Nataschas kleine Wahlfibel, heute: die Neos

Von | 1. September 2013

(von NATASCHA CHROBOK)  Als die NEOS letztes Jahr auf der innenpolitischen Bühne erschienen, war ich, so muss ich ehrlich zugeben, erst mal positiv überrascht. Seit langem, so dachte ich, eine wirkliche Alternative zu dem Einheitsbrei, den die österreichische Innenpolitik seit Jahren bietet. Und sie gibt sich sogar einen liberalen Anstrich, was mir, als liberal geprägten Menschen natürlich gefällt. Aber diese Vorschusslorbeeren hatte ich offenbar zu früh und zu vorschnell vergeben.

Denn ziemlich bald stellte sich heraus, dass die NEOS, ähnlich wie das Team Stronach, nichts anderes als eine Art Auffanglager für in anderen Parteien erfolglos gebliebene Politiker sind. In den Reihen der Partei finden sich frustrierte bunte Vögel von der ÖVP; Realos von den Grünen, die mit den linken Fundis nicht mehr können; Berufssöhne und
-töchter aus reichem Hause, die es vor Studienabschluss noch mal so richtig krachen lassen wollen und für ein paar Monate Politiker spielen; aber auch Leute die sich mit einem Nudelsieb am Kopf fürs Führerscheinfoto ablichten lassen.

Das ist nur ein kurzer Abriss jener Gruppe von Personen, aus denen sich die NEOS zusammensetzen. Die Teilnahme des vor über einem Jahrzehnt gescheiterten Liberalen Forums (sie erinnern sich, das waren die, welche ihre liberale Überzeugung über Bord geworfen haben, und über einen SPÖ-Nationalratssitz ins Parlament gekommen sind) hat ihr übriges dazu beigetragen, dass es sich hierbei um einen ziemlich eigenartig anmutenden Cocktail handelt.

Das Interessante an den NEOS ist, dass Sie für alles gleichzeitig stehen wollen — linksliberal, rechtsliberal, who cares? Das liegt daran, dass sie so viele unterschiedliche Strömungen in sich vereinigen, dass ein Fleckerlteppich an Forderungen herauskommt. Bei den Werten und dem 91/2 Punkte Plan der auf der NEOS-Homepage merkt man (abgesehen von den üblichen Bullshitbingo-Begriffen wie nachhaltig, wertschätzend, authentisch, chancengerecht, transparent, etc.) ziemlich genau, wo das LIF, wo die ex-ÖVPler und wo die ex-Grünen Pate gestanden haben. Alleine das Gesülze vom Friedensprojekt Europa ist so typisch tiefschwarz, dass ich auf der NEOS-Homepage unweigerlich das ÖVP-Logo Suche. Dafür ist alles schön brav mit dem Gender-gap gegendert, man will ja niemanden diskriminieren…

Bis vor wenigen Monaten waren die NEOS weitgehend unbekannt. Jenseits der österreichischen Polit-Twitterblase hat niemand die Partei wahrgenommen. Somit war den NEOS aus damaliger Sicht beschieden, nach der Wahl im Orkus der unter-4%-Parteien zu verschwinden. Seit ein paar Wochen hat sich das aber geändert, denn die NEOS schaffen es vermehrt, im Politteil der österreichischen Tageszeitungen zu erscheinen und es gab sogar einen Auftritt in der ZIB2.

Das ist für eine kleine, neugegründete Partei mehr als beachtenswert und liegt vermutlich daran, dass die Spindoktoren rund um Norbert Darabos festgestellt haben, dass, wenn man die NEOS pusht, der ÖVP möglicherweise 1-2 % abknöpfen kann. Nicht umsonst erwähnt ein Charly Blecha die rosa Neopartei in einem Kommentar in der Tageszeitung Die Presse.

Obwohl die NEOS in aktuellen Umfragen um die 1 – 2 % erhalten, besteht aufgrund des schwächelnden BZÖs durchaus die Chance, dass die Truppe rund um Matthias Strolz die 4 % Hürde packt (wobei ich überhaupt nicht verstehe, warum man sich nicht die Orangen ins pinke Panoptikum dazu geholt hat). So gesehen macht die Aussage von Strolz zum Wahlauftakt der NEOS durchaus Sinn, wo er meinte, man sei das “Zapferl gegen Stillstand” — ich denke, es ist hinlänglich bekannt, wo Zäpfchen üblicherweise angewendet werden — hier werden sich die NEOS bei den Großparteien im Falle eines Nationalratseinzuges nämlich wiederfinden, wenn etwas bewegen wollen.

Die Chancen stehen also gut, dass das BZÖ mit den NEOS Platz tauschen wird. Und damit passiert nur der Austausch einer unwichtigen Partei mit einer anderen. Wie sich die rosa Truppe verhalten wird, sollte sie tatsächlich den Einzug in den Nationalrat schaffen, bleibt abzuwarten. Es steht aber zu befürchten, dass es sich ganz einfach um eine ÖVP light handelt, welche wenig substanzielle Änderungen in der österreichischen Innenpolitik bewirken wird. Wenn Sie also gespannt sind, was passiert, wenn Claudia Gammon und Laura Rudas im Nationalrat aufeinandertreffen, dann wählen Sie die NEOS.

3 Gedanken zu „Nataschas kleine Wahlfibel, heute: die Neos

  1. Rennziege

    Lieb, dass Sie sich mit diesen weiteren Opportunisten befassen, die auf eine lebenslange Apanage des Steuerzahlers hoffen. Aber andere finden sich eh nicht auf dem Wahlzettel. Also … wozu die Mühe? Es gab eine Zeit, da nannte man Österreich einen Operettenstaat, wie mein alter Herr mir flüstert. Ich hab’ etliche Operetten und Musicals gesehen. Jede(s) ist erfreulicher, lustiger, wertvoller und solider als das Gewäsch dieser sich als staatsmännisch aufplusternden Nichtsnutze.

  2. nometa

    Ganz toll. Atemberaubend origineller Kommentar, wie immer – Rennziege halt. (Wobei ich inhaltlich sogar zustimme.)

  3. Rennziege

    1. September 2013 – 19:53- nometa
    Blumensträuße bitte beim Nachtwächter abgeben. Um diese Zeit empfange ich keine Fans mehr.

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