Nataschas kleine Wahlfibel, heute: Die Grünen (wird fortgesetzt)

(von NATASCHA CHROBOK) Vor einigen Wochen starteten die Grünen den Wahlkampf mit einem kurzen Werbeclip für das grüne Sommerkino. Dieser zeigt die politischen Mitbewerber der Grünen als Kinder auf Federwippen (Hutschpferterln), die sich um einen Sitzplatz im Kino streiten. Einzig Grünen-Chefin Eva Glawischnig hat als Erwachsene die Kontrolle in der Hand und maßregelt die Kleinen, damit diese doch endlich den Mund halten. Dieser Werbespot hat den Grünen neben dem erwartbaren Jubel aus den eigenen Reihen mitunter auch einiges an Hähme und Spott eingebracht.

Aber die Grünen hätten sich nicht besser präsentieren können als in diesem Werbespot, denn das Auftreten von Glawischnigg charakterisiert genau, wer die Grünen sind und wofür sie stehen: eine arrogante, spaßbefreite Nannypartei von Biedermännern und -frauen, die uns als Kinder betrachtet, welche die führende Hand eines Erwachsenen, der weiß, was gut für sie ist, benötigen. “Kinder, jetzt ist Schluss mit lustig! Seids schön brav und still, Fräulein Rottenmaier zeigt euch, wie das Leben funktioniert.”

Dabei konnte ich seinerzeit für die Grünen ohne weiteres auch Sympathien aufbringen. Einen Van der Bellen konnte man als durchaus als charmant bezeichnen, obwohl auch bei ihm zuweilen der Oberlehrer durchkam. Aber darüber konnte man durchaus hinwegsehen und es als den Spleen eines alternden Beamten verstehen. Auch ein Voggenhuber war mitunter ein grüner Politiker, dem man Respekt zollen konnte, wenn seine politischen Ansichten zuweilen wirr waren. Die Häkelrunde, mit der die grünen Damen (samt X-Chromosom-Anhang) dieser Tage antreten, mutet da eher wie der Jahreskongress der Gouvernanten an. Die Grünen haben die ÖVP als Partei der kleinbürgerlichen Spiesser und spaßbefreiten Moralapostel abgelöst. Darüber können auch bunte Kleckse im Parteiprogramm wie die Homoehe nicht hinwegtäuschen.

Gut, man muss den Grünen zugute halten, dass es in ihren Reihen im Vergleich zu den politischen Mitbewerbern praktisch keine Anzeichen von Korruption gibt. Allerdings kommt das daher, dass sie bis jetzt noch keinerlei Möglichkeit hatten, im großen Spiel überhaupt mitzuspielen. Und dass auch die Grünen dazu neigen, Parteifreunderln gutbezahlte Posten im quasi öffentlichen Dienst zu verschaffen, kann man sehr gut in Wien sehen.

Österreich, genau wie die ganze EU, befinden sich in einer Dauerkrise (sowohl wirtschaftlich wie auch politisch), die sich auf absehbare Zeit nicht ändern wird, da einige Interessensgruppen erkannt haben, dass sich mit dieser Krise gutes und vor allem leichtes Geld verdienen lässt. Gerade in solchen Zeiten bedarf es Personen in der Politik, die für ihre Prinzipien einstehen, die Rückgrat und (verzeihen Sie den Ausdruck) Eier besitzen. Dies alles vermisst man bei den Grünen, die letzten Endes jedes noch so schwachsinnige Gesetz mitbeschließen, auch wenn sie vorher das Gegenteil behaupten.

Die große Koalition ist in Österreich mittlerweile praktisch in den Verfassungsrang erhoben, die beiden Regierungspartei SPÖ und ÖVP sind gar nicht mehr in der Lage, sich vorzustellen, dass sich hier etwas ändert. Dabei stehen die Chancen hoch, dass sich dieses Mal tatsächlich keine Mehrheit mehr für SPÖVP ausgeht. Und hier kommen die Grünen ins Spiel: sie bieten sich förmlich an, den beiden Großparteien als Steigbügelhalter nochmals in den Sattel zu helfen und die große Koalition um weitere fünf Jahre einzuzementieren. Da helfen alle Beteuerungen von Glawischnigg und Co nichts, dass dem nicht so sei. Die einzige Möglichkeit für die Grünen, in absehbarer Zeit in die Regierungsverantwortung zu kommen ist eine Allianz mit den Großkoalitionsparteien.

Österreich braucht einen innenpolitischen Kurswechsel. Wie dieser angesichts des derzeit in der österreichischen Innenpolitik Panoptikums an agierenden Personen aussehen soll, möglich sein soll, vermag ich nicht zu sagen. Allerdings ist eine Stimme für die Grünen der Garant dafür, dass alles so bleibt, wie es ist. Und wollen wir das wirklich? (nattl.at)

18 comments

  1. mannimmond

    “… die Grünen der Garant dafür, dass alles so bleibt, wie es ist.”

