Nataschas kleine Wahlfibel, heute: Das BZÖ (wird fortgesetzt)

Von | 25. August 2013

(NATASCHA CHROBOK) Ich habe lange überlegt, ob es sich überhaupt noch auszahlt, einen Artikel über das Rest-BZÖ um Seppi Bucher zu schreiben. Denn der Ausverkauf der orangen Truppe im letzten halben Jahr ans Team Stronach lässt ja teilweise die Befürchtung zu, dass die Partei am Wahltag nur mehr aus Buchner und Petzner besteht. Letzendlich habe ich mich aber doch dafür entschieden, ein letztes Mal über das BZÖ zu schreiben, quasi als vorgereichter Nachruf für einen Todkranken.

Ein letztes Mal deshalb, weil die Chancen sehr hoch stehen, dass die einstmaligen FPÖ Abtrünigen nach der Wahl nicht mehr im Parlament vertreten sein werden. Und mit dem Verschwinden des BZÖ aus der Bundespolitik wird dann allmählich der letzte Einfluss von Jörg Haider auf diese verschwunden sein. Und mit Haider hat die Partei bereits 2008 ihr einziges Asset verloren, dass sie jemals besessen hat.
Es war Haider, der 2008 die letzte Nationalratswahl für die Orangen gewonnen hat und posthum die Kärntner Landtagswahl 2009. Aber es ist wohl keine gute Strategie, wenn man aus einer poltischen Bewegung einen Totenkult macht. Denn die Abnabelung von Haider hat die Partei nie geschafft.
Und dann wären da noch die Skandale, welche das BZÖ aus der Zeit ihrer Regierungsbeteiligungen sowohl auf Bundesebene als auch in Kärtnen hatte. Egal ob Telekom-Affäre, Hypo Alpe Adria oder das lächerliche Possenspiel mit den Gebrüdern Scheuch (Part of the game usw.) samt Abspaltungs- und Wiedervereingungsspielereien.
Es war ja beinahe unglaublich, wie eine so kleine Partei wie das BZÖ so viele Politkasperl herausbringen konnte. Da wurden englischsprachige Briefe geschrieben, Polizisten angefahren, Nebenwitwen weinten öffentlich und zogen sich in den Medien aus,  und vieles mehr.
Leider konnte sich die Bewegung nie von der Lichtgestalt Jörg Haider abnabeln. Seit jedoch die Sonne in Kärnten vom Himmel gefallen ist steht das Bündnis unter keinem guten Stern.  In keinem Fall steht das Bündnis noch für Zukunft — weder für die eigene, noch jene des Landes.. Die lächerliche Parteiabspaltung von der Abspaltung, welche uns die Kärntner Spaßpartei 2009 bot, Sie erinnern sich, damals habe ich ein Filmchen darüber gemacht, war der Anfang vom Ende.
Ein Untersuchungsausschuss nach dem anderen setzte den orangen Streitern zu und einzig Stefan Petzner versuchte, daraus einen Vorteil für die Partei zu ziehen, indem er zum Aufklärer der eigenen Schweinereien wurde.
Nachdem Frank Stronach auf der politischen Bühne auftauchte, war es sowieso vorbei. Die orangen Opportunisten wechselten bereitwillig ihr Mäntelchen in Erwartung einer weiteren Legislaturperiode am Futtertrog. Ich frage mich, wie oft sich Seppi Bucher dieser Tage vor den Spiegel stellt und abwatscht, dass er seinerzeit das Angebot von Stronach nicht angenommen hat.
Was in Seppi Bucher vorgegangen ist, als er letztens seine neue Kandidatenliste bekanntgab, vermag niemand zu verstehen. Dass er einen Petzner, der unbestritten einen mindestens 10fach höheren Bekanntheitsgrad als der Parteichef selbst hat, nicht auf die Liste gesetzt hat, sagt alles aus über den Zustand, in dem sich Haiders braungebrannte Buberlpartie befindet. Da kann er noch so grimmig aus dem Wahlplakat rausschauen, der Zug für die orange Gruppe ist abgefahren.
Wer seine Stimme für das BZÖ opfert ist selber schuld. Es gibt wohl kaum eine Partei, bei der das Ergebnis so klar ist wie bei Buchers Truppe: derzeit hält das BZÖ konstant unter 3%, es wird also nicht mehr den Einzug in den Nationalrat schaffen. Wenn die Bewegung einmal aus dem Nationalrat draussen ist, wird sie schnell vergessen sein. Nächstes Jahr bei der EU-Wahl wird es vermutlich noch ein kurzes aufflackern geben, wenn Ewald Stadler versucht, seinen Posten als EU-Parlamentarier für eine weitere Legislaturperiode zu retten. Danach können wir den Mantel des Vergessens über diesen unrühmlichen Abschnitt österreichischer Politgeschichte breiten. (nattl.at)

6 Gedanken zu „Nataschas kleine Wahlfibel, heute: Das BZÖ (wird fortgesetzt)

  1. Christian Peter

    Wahlprognosen sollte man keinerlei Glauben schenken, nicht selten liegen diese völlig daneben. Vernunftbegabte Bürger werden eher das Original wählen (BZÖ), als ein Auffangbecken ausrangierter, drittrangiger Altpolitiker (Team Stronach).

  2. Thomas Holzer

    @nattl

    “Lichtgestalt Haider”, finde ich mehr als nur übertrieben. Sollte wohl eher “Rattenfänger Haider” heißen, aber da geht anscheinend die PC vor, weil das würde ja Dummheit der Wähler implizieren, und nachdem (fast) alle Demokraten das dümmliche Bonmot “der Wähler hat immer recht” auf ihre Fahnen geschrieben haben, will man natürlich den p.t. Wähler nicht vergraulen.
    Einen Herrn Petzner derart positiv zu beschreiben, ist für mich detto absolut unverständlich; als ob ein Bekannheitsgrad wichtiger als Integrität wäre. Petzner’s Pseudo-Aufkläreraktivitäten sind das beste Beispiel für eine nach Vorne angetretene Flucht. Dieser Mann ist an Oberflächlichkeit und Peinlichkeit schwerlich noch zu überbieten.

    Aber, daß das BZOE in den Orkus der österr. Geschichte gehört, damit haben Sie absolut recht, und das ehestmöglich

  3. Nattl

    @Thomas Holzer also mir jetzt PC zu unterstellen, halte ich jetzt schon für sehr gewagt. Ich bin versucht, jetzt beleidigt zu sein… 😉

    Petzner kenne ich privat, darum hat hier natürlich mein persönlicher Eindruck von ihm überwogen und ich habe daher nicht das wiedergegeben, was sie aus den Mainstreammedien über ihn zu wissen glauben ;).

  4. Thomas Holzer

    @Nattl
    Eine allfällige Beleidigung liegt mir definitiv mehr als nur ferne!

    ref. Petzner; zuerst mit der untergegangenen Sonne mitlaufen, dubiose Broschüren auf Steuerzahlerkosten drucken lassen, etc. etc., und sich dann als Aufdecker gerieren, das nenne ich Chuzpe

  5. Christian Peter

    Warten wir ab, denn es heißt nicht umsonst : Totgesagte leben länger.

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