aus, als würden sie es wieder tun. Diesmal die niederländischen Wähler und zwar Mitte März. Aktuelle Umfragewerte sehen Geert Wilders Freiheitspartei (PVV) als stärkste Kraft. Die Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Mark Rutte würde demnach mit Respektabstand dahinter landen. Freilich, Umfragen, das wissen wir spätestens seit dem Brexit-Trump-Unfall, sind hochgradig irrelevant. Nichtsdestotrotz: Der niederländische Regierungschef befindet sich im freien Fall. Nach der hausgemachten Schande rund um Parteifreund und Justizminister Ard van der Steur, der einen zwielichtigen Deal seines Amtsvorgängers mit einem Drogenhändler bestmöglich zu vertuschen versucht hatte, beschleunigt sich die Abwärtsspirale der sozialliberalen Partei in der heißen Wahlkampfphase rasant. Schon zuvor konnte Wilders den Vorsprung auf die VVD verkürzen, nach der Skandal-Steilvorlage hat sich das Blatt zugunsten des Oppositionspolitikers gewendet.
Entsetzte Stimmen, die nun nervös nach den Gründen für diese fortschrittsfeindliche Stimmung fragen, verfehlen eindeutig das Thema. Das Stimmvolk zeigt sich nicht reaktionär, sondern macht genau jenen lange vermissten Appetit nach Freiheit sichtbar, der im Status quo der letzten Jahr konsequent unterdrückt wurde. Bereits vor vier Jahren sprachen sich in einer Erhebung zwei Drittel der befragten Niederländer gegen eine weitere Islamisierung ihrer Heimat aus. Somit stellt sich doch eher die mysteriöse Frage, warum die herrschende Klasse die Sorgen der Mehrheit fortlaufend als unerklärliche Intoleranz einer verrückten Randgruppe verspottet. Allenfalls kurz vor wichtigen Wahlen ist man versucht, die autochthonen Interessen zu streifen und auf eine Taktik zurückzugreifen, die mehr Stimmen kostet als gewinnt.
Der böse Mann, der antritt, um das System zu kippen, wird wie allgegenwärtig üblich von den Gegenparteien als fremdenfeindlicher Faschist verunglimpft. Schon viele Jahre zuvor begann die von den Gegnern inszenierte Nazi-Kampagne Früchte zu tragen. Als Wilders zum ersten Mal von den Autoritäten strafrechtlich für seine Ansichten zum Islam verfolgt wurde, stürzte das Verfahren im Jahre 2010 in sich zusammen, weil sich Richter unter Ausschluss der Öffentlichkeit daran versuchten, Kronzeugen der Verteidigung zur Meinungsänderung zu bewegen. Angesichts der Fakten scheint Wilders Proklamation, die Justiz sei hinter ihm her, nicht aus der Luft gegriffen.
Wie andernorts haben auch die Niederländer in den Wind geredet. Die Regierenden haben sich gegenüber den bekundeten Bedürfnissen tunlichst taub gestellt. Jetzt sammelt Wilders die verlorenen Stimmen auf. Die politischen Opponenten werden aber weiterhin quertreiben und darauf hoffen, dass sich der Schaden in Grenzen hält. Wird er aber nicht. Weder in den Niederlanden, noch anderswo.

5 Gedanken zu „Nächster Halt Holland

  1. Herr Superg'scheit

    Wird trotzdem nichts anders werden. Die absolute Mehrheit bekommt er genauso nicht wie bei uns die FPÖ keine Absolute zusammenbringt. Also regieren dann eben zwei, drei oder vier Parteien gegen die stärkste.

    Was wir im Forum hier nämlich gerne vergessen. Die Mehrheit der Bevölkerung will alles genau so wie es derzeit abläuft. Jede Wahl bestätigt es. Streng genommen sogar in den USA (popular vote ging mehrheitlich an Hillary).

  2. Falke

    @Herr Superg’scheit
    Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Bevölkerung alles genauso will, wie es derzeit abläuft. Sie lässt sich allerdings von der gutmenschlichen p.c. “Elite” schrecken (oder, besser gesagt, “gehirnwaschen”), dass es bei einer Änderung der Verhältnisse noch schlimmer kommen könnte. Und solange die Mehrheit der Bevölkerung sich nicht unmittelbar am Leben und an der Existenz bedroht sieht, ist ihr sozusagen der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Lieber (noch) habwegs akzeptabel als (wer weiß wie, und ob überhaupt) in Zukunft besser. Eine wesentliche Änderung des Wahlverhaltens der Mehrheit wird es wohl erst geben, wenn es bereits zu spät ist.

  3. Tom Jericho

    Daß die überwiegende Mehrheit der Wähler einfach dumm ist, erkennt man daran, daß etwa die AfD bei 15 statt 51 Prozent liegt. Selbst in Österreich, wo immerhin ca. 1/3 der Wähler intelligent genug sind, daß sie von SPÖ/ÖVP/Grünen richtigerweise keine Änderung zu erwarten haben, wird es nichts nützen, weil dann nach der nächsten Wahl eben eine rot-schwarz-grüne Koalition kommen wird.

  4. stiller Mitleser

    Man müßte über die Niederlande noch Genaueres wissen, nämlich ob in den großen Hafenstädten (Rotterdam)
    nicht ohnehin schon eine migrantische Majorität lebt, es gab dort immer schon viele Indonesier, die aber kaum Probleme machten, Amsterdam ist ebensowenig Holland, wie Wien Österreich ist, etc… gibt es Gegenstimmen in der Intelligenzija außer Leon de Winter, etc…

  5. Christian Peter

    @Tom Jericho

    Dumm sind Bürger, die sich in Bananenrepubliken wie Österreich oder Deutschland von Wahlen und politischen Parteien etwas erwarten, denn die Parteiprogramme aller nennenswerten Parteien unterscheiden sich nur in Einzelheiten (inkl. AfD + FPÖ).

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