    Nein, wer das Verhalten von Vassilakou und Co. in Wien mitansieht, wird nicht umhinkönnen zu sagen, dass die Grünen der Garant dafür sind, dass alles noch schlimmer wird.

    Seit die Grünen am Trog sind, haben sie bewiesen, dass sie in bezug auf Postenschacher den übelsten Machenschaften anderer Parteien um nichts nachstehen.

    Wozu gibt es denn all diese neuen Beauftragten, z.B. “Fahrradbeauftragte”? Wer ist denn dafür verantwortlich, dass ein Verein zur Förderung der ostanatolischen Langhalslaute mit Subventionen übergossen wird? Wem kommen dennn diese Gelder zugute?

    Doch ausschließlich Personen im grünen Umfeld. Und diese Liste ist natürlich keineswegs vollständig.

  2. Thomas Holzer

    @mannimond
    Außerdem, Frau Vassilakou ist der grüne Beweis dafür, daß -einmal an den Futtertrögen der Macht- Transparenz zu einem Fremdwort mutiert.
    Trotz mehrmaliger Nachfrage werden die bis dato angelaufenen Kosten für die “Umgestaltung” der Mariahilferstraße nicht veröffentlicht!

    @nattl

    Hätten Sie zufälligerweise einen link zu dieser Hutschpferterlpartie ?! Danke im Voraus

  3. Wutperücke

    Also bei ausreichend Ämtern wird sich das mit der Korruptionsfreiheit schnell erübrigen. Wenn erst einmal die Gelegenheit lockt, dann wird der Zweck schnell die Mittel heiligen. Für mich ist es seit der Gemeindewohnung vom Pilz ohnehin vorbei mit der moralischen Hoheit der Grünen.

  4. Rennziege

    @Nattl:
    Ein sehr lesenswerter Artikel aus Ihrer Feder, danke! Bei Ihrer Beleuchtung der grünen Freunderlwirtschaft haben Sie nur übersehen, dass die zahlreichen wohlbestallten Funktionäre der Sozial-, Betreuungs-, Integrations-, Kulturförderungs- und AMS-Weiterbildungsindustrie je zur Hälfte aus dem roten und grünen Lager stammen.
    Das ist Proporz V 2.0, einer üblen österreichischen Tradition folgend. Nur halt mit anderen Farben.

  5. Thomas Holzer

    @PP
    Danke!
    Ja, Die Mami Glawischnig, die weiß, wie man die Leute erzieht 😉

  6. Wolf

    “Hähme”? Nix gut Deitsch? Da ist ja”Spiesser” fast schon vernachlässigbar. Und “Glawischnigg”? Leseschwäche (PISA!) oder keine Ahnung, um wen es da wirklich geht?

  7. Nattl

    @Wolf:
    Flüchtigkeitsfehler wenn man an einem Computer ohne deutsches Rechtschreibprogramm schreibt. Wie Sie an meinem Namen unschwer erkennen können habe ich auch Migrationshintergrund und habe einen längeren Zeitraum im nichtdeutschsprachigen Ausland gelebt. Wenn das Ihre einzigen Argumente gegen den Artikel sind, dann gute Nacht, Grüne…

    Sie können mich aber gerne kontaktieren und mir ein Angebot für Lektorarbeit machen.

  8. Christian Ortner

    nattl, der wolf ist ein hier amtsbekannter Querulant, dem nichts anderes einfällt als Tippfehler zu suchen. Vermutlich gescheiterter Lehrer oder so was in der Art. am besten nicht einmal ignorieren.

  9. Mario Gut

    @Wolf
    Inhalt nicht verstanden – Lektoren sollten aber Inhalte ebenso verstehen und bewerten – daher @nattl: Würde ich auch als Lektor nicht einstellen.

  10. Wolf

    @Christian Ortner
    Ich nehme stark an, dass Sie (und die anderen) Ihre Artikel nicht auf einer mechanischen Schreibmaschine schreiben, sondern wohl auf einem PC. Dieser hat – welch eine Überraschung! – ein Rechtschreibprogramm, das Tipp- und Rechtschreibfehler (das Programm macht da keinen Unterschied) automatisch mit roter Wellenlinie unterstreicht; übersehen kann man also derartige Fehler nicht, es sei denn, man ignoriert entweder diese Hinweise absichtlich (möglicherweise mit dem Hintergedanken “die Leser merken es ohnehin nicht, und wenn schon, ist es eh wurscht”) oder man schaltet das Rechtschreibprogramm aus, weil man sich selbst als unfehlbar einschätzt. Eigentlich eine Respektlosigkeit den Lesern gegenüber. Ich habe es schon einmal erwähnt: ich selbst übe einen schreibenden Beruf aus (wenn auch auf anderem Gebiet); wenn ich deratige Fehler (egal ob Tipp- oder Orthographiefehler) machen würde, könnte ich mir mein Geld sehr bald vom Arbeitsamt abholen

  11. Rennziege

    30. August 2013 – 12:24 – Wolf
    Nattl, der Hausherr, und Mario Gut haben recht:
    Ihre i-Tipfel-Reiterei nervt in der Tat. Und gerade Sie, der Sie eigenhändig “einen schreibenden Beruf” ausüben, sollten keine vollmundige Reklame für die Orthographie- und Grammatik-Krücken der EDV-Textverarbeitung absondern. Sie müssen wissen, wie wirr und unzuverlässig diese oft reagieren.

