Nataschas kleine Wahlfibel (heute: SPÖ & ÖVP)

Von | 16. September 2013

(von NATASCHA CHROBOK) Nachdem ich mich in den letzten Wochen mit den Oppositionsparteien auseinandergesetzt habe, wäre es nun eigentlich an der Zeit, die beiden noch fehlenden Wahlfibeln für die Regierungsparteien zu schreiben. Lange habe ich mit mir gerungen, letztendlich aber dennoch entschieden, dass es sich nicht auszahlt, hier wirklich Zeit und Mühen zu verschwenden.

Der Grund hierfür ist, dass sich die beiden Parteien SPÖ und ÖVP nur mehr marginal voneinander unterscheiden. Die Positionen beider politischer Gruppierungen liegen mittlerweile so nah beieinander, dass man sich echt Mühe geben muss, um einen Unterschied zu erkennen.

Interessanterweise entdecken die beiden großkoalitionären Platzhirsche just ein paar Wochen vor der Wahl, wofür sie angeblich stehen: die SPÖ entdeckt die Arbeiter, die soziale Gerechtigkeit und die bösen Millionäre; und die ÖVP entfesselt ihre in schwere Ketten gelegte Wirtschaftskompetenz. Beide versprechen, dass nach einer Wiederwahl alles anders wird.

Freilich erschließt sich dem interessierten Wähler nicht, warum die beiden Wahlwerber dazu unbedingt wiedergewählt werden müssen, bzw.  warum sie diese Vorhaben nicht bereits in den letzten fünf Jahren umgesetzt haben, wo sie es doch hätten tun können.

Die Wahlkonfrontationen im Fernsehen der letzten Wochen haben sehr genau gezeigt, dass beide Parteien bereits fix davon ausgehen, dass das Ergebnis nach der Wahl wieder rotschwarz sein wird. Gut, möglicherweise verschieben sich ein paar Prozentpunkte, aber im Großen und Ganzen bleibt alles so wie es war. Also streichelt man sich in den Wahlduellen verbal und tauscht Komplimente aus. Man hat sich offenbar bereits so aneinander gewöhnt, dass man sich die Regierung ohne den anderen gar nicht mehr vorstellen mag.

Und wenn Bundeskanzler Faymann im Duell mit Seppi Bucher vom BZÖ aufs Hypo Alpe Adria-Debakel angesprochen den ehemaligen Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) in Schutz nimmt, fragt man sich berechtigt, warum die beiden Parteien SPÖ und ÖVP nicht in Erwägung ziehen, zu fusionieren. Mit einem Schlag hätte man wieder eine Großpartei, wie man sie in den 1970er Jahren gewohnt war.

Wen soll man also wählen? Rot? Schwarz? Eine der Oppositionsparteien?

Vermutlkich ist es für die Geschicke dieses Landes vollkommen unerheblich, wer die Mehrheit im Nationalrat hat und aus welchen Parteien sich die Bundesregierung zusammensetzt. Die wirtschaftliche und politische Zukunft Österreichs wird nicht am 29.September entschieden, sondern bereits am 22. September. An diesem Tag findet in der Bundesrepublik Deutschland die Bundestagswahl statt. Und die Zukunft der europäischen Union, sowohl wirtschaftlich als auch politisch, hängt davon ab, wie stark Angela Merkel aus dieser Wahl hervorgeht. Ob der österreichische Bundeskanzler Faymann, Spindelegger oder Strache heißt, ist dabei vollkommen unerheblich (gut beim letzten könnte es wieder Sanktionen geben).

Wir leisten uns den Luxus eines Nationalrats und einer Bundesregierung, weil wir uns dadurch besser fühlen und glauben, durch unser Kreuzerl eine Änderung bewirken zu können. Eine Operettenregierung für einen Operettenstaat. Letztendlich entscheiden wir nur, welche Interessensgruppen sich in den kommenden fünf Jahren an den Früchten unserer Arbeit und Ressourcen gütlich tun dürfen. Die Musik spielt aber woanders.

Wen also wählen? Wählen Sie in bester Prolokratie-Manier denjenigen, von dem Sie sich am meisten eigene Vorteile erwarten dürfen. Wenn dies die SPÖ ist, dann wählen Sie SPÖ, wenns die ÖVP, die FPÖ, die Grünen, NEOS, BZÖ oder Team Stronach sind, dann eben die. Letztendlich macht es keinen Unterschied. Die vielbeschworene Änderung in der österreichischen Politik wird nicht von innen kommen. Wie viele Male zuvor in der österreichischen Geschichte wird der Umbruch von außen kommen. Ob auf die harte oder sanfte Tour sei dahingestellt. Und bis dahin spielen wir Operette.

6 Gedanken zu „Nataschas kleine Wahlfibel (heute: SPÖ & ÖVP)

  1. Thomas Holzer

    @Natascha Chrobok
    Sie haben vergessen zu erwähnen, daß wir uns auch den unermesslichen Luxus von 9 Landtagen, mit aller dazu gehörigen, unnotwendigen Bürokratie leisten, nur um uns besser zu fühlen……. 😉

  2. Nattl

    @Thomas Holzer

    So gesehen machen die Landtage noch mehr Sinn. Vielleicht sollte man die Ebene dazwischen (Bund) einfach canceln: denn ein Tiroler und ein Burgenländer haben kaum was gemeinsam.

  3. Mario Gut

    Ganz so sehe ich die Dinge nicht – ich glaube schon, dass es in der ÖVP einen Rest “Anderdenkender” gibt und nicht unbeträchtliche Teile in der ÖVP mit dem Kurs unzufrieden sind (viele davon werden sie auch auch, trotz jahrelanger Treue, nicht mehr wählen).
    Das Problem ist nur, dass in einer neuerlichen grossen Koalition KEINERLEI Chancen bestehen, anderes umzusetzen (einem tatsächlich unabhängigen ORF, um nur ein Beispiel zu nennen).
    Daher sind ALLE Diskussionen Faymann Spindelegger sinnlose Spiegelfechtereien.
    Allein eine Koalition rechts der Mitte hätte, in manchen(!) Bereichen eine Chance.

    Nicht sehr kluge Strategie der Lemming Partei ÖVP……

  4. Thomas Holzer

    @Nattl
    aber ehrlich: wofür brauchen wir 9 Bauordnungen, 9 Jugendschutzgesetze etc. etc.
    Die Bundesländer sollen meinetwegen durchaus bestehen bleiben; aber diese aufgeblähten
    Landtage mit den ganzen Witzparlamenten und deren Angestellten, die z.B. stundenlang über
    “Sackerl und Gackerl” diskutieren, sind mehr als obsolet

  5. Christian Peter

    Eines sollte jeder Bürger bedenken : Wer am 29.9. eine gültige Stimme abgibt, stimmt nicht für Freiheit, Demokratie oder Recht, sondern für den P A R T E I E N S T A A T.

  6. Christian Peter

    Finde es fatal, einfach irgendwo ein Kreuzerl zu machen, wenn man nicht zu 100 % von einer Partei bzw. dem politischen System überzeugt ist. Man sollte nicht vergessen : Diese Parteien machen die Demokratie kaputt.

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