    Täglich bekomme ich z.B. in MS Word (Win- und Mac-Version) verfasste Manuskripte, die von Fehlern nur so strotzen, obwohl (oder gerade weil!) sie der elektronischen “Prüfung” unterzogen wurden. Sich auf so was blind zu verlassen führt ins sprachliche Niemandsland. Woraus auch den Softwareschmieden kein Strick gedreht werden kann, denn das Chaos herrscht:
    Seit der “Reform” der deutschen Rechtschreibung ist diese ein bewegliches Fest. Sogar Volksschullehrer kommen mit drei verschiedenen Duden-Auflagen in den Unterricht, um für alle Muss-, Soll-, Kann- und Ausnahmeregeln gewappnet zu sein — und gerichtlichem Vorgehen der Eltern vorzubeugen. Selbst gute Zeitungen tappen regelmäßig ins Fettnäpfchen; die Interpunktion ist eine offene Wunde, sogar “dass” und “das”. (Seltsamerweise kam das bei “daß” und “das” viel seltener vor.)

    Vor der Reform schrieben Profis und Schüler um Längen besser. Man sollte diesen Unfug zurücknehmen, denn er war sowieso ein unverschämter Eingriff der Politik in etwas, was allein dem Volk gehört: seine Sprache; und die entwickelt sich organisch, nicht legistisch. (Kein anderes Land würde sich so etwas gefallen lassen.)

    Oisdann, verehrter Sprachpfleger: San S’ net so streng mit die* Schreiber heutzutag’. Die Botschaft ist wichtiger als der Papyrus, wie schon Asterix anmerkte.

    *Typischer Austriazismus: möglicherweise charmanter, aber falscher Kasus im bestimmten Artikel und im folgenden Substantiv. Hab’s ausprobiert: Keine elektronische Damenbinde erkennt ihn. Gottlob, denn wo kämen wir Ösis sonst hin? Unser Schmäh tat’ nimmer rennen.

  12. Nattl

    @wolf:

    Nur zur Erklärung: mein Notebook habe ich in Neuseeland gekauft, wo ich länger gelebt habe, es hat eine amerikanische Tastatur und das Betriebssystem und jegliche Software ist englisch. Die Rechtschreibpackages für die deutsche Rechtschreibung müsste ich nachkaufen, habe aber kaum Bedarf… Wenn ich einen Text auf Deutsch schreibe, so sind alle nichtenglischen Wörter rot unterwellt. Mir jetzt wegen drei Rechtschreibfehlern Leseschwäche und “nix verstehen” zu unterstellen, ist schon ein starkes Stück. Da fällt mir eigentlich nur frei nach Mahatma Ghandi der folgende Spruch ein:

    Erst empören sie sich über dich,
    dann machen sie sich über deine Rechtschreibfehler lustig,
    dann packen sie die Faschismuskeule aus,
    dann gewinnst du.

  13. Wolf

    @Nattl
    Gerade eben wollte ich Ihnen empfehlen, sich – um wenig Geld – ein deutsches Rechtschreibprogramm zu kaufen; ist in jedem Computershop erhältlich. Normalerweise hat jedes Word-Programm Rechtschreibprogramme in mehreren Sprachen vorinstalliert (neben Deutsch z.B. Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch), ich selbst habe mir noch zwei weitere gekauft, da ich in mehreren Sprachen arbeite. Wenn Sie sich diese Ausgabe aber nicht leisten wollen, bin ich gerne bereit, Ihre Beiträge Korrektur zu lesen – das tue ich nämlich (unter anderem) auch beruflich -, noch dazu völlig kostenlos. Übrigens: ich selbst habe auch Migrationshintergrund (allerdings mit deutscher Muttersprache).

  14. Rennziege

    30. August 2013 – 15:43 – Wolf
    My cup runneth over, o silver-tongued devil! Sooo viel Nächstenliebe erlebt man nicht alle Tage.
    Haben Sie auch Autogrammkarten? Darf ich Ihrem Fanclub beitreten? 🙂

  15. Thomas Holzer

    @Wolf

    Was haben nur all die Personen gemacht, welche noch keinen Zugang zu sog. Rechtschreibprogrammen hatten?!

    Die müssen ja alle suizidgefährdet gewesen sein

    Dürfen Schüler eigentlich mittlerweile bei Schularbeiten, bei der Matura auch diese Programme verwenden?

  16. Christian Peter

    Die Grünen sind ein echter Geheimtipp, schließlich geben diese Themen vor, welche von den anderen Parteien regelmäßig in die Praxis umgesetzt werden.

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